Inflation auf Rekordhoch – DAS musst du jetzt wissen

Lesezeit: ca. minuten

Inflationshoch

Die Inflation befindet sich gerade auf dem höchsten Stand seit rund 50 Jahren. Alles wird teurer und viele von uns haben Angst, dass unser Geld bald nichts mehr wert ist.

Einige Leute nutzen das aus, um Panik zu machen und bestimmte Produkte zu verkaufen.

Aber was ist jetzt eigentlich wirklich los? Wie sollten wir mit der Unsicherheit umgehen? Das schauen wir uns in diesem Blogpost an, so dass du auch in dieser unruhigen Zeit genau weißt, was zu tun ist.

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

Also, die Gründe für die aktuelle Inflation sind ja ziemlich vielfältig und Dir vermutlich zumindest im Groben bekannt. Ob es um gestörte Lieferketten, gestiegene Energiepreise oder die Ausweitung der Geldmengen geht – das Thema ist super komplex.

Wir wollen jetzt aber nicht zum x-ten Mal die üblichen Ursachen der Inflation durchkauen, sondern einen ganz anderen Faktor ansprechen:

Uns selbst.

Was meine ich damit?

Wenn allgemein angenommen wird, dass die Preise weiter DRASTISCH steigen werden, guckt jedes Unternehmen, aber auch natürlich jeder Haushalt, wo er bleibt.

Das führt aber nicht nur zu einer Preisanpassung, um die AKTUELLE Inflation zu kompensieren, sondern zu einer Überkompensation. Die Preise steigen also um mehr als die aktuelle Inflation, wenn wir davon ausgehen, dass noch höhere Steigerungen drohen.

Das ist ja auch logisch: Wenn ich denke, dass morgen wieder alles „gut“ wird und wir auf eine normale Inflationsrate zurückfallen, kann ich ja viel entspannter mit aktuellen Preiserhöhungen umgehen, als wenn ich denke, dass das gerade so weitergeht.

Schauen wir mal auf Gehälter. Da man ja nicht jeden Monat sein Gehalt neu verhandelt, wird natürlich in einer Gehaltsverhandlung darauf geachtet, dass die persönliche Erwartung an die künftige Inflation mit eingepreist wird.

Überschätzen nun viele die künftige Inflation, dann hält diese dadurch unnötig lange an.

Was meine ich damit?

Wenn die ursprünglichen Gründe für die Preisanstiege zurückgehen, also zum Beispiel die Lieferketten wieder reibungslos funktionieren, dann würde das ja einen Rückgang der Inflation auslösen.

Dem Rückgang wirken aber dann die verhältnismäßig hohen Gehaltsanstiege entgegen, was sich natürlich wieder in höheren Produktpreisen usw. abbildet.

Man könnte das auch als Überreaktion bezeichnen. Das führt zu einem Teufelskreis von Gehalts- und Preiserhöhungen.

Denn die Annahme der hohen Inflation führt sozusagen zu einem inflationären Verhalten von uns allen. Das konnte man sehr gut in den 70ern sehen.

Übrigens, kurze Anmerkung: Ich will hier in keiner Weise vorschlagen, dass Du Dein Gehalt nicht ordentlich verhandelst, ganz im Gegenteil, gib alles! Ich möchte nur die Zusammenhänge und Wirkungsweisen aufzeigen.

Ja, es ist eh schon grundsätzlich so, dass wir Konsumenten tendenziell die Inflation überschätzen, gerade wenn die wirtschaftlichen Aussichten nicht so doll sind. Das liegt auch daran, dass bei einem Gefühl der Unsicherheit Leute sozusagen erstmal vom Schlimmsten ausgehen, so ganz vereinfacht gesagt.

Vermutlich bereiten Dir auch gerade die gestiegenen Nebenkosten die ein oder andere Sorge und Du fragst Dich, wo die Reise noch hingeht. Das ist ja auch total verständlich!

