Heute geht es darum, wie man sein Geld richtig anlegt, wenn man nicht mehr lange bis zur Rente hat oder vielleicht sogar schon in Rente ist, und wie man seine Investments auch richtig entnimmt. Denn da gibt es einiges, das man wissen sollte, und das schauen wir uns jetzt mal genauer an.
Mit 600.000 Euro kurz vor der Rente: Wie am besten anlegen?
„Ich habe 600.000€ zum Anlegen und bin bereits 52 – da ich eine komplette Rentenlücke haben werde mit 67, ist meine konkrete Frage: Wie würdet Ihr das Geld anlegen, damit ich in 15 Jahren für die letzten ca. 20 Lebensjahre monatlich 5.000,–€ generieren kann?“ – Barbara
Kurzer Disclaimer: Das ist keine Anlageberatung, sondern eine Orientierungshilfe zur eigenständigen Entscheidungsfindung.
Das sind aus meiner Sicht sehr gute Voraussetzungen – 600.000 Euro bei 15 Jahren Anlagehorizont, richtig stark! Hier aber kurz der Hinweis: 600.000 Euro sind super viel, das haben natürlich die meisten nicht, aber was jetzt kommt, hat auch absolute Relevanz und Gültigkeit für deutlich kleinere Ersparnisse.
Barbara wird später komplett von ihren Investments leben müssen, da sie keine gesetzliche Rentenversicherung oder ähnliches hat.
Das bedeutet für sie: Der Aktienanteil in der Rente sollte eher niedrig sein, gerade am Anfang, denn schlechte Börsenjahre zu Beginn können nicht durch kleinere Entnahmen ausgeglichen werden. Um das klarzustellen: Historisch waren globale Aktien-ETFs nach 15 Jahren allerspätestens immer im Plus – auch im absoluten Worst Case. Das Problem ist also nicht die langfristige Rendite, sondern die Reihenfolge der Renditen, wenn Du Geld entnimmst. Wenn zu Beginn der Entnahmephase schlechte Börsenjahre kommen und Du nur Aktien-ETFs hast, musst Du Anteile zu niedrigen Kursen verkaufen – und die fehlen Dir dann später, selbst wenn sich der Markt erholt. Dieses Renditereihenfolgenrisiko kann dazu führen, dass Dein Depot zu früh aufgebraucht wird – selbst bei eigentlich guter Durchschnittsrendite.
Um das zu verhindern, sind defensive Bausteine wichtig, die in einer schlechten Börsenphase verkauft werden können, aber eben auch kaum Rendite bringen. So ist das mit sicheren Anlagen nunmal.
Optimale Portfolio-Aufteilung ab 50: Aktien- und Anleihenanteil
Praktisch bedeutet das für Barbara: Etwa 30-40% sollten in Aktien investiert sein, und 60-70% in Bankguthaben und Anleihen höchster Bonität. Allerdings sollte diese Gewichtung erst zu Rentenbeginn erreicht werden, sonst büßt man wieder zu viel Rendite ein.
Der optimale Weg wäre folgender: Wenn die emotionale Risikotoleranz vorhanden ist (also wenn Barbara gut schlafen kann und das Geld nicht kurzfristig braucht), kann der gesamte Betrag zunächst in Aktien-ETFs investiert werden. Dann sollte sie etwa 10 Jahre vor Renteneintritt anfangen, schrittweise umzuschichten – zum Beispiel jedes Jahr 5% vom Aktienanteil in sichere Anlagen verschieben.
Mit 600.000 Euro, einer klaren Strategie und 15 Jahren Zeit lässt sich dieses Ziel aus meiner Sicht gut vorbereiten – wichtig ist aber, dass die Umsetzung diszipliniert und vor allen Dingen schnell erfolgt.
Und wie gesagt, auch mit weniger Geld ist super viel möglich. Wenn Du auch in einer ähnlichen Situation bist und herausfinden willst, wie Du auch im fortgeschrittenen Alter richtig anlegst und das Ganze vor allen Dingen praktisch umsetzt (sowohl mit Blick auf die renditebringenden als auch mit Blick auf die risikoarmen Teile), können wir Dich dabei unterstützen. Schau Dir am besten erstmal unser kostenloses Ü50-Webinar an und falls Dir unsere Art gefällt, kannst Du im Anschluss den kostenpflichtigen Kurs bei uns buchen.
ETF-Entnahme in der Rente: In welcher Reihenfolge verkaufen?
„Hallo Anna und Eddy, ich bin jetzt im Ruhestand und habe ordentlich dafür angespart, da ich kaum Rente bekomme. Ich habe für 10 Jahre Cash, dazu Anleihen, Aktien ETFs und Gold. Was würdet ihr in welcher Reihenfolge zum Leben aufbrauchen? Erst Cash und ab und an mit Verkäufen wieder auffüllen? Oder lieber erst Aktien verkaufen um Cash für Crash Szenarien vorhalten? Danke für Eure Super Anleitungen, echt klasse! Lieber Gruß Peter“
Die empfohlene Grundlogik ist, nicht stur zuerst alles Cash oder alle Aktien zu verkaufen, sondern regelmäßig ein Rebalancing zu machen. Dabei entnimmst Du immer aus dem Teil, der gerade über der Zielgewichtung liegt – also verkaufst Du das, was gut gelaufen ist.
