Gerade liest und hört man überall Prognosen, dass der Dollar weiter fallen soll und der Euro stärker wird. Deswegen könnte es doch Sinn machen, sich gegen Währungsrisiken abzusichern.
Dazu haben wir eine Frage von Sven bekommen und die gehen wir mal schrittweise durch:
Hallo Zusammen, ich habe einen Sparplan auf den iShares Core MSCI World ETF. Dieser ist nicht abgesichert gegen Währungsrisiken. Sollte man besser in den iShares MSCI World EUR Hedged ETF investieren, um das Währungsrisiko zu eliminieren?
Was ist ein hedged ETF und wie funktioniert die Währungsabsicherung?
Ein globaler ETF beinhaltet Wertpapiere in verschiedenen Währungen. Ist ein ETF in Euro aufgelegt und abgesichert (also hedged), soll der Wechselkurs den Euro-Wert des ETFs nicht mehr beeinflussen. Das funktioniert folgendermaßen: Der ETF sichert den Wechselkurs über Verträge ab, die zum Beispiel den Dollar für Dich „festnageln“. Schwankt der Kurs in der Realität, gleicht die Absicherung das aus. Wenn der Dollar zum Beispiel schwächer wird, werden Deine US-Aktien in Euro eigentlich automatisch weniger wert. Ein Hedge verhindert genau das, denn er glättet diesen Wechselkurseffekt komplett. Du siehst ihn also im ETF nicht mehr.
Warum Währungsabsicherung bei ETFs nur Pseudo-Sicherheit bietet
Das klingt auf den ersten Blick nach einer guten Sache, ist es aber leider nicht. Denn es handelt sich nur um eine Pseudo-Absicherung: Innerhalb eines MSCI World-ETFs sind insbesondere Unternehmen, die am globalen Markt tätig sind. Auf sie wirken täglich diverse Wechselkursschwankungen ein. Der ETF sichert aber nur die Währungen ab, in denen die Aktien an der Börse notiert sind. Das ist theoretisch schwer zu verstehen, daher schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Apple verkauft iPhones überall auf der Welt: In den USA in Dollar, in Europa in Euro, in China in Yuan, in Großbritannien in Pfund. Gleichzeitig produziert das Unternehmen große Teile in China, Vietnam oder Südkorea, also in völlig anderen Währungsräumen.
Wenn jetzt zum Beispiel der chinesische Yuan fällt, passiert gleichzeitig Folgendes: Für Apple werden Bauteile und die Fertigung in China günstiger, was erstmal gut für die Marge ist. Gleichzeitig werden iPhones für chinesische Kunden teurer, sodass die Nachfrage sinken kann.
Und jetzt kommt die Lieferkette ins Spiel: Wenn der Yuan fällt, steigen für manche Zulieferer die Kosten für ihre eigenen Importe, etwa für Rohstoffe. Um das auszugleichen, erhöhen die Zulieferer ihre Preise wieder, und damit verpufft Apples Vorteil. Der Effekt dreht sich also. Analysten schauen sich all diese gegenläufigen Entwicklungen an und bewerten Apples Gewinnaussichten neu.
Falls Dir jetzt ganz schwindelig ist, setze ich noch einen drauf: Das alles passiert parallel, andauernd und in mehreren Währungen gleichzeitig. Ein hedged ETF kann all das aber gar nicht absichern! Er kann nur den Dollar-Euro-Wechselkurs glattziehen, weil Apple nun mal in den USA an der Börse gelistet ist. Aber Apple ist weltweit tätig, in Yuan, Euro, Pfund und vielen anderen Währungen. Diese operativen Schwankungen beeinflussen den Aktienkurs. Das ist der entscheidende Punkt! Und genau das kann niemand absichern.
Weiter mit Svens Fragen:
Verliere ich durch das Hedging an Rendite? Falls ja, in welcher Größenordnung?
Langfristig verlierst Du durch Hedging eher keine Rendite im Sinne von „Du bekommst weniger raus“. Hedging nimmt Dir einfach den Dollar-Effekt weg: Wenn der Dollar steigt, verpasst Du die zusätzlichen Gewinne. Wenn der Dollar fällt, schützt Dich der Hedge vor Verlusten. Über viele Jahre gleicht sich das meistens fast komplett aus. Früher hatten gehedgte ETFs eine höhere TER, heute nicht mehr. Es bringt Dir aber keinen verlässlichen Renditevorteil. Im Gegenteil: Du machst alles nur komplizierter, ohne mehr Ertrag zu bekommen. Was Du durch Hedging auch nicht bekommst, ist echte Sicherheit, denn das eigentliche Währungsrisiko steckt im weltweiten Geschäft der Unternehmen, wie wir gerade gesehen haben, und das kann kein ETF der Welt absichern.