Doch ein wichtiger Verstärker der ganzen Ängste ist die aktuelle Berichterstattung, die den Kreislauf so richtig anschiebt. Eigentlich ist da sogar schon die Selbsterkenntnis vorhanden, aber das nützt irgendwie nix.

Ein Freund hatte mir einen Artikel von Spiegel Online weitergeleitet, ich zitiere mal:

„Die Bürger wiederum, da sind sich die Wirtschaftsforscher inzwischen weitgehend einig, beziehen ihre Einschätzungen aus der Lektüre journalistischer Medien. Allerdings tun sie das in unterschiedlicher Intensität. Wenn die Inflation niedrig und kaum spürbar ist, kümmern sie sich nicht großartig drum und interessieren sich für andere Dinge; Forscher sprechen von »rationaler Unaufmerksamkeit«. Entsprechend berichten auch die Medien wenig über die Lage an der Preisfront. Das ändert sich jedoch komplett, wenn die Inflation steigt. Dann schauen alle hin, überdenken ihre Einschätzungen ständig aufs Neue und versuchen, ihr Verhalten und ihre Pläne anzupassen. Derzeit, sagte Fed-Chef Powell in Jackson Hole, »steht Inflation im Zentrum der Aufmerksamkeit von ungefähr allen«. Umso größer sei die Gefahr, dass sich die Preisdynamik in den Hirnen – und damit im Wirtschaftssystem insgesamt – festsetzt.“

Also zusammengefasst: Die Bürger beziehen ihre Einschätzung aus den Medien, die wiederum die Angst vor einer sehr hohen Inflation schüren, was zu einer self fulfilling prophecy werden kann.

Weil die Berichterstattung nunmal super aktuell ist und fast in Echtzeit abläuft, hängen wir alle im sogenannten Recency Bias. Das bedeutet wir schauen in erster Linie auf das, was gerade passiert.

Um aber generell Dinge zu lernen und Dinge einschätzen zu können, muss man immer wieder rauszoomen und Sachverhalte im Zusammenhang sehen. Und um komplexe Zusammenhänge zu verstehen reicht es natürlich nicht aus, kurze, aufgeladene Artikel zu lesen, die viel zu dramatisch sind, weil sich eine nüchterne, faktenbasierte Berichterstattung natürlich nicht so gut verkauft wie der nächste Weltuntergang.

David Perell sagte so schön:

„If the Internet wasn’t so oriented around the current moment, people would be calmer and more intelligent. So if I could change anything about the Internet, I’d dial down its recency bias.“

Also, ich will hier in keiner Weise die Auswirkungen der Inflation, insbesondere für Haushalte mit wenig Einkommen, bagatellisieren, darum geht es gar nicht. Aber in Panik zu verfallen, wird uns allen eher nicht weiterhelfen.

Prognosen sind Prognosen. Was stimmt weiß man immer erst hinterher.

Jetzt kommt aber das Wichtigste: Bedienen wir uns dem besten Schätzwert, den wir für die Inflation haben, nämlich der Einschätzung von Tausenden von Marktteilnehmern in Form der Breakeven-Inflation, so sind wir in nicht allzu langer Zeit wieder bei entspannten Normalwerten.

Wer sich sozusagen für schlauer als der Markt hält, der kann natürlich auf etwas anderes wetten. Aber dann hoffe ich, dass die Informationen aus besseren Quellen als Newsartikeln stammen 🙂

Unsere Meinung: Ruhe bewahren. Und weniger Nachrichten konsumieren, lieber umfangreichere Bücher und Blogs von unaufgeregten, echten Experten zu solchen Themen lesen, wenn einen das näher interessiert.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 21. September, 2022
LETZTE AKTUALISIERUNG: 23. September, 2022
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  • Guter Beitrag. Sehe ich auch so. Weniger Circle of Concern, mehr Circle of Control. Der Mehrwert für den Einzelnen, mehrfach täglich die Geschehnisse auf der Welt nachzuprüfen, ist regelmäßig sehr gering.

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