Ist eine betriebliche Altersvorsorge sinnvoll? – Unsere überraschenden Ergebnisse (2020)

In unseren Webinaren kommt jedes Mal die folgende Frage von unseren Teilnehmern: „Meine Firma bietet da so eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) an. Ist das gut? Soll ich die abschließen?“ Einige Teilnehmer haben bereits eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen und fragen sich dann: “Hab ich da einen guten Vertrag oder sollte ich ihn lieber kündigen?”

Wie kannst Du beurteilen, ob diese Art der Vorsorge richtig für Dich ist? Mit unserem Artikel wollen wir Dir genau dabei helfen, dies herauszufinden.

Kurz vorweg: Dieser Artikel spiegelt unsere persönliche Meinung als Privatanleger wieder – mit Anlageberatung haben wir nichts am Hut. Lies bitte den Disclaimer, hinterfrage alles kritisch und schau Dir möglichst viele verschiedene Quellen an!

Zunächst einmal erklären wir Dir das Prinzip betrieblicher Altersvorsorge. Denn wie immer muss man erst verstehen, wie ein solches Konstrukt funktioniert, damit man die Sinnhaftigkeit beurteilen kann. Dann schauen wir direkt auf konkrete Beispiele – das hilft das Ganze leichter zu verstehen. Und natürlich vergleichen wir die betriebliche Altersvorsorge mit einer Alternative.

Kurzer Hinweis: Alle Quellen, die wir verwenden, sind in unserer Berechnungsdatei zu finden (dazu mehr im Laufe des Artikels).

Wie funktioniert betriebliche Altersvorsorge?

Grundsätzlich handelt es sich um ein simples Prinzip: Dein Arbeitgeber schließt für Dich eine Rentenversicherung o.ä. ab und zahlt monatlich x Euro darin ein. Du kannst dann den Betrag aufstocken, indem Du auf Gehalt verzichtest und selbst etwas hinzuschießt.

Wir merken uns: Du bist ausschließlich der Versicherungsnehmer, Dein Arbeitgeber ist der Vertragspartner. Warum das wichtig ist kommt später noch im Detail.

Was auf den ersten Blick ganz charmant ist: Auf bis zu 276 Euro, die Du monatlich sparen kannst, fallen keine Steuern und Sozialabgaben an (Stand 2020, steigt jedes Jahr ein bisschen). Das bedeutet konkret: Du gibst direkt etwas von Deinem Bruttogehalt ab und zahlst dies in die betriebliche Altersvorsorge ein, ohne dass Du Dein bereits versteuertes Netto-Einkommen investieren musst. So sparst Du Steuern und Sozialabgaben auf diesen Sparanteil.

Die bAV-Rente kriegst Du auch, wenn Dein (ehemaliger) Arbeitgeber irgendwann pleite geht. Denn hierfür ist Dein Arbeitgeber versichert und der Pensionssicherungsverein (ein Hoch auf die deutsche Sprachkultur 🙂 zahlt Dir dann Deine Rente aus.

Soweit so gut.

Um Dich dem Thema anzunähern, solltest Du zunächst auf Deine Gegebenheiten und die Deines Arbeitgebers sowie der angebotenen betrieblichen Altersvorsorge schauen:

  1. Was für ein Modell der bAV bietet Dein Arbeitgeber an? Welcher Rentenfaktor und welcher Zins sind garantiert? (Keine Angst, unten erklären wir Dir, was das ist.)
  2. Entscheidender Punkt: Wieviel gibt Dein Arbeitgeber monatlich dazu?
  3. Wieviel möchtest Du im Monat durch Gehaltsverzicht sparen?
  4. Super wichtig: Planst Du, lange bei einem Arbeitgeber zu bleiben? Oder hast Du vor, häufiger zu wechseln oder Dich sogar irgendwann selbstständig zu machen?

