Heute geht’s um den teuren Denkfehler junger Eltern, getriggert durch eine Frage, die in fast jeder jungen Familie aufkommt: Lohnt es sich überhaupt, dass beide arbeiten gehen? Oder bleibt am Ende so wenig übrig, dass einer besser zu Hause bleibt? Mit genau dieser Frage kam unser Hörer Niklas zu uns. Und er hatte schon eine Zahl ausgerechnet, die ihn ziemlich geschockt hat.
Niklas und seine Frau sind Ende 20 und erwarten ihr erstes Kind. Sie ist im sozialen Bereich tätig, er verdient ganz gut, aber mit Luft nach oben. Nach der Elternzeit würde sie, wenn überhaupt, nur in Teilzeit wieder einsteigen.
Und bevor sie das entscheiden, hat Niklas mal durchgerechnet, was von ihrem Teilzeit-Gehalt am Ende wirklich übrig bleibt, wenn man all die Kosten gegenrechnet, die erst dadurch entstehen, dass sie quasi mit Kind arbeiten geht.
Also solche Dinge wie die zusätzliche Kinderbetreuung und ein zweites Auto. Das Ergebnis sind 4 bis 5 Euro netto die Stunde. Und damit ist die Sache für die beiden fast klar: Für so wenig muss sie doch nicht arbeiten gehen, dann ist sie lieber beim Kind. Und ehrlich, das kann man total nachvollziehen. Für 5 Euro die Stunde steht ja keiner morgens auf.
Wir schauen erstmal, was an dem niedrigen realen Stundenlohn dran ist. Und eins kann ich auch schonmal vorwegnehmen: Der wirklich teure Fehler steckt sowieso an einer ganz anderen Stelle, die in Niklas‘ Rechnung gar nicht vorkommt.
Niklas wollte von uns außerdem noch zwei andere Dinge wissen: ein paar Tipps für die Finanzen als angehende Eltern und wie man die Kinderkosten in den Griff kriegt, wenn die sich so schwer vorhersagen lassen. Beides klären wir. Aber fangen wir mit dem schockierenden Stundenlohn mal an.
Keine Lust zu lesen? Hör Dir unsere Podcastfolge zum Thema an:
Genau, wie kam er denn auf die 5 Euro?
Wichtig vorab: Die 4 bis 5 Euro sind nicht ihr Stundenlohn laut Gehaltszettel, der liegt natürlich deutlich höher, sonst wäre es ja unter Mindestlohn. Sondern das sind die 4 bis 5 Euro, die ganz am Ende pro Stunde übrig bleiben, wenn schon alles abgezogen ist. Niklas hat mit einem Brutto-Netto-Rechner geschaut, was von ihrem Teilzeit-Brutto nach Steuerklasse 5 überhaupt netto ankommt, und davon dann die zusätzliche Betreuung und das zweite Auto abgezogen. So landet man bei diesen 4 bis 5 Euro. Dass einen das erstmal umhaut, ist völlig verständlich.
Aber hier steckt schon der erste Haken, und zwar bei der Steuer.
Denn die Steuerklasse 5 ist gar nicht die Steuer, die am Ende wirklich anfällt. Die Steuerklasse legt nur fest, wie viel der Arbeitgeber schon mal im Voraus vom Lohn einbehält und ans Finanzamt abführt, sozusagen eine Abschlagszahlung übers Jahr.
Und bei der Kombi 3 und 5 wandern fast alle Steuer-Freibeträge zum Besserverdiener, damit der monatlich deutlich weniger Steuer zahlt. Beim Geringverdiener in Klasse 5 bleibt dafür fast kein Freibetrag übrig, und genau deshalb wird dort besonders viel abgezogen. Auf dem Gehaltszettel sieht das Monat für Monat brutal aus.
