ETF, Krypto, Gold: Wo ist unser Geld noch sinnvoll angelegt? (überraschende Erkenntnis)

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Wo ist unser Geld 2026 noch sinnvoll angelegt? In ETFs, Krypto oder Gold?

Gabi hat uns hierzu eine Frage gestellt und wenn Du auch eine Frage an uns hast: Hier kannst Du sie einreichen.

„Alles was in eurem Webinar (zu ETFs) gesagt wird, hört sich sehr gut an, und das ist mir grundsätzlich durchaus sympathisch. Gleichzeitig höre ich mir momentan sehr viel auf YouTube an, auch über Goldinvestment und Krypto, und jede Sparte für sich wirkt stimmig und spricht wiederum den anderen Sparten entgegen.

Und macht mich leider gerade immer konfuser. Dadurch fällt es mir unheimlich schwer, mich zu entscheiden. Anscheinend hast du noch genügend Vertrauen, oder geht ihr damit real um und bietet auch dafür Lösungen? Gabi“

Erstmal: Deine Verwirrung ist völlig nachvollziehbar. Sogar kaum umgehbar, wenn Du zum Beispiel auf YouTube unterwegs bist und Dir Finanz-Content reinziehst. Dann kommt fast immer das Gefühl auf: Jeder Experte klingt überzeugend – bis Du den nächsten hörst.

  • Gold-Gurus versprechen „sicheren Schutz vor Inflation und Währungs-Crashs“. Sie sagen: Wenn der Euro oder Dollar zusammenbricht, ist nur Gold noch etwas wert. Außerdem erzählen sie gern, dass Gold seit 6.000 Jahren seinen Wert behält.
  • Krypto-Enthusiasten versprechen Unabhängigkeit vom Staat und Notenbanken, Schutz vor Inflation, weil ja zumindest Bitcoin nicht beliebig vermehrbar ist, und riesige Renditechancen. Und ganz nebenbei eine „Revolution des Geldsystems“.
  • ETF-Verfechter (wie wir) erzählen von 120 Jahren Börsengeschichte und dass langfristiger Vermögensaufbau damit sehr sicher gelingt.

Und alle haben scheinbar recht.

Genau, warum klingt denn jede Anlage-Strategie für sich genommen stimmig?

Also erstmal: Im Moment gewinnt einfach jeder, der investiert, da wir uns in einem Bullenmarkt befinden und die Kurse allgemein steigen. Jeder hält sich für den besten Investor, obwohl einfach Aktien, Krypto und Gold die ganze Zeit steigen! Manchmal ändern sich Dinge ja ganz schnell, aber zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ist es auf jeden Fall noch so. Ganz deutlich: Die letzten Jahre liefen einfach krass, sodass selbst die größten Vollidioten Gewinne machen konnten.

Aber mal zu den einzelnen Anlageklassen: Jede Gruppe zeigt ja nur einen Ausschnitt der Wahrheit – und verschweigt den Rest. Genau das macht es so verwirrend.

Gold-Befürworter zeigen, dass Gold in Krisen und bei sehr hoher Inflation manchmal gestiegen ist und sich lange gehalten hat. Sie kritisieren bei Aktien die Schwankungen und bei unserem Geldsystem die ständige „Entwertung“ durch Inflation. Verschweigen aber: Gold schwankt selbst extrem stark im Wert und bringt auf lange Sicht viel weniger Rendite als Aktien. Zwischen 1975 und März 2024 (49,25 Jahre) lag die reale Rendite bei 1,4% pro Jahr. Das heißt: Langfristig ist die Rendite sehr schwach, nur die jüngste Rally lässt es besser aussehen. Das ist das, was alle auf YouTube zeigen, wie immer der recency bias, weil Gold seit 2024 so stark gestiegen ist.

Aber das sind ja noch nicht mal zwei Jahre! Keine Aussagekraft, gerade halt extrem teuer. Im Gegensatz dazu gab es teilweise über Jahrzehnte reale Verluste, zum Beispiel von 1983 bis 2005 sowohl nominal als auch real. Das sind 22 Jahre!

Krypto-Fans zeigen die enormen Kursgewinne seit Einführung und dass sich die Kurse oft anders entwickeln als bei Aktien, also ein guter Ausgleich sein können, wenn die Aktien in den Keller rauschen. Klingt super – aber die Preise schwanken viel heftiger, ungefähr sechsmal so stark wie die von Aktien. Das muss man erstmal aushalten können! Und weil es Krypto noch nicht so lange gibt, fehlen uns verlässliche Daten, aus denen wir grob Erwartungen für die Zukunft ableiten können.

