Ich habe mit Geld ALLES falsch gemacht

Lesezeit: ca. minuten

alles falsch gemacht

Ich habe mit Geld alles falsch gemacht und bin trotzdem innerhalb von 15 Jahren finanziell unabhängig geworden. Oder vielleicht sogar deswegen?

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video oder hör Dir unsere Podcastfolge zum Thema an:

Wie ich investiere und warum ich anderen davon abrate

Erstmal muss ich also zugeben, dass ich nicht das tue, was ich hier auf YouTube predige. Jap, erwischt.

Also, ich rate ja in unseren Inhalten jedem, seine Finanzen zu automatisieren und monatlich in einen ETF-Sparplan einzuzahlen. So automatisiert man seinen Vermögensaufbau und braucht keine Spardisziplin.

Aber ich mach das nicht. Was ich mache ist, am Ende des Monats zu schauen, was übrig ist, und dann investiere ich das. Ich mache also im Grunde das, wovon ich eigentlich schwer abrate. Und warum ich den meisten davon abrate, dazu komme ich gleich nochmal, aber vielleicht fragst Du Dich eh schon:

Warum verhalte ich mich so irrsinnig? Ganz einfach: Weil ich früh finanziell unabhängig werden wollte. Und längst vor der Rente selbst bestimmen wollte, wie ich meine Zeit verbringe, also ob ich arbeite und wenn ja, wie viel und für wen.

Letztendlich gibt es zwei Faktoren, die darüber bestimmen, ob man so ein Ziel erreicht: Wie viel kann ich investieren und wann fange ich damit an? Je früher man finanziell unabhängig werden will, desto früher muss man mit dem Investieren beginnen und desto höher müssen die Beträge sein, die wir zur Seite legen.

Das klingt jetzt total offensichtlich, aber worauf ich hinaus will, ist die nächste Schlussfolgerung:

Einen ETF-Sparplan kann man ja nur konservativ anlegen – wenn der am Anfang des Monats läuft, muss ich ja darauf achten, dass ich meine Fixkosten usw. trotzdem noch begleichen kann. Wenn dann tatsächlich noch was übrig ist, passiert damit aber bei den meisten Leuten nichts. Das Geld bleibt einfach auf dem Girokonto und wird von der Inflation aufgefressen.

Investiere ich hingegen am Ende jeden Monats das, was noch auf dem Konto ist, bevor mein nächstes Gehalt reinkommt, packe ich ja auch die maximal verfügbare Summe aufs Depot.

Das ist total logisch und trotzdem würde ich 90% der Menschen von diesem Vorgehen abraten. Denn bei den meisten Leuten ist am Ende des Monats halt nichts mehr da. Und da macht es viel mehr Sinn, direkt nach Gehaltseingang mit Hilfe von einem Sparplan zu investieren, um sich nicht den ganzen Monat lang disziplinieren zu müssen.

Wir nennen das auch “sich selbst zuerst bezahlen”. Du machst damit Dich selbst zur Priorität, bevor alle anderen an Dein Geld kommen. Es geht also um ein System, nicht ums Timing.

Wenn Du wissen willst, wie man dieses System mit ETFs konkret umsetzt – egal ob per Sparplan oder mit einzelnen Käufen – dann schau Dir unseren kostenlosen Video-Workshop an.

Wenn Du Dich selbst also „als erste Rechnung“ behandelst, verschiebst Du den Fokus: Dann sparst Du nicht einfach das, was am Monatsende zufällig übrig bleibt – sondern einen festen Teil Deiner monatlichen Ausgaben, so selbstverständlich wie Miete oder Strom.

Und das verändert automatisch Dein Ausgabeverhalten: Du gewöhnst Dich daran, mit dem zu leben, was nach dem Sparen übrig bleibt. So baust Du Vermögen nicht durch Disziplin auf, sondern weil Du das Sparen fest einplanst, genau wie jede andere monatliche Ausgabe.

Aber: Wer das Maximale rausholen will und super achtsam mit seinen Ausgaben ist, kann so vorgehen wie ich. Das hat den Vorteil, dass Du die größtmöglichen Investitionen tätigst und schneller finanziell unabhängig wirst.

Und das ist was anderes als „Ich lege an was übrig ist”. Sondern vielmehr „Ich will diesen Monat so viel wie möglich investieren.”

Kann man das Leben dann noch genießen?

Aber eine Frage drängt sich doch irgendwie auf: Wenn ich das Investieren so sehr zur Priorität gemacht habe, hab ich dann überhaupt mein Leben genossen? Bei so hohen Sparraten, dass ich nach 15 Jahren finanziell unabhängig war?