Wie viel Steuer am Ende wirklich fällig ist, hängt aber gar nicht von der Steuerklasse ab. Das entscheidet sich erst, wenn beide ihre Steuererklärung zusammen machen. Dann verrechnet das Finanzamt den hohen Abzug aus Klasse 5 wieder. Der Klasse-5-Zettel zeigt also nur das schlechteste Zwischenbild, nicht ihr echtes Netto.
Für Niklas‘ Rechnung heißt das: Er ist von einem zu niedrigen Netto gestartet. Der hohe Abzug aus Klasse 5 kommt über die gemeinsame Steuererklärung ja zum großen Teil wieder rein, ihr echtes Netto ist also deutlich höher.
Kleiner Hinweis am Rande, weil’s gerade diskutiert wird: Diese Kombi 3 und 5 steht seit Jahren in der Kritik, gerade weil der monatliche Abzug beim Geringverdiener so unfair hoch aussieht. Es gibt Überlegungen, das abzuschaffen und den Abzug künftig von Anfang an fair auf beide zu verteilen. Für unseren Punkt ändert das aber nichts: Der hohe Abzug in Klasse 5 ist eine Vorauszahlung, die sich über die gemeinsame Steuererklärung wieder ausgleicht, nicht die echte Steuer.
Ok, aber was ist mit dem Rest, also Auto und Kinderbetreuung?
Klar, die Kinderbetreuung und das zweite Auto sind ja echtes Geld, das tatsächlich rausgeht. Aber schauen wir mal, ob diese Kosten überhaupt so stimmen.
Fangen wir bei der Betreuung an. Die teure Vollzeit-Betreuung braucht man vor allem, solange beide arbeiten und das Kind noch klein ist.
Und genau die ist je nach Bundesland inzwischen ganz oder teilweise beitragsfrei, mal komplett, mal nach Einkommen gestaffelt. Mit der Schule verändert sich dann, wie viel bezahlte Betreuung überhaupt nötig ist. Das heißt nicht, dass ein Kind insgesamt billiger wird, dazu kommen wir gleich noch.
Aber genau dieser Betreuungs-Posten in Niklas‘ Rechnung ist kein fester Betrag für die nächsten 20 Jahre.
Und das zweite Auto ist eine Entscheidung, kein Naturgesetz. Vielleicht geht es auch mit einem Auto plus Bahn, Rad und ab und zu Carsharing. Der Punkt ist: Es gehört nicht automatisch in die „Lohnt sich Arbeiten“-Rechnung, als gäbe es gar keine Alternative.
Und jetzt kommt der eigentliche Denkfehler an dieser Stundenlohn-Zahl. Die 4 bis 5 Euro sind die Momentaufnahme von einem einzigen, besonders teuren Jahr. Da kommen drei Dinge auf einmal zusammen: die Steuerklasse, die viel zu viel abzieht, die volle Betreuung und das frisch gekaufte Zweitauto.
Aber ob sie wieder arbeiten geht, entscheidet sie ja nicht für ein Jahr, sondern für viele.
Und über die Zeit wird aus diesem Stundenlohn mehr.
Also der Steuerabzug korrigiert sich, der ist ja nicht richtig, das Auto ist einmal gekauft und wird lange genutzt, und vor allem entwickelt sich ihr Gehalt, und die teure Vollzeit-Betreuung ist nicht für immer nötig. Was eine Stunde ihrer Arbeit wirklich bringt, ist also deutlich mehr als diese 4 bis 5 Euro aus dem teuersten Moment.
Jetzt hatten wir ja am Anfang schon gesagt, dass der teure Denkfehler aber gar nicht in der Stundenlohn-Berechnung steckt…
Genau. Es gibt einen Posten, der in Niklas‘ Rechnung überhaupt nicht auftaucht. Und ausgerechnet der wiegt am schwersten und spricht nochmal mit am stärksten weiter dafür, möglichst viel arbeiten zu gehen.
