Die Gefahren bei Tagesgeld von Trade Republic, Scalable & Co.

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Viele Broker bieten verzinste Cash-Konten an. Die könnte man quasi anstelle von einem normalen Tagesgeldkonto nutzen. Klingt ja total praktisch, so eine Lösung, wo man alles in einem hat: ETF-Depot UND Tagesgeld.

Aber ist das eine gute Idee? Dazu haben wir eine Frage von Sandra bekommen:

„Hallo! Ich würde gerne wissen, wieso ihr bei der ‚Empfehlung‘ von Raisin bzw. Geldmarkt ETF nicht auch einen Hinweis auf Trade Republic (oder Scalable) gebt. Dort gibt es direkt den EZB Zins und abgesehen von dem aktuellen Angebot bei Raisin war das bisher bei meinem Vergleich immer besser. Oder übersehe ich etwas? Spricht etwas dagegen bzw. gibt es Nachteile, wenn man sein Tagesgeldkonto als Cash-Konto beim Depot nutzt? Natürlich muss man seinen Notgroschen auch als Notgroschen liegen lassen…. Im Voraus vielen Dank für eine Einschätzung! Viele Grüße, Sandra“

Das schauen wir uns jetzt mal genau an, aber noch ganz kurz zur Erklärung, also etwas Kontext für Sandras Frage: Raisin (ehemals Weltsparen)* nutzen wir persönlich seit Jahren fürs Tagesgeld und empfehlen das darum auch.

Wir empfehlen ja immer nur Dinge, die wir auch selbst so machen. Dort hat man auf jeden Fall mit einem Konto Zugriff auf Angebote von über 100 Banken. Dann spart man sich Tagesgeld-Konto-Hopping für den besten Zins, weil man mit nur ein paar Klicks den Vertrag wechseln kann, wenn ein besseres Zins-Angebot reinkommt. Ohne neue Kontoeröffnung, Identverfahren und den ganzen Kram.

Bleibt man hingegen bei der Hausbank, kann man als Bestandskunde nur mit mickrigen Zinsen rechnen, auch in Hochzinsphasen! Das ist natürlich blöd. Sandra spricht auch noch vom aktuellen Angebot, weil man gerade bei Raisin* für drei Monate 3,20% Zinsen kriegt (Stand Januar 2026), das ist natürlich eine Ecke besser als der Leitzins bzw. genauer, der Einlagezins, der liegt gerade bei 2%.

Also wie geht man denn dann jetzt am besten vor?

Das Ding ist ja: Alle unsere Anmerkungen hier sind ja eher relevant für Krisenzeiten. Im Normalfall sollte das mit den Cash-Konten super funktionieren, aber bei seinem Notgroschen will man ja auch bzw. GERADE dann rankommen, wenn es Probleme gibt. Die können natürlich rein persönlicher Art sein (Jobverlust), aber eben auch dann auftreten, wenn es eine dicke Krise am Kapitalmarkt gibt. Da ist Sicherheit natürlich super wichtig, auch für seltene Fälle.

Darum empfehlen wir: lieber selbst aufteilen! Dann hat man die Kontrolle.

Das bedeutet: Für den Notgroschen sollte man ein Tagesgeldkonto bei einer Bank haben. Wie gesagt, wer kein Bock auf Zinshopping hat, kann Raisin* nutzen.

Wenn man eine Summe über 100k mittelfristig parken will, also möglichst risikoarm, ist ein Geldmarkt-ETF okay, aber eben SELBST darin investieren, um diese unsaubere Mischung zu vermeiden wie bei den Cash-Konten der Broker.

Und für den risikoarmen Teil für die Rente, also das Sicherheitsnetz im Portfolio, sind kurzlaufende Staatsanleihen höchster Bonität in der Heimatwährung als Löwenanteil sinnvoll. Außerdem ist die Trennung auch emotional besser: Man wird nicht verleitet, „mal eben“ sein Geld zu investieren, was Notgroschen ist oder Risikopuffer, weil es beim Broker auf dem Verrechnungskonto liegt.