Die Frage klingt logisch, aber sie geht schon direkt von einem falschen Gegensatz aus: Es ist keine Entscheidung entweder oder. Investieren und ein gutes Leben schließen sich nicht aus – im Gegenteil: Wenn Du bewusst lebst, gibst Du automatisch Geld für die Dinge aus, die Dir wirklich wichtig sind, und hörst auf, es an Dinge zu verschwenden, die Dich gar nicht glücklich machen. Das ist kein Verzicht, sondern Klarheit.

Aber wie kommen wir zu dieser Klarheit? Bzw. wie bin ich dahin gekommen?

Ich hab mir für diesen Blogpost überlegt, warum es mir eigentlich so leicht gefallen ist, so viel zu investieren. Eigentlich hab ich immer gedacht, dass ich einfach sparsamer bin als andere. Aber das stimmt gar nicht.

Der eigentliche Grund ist, dass ich ziemlich genau weiß, was ich will – und was nicht. Und vieles will ich schlicht nicht, weil ich verstanden habe, dass es mir nichts gibt. Ich hab nie das Gefühl gehabt, auf etwas zu verzichten, sondern ich hab mir immer das gekauft, was ich wirklich wollte.

Dass ich schon früh wusste, was ich will, hängt damit zusammen, dass ich mir ganz genaue Gedanken um meine Werte gemacht hab. Aber nicht einfach so, aus dem Nichts. Sondern aus einem hohen Leidensdruck:

Ich hab schon mit Mitte 20 gemerkt, dass das „normale Leben“ für mich nicht funktioniert. In meinem ersten Job waren meine Kollegen fast alle ihr Leben lang bei dem einen Arbeitgeber. Und zwar nicht, weil sie ihren Job so toll fanden, ganz im Gegenteil: Die haben teilweise mit 30 schon auf die Rente gewartet.

Aber warum haben sie nie ihr Leben verändert? Sie waren seit zwanzig, dreißig, vierzig Jahren bei dem Arbeitgeber, und zwar nur, um ihren teuren Lifestyle mit Haus, Auto und Pipapo abzubezahlen.

Super viele Menschen stecken genau da fest. Sie haben Entscheidungen getroffen, die sie jetzt binden. Das Haus, das Auto, der Kredit – all das zwingt sie, im System zu bleiben. Und weil sie jeden Monat ihre Tausende Euros brauchen, um ihren Lebensstil zu finanzieren, trauen sie sich nicht, etwas zu verändern.

Klar kann man trotzdem theoretisch etwas Neues wagen, aber man ist doch viel eingeschränkter in Job-Verhandlungen beispielsweise, wenn man dringend auf eine hohe Summe monatlich angewiesen ist. Und bei vielen fehlt dann einfach der Mut bzw. die Ambition.

Für mich persönlich war es auf jeden Fall eine absolute Horrorvorstellung, in dieser Eintönigkeit zu leben. Jeden Tag dasselbe tun müssen – ohne Kontrolle, ohne echte Wahlfreiheit, nur weil man eben finanziell darauf angewiesen ist.

Und das hat mich dazu gebracht, mir genau zu überlegen, was ich denn will. Für mich ist offensichtlich einer der größten Werte Freiheit.

Und das prägt alles. Eine Immobilie zum Beispiel passt für mich nicht zu diesem Wert – sie würde mich festhalten. Ich will reisen, ortsunabhängig leben, flexibel bleiben und am Strand sein, wann ich will. Das zieht sich auch durch meinen Alltag: Ich will kein Auto besitzen, das ich in die Werkstatt bringen muss oder für das ich ständig Parkplätze in der Stadt suchen muss. Ich will kein Haus pflegen müssen. Für mich wäre das ein Leben in Unfreiheit.

Freiheit ist quasi mein Kompass. Und um jetzt mal die Brücke zum Investieren zu schlagen: Wenn einem der Kompass fehlt, fühlt sich jeder Euro mehr, den wir sparen, ja nur an wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Warum mehr sparen, wenn man gar nicht weiß, wofür?

Aber sobald der Kompass klar ist, lösen sich viele Entscheidungen von selbst. Wenn Du erkennst, was Du wirklich willst, fügen sich auch viele Konsumentscheidungen ein.

Mir war unbewusst immer klar, dass mir finanzielle Unabhängigkeit wichtiger ist, als viele Sachen, die man sich so kaufen kann. Für mich kam demnach auch nie in Frage, mich beispielsweise für irgendwas zu verschulden.

Klar, das ist auch eine Interessensfrage: Vieles, was mir Freude macht, ist gar nicht teuer: Zum Beispiel länger in anderen Ländern zu wohnen und zu arbeiten, Wanderurlaube oder Zeit mit Freunden zu verbringen. Je mehr teure Dinge zum eigenen Glück gehören, desto schwieriger wird es natürlich, viel zu investieren.