In einem Fall lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge immer: wenn Dein Arbeitgeber alles zahlt. Das kannst Du als Geschenk verbuchen und musst nicht lange überlegen – Du hast ja später nur einen Vorteil davon und musst selbst nichts dazu geben. Interessanter ist die Frage allerdings mit Blick auf Deine Beteiligung beim Ansparen.

Wenn Dein Arbeitgeber nichts dazu geben würde

Drehen wir erst einmal den Spieß um und schauen, was passiert, wenn Du alleine einzahlst, da Dein Arbeitgeber keinen Beitrag leisten will. Mittlerweile ist Dein Arbeitgeber zwar dazu verpflichtet, einen Zuschuss von 15% zu leisten. Das gilt allerdings nur für Neuverträge ab 2019. Bei Altverträgen gilt die Verpflichtung erst ab 2022.

Angenommen, Du verdienst 4.000 Euro brutto, zahlst keine Kirchensteuer und hast noch 30 Jahre bis zur Rente (bist also aktuell 37 Jahre alt). Der Einfachheit halber bleibt Dein Brutto-Einkommen konstant. Daher haben wir auch gleich ein recht ordentliches Gehalt angenommen.

Nun zahlst Du monatlich 219 Euro in eine betriebliche Altersvorsorge ein. Da diese 219 Euro direkt von Deinem Bruttogehalt abgezogen werden, sparst Du jeden Monat 113 Euro an Steuern und Sozialabgaben. Dein „spürbarer Verzicht“ (sprich Netto-Sparbetrag) liegt also nur bei 106 Euro.

Mit 67 gehst Du in Deine lang verdiente Rente und bekommst monatlich 1.521 Euro brutto aus der gesetzlichen Rentenversicherung und 221 Euro brutto aus der betrieblichen Altersvorsorge. Wie kommen diese Beträge zustande?

Zur Berechnung der gesetzlichen Rente kann man sein aktuelles Bruttogehalt einfach in einen Rentenrechner werfen. Zwar handelt es sich dabei nur um eine sehr grobe Schätzung, die aller Voraussicht nach zu positiv ist, denn die Gesetzgebung verändert sich hier ständig. Besser geht es aber nicht, denn Deine jährlich zugesandte Renteninformation kannst Du nicht verwenden. Warum?

Sparst Du in eine betriebliche Altersvorsorge ein, so mindert sich Dein Bruttogehalt und somit Dein Anspruch aus der gesetzlichen Rente. In unserem Beispiel sind es also nicht 4.000 Euro, die zur Berechnung des Renten-Brutto herangezogen werden können, sondern nur 3.781 Euro, da Du monatlich auf 219 Euro an Gehalt verzichtet hast.

Und so verringert sich Dein künftiger gesetzlicher Rentenanspruch auch. Denn Du hast über 30 Jahre lang weniger in die Rentenkasse eingezahlt. Du tauschst also den Steuervorteil in der Ansparphase gegen eine geringere gesetzliche Rente in der Auszahlphase ein. Aber: Du bekommst ja auch was hinzu!

Wir gehen im Beispiel davon aus, dass Du pro 10.000 Euro angespartem Kapital monatlich 28 Euro Rente aus der betrieblichen Altersvorsorge bekommst. Hierbei handelt es sich um eine solide Annahme, schaut man sich aktuelle Rentenfaktoren bei Versicherern an. Der garantierte Rentenfaktor liegt meist niedriger – bei ca. 23,8.

Bevor Du nun Deine Rente genießen darfst, musst Du noch Deiner Bürgerpflicht nachkommen und Steuern sowie Sozialabgaben zahlen. Von Deinem gesamten Brutto aus gesetzlicher Rente und betrieblicher Altersvorsorge bleiben 1.367 Euro Netto-Rente übrig. Der Vorteil durch die betriebliche Altersvorsorge liegt somit bei 76 Euro monatlich.

Wie alt musst Du nun werden, damit sich das Ganze lohnt? Das haben wir in der Zeile “Break-Even bei Lebensalter” berechnet. Wenn Du dieses Alter erreichst, hast Du Dein angespartes Geld zurück. Und jedes Jahr, das Du älter wirst, bringt Gewinn.