In guten Marktphasen funktioniert das so: Wenn Deine Aktien über der Zielgewichtung liegen, verkaufst Du einen Teil davon für Deine Entnahme. Anleihen und Gold bleiben in dieser Phase unangetastet.
In schlechten Marktphasen, zum Beispiel während eines Crashs, gehst Du anders vor: Du entnimmst aus Deinem Tagesgeld-Puffer. Wenn nötig, kannst Du ergänzend auch aus Deinen Anleihen entnehmen. Die Aktien lässt Du möglichst unangetastet, damit sie sich erholen können.
Nach einer Erholung führst Du wieder ein Rebalancing durch: Du füllst das Tagesgeld wieder auf und stellst Deine ursprüngliche Depotstruktur wieder her.
Was hingegen nicht sinnvoll ist: Zuerst alles Cash aufzubrauchen wäre ein Fehler, denn dann fehlt Dir in der nächsten Krise der sichere Puffer. Umgekehrt wäre es auch falsch, zuerst die Aktien zu verkaufen, denn dann realisierst Du im Crash unnötig Verluste und schmälerst die Rendite für die weiteren Rentenjahre.
Fazit: Entnimm aus dem Teil, der sich gerade am besten entwickelt hat. Wenn alles schlecht läuft, greifst Du auf das Tagesgeld zurück. Ganz wichtig dabei: Du musst Deine Zielgewichtung kennen! Peter, hast Du eine klare Strategie, welche Anteile Deines Portfolios wie viel Prozent ausmachen sollen? Falls nicht, schau Dir nochmal die Überlegungen zu Barbaras Situation an.
Tagesgeld vs. Staatsanleihen: Was ist besser?
„Ich bin 58 Jahre alt und bin seit 5 Jahren investiert. Mein Tagesgeldkonto ist gut gefüllt, da ich ja nicht alles Geld in ETF versenken kann. Da noch 9 Jahre bis zur Rente sind, kann ich es gar nicht aushalten, dass das Geld mit 2% auf Trade Republic schmort. Allerdings ist das ja auch Geld, das ich verwenden werde, wenn es notwendig ist. Sind dann Staatsanleihen die beste Lösung?“ – Gudrun
Das ist total nachvollziehbar – niemand schaut gern zu, wie Geld „rumschmort“.
Aber bevor Du über Tagesgeld vs. Anleihen entscheidest, solltest Du erstmal überlegen, wie Dein Depot zum Renteneintritt aussehen soll. Brauchst Du dann zum Beispiel 30% in risikoarmen Anlagen wie Cash oder Anleihen? Oder sogar 70%? Das solltest Du davon abhängig machen, wie sehr Du später auf das Geld angewiesen sein wirst – ähnlich wie bei Barbara.
Wenn Du noch mehr Aktienanteil aufbauen willst, dann muss das Geld gar nicht renditearm liegen bleiben. In dem Fall könntest Du sogar einen Teil des Tagesgelds in Aktien-ETFs umschichten.
Für das Geld, das wirklich als risikoarmer Teil bleiben soll, kannst Du folgendermaßen unterscheiden: Was Du in den nächsten zwei Jahren brauchst, sollte auf dem Tagesgeldkonto bleiben. Was Du erst später benötigst, kann zum Beispiel in kurzlaufende Staatsanleihen-ETFs mit höchster Bonität in Euro fließen, oder Du baust eine Festgeldtreppe auf.
Auch zu Rentenbeginn sollten übrigens etwa zwei Jahre Deiner Rentenlücke in Tagesgeld abgedeckt sein. Die richtige Reihenfolge ist also: Erst die Zielstruktur klären, dann entsprechend aufteilen – sonst parkt man oft zu viel Geld zu renditearm.
Wie viel Geld braucht man eigentlich im Alter?
Vielleicht fragst Du Dich auch: Wie viel Geld brauche ich eigentlich später mindestens, wenn ich in den Ruhestand gehe? Das ist eine sehr wichtige Frage, aber auf den ersten Blick leider echt schwer zu beantworten. Viele geben daher schnell auf und verdrängen das Thema wieder, weil sie sich total überfordert damit fühlen, eine Antwort auf die Frage zu finden. So ging uns das früher auch.
Das Problem ist aber: Wenn ich nicht zumindest einigermaßen grob für mich abschätzen kann, was ich später brauchen werde, kann ich mir ja auch kein sinnvolles Sparziel setzen. Ich kann mir zwar irgendeine Zahl ausdenken, aber so habe ich ja keinen blassen Schimmer, wie viele Jahre ich später mit dem Vermögen auskommen werde. Das ist aus unserer Sicht kein schönes Gefühl, mit so einer nagenden Unsicherheit zu leben. Im Post „Wie viel Geld braucht man im Alter wirklich?“ schauen wir daher mal, wie Du für Dich gut abschätzen kannst, was Du später WIRKLICH an Geld brauchen wirst, um Deinen Ruhestand zu genießen.
Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
