Jeder hat mitbekommen, das ETFs – beziehungsweise speziell der MSCI World – in den letzten Jahren unglaublich gut gelaufen sind. Wer vor 13 Jahren 10.000 Euro im Depot hatte, hat heute über 45.000. Das ist ein Anstieg von über 12% pro Jahr!
Aber gerade deswegen warnen jetzt viele. Denn „es kann ja nicht immer so weiter gehen“ und „das war ja nicht immer so“.
Und das stimmt: Anfang der 2000er gab es in 13 Jahren nicht über 12% Rendite pro Jahr wie jetzt, sondern 0. Unter Berücksichtigung der Inflation hätte man mit dieser Anlage also sogar Kaufkraft verloren, statt sein Geld zu vermehren.
Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video oder hör Dir unsere Podcastfolge zum Thema an:
Das Schreckensszenario
Und genau das verunsichert viele, was total verständlich ist!
Wir bekommen immer wieder Nachrichten von Leuten, die selbstständig in ETFs investieren wollen, weil sie eigentlich verstanden haben, dass das die effektivste und kostengünstigste Variante ist, um ihre Geldanlage zu regeln.
Frohen Mutes wählen sie sich ihre ETFs aus und wollen sich langsam von ihren Altlasten lösen. Sie schreiben ihrem bisherigen Finanz“berater“, dass sie gerne ihre alten Investments auflösen wollen. Weil sie eben begriffen haben, dass der Vermittler nur unnötig viel Geld kostet und teure, aktive Fonds auswählt, die nicht besser performen als normale ETFs.
Und dann kommt die Antwort vom „Berater“. Mit einem Chart vom MSCI World. Und da sieht man einen Graphen, der über dreizehn Jahre, also zwischen 2000 und 2013, praktisch keinerlei Zuwachs zeigt.

Der Berater stellt die bedrohliche Frage in den Raum, die jetzt eh schon im Hinterkopf rumort: „Wer sagt denn, dass so eine Phase nicht wiederkommt? Wäre es da nicht besser, wenn ein Profi die richtigen Fonds auswählt und Gewinne mitnimmt – bevor man 13 Jahre bei Null steht?“
Und plötzlich ist die Unsicherheit da. Die eigene ETF-Strategie, die eben noch klar war, fühlt sich ziemlich wackelig an.
Darum schauen wir uns jetzt mal an, was da los war. Und bevor wir irgendeinen Mythos auseinandernehmen: Die Zahl ist erstmal korrekt.
Der MSCI World hat zwischen Ende 1999 und Frühjahr 2013 etwa 0% pro Jahr gebracht. Das war ein historisch spannender Zeitraum: Erst der Dotcom-Crash, dann die Finanzkrise, plus ein extrem starker Euro, der die Rendite zusätzlich gedrückt hat.
Das Bild sieht also erstmal nicht gut aus. Und jetzt stell Dir vor, Du hättest genau in dieser Zeit investiert. 13 Jahre. Null Rendite. Das wäre natürlich ein Albtraum.
Aber die entscheidende Frage ist: Hättest Du diese 0% Rendite tatsächlich eingefahren?
Was Du für 0% Rendite hättest tun müssen
Dafür hätten drei Dinge gleichzeitig stattfinden müssen:
Erstens hättest Du Dein komplettes Vermögen exakt am Höchststand der Dotcom-Blase investieren müssen. Also am absoluten Peak. Nicht eine Woche vorher, nicht einen Monat danach. Genau am Höchstpunkt.
Zweitens hättest Du alles kurz vor dem nächsten krassen Aufschwung 2013 verkaufen müssen. Seitdem ging es nämlich steil bergauf. Wer auch nur ein paar Monate länger gehalten hätte, hätte plötzlich doch Rendite gemacht.

Drittens hättest Du ausschließlich auf Industrieländer setzen und die Schwellenländer komplett ignorieren müssen.
Das ist die unwahrscheinlichste aller Anleger-Biografien. Aber wie sieht es aus, wenn man so investiert, wie es die meisten Leute tatsächlich tun?