Übrigens: Theoretisch wäre die langfristige Rendite fast bei 0 %, weil Krypto – genau wie Gold oder Währungen wie Euro und Dollar – nichts erzeugt. Kurz erklärt: Aktien bringen Rendite, weil Unternehmen Gewinne erwirtschaften, Dividenden zahlen oder reinvestieren: es „kommt von selbst etwas dazu“. Anleihen bringen Rendite, weil sie Zinsen zahlen. Gold und Krypto tun das nicht, sie erzeugen keine laufenden Erträge. Der einzige Weg, Geld zu verdienen, ist, sie später teurer zu verkaufen. Deshalb sagen Ökonomen: Langfristig läge die erwartbare Rendite nahe 0 % – außer die Nachfrage steigt dauerhaft (was aber Spekulation ist).

Was ich persönlich schade finde: Das Thema ist oft sehr emotional aufgeladen. Viele argumentieren dabei nicht sachlich, sondern fast wie in einer Glaubensfrage. Obwohl wir selbst Fans der Blockchain-Technologie sind und dem „dezentralen“ Gedanken (also freier Zugang für alle), nervt diese kultartige Argumentation.

Wir wünschen uns auch, dass ganz viel davon Wahrheit wird, was die Kryptofans sagen, aber leider eher Wunschdenken:

„Krypto ersetzt das Bankensystem“. Das Versprechen lautet: Jeder Mensch, egal ob in Berlin oder in einem abgelegenen Dorf ohne Bankfiliale, kann mit Krypto frei am globalen Finanzsystem teilnehmen – ohne Banken und Behörden dazwischen, ohne Gebühren, ohne Abhängigkeit von Staaten. Das ist die große Freiheits-Idee. Die Realität sieht jedoch so aus: In der Praxis handeln fast alle über zentrale Handelsplattformen wie Binance oder Coinbase, weil die direkte Nutzung von Krypto für die meisten zu kompliziert und unpraktisch ist. Diese Plattformen sind private Unternehmen, also keine neutralen oder staatlich kontrollierten Stellen. Das bringt eigene Risiken mit sich – bis hin zu Skandalen wie der Pleite von FTX: Dort haben die Gründer Kundengelder veruntreut, riesige Löcher in der Bilanz versteckt, und am Ende mussten Millionen Anleger ihr Geld komplett abschreiben. Fazit: Aus dem Traum der völligen Unabhängigkeit wird oft eine neue Abhängigkeit – nur mit weniger Schutz als im klassischen Bankensystem.

„Blockchain revolutioniert alles“. Die Behauptung lautet: Mit der Technik hinter Krypto soll künftig alles, was heute über Notare, Banken oder Behörden läuft, direkt auf der Blockchain abgewickelt werden – von Immobilien über Aktien bis hin zu Kunstwerken. Schneller, günstiger und ohne Mittelsmänner. Wäre ja fantastisch! Aber die Realität: Es gibt zwar viele Testprojekte, doch im Alltag funktioniert davon fast nichts. Die meisten Anwendungsfälle sind Nischen und stecken seit Jahren in der Probephase. Das heißt nicht, dass das nicht noch werden kann, aber bis der Staat da seine Kontrolle abgibt… weiß nicht, ob wir das noch erleben werden.

ETF-Experten (inklusive uns) zeigen jahrzehntelange Börsenentwicklung und dass man langfristig immer Gewinne gemacht hat mit globalen Aktien, also 5-6% nach Inflation, und wie man Risiko massiv senken kann durch Diversifikation. Aber es gibt natürlich keine Garantie für die Zukunft!

Und natürlich gibt es auch Situationen, in denen man NICHT in ETFs investieren sollte. Schau Dir auch gerne mal das Video „Wer sollte NICHT in ETFs investieren?“ an.

Jetzt könnte man sagen: „Okay, aber wenn alle nur einen Teil der Wahrheit erzählen – woher weiß ich dann, was richtig ist?“

Wie finden wir die richtige Lösung?

Zuallererst würde ich mal auf den Ton achten: Viele machen sehr dramatische Videos, Angst und Gier zu wecken verkauft sich besser als Fakten. ‚System-Kollaps‘ oder ‚Rallye nicht verpassen‘ klingt aufregender als ‚Aktien schwanken, langfristig geht’s hoch‘. Unser Gehirn springt auf Gefahrenszenarien viel stärker an – auch wenn sie extrem unwahrscheinlich sind. Um Verwirrung loszuwerden, sollten wir Fakten von Narrativen trennen. Narrativ: „Gold ist die sicherste Anlage überhaupt“, Fakt: super schlechtes Risiko-Rendite-Verhältnis, Schwankung ist ja DIE Risikokennzahl. Narrativ: „Krypto macht reich“, Fakt: Krypto ist extrem volatil, keine lange, belastbare Historie. Narrativ: „Aktienmarkt bricht bald zusammen“, Fakt: Aktienmärkte wachsen seit über 120 Jahren. „Diesmal bricht alles zusammen“ wird immer wiederholt, aber hat sich bislang nicht bewahrheitet.

Also, will ich an etwas glauben? Oder lieber schauen, was sich aus den Fakten ableiten lässt?