Über die Jahre hast Du 38.059 Euro investiert (105,72 Euro Netto-Sparbetrag x 12 Monate x 30 Jahre). Um nun das Geld wieder herauszubekommen, musst Du – Achtung, Trommelwirbel! – 109 Jahre alt werden.

Szenario 1 – bAV Sparrate 219 Euro, kein Arbeitgeberzuschuss

Hm. Da hättest Du die Kohle besser auf Deinem Tagesgeldkonto liegen lassen können. Das wäre vermutlich besser gewesen, denn dann hättest Du sie wirklich auf den Kopf hauen können. So alt wirst Du nämlich vermutlich nicht.

Fazit: Das macht überhaupt keinen Sinn.

Also neues Szenario: Trotz aktuell mauer Zinsen gehen wir sehr optimistisch davon aus, dass sich Dein gespartes Geld mit 2% verzinst. Aktuelle Garantiezinsen der Versicherer liegen meist deutlich niedriger, aber wir denken mal positiv. Alle anderen Annahmen bleiben gleich.

Vollziehen wir die gleichen Rechenschritte, bekommst Du 124 anstelle 76 Euro netto im Monat durch die betriebliche Altersvorsorge und musst „nur noch“ 93 Jahre alt werden, um Dein Erspartes wieder rauszubekommen.

Szenario 2 – bAV Sparrate 219 Euro, kein Arbeitgeberzuschuss, 2% Garantiezins

Fazit: Immer noch bescheuert, sorry. Das muss man sich mal vorstellen! Da braucht man erstmal 26 Jahre Rentenzeit, um überhaupt sein eingesetztes Kapital wieder zurückzubekommen. Eigentlich sollte man doch mehr haben als vorher, wenn man so lange auf Geld verzichtet und es anlegt… Eieiei.

Wenn Dein Arbeitgeber mitmacht

Schauen wir mal auf einen besseren Fall. Dein Arbeitgeber macht mit und schießt 35 Euro im Monat zur betrieblichen Altersvorsorge dazu.

Mit dem Zuschuss sparst Du jeden Monat die voll begünstigten 254 Euro – alles darüber hinaus würde steuerlich keinen Vorteil mehr bringen. Mit anderen Worten: Jeden Euro über 254 müsstest Du von Deinem Nettogehalt dazugeben.

In diesem Beispiel würdest Du netto 153 Euro im Monat an zusätzlicher Rente bekommen. Nun hast Du das Geld bereits nach 21 Jahren wieder raus, musst dafür also 88 Jahre alt werden.

Szenario 3 – bAV Sparrate 219 Euro, Arbeitgeberzuschuss 35 Euro, 2% Garantiezins

Toll, nicht wahr? Das lohnt sich doch! Die Lebenserwartung für aktuell 37-jährige liegt nämlich bei 89,33 Jahren (Frauen) bzw. 84,45 Jahren (Männer). Dann sind die 88 Jahre ja ein realistischer Fall. So grob. Und sobald Du älter wirst, bekommst Du sogar mehr von der betrieblichen Altersvorsorge, als Du eingezahlt hast.

Und damit zurück zur Kernfrage: Ist eine solche betriebliche Altersvorsorge sinnvoll? Um die Frage beantworten zu können, brauchen wir Vergleiche. Darum schauen wir mal, wie es wäre, wenn Du Dein Geld selbst anlegst, anstelle eine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen.

Wenn Du Dein Geld selbst anlegst

Die Annahmen bzgl. Gehalt, Alter, Sparrate etc. in unserem Beispiel bleiben alle gleich. Bei der Sparrate sieht es erstmal traurig aus, denn Du musst den Sparbetrag von Deinem Nettogehalt investieren und kannst somit nur 106 Euro anstelle der 254 Euro sparen, da Du keinen Steuervorteil und keinen Arbeitgeberzuschuss genießt.