Wie echte Anleger investieren
Rollen wir das mal von hinten auf: Zunächst empfehlen wir immer, auch in die Schwellenländer zu investieren. Die machen einen entscheidenden Teil der Weltwirtschaft aus und hätten über den gleichen Zeitraum eine Rendite von rund 6,5% pro Jahr erwirtschaftet.
Es ist super wichtig, dass wir nicht nur auf die Industrieländer setzen, und zwar insbesondere, um die Schwankungen in unserem Portfolio etwas zu reduzieren, ohne auf Rendite zu verzichten.
Der zweite Punkt, der hätte eintreten müssen, also dass alles kurz vor dem richtig dicken Aufschwung verkauft würde, ist komplett unrealistisch. Die allermeisten Leute möchten sich ja beispielsweise langfristig einen Betrag zur Aufstockung ihrer Rente entnehmen. Klar sind da größere Einmalentnahmen normal, zum Beispiel für eine Reise oder eine Renovierung, aber alles auf einen Schlag ist wirklich sehr sehr ungewöhnlich.
Dieser Punkt alleine wäre übrigens auch gar kein Problem gewesen, sondern nur in Kombi mit dem erstgenannten Punkt: Es hätte auch noch das gesamte Vermögen an einem einzigen Tag investiert werden müssen. Und zwar zufällig exakt am höchsten Punkt.
Die allermeisten Leute investieren per Sparplan oder zumindest in Tranchen und entnehmen auch schrittweise: Wer also ab dem Jahr 2000 monatlich den gleichen Betrag in einen ETF auf den MSCI World investiert hätte, hätte bis Frühjahr 2013 eine Rendite von 2,3% erzielt. Nicht Null.

Klar, das ist jetzt auch nicht so berauschend, aber wer in dem Moment nicht alles auf einen Schlag entnommen hätte, sondern regelmäßig einen bestimmten Betrag, der hätte den Großteil seines Vermögens ja auch noch im folgenden krassen Aufwärtstrend investiert gehabt und somit noch richtig viel Rendite mitgenommen! Wir erinnern uns, danach ging es ja steil bergauf.
Fazit zur Durststrecke
Ganz ehrlich: Ich finde das eigentlich eine recht beeindruckende Entwicklung in diesem 13-Jahreszeitraum, der so gern gezeigt wird. Denn trotz zweier Jahrhundert-Crashs innerhalb von weniger als 10 Jahren hätte man nicht einmal Geld verloren.
Außerdem hätte man ja eben auch noch die besagten rund 6,5% aus den Schwellenländern bekommen, wenn man nicht nur in den MSCI World investiert hätte. Und 6,5% sind sehr sehr viel! Mit Tagesgeld oder Versicherungen macht man, wenn es gut läuft, vielleicht 2%.
Immobilien werfen ebenfalls durchschnittlich deutlich weniger Gewinne ab – selbst wenn viele Leute das oft nicht glauben wollen und uns die echten Zahlen auch sehr überrascht haben! Schau Dir mal unseren Blogpost zum Thema an, falls Dich das interessiert.
Ok, wir sollten mal etwas Grundsätzliches klären, was bei dem ganzen Thema enorm hilft:
Tiefphasen in einzelnen, auch großen Regionen gibt es immer wieder, wenn man in Aktien investiert. Die gehören dazu, daran führt kein Weg vorbei. Sie sind also nichts Ungewöhnliches. Sondern etwas, mit dem man fest rechnen kann.
Wer sich von Anfang an klar macht, dass Investieren nichts ist, was man über ein paar Monate oder ein einzelnes Jahr beurteilen kann, sondern dass ein Zeithorizont von zehn, fünfzehn oder mehr Jahren dazugehört, der kann solche Phasen einfach gedanklich einplanen.
Tiefphasen sind also kein Betriebsunfall des Aktienmarkts und auch keine böse Überraschung, sondern ein ganz normaler Bestandteil davon!