Jetzt fragt Sven noch:
Und falls ich nicht den ETF wechsle (also nicht hedge), würde ich dann einen Teil der Rendite verlieren, falls der US-Dollar gegenüber dem Euro an Wert verliert? Und die Rendite vergrößert sich, falls der US-Dollar gegenüber dem Euro an Wert gewinnt?
Was passiert denn, wenn sich der Wechselkurs ändert? Wenn der Dollar fällt, sind Deine US-Aktien in Euro weniger wert. Aber wenn der Dollar steigt, profitierst Du entsprechend. Ein Wechselkurs-Risiko ist ja auch gleichzeitig eine Chance! Und keiner kann ansatzweise vorhersagen, wie sich Wechselkurse langfristig entwickeln!
Muss man sein ETF-Portfolio gegen Währungsrisiken absichern?
Beim langfristigen Vermögensaufbau mit einem breit diversifizierten Weltportfolio gleichen sich Währungsschwankungen in der Regel von selbst wieder aus. Du investierst ja in Tausende Aktien weltweit und branchenweit gleichzeitig und spekulierst nicht auf die Entwicklung von einzelnen Firmen oder einzelnen Währungen. Das ist das Schöne an globalen ETFs: Du bist automatisch in vielen verschiedenen Währungen investiert, darunter Dollar, Euro, Yen, Pfund und Schweizer Franken. Währungsgesicherte ETFs sind also ziemlicher Quatsch für uns Privatanleger.
Das Ganze ist wieder ein Zeichen von kurzfristigem Denken: Selbst wenn jetzt der Dollar weiter fällt, weiß doch niemand, wann er wieder steigt. Das ist total unmöglich vorherzusagen, wenn ich über 30 Jahre meine Altersvorsorge aufbaue!
Währungsrisiko bei Anleihen: Wann Hedging sinnvoll ist
Bei risikoarmen Anlagen verhält es sich anders, denn hier gilt eine wichtige Ausnahme: Deine risikoarme Anlage sollte kein Wechselkursrisiko enthalten und immer in Deiner Heimatwährung laufen! Wenn Du zum Beispiel Anleihen-ETFs als stabilisierenden Teil Deines Portfolios hast und im Euro-Raum lebst, dann sollten die in Euro sein. Dein Tagesgeld sollte ebenfalls in Euro angelegt sein. Bei Aktien-ETFs ist es aber anders, da macht Hedging keinen Sinn.
Warum der risikoarme Teil in der Heimatwährung sein sollte
Der Grund liegt darin, dass wir hier auch kurzfristig kein Wechselkursrisiko tragen wollen! Es geht ja insbesondere um die Absicherung für schlechte Zeiten, also Krisen, damit wir nicht gezwungen sind, dann aus Aktien zu entnehmen. Wenn jetzt der Wechselkurs gegen Dich läuft, würdest Du im Krisenfall mit Deinen sicheren Anlagen Verluste machen. Genau das soll die risikoarme Anlage ja verhindern. Deshalb muss sie unbedingt in Deiner Heimatwährung sein.
Richtig mit Wechselkursrisiken umgehen: Die Empfehlung für ETF-Anleger
Wir empfehlen grundsätzlich „normale“, ungesicherte Aktien-ETFs für den Aktienteil im Weltportfolio.
Die Absicherung durch gehedgte ETFs ist nur eine Pseudo-Absicherung. Langfristig gleichen sich Währungsschwankungen außerdem aus. Du profitierst ja auch von Währungsgewinnen, wenn der Dollar mal steigt. Die beste Absicherung ist eine langfristige Anlage. Je länger Dein Anlagehorizont, desto mehr gleichen sich Währungsschwankungen gegenseitig aus. Kurzfristig schlagen sie durch, aber über viele Jahre gehen sie fast völlig im allgemeinen Auf und Ab der Weltmärkte unter. Nur bei risikoarmen Anlagen solltest Du auf Deine Heimatwährung achten.
Und wenn Du jetzt schnellstmöglich Durchblick im ETF-Dschungel gewinnen willst, dann schau Dir mal unser kostenloses ETF-Webinar an. Darin zeigen wir Dir, was Du alles wissen solltest, bevor Du in ETFs investierst.
Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