Und ganz wichtig: Das ist auch völlig ok! Wenn einem beispielsweise das große Haus wichtiger als die finanzielle Unabhängigkeit ist, ist das doch absolut in Ordnung! Nur muss man sich bewusst sein, dass es immer ein Tauschgeschäft ist. Der eigene Spielraum wird halt kleiner, wenn wir hohe Fixkosten haben.

Das Problem ist aber nicht, sich explizit für einen „teuren“ Lifestyle zu entscheiden, sondern dass viele Menschen ihre Werte gar nicht klar haben. Und somit auch gar nicht bewusst entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben. Nicht, weil sie irgendwie dumm sind, sondern weil der Leidensdruck nicht groß genug ist.

Bei mir hingegen waren ja, wie ich eben erklärt hab, eine super große Unzufriedenheit und richtige Angst vor einer eintönigen Zukunft ein großer Antrieb, etwas anders zu machen als die anderen.

Meine finanziellen Entscheidungen sind deshalb immer auf ein Ziel ausgerichtet: möglichst wenig Einschränkung. Für mich ist finanzielle Unabhängigkeit darum auch kein Selbstzweck, sondern die logische Folge. Es fühlt sich nicht an wie Verzicht, sondern wie ein Investment in mein Freiheitskonto. Und genau deshalb hab ich so viel investiert. Weil es zu mir passt.

Und um das auch mal klarzustellen: Freiheit heißt für mich nicht, dass ich mich an nichts binde oder keine Verpflichtungen eingehe. Im Gegenteil: Gerade in einer bewusst gewählten Bindung kann echte Freiheit entstehen!

Und ich arbeite ja auch weiterhin! Also, meine Arbeit ist nicht vorbei – aber zumindest der Zwang zu arbeiten ist vorbei. Ich arbeite weiterhin, weil ich will, nicht weil ich muss. Und das verändert alles.

Darum mache ich Sachen, die mir meistens Spaß machen und die vor allen Dingen Sinn ergeben. Ich kann entscheiden, welche Projekte ich annehme, mit wem ich arbeite und wofür ich meine Zeit nutze. Ich hab keinen Chef, der mir sagt, was ich tun soll, und keinen Kredit, der mich zwingt, es trotzdem zu machen.

Entscheidungen abseits der Norm

Also, aus gesellschaftlicher Sicht hab ich vermutlich mit Geld alles falsch gemacht:

Ich hatte zuletzt einen hochbezahlten Job im Management – und hab ihn gekündigt. Ich hab diverse Karrierechancen ausgeschlagen und lehne auch heute noch jede Anfrage ab, die mich wieder in äußere Zwänge bringen würde – selbst wenn ich damit mehr verdienen könnte. Zum Beispiel haben wir bisher jede Verlagsanfrage für ein Buch ausgeschlagen.

Ich hab auch nicht das „Investment“ Immobilie gewählt, weil es mathematisch gesehen wirklich eine Lüge ist. Immobilien haben langfristig eine richtig schlechte Rendite im Vergleich zu Aktien. Schau Dir gern unseren Blogpost zum Thema an, wenn Dich das interessiert.

Und genau, ich hab nie per Sparplan investiert, obwohl da wirklich jeder seriöse Experte zu rät. Aber ehrlicherweise ist es völlig egal, ob wir per Sparplan oder einzelnen Käufen investieren. Wichtig ist nur, möglichst früh, möglichst viel und breit gestreut anzulegen.

Falls Du Dich jetzt fragst, warum nicht beides, also warum nicht per Sparplan einen Mindestbetrag investieren und am Monatsende das, was übrig ist? Klar, kann man machen. Wie gesagt, es ist eigentlich völlig irrelevant, wie wir investieren. Für mich war das reine Bequemlichkeit, ich wollte nur eine Sache machen.

Jetzt gibt es natürlich auch noch einen anderen Fall: Vielleicht ist am Monatsende auch einfach nichts übrig, weil Du schlicht zu wenig verdienst. Dann ist das Problem also nicht Dein Konsumverhalten, sondern Dein Einkommen. Falls das bei Dir der Fall ist, dann solltest Du Dir zuerst anschauen, wie Du mehr Geld verdienen kannst.

Wir schauen nochmal auf alle drei Fälle:

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 20. Januar 2026
LETZTE AKTUALISIERUNG: 20. Januar 2026
Diese Artikel könnten Dir auch gefallen

Über 50.000 Menschen treffen heute bessere Finanzentscheidungen.

Unsere wöchentlichen Momentaufnahmen. Über 80% empfehlen sie weiter.

>