Die spannende Frage ist doch darum jetzt: Warum wird dieses Szenario von Finanz“beratern“ – also Verkäufern, Maklern und Versicherern – immer wieder so dramatisch in den Vordergrund gerückt?
Was die Daten über aktive Fonds sagen
Verkäufer von Fonds argumentieren immer gerne: „Ein guter Fondsmanager hätte in Krisen die Aktien rechtzeitig verkauft und später günstiger zurückgekauft.“
Das Problem ist aber, dass das einfach so gut wie nie funktioniert.
Schauen wir mal auf die Fakten und nicht auf das Wunschdenken der Verkäufer, dann sehen wir, dass die meisten Fonds es noch nicht einmal schaffen, den Markt überhaupt zu schlagen. Also besser zu sein, als wäre man einfach im MSCI World investiert geblieben.
Grob kann man die Datenlage so zusammenfassen: Für Zeiträume bis zu einem Jahr entwickeln sich rund 50% der aktiven Fonds schlechter als ein vergleichbarer ETF. Bei Zeiträumen von über zehn Jahren steigt der Anteil der aktiven Verlierer-Fonds auf etwa 95%. Ab 20 Jahren landen wir bei fast 100%.
Und rund die Hälfte aller aktiven Fonds wird innerhalb von 10 Jahren komplett geschlossen – oft, weil sie so schlecht gelaufen sind, dass sie am besten aus den Statistiken verschwinden.
Wenn ein Verkäufer also erzählt, aktives Management hätte diese Phase „entschärfen“ können, dann ist das eine nette Theorie. Aber sie hat mit der Realität wenig zu tun.
Und die eigentliche Frage wäre ja: Wo ist der Beweis, dass aktive Fonds diese Phase besser gemeistert haben?
Den Fonds, den Dir der Berater heute verkaufen will, gab es im Jahr 2000 ziemlich sicher noch gar nicht. Und die, die es damals schon gab, sehen im Rückblick meist deutlich schlechter aus als der MSCI World. Oder sie sind längst aufgelöst.
Warum ETFs funktionieren
In ETFs zu investieren beruht hingegen nicht auf Glück, Bauchgefühl oder tollem Timing. Sondern auf ein paar simplen Fakten:
Globale Märkte steigen langfristig. Selbst nach den größten Krisen der letzten 120 Jahre – also Weltkriege, Staatsbankrotte, Ölkrisen, Finanzkrisen, Pandemien – haben sich die Märkte am Ende erholt.
Und auch die Kosten machen einen riesigen Unterschied: Ein ETF kostet rund 0,1–0,2% pro Jahr. Ein aktiver Fonds eher 1,5–2,5%. Über Jahrzehnte summiert sich das zu sechsstelligen Beträgen!
Legst du über 30 Jahre lang monatlich 400 Euro bei 8% Rendite an, so hast Du bei 0,15% Kosten ein Netto-Vermögen von rund 489.000 Euro, 8.000 Euro zahlst Du an Gebühren. Bei nur einem Prozent Kosten sind es aber 48.000 Euro Gebühren! Durch den renditeschmälernden Effekt hast Du am Ende sogar 71.000 Euro weniger als bei der ETF-Variante. Bei 2% kommst Du auf 139.000 Euro weniger an Vermögen!!!

Und wir haben hier nur die laufenden Kosten berücksichtigt; aktive Fonds haben normalerweise im Mindesten noch Ausgabeaufschläge und Performancegebühren!
Fazit
Also, wenn Du langfristig Vermögen aufbauen willst, ist nicht entscheidend, ob der MSCI World mal eine schwache Phase hatte. Oder ob ein Fondsmanager Dir verspricht, er hätte das alles umschifft.
Entscheidend ist ein robustes System: Möglichst breit streuen, möglichst früh anfangen, möglichst lange halten.
Wenn Du wissen willst, wie ich mit genau so einem System die finanzielle Unabhängigkeit erreicht habe, dann schau Dir unser Video „Mit dieser ETF-Strategie habe ich die finanzielle Unabhängigkeit erreicht“ an.