Diese 106 Euro legst Du nun brav monatlich an und bekommst ebenfalls 2% Zinsen. Nun gehen wir davon aus, dass Du 95 Jahre alt wirst, um noch einen großzügigen Puffer mit Blick auf die aktuelle Lebenserwartung einzukalkulieren. Vielleicht ernährst Du Dich ja sehr gesund, machst viel Sport und hast gute Gene… Du weißt schon.

Wie sieht dann die monatliche Nettorente aus, wenn Du Dir vom 67. bis zum 95. Lebensjahr Dein angespartes Kapital selbst auszahlst? Jeden Monat bekommst Du 201 Euro raus. Zack.

Szenario 4 – Anlage 106 Euro, 2% Rendite, Lebensalter 95 Jahre

Das sind 48 Euro mehr, als wenn Du über die betriebliche Altersvorsorge den gleichen Nettobetrag sparst, Dein Arbeitgeber 35 Euro dazugibt und Du bis zur Rente in der gleichen Firma bleibst (denn ein Arbeitgeberwechsel macht meist massive Probleme – mehr dazu unten). Und Du müsstest nur 83 Jahre alt werden, um Dein Geld wieder rauszuhaben.

Wie kann das sein? Betriebliche Vorsorge wird doch staatlich gefördert und überhaupt! Zwei Gründe sind zunächst zu nennen: Zum einen minderst Du Deine gesetzliche Rente durch ein niedrigeres Brutto-Einkommen – das haben wir oben schon erläutert. Zum anderen zahlst Du volle Sozialabgaben auf die bAV-Rente – im Gegensatz zu Kapitalerträgen.

Legst Du selbst Dein Geld an, wird „lediglich“ die Kapitalertragsteuer auf Gewinne fällig – mehr nicht. Das mag einem im Vergleich merkwürdig erscheinen, aber bedenke: Du musstest Dein bereits versteuertes Netto-Einkommen investieren!

Der Hauptgrund, warum die betriebliche Altersvorsorge in dem Vergleich schlecht wegkommt, liegt aber an etwas ganz anderem: An dem, was Du vom bAV-Anbieter zurückbekommst. Denn hinter diesem Anbieter steckt natürlich ein Unternehmen, das mit Deiner Vorsorge Geld verdienen will. Das ist ja logisch – ein Versicherungsanbieter ist keine non-profit-Vereinigung. Und dies mindert natürlich deutlich Deine Erträge im Vergleich zum selbst anlegen.

Außerdem sichert sich Dein bAV-Anbieter immer gegen Langlebigkeit ab. Er rechnet also mit einem richtig hohen Lebensalter, das Du vermutlich nie erreichen wirst. Sorry.

Und noch etwas sollte Dir bewusst sein: Sowohl der Rentenfaktor (hier 28) als auch der von der Versicherung garantierte Zins (hier übertriebene 2%) können während der Ansparphase gesenkt werden. Du bist also in Deinem Vertrag nicht vor Änderungen zu Deinen Ungunsten geschützt!

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber diese Berechnungen haben uns richtig wütend gemacht. Da werden Leute gelockt – mit Steuervorteilen und Arbeitgeberzuschüssen – und dann sowas.

Klar, man kann auch immer damit argumentieren, dass Du ja nicht weißt, wie alt Du wirst! Bei der betrieblichen Altersvorsorge bist Du wenigstens bis zum Lebensende abgesichert. Aber wie alt kannst Du realistischerweise werden? Und was bringt es Dir, wenn Du zwar ein lebenlang etwas garantiert bekommst, aber es garantiert super wenig ist? Schauen wir uns das mal auf der eigenen Vorsorgeseite an:

Also angenommen, Du möchtest monatlich bei eigener Anlage auf das gleiche Netto hinauskommen, wie beim besten bAV-Szenario. Das heißt, Du würdest Dir nicht monatlich 201, sondern 153 Euro selbst auszahlen. Dann könntest Du 108 Jahre alt werden! Das musst Du erstmal schaffen!

