Wenn Du plötzlich eine größere Summe hast, zum Beispiel durch Erbe, Bonus, Abfindung oder Hausverkauf, stellst Du Dir bestimmt auch die Frage: Soll ich alles auf einmal investieren? Oder lieber Stück für Stück über einen Sparplan verteilen? Die Antwort darauf ist gar nicht so leicht, denn es gibt eine rationale Seite und eine emotionale. Schauen wir erstmal auf die rationale.
Einmalanlage vs. Sparplan: Was zeigen die Studien?
Gerd Kommer hat das Ganze mit echten Marktdaten aus fast 100 Jahren durchgerechnet. Für jeden einzelnen Monat seit 1926 hat er sich angeschaut, wie sich eine Investition von 100.000 Euro entwickelt hätte, einmal sofort auf einen Schlag und einmal langsam über drei Jahre verteilt. Das Ergebnis: In fast drei von vier Fällen war die Variante „alles auf einmal“ am Ende erfolgreicher.
Im Schnitt blieben nach drei Jahren sogar über 11 % mehr Vermögen übrig. Damit ist klar: Die Einmalanlage schneidet in den meisten Fällen besser ab als das gestückelte Einsteigen.
Warum ist die Einmalanlage meistens besser?
Aktien haben immer eine positive Renditeerwartung, egal ob sie gerade gefallen oder gestiegen sind. Das liegt einfach daran: Wenn im Schnitt 8 % Rendite erzielt wird, dann geht es von der Wahrscheinlichkeit her eher nach oben als nach unten. Selbst bei einem Allzeithoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Kurse noch weiter steigen. Zu diesem Thema gibt es immer viele Missverständnisse.
Jeder Tag, an dem Du nicht investiert bist, ist ein Tag, an dem Du mit hoher Wahrscheinlichkeit Rendite verpasst. Und weil niemand zuverlässig sagen kann, wann die Kurse steigen oder fallen, ist Abwarten meistens ein Verlustgeschäft. Denn die Kurse steigen öfter, als sie fallen.
Was bedeutet „Time in the market beats timing the market“?
Nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt zählt, sondern dass Du überhaupt investiert bist. Der Zinseszinseffekt braucht Zeit. Je früher Dein Geld arbeitet, desto mehr kann es sich vermehren. Jeder Tag, an dem Du nicht investiert bist, ist quasi ein verschenkter Tag.
Was ist, wenn ich direkt nach dem Einstieg Verluste mache?
Genau da kommt die emotionale Seite ins Spiel. Stell Dir vor, Du investierst Deine ganze Summe und ein paar Wochen später crasht der Markt um 30 oder 40 %. Das fühlt sich schrecklich an. Rational gesehen wäre es kein Problem, denn historisch haben sich Märkte immer erholt.
Aber: Gefühle folgen leider nicht der Statistik. Verluste tun uns emotional viel mehr weh als Gewinne uns freuen. Das nennt man Loss Aversion, also Verlustaversion. Und das gilt eben auch für Buchverluste, wenn wir also in ein rotes Depot schauen.
Wann ist ein gestaffelter Einstieg über einen Sparplan sinnvoller?
Wenn Du weißt, dass Dich ein Crash direkt nach der Investition einer großen Summe um den Schlaf bringen würde, dann ist ein gestreckter Einstieg oft sinnvoller. Das gilt nicht wegen der Rendite, sondern wegen Deines Wohlbefindens. Es geht dabei auch nicht darum, aus Angst zu warten, sondern einen klaren Plan zu haben. Du könntest Dir beispielsweise vornehmen: „Ich investiere regelmäßig, zum Beispiel über 12 oder 24 Monate, einfach damit ich mich besser damit fühle.“ Diese Methode heißt Phasen- oder Trancheninvestment.
Sie hilft vielen, dran zu bleiben, auch wenn es zwischendurch mal turbulent zugeht. Denn auch wenn alles auf einmal zu investieren besser wäre: Was bringt Dir die rechnerisch beste Strategie, wenn Du bei der ersten Krise panisch alles verkaufst?
Ist der Einstiegszeitpunkt wirklich egal?
Nicht ganz: Auch nach 20 oder 30 Jahren macht es noch einen Unterschied, wann Du eingestiegen bist. Das heißt: Auch langfristig kann der Einstiegszeitpunkt den Endbetrag spürbar beeinflussen.
Sollte man also auf den nächsten Crash warten?
Das klingt total clever: „Ich warte einfach, bis der Markt mal wieder richtig fällt, und steige dann ein.“ Das Problem dabei: Niemand weiß, wann dieser Moment kommt. Oder wie tief es noch fällt. Und in der Zwischenzeit verpasst Du oft jahrelange Kursgewinne.
Denn wie bereits erwähnt ist es aufgrund der positiven Renditeerwartung deutlich wahrscheinlicher, dass die Kurse steigen. Studien zeigen immer wieder: Wer versucht, den besten Moment abzupassen, schneidet deutlich schlechter ab als jemand, der einfach stumpf investiert.
Daher gilt: Besser jetzt loslegen als lange warten, denn Warten ist fast immer die schlechteste Wahl. Und wann Warten besser gewesen wäre, weißt Du erst hinterher.
Was ist mit dem Cost-Average-Effekt?
Das Argument hört man oft, gerne übrigens von Versicherungsmaklern: „Wenn ich regelmäßig investiere, kaufe ich mal teuer, mal billig und habe am Ende einen guten Durchschnittspreis.“ Klingt super. Ist aber leider ein Mythos. Der sogenannte „Cost-Average-Effekt“ ist wissenschaftlich in zahlreichen Studien als Denkfehler enttarnt worden. In der Realität bringt er keinen systematischen Renditevorteil gegenüber der Einmalanlage, und zwar aus den eben genannten Gründen.
Fazit: Was ist jetzt besser?
Wenn Du rein rational entscheiden willst, dann spricht alles für die Einmalanlage. Sie hat die höchste erwartete Rendite, egal wie sich der Markt zuvor verhalten hat. Wenn Du aber weißt, dass Du ruhiger schläfst, wenn Du gestreckt einsteigst, dann mach das so! Lieber über 6, 12 oder 24 Monate investieren als gar nicht oder als in einer Krise wieder alles zu verkaufen.
Was Du vermeiden solltest: Monatelanges Zögern, weil Du auf ein besseres Timing hoffst. Dann passiert oft folgendes: Man macht gar nichts. Man wartet auf den perfekten Moment, der nie kommt.
Denn gefühlt ist immer ein schlechter Zeitpunkt: entweder weil alles zu teuer ist und die Märkte heißgelaufen sind, oder weil es sich so anfühlt, als ginge jetzt alles den Bach runter. Dann warten Leute immer lieber erstmal ab, bis sich „alles beruhigt hat“. Was ebenfalls nicht hilfreich ist.
Und plötzlich sind Jahre vergangen. Das Geld liegt immer noch auf dem Girokonto und wird von der Inflation aufgefressen.
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Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