Wer für viele Jahre komplett aussteigt oder dauerhaft nur ganz wenig arbeitet, baut in dieser Zeit wenig eigene Altersvorsorge auf. Bei der gesetzlichen Rente ist das zum Teil abgefedert: Für die ersten drei Jahre pro Kind gibt es Kindererziehungszeiten, da bekommt man Rentenpunkte gutgeschrieben, egal ob man arbeitet oder nicht. Das ist die sogenannte Mütterrente.
Aber das gilt eben nur für diese ersten Jahre. Wer länger aussteigt, sammelt danach deutlich weniger Punkte.
Und fürs private Investieren gibt es so eine Gutschrift überhaupt nicht. Das Geld, das jetzt nicht angelegt wird, fehlt später sogar doppelt, weil ihm auch all die Jahre Zinseszins fehlen. Der Schneeball-Effekt kommt für dieses Geld gar nicht erst ins Rollen.
Die eigene Rente fällt später dann viel kleiner aus, als sie sein müsste. Über die Jahre wird daraus schnell eine richtig große Lücke. Und dazu kommt ein zweiter, unbequemer Punkt: Man macht sich finanziell ein gutes Stück vom Partner abhängig.
Niklas Frau ist im sozialen Bereich tätig, verdient ohnehin weniger, und sie ist diejenige, die kürzer tritt. Das heißt: Gerade das Elternteil, das sowieso schon die kleinere Rente aufbauen würde wegen dem niedrigeren Gehalt, baut jetzt noch weniger auf.
Vielleicht denkst Du jetzt: „Bei einer Scheidung wird das doch eh geteilt, dann ist das doch egal.“ Das stimmt aber nur zum Teil. Der sogenannte Versorgungsausgleich teilt bei einer Scheidung die Rentenansprüche, die während der Ehe entstanden sind. Das ist ein Auffangnetz, aber kein Vollersatz.
Denn vor allen Dingen die eigene Karriere und das eigene Ersparte, das in der Zeit nicht aufgebaut wurde, holt es nicht zurück! Das wird ja nirgendwo kompensiert.
Und jetzt ganz wichtig, damit das nicht falsch rüberkommt: Wir sagen niemandem, wer wie viel arbeiten soll. Ob ein Elternteil zu Hause bleibt, in Teilzeit geht oder voll arbeitet, ist eine sehr persönliche Entscheidung, und jede davon ist völlig in Ordnung.
Wir machen nur auf den einen Punkt aufmerksam, der in der Stundenlohn-Rechnung komplett fehlt: was das Ganze für die eigene Altersvorsorge bedeutet.
Denn nur, wenn man das weiß, kann man bewusst entscheiden und vor allem gegensteuern.
Und das muss man auch mal sagen: Man braucht auf der anderen Seite auch kein Spitzengehalt, um ordentlich privat vorzusorgen. Wie das auch mit normalen Einkommen geht, zeigen wir Dir in unserem kostenlosen Webinar.
Ok, dann mal zur anderen Frage von Niklas: Wie sollen die beiden denn jetzt gescheit planen, wenn sie nicht wissen können, was ein Kind überhaupt kostet?
Das ist nicht ganz richtig, denn erstmal gibt es Daten dazu. Das Statistische Bundesamt hat in einer älteren Untersuchung über zehntausende Haushalte erhoben, was Familien für ein Kind ausgeben. Finanztip hat diese Zahlen auf heutige Preise hochgerechnet, und die kommen im Schnitt auf rund 1.000 Euro im Monat fürs erste Kind. Wenn man die Inflation über 18 Jahre mit einbezieht, kommt eine Summe zusammen, bei der man kurz schluckt: ungefähr 260.000 Euro. Dazu kommt: Je älter das Kind wird, desto teurer wird es quasi.
Also vom Kleinkind bis zum Teenager geht die Kurve nach oben.