Szenario 5 – Anlage 106 Euro, 2% Rendite, Lebensalter 108 Jahre

Lebensalter hin oder her – insbesondere die 2% Verzinsung sind eigentlich Quatsch. Die bekommst Du aktuell kaum für irgendein Versicherungsprodukt. Der gesetzliche Garantiezins für Rentenversicherungen liegt bei 0,9%.

Aber wie sieht es aus, wenn Du einfach am globalen Wirtschaftswachstum teilnimmst? Historisch gesehen waren da ganz entspannt 7,7% Rendite im Schnitt drin. Neben den aktuell gezahlten Zinsen für konservative Anlagen wirkt das völlig verrückt, ist es aber überhaupt nicht.

Mit einem ETF auf den MSCI World hätte man diese Rendite im Durchschnitt bekommen, setzte man einen 15-jährigen Anlagezeitraum voraus. Es handelt sich also hierbei weder um eine konservative oder progressive Annahme, sondern einfach um die historische Netto-Rendite eines solchen Wertpapiers.

Angenommen, Du hast das gleiche Gehalt und investierst den gleichen Betrag wie in den bisherigen Szenarien. Nun bekommst Du aber die „Weltmarktrendite“ von 7,7%. Wenn Du davon ausgehst, dass Du 95 Jahre alt wirst, kannst Du Dir monatlich netto (!) 659 Euro auszahlen. 659 Euro anstelle von 153 Euro bAV-Rente. Das spricht wohl für sich.

Szenario 6 – Anlage 106 Euro, 7,7% Rendite, Lebensalter 95 Jahre

Du hast keine Lust zu überlegen, wie alt Du wirst (weiß man ja eh nicht) und Dir ist das zu riskant, Dein Geld selbst Stück für Stück aufzubrauchen? Dann bist Du mit der eigenen Anlage immer noch klar im Vorteil: Wenn Du immer nur so viel entnimmst, wie an Wertsteigerung hinzugekommen ist, kannst Du Dir eine ewige Rente auszahlen.

Das bedeutet, Du lebst von den Erträgen Deiner Kapitalanlage ohne jemals den zugrundeliegenden Kapitalstock aufzubrauchen. Den kannst Du dann vererben oder später doch auf den Kopf hauen oder verbuddeln. Wenn Du das so machst und von den historisch bekannten 7,7% ausgehst, kannst Du monatlich 522 Euro netto raushauen. Ohne dass Dein Vermögen schwindet.

Szenario 7 – Anlage 106 Euro, 7,7% Rendite, Lebensalter ewig

Mag sein, dass der ein oder andere nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen will. Aber auch, wenn zukünftige Renditen niedriger liegen, ist Deine finanzielle Situation in den Beispielen um ein Vielfaches attraktiver, wenn Du selbst vorsorgst.

Du hast Angst, dass die Weltwirtschaft zusammenbricht (sprich: dauerhaft nicht mehr weiter wächst) und Deine ETFs damit wertlos werden? Sei Dir sicher: In diesem Falle wird Dir keine Versicherung der Welt mehr auf ewig Deine Rente zahlen können. Deine betriebliche Altersvorsorge kannst Du damit auch an den Nagel hängen, denn die Versicherungen legen ihr Geld ebenfalls am Markt an.

Was passiert beim Arbeitgeberwechsel?

Das spricht jetzt alles nicht so wirklich für die betriebliche Altersvorsorge. Aber vielleicht möchtest Du ja trotzdem auf diese Weise vorsorgen. Oder zusätzlich – quasi als Mischform – um Deine Anlagen ordentlich zu streuen. Das verstehen wir gut!

Überlege Dir jedoch, ob Du nicht ab und an mal den Arbeitgeber wechseln oder Dich gar selbstständig machen möchtest. Denn eine solche Veränderung führt mit großer Wahrscheinlichkeit zu gravierenden finanziellen Nachteilen in der betrieblichen Altersvorsorge.