Bei globalen ETFs ist die einzige Glaubensfrage, ob wir langfristig Wertschöpfung haben. Unabhängig vom Geldsystem etc.

Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr hoch, denn Menschen erfinden Lösungen, während Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit regelmäßig unterschätzt werden, siehe „Killt der demographische Wandel ETFs?“. Die gefährlichsten Wörter an der Börse: „This time is different“, also “dieses Mal ist es anders”. Warum sollte es jetzt anders laufen als in den letzten 120 Jahren? Da war es oft viel schlimmer alles.

Und ja, irgendwann gibt es wieder einen Crash – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Aber bislang gab es langfristig IMMER eine Erholung und ordentliche Gewinne.

Also, das Risiko eines System-Kollaps ist deutlich kleiner als das Risiko des Kaufkraftverlusts durch Nichtstun oder Verzocken.

Viele sind gleichzeitig ängstlich (CRASH!) und gierig (maximale Rendite) – aber kaum jemand achtet auf Opportunitätskosten (abwarten/ Zinseszins) und das Risiko-Rendite-Verhältnis. Dabei sind genau das die entscheidenden Punkte, ob wir SEHR WAHRSCHEINLICH wohlhabend werden oder nicht! Das Verzocken ist klar: Wenn ich das Risiko für krasse Verluste oder Totalverluste habe, ist es einfach nicht klug, dieses einzugehen, es geht hier ja nicht um Spielgeld.

Aber zum Thema Opportunitätskosten, das ist etwas erklärungsbedürftiger: Legen wir 30 Jahre lang jeden Monat nur 100 Euro in ein globales ETF-Portfolio an, kommt da (mit Blick auf historische Durchschnittsdaten) ein Vermögen von rund 122.000 Euro bei rum – und zwar netto, d.h. die Steuern und Kosten, die wir zahlen müssen, sind bereits abgezogen! Legen wir nur ein Jahr kürzer an, also 29 Jahre insgesamt, sind es schätzungsweise 112.000 Euro an Vermögen. Ein Jahr später anfangen kostet uns also fast 10.000 Euro! Bei einer monatlichen Sparrate von 300 Euro wären es sogar fast 29.000 Euro, die das letzte Jahr ausmachen! Also abwarten ist einfach eine super teure Geschichte.

Ok, mit Aktien-ETFs können wir Risiko massiv reduzieren und sollten am besten gestern starten, aber: Sollten wir wirklich nur in Aktien-ETFs investieren?

Nö, das muss auch nicht sein! Bzw. ist auch gar nicht unbedingt schlau: Aktien-ETFs als Basis. Gegebenenfalls Tagesgeld/Staatsanleihen als Sicherheitsbaustein, Liquidität (super wichtig Richtung Rente). Optional Gold (5-10%) als Kriseninvestment, wenn man da Sorge hat. Optional Krypto (max. 5%), also beide zusammen max 10%.

Wir haben so 4% vom Portfolio in Krypto, aber kein Gold, weil wir da persönlich keinen Nutzen drin sehen, weil wir nicht an die nächste Megakatastrophe glauben. Krypto hingegen finde ich gut, als Zahlungsmittel, das völlig unabhängig funktioniert.

Aber das zähle ich nicht in meine Altersvorsorge rein, das ist wirklich reines Spielgeld und wenn das weg ist, ist auch egal.

Also für uns quasi ganz anderer Nutzen und Grund, nicht als Investment für meine Altersvorsorge.

Wie kann man jetzt also der Verwirrung Herr werden?

Erstmal: Bücher lesen und keine News oder YouTube-Videos, die sich mit dem aktuellen Geschehen befassen. Darauf achten, dass auch hier evidenzbasiert gearbeitet wird. Fokus auf wissenschaftlich belegte Daten, nicht auf Vorhersagen oder Wunschdenken legen. Fazit aus all dem, was wir so wissen: Beste Strategie für die meisten: breit gestreute ETFs, regelmäßig besparen, langfristig halten.

Aber: 10-15 Jahre schlechte Phase möglich, deshalb nur Geld investieren, das wir nicht brauchen. Gegebenenfalls risikoarme Anlagen beimischen. Gegebenenfalls Krypto und Gold beimischen, aber wissen, warum. Market Timing vergessen, bester Zeitpunkt war gestern, zweitbester heute, aus Angst nichts machen kostet wahnsinnig viel Geld, hatten wir ja.

Aber auch mit ETFs kannst Du Fehler machen. Genauer gesagt, VERLIEREN sogar die meisten Anleger in Deutschland mit ihrer ETF-Anlage Geld. Warum das so ist und wie Du diese Fehler vermeidest, darum geht es in der Folge „Studie: ETF-Fehler mit denen Du Dein Geld VERLIERST“. Hör oder schau sie Dir mal an.


Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 24. November 2025
LETZTE AKTUALISIERUNG: 05. Februar 2026
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