Ok, aber mal unabhängig von dem aktuellen Angebot bei Raisin: Warum empfehlen wir denn nicht einfach die Cash-Konten bei Trade Republic oder Scalable? Denn da bekommt man ja wenigstens dauerhaft einen guten Zins! Und klar, der Wechsel bei Raisin ist super einfach, aber man muss es ja immer noch tun…

Ganz kurz noch zur Abgrenzung: Es geht NUR um die Verrechnungskonten, also die Konten, von denen aus Du Dein Geld in ETFs investieren kannst. Es ist also nicht Dein ETF-Bestand selbst gemeint, sondern eben das Geld, das NICHT investiert ist und rumliegt. Und da gibt es bei den Brokern wie Trade Republic und Scalable ja ordentliche Zinsen aktuell, aber bei deren Angebote gibt es ein paar Gefahren:

1. Der Notgroschen sollte auf einem Bankkonto liegen, nicht auf dem Cash-Konto im Depot.

Denn das ist technisch Teil des Depots und für den Handel gedacht, also nicht für tägliche Zahlungen oder sowas. Ein Bankkonto hingegen ist unabhängig vom Broker und in der Regel stabiler und einfacher erreichbar, also besser für den Zweck des Notgroschens geeignet.

Aber entscheidend ist vielmehr der folgende Punkt: Sowohl Scalable als auch Trade Republic legen Dein Geld bei Partnerbanken an, darunter auch eine französische Bank. Da Frankreich ein nicht ausreichendes Rating hat, ist es aus unserer Sicht keine gute Idee, dort viel Kapital auf einem Konto liegen zu haben.

Kannst Du das mal genauer erklären? Was heißt nicht ausreichendes Rating?

Wir haben in Europa ja die Einlagensicherung in Höhe von 100k Euro.

Aber damit Bankguthaben als super sicher gilt, sollte es in einem Land mit einem Rating von AAA-AA liegen, z.B. Deutschland, Schweden, Niederlande, also Länder, die sehr sicher die Einlagensicherung in Krisen auch halten können! Frankreich hat natürlich auch Einlagensicherung, weil EU, ABER schlechtere Bonität, gerade A+, also 3 Stufen unter dem, was es mindestens haben sollte, damit es als sehr sicher gilt, wurde gerade abgewertet.

Die Folge ist, dass bei einer echten systemischen Krise unklar ist, ob Frankreich die Einlagensicherung vollumfänglich erfüllen kann. Wenn Du selbst ein Bankkonto eröffnest oder auch bei Raisin*, hast Du hingegen die Kontrolle, in welchem Land Dein Konto ist, und da würden wir immer darauf achten, dass das Land sozusagen ein sehr guter Schuldner ist.

Außerdem können Trade Republic und Scalable auch Gelder von Deinem Verrechnungskonto in Geldmarktfonds anlegen – Du hast aber keine Kontrolle darüber, ob und wie viel. Geldmarktfonds sind für mittelfristiges Cash-Parken prinzipiell okay, da haben wir auch eine Folge zu, die heißt „Geldmarkt-ETFs: Das bessere Tagesgeld?“. Aber halt eben auch wieder nicht für Notgroschen, da willst Du jederzeit rankommen können.

Denn Verkäufe aus Geldmarktfonds sind nicht unbedingt unmittelbar auf Deinem Konto, das kann kurz dauern, außerdem können dort auch die Zinsen mal ins Negative rutschen. Die Broker würden vermutlich trotzdem das Geld direkt an Dich auszahlen, weil sie Dir gegenüber ja einen festen Zins und tägliche Verfügbarkeit kommunizieren, also quasi in Vorleistung gehen.

Aber da würde ich mich nicht darauf verlassen, dass das zum Beispiel in Krisenzeiten auch gut klappt.

Trade Republic und Scalable sind beide empfehlenswerte Broker, nur eben für den ETF-Handel etc., nicht als Tagesgeld-Ersatz.

Wir selbst sind übrigens bei finanzen.net Zero. Warum wir uns für diesen Broker entschieden haben und unsere weiteren Empfehlungen, auch für Konten, Kreditkarten, Bücher usw., kannst Du Dir hier anschauen.


Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 05. Januar 2026
LETZTE AKTUALISIERUNG: 03. Februar 2026
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