Sollte Dein neuer Arbeitgeber Deinen Vertrag nicht übernehmen oder solltest Du Dich selbstständig machen, kannst Du natürlich selbst weiterhin in Deine alte betriebliche Altersvorsorge einzahlen – aber schön von Deinem bereits versteuerten Nettoeinkommen. Die Steuer- und Abgabenvorteile sowie der Arbeitgeberzuschuss entfallen dann.

Oder Du überträgst Dein bereits angespartes Kapital in einen neuen Vertrag, den Dein Arbeitgeber anbietet. Aber aufgepasst:

Der einzige, der von dem Gewechsle was hat, ist der Versicherungsverkäufer (fall niemals auf das Wort “Berater” rein): Der bekommt nämlich für jeden Vertragsabschluss richtig viel Provision, basierend auf der angenommenen, meist jahrzehntelangen Vertragslaufzeit! Und diese Abschlussprovisionen mindert innerhalb der ersten fünf Jahre Deine Ersparnisse.

Das bedeutet: Nach fünf Jahren ist der bisherige Wert erstmal mit allergrößter Wahrscheinlichkeit negativ! Wechselst Du nun den Arbeitgeber, kannst Du wieder Provisionen auf den neuen Vertrag zahlen. Bei dem heutzutage normalen “Arbeitgeber-Hopping” ist das also eine ganz schlechte Idee.

Solltest Du übrigens aktuell ordentlich verdienen und zwischen 4.687 und 6.900 Euro brutto bekommen, ist die Entgeltumwandlung (also das Sparen von Deinem Bruttogehalt in die betriebliche Altersvorsorge) richtig sinnlos. Da Du bereits den Höchstsatz an Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen zahlst, sparst Du nichts bei den Sozialabgaben.

Gleichzeitig minderst Du aber trotzdem Deine künftige gesetzliche Rente. Hier ist der Höchstsatz nämlich erst bei 6.900 Euro erreicht. Somit wird das Verhältnis zwischen Sparbetrag und Rente massiv ungünstig.

Für wen lohnt sich denn nun die betriebliche Altersvorsorge?

Eigentlich verbleiben nur zwei sinnvolle Szenarien:

  1. Du bleibst sehr lange bei einem Arbeitgeber und/oder
  2. Dein Arbeitgeber gibt richtig viel (je nach Expertenmeinung ca. 30-50%) dazu.

Wir sind auf jeden Fall immer noch erschrocken über die Ergebnisse, die einen “anspringen”, wenn man mal selbst nachrechnet und nicht dem Versicherer blind vertraut.

Stichwort Vertrauen: Falls Du wissen möchtest, wem man beim Thema Altersvorsorge (nicht) trauen kann und warum, schau Dir unser Video hierzu an.

Unser Fazit (und das von unabhängigen Experten, die Dir keine Versicherung verkaufen wollen): Das Modell der betrieblichen Altersvorsorge hat für unsere Generation, die nicht mehr wie ihre Eltern 40 Jahre bei Siemens arbeitet, ausgedient.

Neben ordentlichen Renditen verlierst Du außerdem völlig Deine Flexibilität bei einem solchen Versicherungsprodukt. Denn sorgst Du selbst vor, kannst Du jederzeit entscheiden, zu welchem Zeitpunkt Du Dir wie viel auszahlen möchtest und bist nicht an eine konstante Rente gebunden.

Sollte Dein Arbeitgeber willig sein, die betriebliche Altersvorsorge stark zu bezuschussen, kannst Du auch überlegen, ihn lieber darum zu bitten, Dir Dein Gehalt entsprechend zu erhöhen und selbst ETF-Anteile davon zu kaufen.

Vernünftige staatlich begünstigte Vorsorge-Modelle, wie z.B. die 401(k)-Plans in den USA, werden übrigens hier in Deutschland von der Versicherungslobby boykottiert. Ist auch logisch: Der würden dann massiv Provisionen flöten gehen.

Das war jetzt eine ganze Menge Gerechne. Wenn Du unsere Kalkulationen checken, die Quellen nachschauen oder selbst Beispiele mit Deinen eigenen Annahmen durchrechnen möchtest, kannst Du hier unser Berechnungs-Google Sheet erhalten.