Aber zwei Dinge muss man dazu noch sagen. Erstens sind das Durchschnitte, und die sind nach oben verzerrt: Ein paar Familien mit viel Geld geben richtig viel aus und ziehen den Schnitt hoch. Nach unten gibt es dagegen eine natürliche Grenze. Der typische Haushalt liegt also eher unter den 1.000 Euro.
Und zweitens musst Du nicht jeden Euro genau vorausplanen. Eine realistische Monatsspanne plus Puffer reicht völlig. Der exakte Betrag ist nicht vorhersehbar und ja auch gar nicht notwendig, im Vorfeld zu wissen.
Was aber bleibt, ist klar: Ein Kind ist über zwanzig Jahre ein echter Kostenblock. Darum wollen wir jetzt noch drei Dinge mitgeben, die wir Eltern und angehenden Eltern raten.
Erstens solltest Du den Notgroschen für die Familienphase etwas größer ansetzen. Mit Kind wird das Leben weniger flexibel, und zeitweise fällt oft ein Einkommen weg. Also lieber etwas mehr Puffer auf dem Tagesgeld, als wenn man allein wäre. Das ist logisch.
Zweitens solltet Ihr den eigenen Altersvorsorge-Sparplan einfach weiterlaufen lassen, und zwar automatisch, lieber kleiner als ganz pausiert. Die Versuchung ist groß, in der teuren Phase den Sparplan komplett zu stoppen. Aber lieber von 500 auf 200 Euro runtergehen als auf null. Hauptsache, er läuft weiter und kann wenigstens etwas Zinseszins mitnehmen.
Und drittens gilt: Finger weg von teuren Kinder-Spar- und Versicherungsprodukten. Kaum ist das Kind da, kommen die Angebote: die „Kinderpolice“, das Versprechen „So wird Dein Kind zum Millionär“. Solche Produkte fressen mit ihren hohen Kosten oft genau die Vorteile wieder auf, mit denen sie werben. Ein simpler ETF-Sparplan im eigenen Junior-Depot ist fast immer die bessere Lösung. Dazu haben wir übrigens eine Folge: ETF-Sparplan für Kinder: DAS musst Du beachten.
Aber, und das ist mir ganz wichtig: Deine eigene Altersvorsorge geht immer vor! Wir bekommen super viele Mails von total fürsorglichen Eltern, die selbst kaum zurechtkommen und trotzdem für ihr Kind unbedingt einen Sparplan einrichten wollen. Deinem Kind ist aber mit Abstand am meisten geholfen, wenn Du selbst gut für Dich vorsorgst und genug fürs Alter investierst! Denn das kann sonst für Dein Kind richtig teuer werden.
Also erst selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, dann anderen helfen, Du weißt schon…
Lass das nochmal zusammenfassen, was sollte denn Niklas und andere Eltern mitnehmen?
Also, ein Kind ist teuer, daran gibt’s nichts zu beschönigen, und mit den Jahren wird es eher mehr. Aber einfach nur alle Kosten vom kleineren Gehalt abzuziehen und daran die Arbeitsentscheidung aufzuhängen, ist wirklich falsch.
Denn der Posten, der am Ende am schwersten wiegt, steht in keiner dieser Rechnungen: die eigene Altersvorsorge des Partners, der kürzer tritt. Wer in einer ohnehin teuren Phase auch noch die eigene Vorsorge auf null fährt, zahlt später am meisten drauf.
Deshalb ist unser Rat nicht „arbeite mehr“ oder „bleib zu Hause“. Das entscheidet jeder selbst. Sondern: Entscheidet bewusst, mit Blick auf die Rente von beiden Partnern und auf die nächsten 30 Jahre, statt einfach nur auf den heutigen realen Stundenlohn zu schauen.
Und damit die Sache mit der Altersvorsorge nicht abstrakt bleibt, haben wir einen total praktischen Rentenplaner entwickelt. Damit kann jeder ausrechnen, wie groß die Rentenlücke ist und wie viel Du dafür Monat für Monat in ETFs investieren musst, um sie zu schließen.
Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
