Falsch: „Wenn ich schon so viel ausgebe, muss sich das auch lohnen!“

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Denkst Du Dir manchmal: „Na, wenn das so teuer ist, dann muss sich das aber auch richtig lohnen“?

Wir gehen heute mal der Sache auf den Grund, warum es sich bei solchen Annahmen um destruktive Denkweisen handelt und es keinen Sinn macht, höhere Erwartungen zu haben – nur, weil man mehr bezahlt.

Das erste Mal als ich privat richtig viel Kohle für etwas ausgegeben habe, sind meine Erwartungen an die gekaufte Erfahrung ins Unermessliche gestiegen.

Dabei handelte es sich um eine Art Coaching für Persönlichkeitsentwicklung und Business. Gekostet hat der Spaß 5.000€.

Ich habe vorher noch nie ansatzweise so viel für etwas ausgegeben, das nur für mich war. Die Erwartungen waren, dass ich meine Ziele erreiche und das Coaching wirklich sehr viel bringt.

Und ja, das Coaching war nicht schlecht, aber ich hatte auch keine großen Aha-Erlebnisse.

Lag das am Coaching? – Vielleicht.

Es lag aber sicherlich zu großem Teil an mir, denn ich bin mit hohen Erwartungen reingegangen und konnte mich dem Prozess nicht vollkommen hingeben. Ich war nicht offen genug für eine größere Veränderung, sondern habe oft nach Fehlern gesucht, warum es doch keine gute Idee war, so viel Geld auszugeben.

Trotzdem bin ich froh, dass ich es gemacht habe und bereue es keineswegs – auch, wenn ich mir mehr erhofft hatte.

Gelernt hab ich auch, dass es überhaupt keinen Sinn macht, hohe oder höhere Erwartungen zu haben, nur, weil ich viel bezahle.

Glück = Realität – Erwartungen, sagt man ja gerne und es ist wahr!

Generell kann man schlussfolgern: Wo Erwartungen sind, ist die Enttäuschung nicht weit.

Logisch, oder? Wenn ich keine Erwartungen habe, kann ich auch nicht enttäuscht werden.

Mit einer höheren Investition sollten die Erwartungen nicht steigen

Wenn ich mehr Geld für etwas ausgebe, kann die Erfahrung besser werden oder eben auch schlechter, neutral oder einfach anders sein.

Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit für eine bessere Erfahrung höher, aber man weiß es nicht.

Was ich aber weiß:

Wenn ich davon ausgehe, dass meine Erfahrung besser wird, wenn ich mehr Geld ausgebe, setze ich die Latte sehr hoch (= hohe Erwartungen) und die Gefahr steigt, dass ich enttäuscht werde.

Oder ich bin ein ewiger Billigheimer und kaufe immer das Günstigste, um keine zu großen Enttäuschungen zu erleben. Dabei entgehen mir bessere Lösungen, die vielleicht teurer sind.

Es kann auch passieren, dass ich aus Angst vor der Enttäuschung gar nicht erst handle.

Hinzu kommt, dass ich bei hohen Erwartungen – kombiniert mit einer hohen Investition – tendenziell die Fehler-Brille aufsetze: Ich schaue ganz genau, ob meine Erfahrung wirklich eine bessere ist und ob „es“ sich gelohnt hat.

Somit geht mir von vornherein in einem gewissen Maße meine Offenheit und die Fähigkeit flöten, positive Dinge zu sehen. Die Offenheit wäre aber notwendig, damit die Erfahrung überhaupt eine gute oder bessere werden kann.

Denn wie soll ich die positiven Dinge sehen, wenn ich nach den negativen suche?

Mit hohen Erwartungen sinkt die Wahrscheinlichkeit der Erfüllung

Habe ich hohe Erwartungen mit Blick auf ein Erlebnis, wird auch die Wahrscheinlichkeit geringer, dass die Erwartungen erfüllt werden – das hatten wir ja schon.

Die Wahrscheinlichkeit, dass meine Erwartungen übertroffen werden, wird sogar noch kleiner.

Und damit sinkt auch die Möglichkeit, Aha- oder Wow-Effekte zu erleben. Die können nämlich nur dann kommen, wenn meine Erwartungen übertroffen werden.

Die Wahrscheinlichkeit für ein positives Erlebnis sinkt also beträchtlich.