Zusammengefasst: So findest Du heraus, ob eine betriebliche Altersvorsorge sinnvoll für Dich ist

  • Stimmen die Prämissen?
    Planst Du, Deinen Arbeitgeber ab und an zu wechseln? Willst Du Dich irgendwann selbstständig machen? Gibt Dein Arbeitgeber wenig dazu? Aller Voraussicht nach ist dann eine betriebliche Altersvorsorge ungünstig für Dich.
  • Verdienst Du zwischen 4.687 und 6.900 Euro?
    Aufgepasst! Du sparst keine Sozialabgaben und minderst trotzdem Deine gesetzliche Rente, wenn Du betrieblich vorsorgst. Die Entgeltumwandlung wird somit super ungünstig.
  • Rechne nach!
    Benutze unsere Datei um zu verstehen, wie Du ausrechnen kannst, ob sich eine betriebliche Altersvorsorge für Dich lohnt und vergleiche sie immer mit Alternativen (z.B. eigener Vorsorge).

Hast Du auch schon mit dem Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge geliebäugelt? Oder besitzt Du bereits eine betriebliche Altersvorsorge? Und hast dann auch schonmal den Arbeitgeber gewechselt? Was ist dann passiert? Schreib uns einen Kommentar, damit die Diskussion ins Rollen kommt!






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  • Alina sagt:

    Danke! Super hilfreicher Artikel!

  • Hallo liebes Lazy Investor Team,

    euren Artikel zur betrieblichen Altersversorgung finde ich gelinde gesagt befremdlich. Er ist voll von wie auch immer entstandenen Annahmen, vergleicht Äpfel mit Birnen und berücksichtigt elementare Themen wie Versteuerung, Möglichkeit der Kapitalabfindung und Nutzung Investment orientierter bAV Tarife (durchschnittliche Wertentwicklung der letzten 15 – 22 Jahre 5,8% nach Kosten) überhaupt nicht.
    Ein Vergleich von 2% Gesamtverzinsung zu 7,7% p.a. – da muss man kein Rechengenie sein um das Ergebnis vorauszusagen ):

    Geht es hier in der community um fachlich/sachliche Unterstützung oder um rein einseitige Stimmungsmache ?

    • Anna sagt:

      Hej Uwe,

      danke für Deinen Kommentar und Deine Hinweise!

      Meines Erachtens haben wir immer erläutert, worauf unsere Annahmen fußen. Magst Du mir ein Beispiel nennen, wo dies nicht der Fall ist? Und wo wir Äpfel mit Birnen vergleichen?

      Die Besteuerung haben wir an jeder Stelle berücksichtigt – wir machen reine Netto-Betrachtungen. Kapitalabfindungen haben wir tatsächlich außer Acht gelassen. Mittlerweile haben uns aber einige Blogleser die Konditionen ihrer bAVs geschickt – die Kapitalabfindungen waren jedes Mal mehr als mau 🙁 Darum sehe ich auch keinen Mehrwert darin, auf sie genau einzugehen. Bei den „Investment orientierten bAV-Tarifen“ wäre es spannend für mich, zu wissen, welche Investments dahinter stecken. Handelt es sich um aktiv gemanagte Fonds? Dann wird es vermutlich mit der durchschnittlichen Wertentwicklung aus der Vergangenheit in der Zukunft nichts leider. Zumindest, wenn man der Statistik traut, der zufolge weniger als 2% der aktiv gemanagten Fonds nach Kosten den Markt langfristig nicht schlagen. Außerdem sind 5,8% nach Kosten auch nicht sooo prall, verglichen mit einer eigenen Kapitalanlage.

