Wie schlimm sind Sparplan-Änderungen für Dein ETF-Depot wirklich?

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Beim Investieren bekommt man ja eingetrichtert, unter anderem auch von uns: diszipliniert sein, dranbleiben und bloß nicht dauernd am Depot rumschrauben. Und das stimmt auch. Nur übersetzen viele das in: „Meine Sparrate muss konstant sein, komme, was wolle.“

Klingt erstmal vernünftig, aber genau dieser Drang, konstant zu bleiben, führt ausgerechnet die Disziplinierten in einen Fehler, der sie über die Jahre richtig Geld kostet. Dazu gibt es sogar 100 Jahre Börsendaten. Schauen wir uns das mal an, anhand einer Frage von unserem Hörer Rainer.

„Sollte man die Sparrate stets konstant halten bzw. nach gewissen Abständen steigern? Wenn man zum Beispiel für ein Jahr etwas mehr Geld auf der hohen Kante hat und in diesem Zeitraum seinen Sparplan erhöhen möchte, im Folgejahr den Sparplan aber wieder nach unten anpassen muss – hat dieses Hin und Her „negative“ langfristige Folgen auf die Entwicklung meines ETF-Vermögens?“ – Rainer

Total nachvollziehbare Frage, die sich bestimmt schon viele gestellt haben. Gehen wir mal Schritt für Schritt durch, was beim Rauf und Runter wirklich passiert.

Keine Lust zu lesen? Hör Dir unsere Podcastfolge zum Thema an:

Also, bringt das ständige Hoch und Runter den Zinseszins durcheinander?

Ne, den Zinseszins bringt das nicht durcheinander. Der schaut nämlich gar nicht auf Dein Einzahlmuster, also darauf, ob Du jeden Monat exakt gleich viel überweist oder mal mehr oder weniger. Der arbeitet einfach mit dem, was in Deinem Depot liegt, und lässt jeden Euro ab dem Tag wachsen, an dem er drin ist.

Das heißt: Es gibt keinen „Strafmechanismus“ fürs Ändern. Das Hin und Her an sich – also dass die Rate mal hoch und mal runter geht – kostet Dich keine zusätzliche Rendite.

Ok, das Muster schadet also nicht. Aber wenn ich die Rate erst hochsetze und später wieder senke – ist der Vorteil dann nicht direkt wieder weg?

Im Gegenteil, Du stehst am Ende sogar besser da, weil das Geld ja länger liegen konnte. Ich versuche das mal mit ein paar Zahlen klarzumachen:

Gerd Kommer hat das mit echten Marktdaten aus fast 100 Jahren durchgerechnet, zurück bis 1926. Seine Frage lautete: Wenn jemand 100.000 Euro hat, sollte er besser alles sofort investieren oder vorsichtig über drei Jahre verteilt? Und in fast drei von vier Fällen lag „alles sofort rein“ am Ende vorne. Im Schnitt mit rund 11,5 Prozent mehr Vermögen nach drei Jahren. Es macht also grundsätzlich am meisten Sinn, sofort so viel wie möglich zu investieren.

Der Grund dafür ist eigentlich auch total simpel: Globale Aktien haben ja eine positive Renditeerwartung von rund 8% pro Jahr. Es geht also eher hoch als runter. Jeder Tag, an dem Dein Geld nicht investiert ist, ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Tag, an dem Du Rendite liegen lässt.

Falls Du da tiefer einsteigen willst – auch in die Frage, wie man große Summen richtig investiert –, lies in unserem Artikel Einmalanlage besser als Sparplan? (überraschende Erkenntnisse).

Für Rainer heißt das: Dieses eine Jahr, in dem er mehr reinpackt, ist ein totaler Gewinn. Das zusätzliche Geld arbeitet ab sofort mit, und je früher es drin ist, desto länger wächst es. Über 20, 30 Jahre macht so ein früher Extra-Batzen richtig was aus.

Und wenn er im Folgejahr wieder runtergeht mit seiner Sparrate, verliert er ja nichts. Das Extra von vorher bleibt drin und wächst weiter, er legt nur kein neues oben drauf – er ist einfach wieder auf seinem normalen Spar-Niveau. Sein Vermögen ist trotzdem größer, als wenn er das Extra nie investiert hätte, das ist klar, aber es ist auch größer, als wenn er das Extra einfach über die Jahre gestreckt hätte.

Das heißt also, wir sollten einfach so viel wie möglich so schnell wie möglich in unsere ETFs reinkippen, richtig?

Fast – eine Sache muss man vorher klären, und die hat nichts mit dem Hin und Her zu tun: Ist das Geld, das Du reinpackst, wirklich Geld, das Du lange liegen lassen kannst?

Denn die echte Gefahr ist nicht, die Sparrate zu verändern, sondern Geld zu investieren, das Du bald wieder brauchst – und dann musst Du ETF-Anteile verkaufen, um flüssig zu sein. Das kann echt weh tun, falls Du gezwungen bist, zu verkaufen, wenn die Kurse gerade unten stehen. Damit machst Du aus Buchverlusten echte Verluste.

Also, die künftige Sparrate zu senken ist harmlos: Klar, das ist ein Klick und kostet nichts. Aber schon investiertes Geld vorzeitig zu verkaufen – genau das willst Du vermeiden.

Also solltest Du nur das in Aktien-ETFs reinpacken, was Du 10 bis 15 Jahre nicht brauchst. Alles, was eher gebraucht werden könnte, gehört aufs Tagesgeldkonto, in Festgeld oder in kurzlaufende Staatsanleihen-ETFs höchster Bonität in Deiner Heimatwährung.

Falls Du das von Anfang an sauber aufsetzen willst – also Sicherheitsbaustein und Aktien-Teil richtig bestimmen und natürlich die richtigen ETFs aussuchen –, dann schau Dir mal unser kostenloses Webinar an. Da gehen wir Schritt für Schritt durch, was Du wissen solltest, bevor Du loslegst.

Kannst Du das nochmal alles zusammenfassen?

Also, das Hin und Her bei Deinen Sparraten an sich kostet Dich keine Rendite – einen Strafmechanismus fürs Ändern gibt es nicht. Der teure Fehler, in den ausgerechnet die Disziplinierten laufen, ist ein ganz anderer: Sie pochen so sehr auf eine konstante Rate, dass sie lieber gar nicht nachlegen, wenn mal was übrig ist – nur um ja nichts zu verändern. Genau das kostet Rendite, nicht die Flexibilität.

Denn worauf es wirklich ankommt, ist, möglichst viel, möglichst früh zu investieren. Mehr und früher heißt am Ende mehr Vermögen. Deshalb ist Rainers Extra-Jahr genau richtig, und wieder runterzugehen heißt nur: zurück aufs normale Niveau, ohne dass etwas verloren geht.

Die einzige echte Regel ist, nur Geld zu investieren, das Du lange liegen lassen kannst, einen Notgroschen separat zu halten – und natürlich nicht in Panik zu verkaufen.

Wir haben hier ja oft gesagt: Jeder Euro, der drin ist, wächst ab dem ersten Tag weiter. Wie dieser Zinseszins bei ETFs genau funktioniert – und warum es gerade am Anfang so schwer ist, ihn zu sehen –, erklären wir Dir in unserem Artikel Wann bringt Dir Dein ETF eigentlich Geld? (Schneeball-Effekt erklärt).


Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 03. August 2026
LETZTE AKTUALISIERUNG: 03. August 2026
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