Gebe ich viel Geld für etwas aus, bekomme ich aufgrund des eben beschriebenen Prozesses mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein neutrales bis schlechtes Erlebnis.

Meine Schlussfolgerung könnte dann sein: Mehr auszugeben lohnt sich nicht! Und man rutscht in eine Abwärtsspirale.

So landet man schnell in einem Mangeldenken (Scarcity Mindset) und achtet fortan immer sehr genau darauf, ja keinen Fehler zu machen (also bloß nicht zu viel auszugeben etc.).

Erwartungen zu haben ist nicht das Problem, sondern an deren Erfüllung zu glauben

Erwartungen sind laut Wörterbuch eine „vorausschauende Vermutung, Annahme, Hoffnung“.

Wenn man es demnach genau nimmt, könnte man sagen:

Erwartungen zu haben ist prinzipiell in Ordnung und auch sinnvoll. Ich darf aber nicht fest davon ausgehen, dass sich die Erwartung auch erfüllt.

Es ist sinnvoll zu erwarten, dass mein Auto bremst, wenn ich auf die Bremse trete. Aber ich darf nicht fest davon ausgehen, dass sich das auch erfüllt.

Umgangssprachlich meinen wir mit Erwartungen haben aber in der Regel auch, dass wir von der Erfüllung ausgehen.

Woher weiß ich, dass die eigenen Erwartungen zu hoch sind?

Wenn ich Erwartungen habe, sind sie bereits zu hoch 😉

Aber ja, wir wissen, dass Erwartungen zu unterbinden einfacher gesagt ist als getan.

Generell sollte ich an jedes Ereignis mit so wenig Erwartungen wie möglich rangehen. Dann bin ich maximal offen für die Erfahrung, die kommen kann. Das Erlebnis kann sich frei entfalten und ich kann mich flexibel an die Geschehnisse anpassen.

Ich habe das maximale Potenzial, angenehm überrascht zu werden. Ich kann alles aufnehmen und die Erfahrung einfach zu einer positiven oder im mindesten neutralen machen.

Aber wie habe ich denn weniger Erwartungen, die sind ja einfach in einem drin, oder?

Joa, zu Anfang sicherlich, aber man kann sich das auch abtrainieren.

Du musst achtsam sein, wenn Du in die Falle der zu hohen Erwartungen trittst und anschließend alles analysieren. Dann machst Du Dir bewusst, dass Du Deine Erwartungen steuern kannst. Beim nächsten Mal versuchst Du es besser zu machen.

Ab sofort weißt Du: Jedes Mal, wenn Du wegen irgendetwas enttäuscht bist, bist Du in die Falle getappt – ganz einfach.

Das bessere Mindset

Das richtige Mindset für unsere Geld-Geschichte wäre also: Viel Geld auszugeben kann sich lohnen. Es ist aber auch ok, wenn es das nicht tut.

Das falsche Mindset: „Wenn ich so viel ausgebe, muss sich das auch lohnen.“

Du wirst das Ganze sicherlich schon mal im Partykontext oder ähnlichem erlebt haben.

Hast Du hohe Erwartungen wirst Du eher enttäuscht: „Das wird DIE Party des Jahres! Alle coolen Leute kommen, das wird auf jeden Fall der Hammer!“ = sehr hohe Erwartungen

War Deine Einstellung aber genau das Gegenteil: „Na, mal sehen was das wird. Eigentlich habe ich gar keine Lust da hinzugehen.“ = wenig bis keine Erwartungen.

Dann war der Abend verückterweise oft außerordentlich gut.

Und Du denkst Dir: „Oh, ich habe gar nicht erwartet, dass es so toll wird.“

Der Satz sagt alles 🙂

Natürlich heißt das im Umkehrschluss nicht, dass Du alles über Dich ergehen lassen musst.

Zahlst Du für eine Leistung und sie wird nicht wie versprochen erbracht, solltest Du Dich definitiv beschweren. Hat Dir die Leistung nicht viel gebracht, obwohl Du offen an die Sache rangegangen bist, kannst Du auch das als Feedback geben.

Frage Dich also immer für Dich selbst, welchen Teil Du mit Deinen Erwartungen zur Situation beigetragen hast.

Verfasst von Martin Eckardt
Veröffentlichung: 24. März, 2022
LETZTE AKTUALISIERUNG: 06. April, 2022
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