      Unsere Mission ist es, mit einigen Mythen im Finanzbereich aufzuräumen. Da gehört eben unserer Meinung auch dazu, die bAV infragezustellen, denn oft ist das gängige Bild sehr idealisiert, obwohl es viele Nachteile gibt. Mit unserem Artikel möchten wir Leuten die Gelegenheit geben, einmal für sich zu überprüfen, ob sich eine bAV tatsächlich lohnt oder ob es für sie bessere Alternativen gibt. Stimmungsmache scheint mir eher das zu sein, was Du hier schreibst – Immerhin bist Du ja als Mitarbeiter eines bAV-Beratungsinstitut eher ein Interessenvertreter als wir 🙂

      Viele Grüße
      Anna

  • Melina sagt:

    Guten Tag,

    ist die ZV-Umlage das gleiche? Ich bekomme da vom Arbeitgeber monatlich 188€ und zahle selbst 45€. Das ist doch viel, was ich von meinem Arbeitgeber bekomme oder verstehe das falsch?

    Liebe Grüße

    Melina

    • Eddy sagt:

      Hej Melina,

      das klingt doch ganz ordentlich! Wir wollen unseren Artikel auch nochmal um weitere Szenarien updaten.

      Viele Grüße
      Eddy

  • Mike sagt:

    Könnt ihr auch noch auf die Auswirkungen der Kündigung einer bAV eingehen?

  • Marco sagt:

    Hallo,

    mir ist ein kleiner Fehler im Text aufgefallen. Ihr sprecht von:
    „Besser geht es aber nicht, denn Deinen jährlich zugesandten Rentenbescheid kannst Du nicht verwenden.“

    Das ist allerdings kein Rentenbescheid, sondern eine Renteninformation: https://rentenbescheid24.de/unterschied-zwischen-rentenauskunft-und-renteninformation/

    • Anna sagt:

      Hej Marco,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Das werde ich sofort korrigieren 🙂

      Viele Grüße
      Anna

  • Harry sagt:

    Wie wird die Netto BAV berechnet? 76€ netto von 221€ Brutto? im Beispiel 1

    Danke

    • Anna sagt:

      Hej Harry,

      danke für Deinen Kommentar!

      Bei den 76 Euro handelt es sich nicht um die Netto-Rente von 221 Euro brutto, sondern – wie beschrieben – um den Netto-Vorteil im Vergleich zur Rente ohne bAV. Dadurch, dass Du weniger an gesetzlicher Rente durch die Reduzierung Deines Brutto-Gehalts bei Einzahlungen in die bAV bekommst, bleibt netto nur ein Zusatz von 76 Euro. Wenn Du genau nachvollziehen möchtest, wie wir gerechnet haben, lade Dir einfach unsere Tabelle herunter! Dort findest Du alle Details. Der Link ist am Ende des Artikels über der Zusammenfassung zu finden.

      Viele Grüße,
      Anna

  • Jasmin sagt:

    Danke für diese ausführlichen Beispiele. Meistens versteht man gewisse Punkte nicht genau, aber ihr habt es sehr verständlich geschrieben.
    Liebe Grüße
    Jasmin

  • Horst sagt:

    Moin. Eine interessante Rechnung, die ihr da aufgestellt habt. Klingt ja ziemlich ernüchternd. Ich versuche das ganze nachzuvollziehen und verstehe nicht, wie ihr bei der BAV auf die Netto Sparrate von 106 EUR und damit ca. 40.000 EUR Kapital kommt. Ich (oder wer auch immer 😉 hat doch vorher viel mehr (ja, brutto) eingezahlt. Und da die Brutto/Netto Differenz doch bei 4.000 EUR Gehalt deutlich größer sein dürfte, als später bei ca. 1.500 EUR Rente kann man doch nicht direkt mit der gleichen Netto Sparrate rechnen. Stichwort Steuersatz. Oder übersehe ich da was?

    • Anna sagt:

      Hej Horst,
      vielen Dank für Deinen Kommentar! Schau Dir bitte mal unsere Berechnungs-Tabelle dazu an, dort kannst Du jeden Schritt nachvollziehen (Link im Artikel unten über der Zusammenfassung). Wir haben das ganze rauf und runter geprüft, wenn Du dann aber noch weitere Fragen hast, schreib unbedingt nochmal!
      Viele Grüße,
      Anna

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