24. Mai, 2021

Nachhaltig Geld fürs Alter anlegen ist eine Farce! Das kannst Du dennoch tun:

Das Wichtigste in Kürze

  • Entgegen der Intuition bekommt ein Unternehmen kein Geld von Dir, wenn Du in Aktien bzw. ETFs investierst.
  • Dafür reduzierst Du durch den Kauf von z.B. „nachhaltigen“ ETFs stark Deine Risikostreuung.
  • Außerdem ist davon auszugehen, dass die Rendite langfristig niedriger sein wird.
  • Du stellst Dich also durch nachhaltige Aktien bzw. ETFs deutlich schlechter, während der Umwelt dadurch nicht geholfen ist!
  • Was mit Abstand den meisten Einfluss hat ist Dein Konsumverhalten. Durch das Kaufen von Produkten nachhaltiger Unternehmen und das Nicht-Kaufen von verwerflichen Produkten erreichst Du viel, viel mehr.

Wer von Euch hat die Einstellung “Nach mir die Sintflut, ich sch*** auf die Umwelt, ausgebeutete Kinder und Tiere!” Hm. Niemand oder? Also hoffentlich! Und viele von Euch möchten sich bestimmt auch ordentlich benehmen, wenn es um Investments geht.

Daher werden wir immer wieder gefragt, wie das geht mit dem nachhaltigen Investieren. Denn stellt man sich möglichst breit am Kapitalmarkt auf, um Risiken zu minimieren, so hat man gerne auch mal den ein oder anderen Sauhaufen von Unternehmen im Portfolio.

Also was tun? Kann ich mein Geld sinnvoll nachhaltig investieren? Oder sollte ich etwas ganz anderes machen?

Investieren am Kapitalmarkt in a nutshell

Was ist – aus unserer Sicht – die mit Abstand beste Strategie für die (Alters-)vorsorge? Stumpfes Investieren in globale Indexfonds. Aha. Und was bedeutet das noch gleich?

Ganz einfach, Du packst in Deinen bunten Investment-Korb die ganze Welt – ganz viele Regionen, ganz viele Branchen, ganz viele Entwicklungsstände – und nimmst so einfach an der allgemeinen globalen Wirtschaftsentwicklung teil.

So minimierst Du massivst Risiken und kannst langfristig Kapital aufbauen, um Deinen Ruhestand – früher oder später – zu genießen. Das ist aus der Sicht eines Daytraders super langweilig, aber dafür das Allersinnvollste, um langfristig vorzusorgen (Wenn Du mehr dazu wissen willst: Komm in unser Webinar, da erklären wir alles ganz genau.)

So ein Indexfonds bildet nun… jap… einen Index nach. Und ein solcher Index wiederum beinhaltet diverse Unternehmen, meist so um die 30 oder 2.500 oder irgendwas dazwischen. Pack ich mir jetzt einen Indexfonds ins Körbchen, dann nehm ich gleich an der Entwicklung der Kurse dieser sehr vielen Unternehmen teil.

Dadurch, dass das eben so viele sind, ist es nicht so schlimm, wenn es bei der ein oder anderen Bude nicht so gut läuft. Außerdem ist das super praktisch, weil ich mir die ganzen Unternehmen nicht selbst zusammensuchen muss, sondern mich easy peasy breit aufstellen kann, indem ich mir ein paar große Indexfonds aussuche und so gleich ganze Märkte im Körbchen hab.

Gute Sache. Gibt es das nun auch in nachhaltig?

Nachhaltige Indizes

Jein. Das Prinzip Nachhaltigkeit versuchen mittlerweile einige Indizes abzubilden. Schauen wir mal auf den MSCI ACWI Sustainable Impact Index – das ist der nachhaltige Sohn vom MSCI ACWI, der wiederum die größten Unternehmen der ganzen Welt beinhaltet. Im Factsheet des nachhaltigen Index heißt es:

The MSCI ACWI Sustainable Impact Index is designed to identify listed companies whose core business addresses at least one of the world’s social and environmental challenges, as defined by the United Nations Sustainable Development Goals. The Sustainable Impact categories include: nutritious products, treatment of major diseases, sanitary products, education, affordable housing, loans to small and medium size enterprises, alternative energy, energy efficiency, green building, sustainable water, and pollution prevention. To be eligible for inclusion in the Index, companies must generate at least 50% of their sales from one or more of the Sustainable Impact categories and maintain minimum environmental, social and governance (ESG) standards.

Soweit, so gut. Aber was sind denn das jetzt für nachhaltige Unternehmen? Wir geben zu, die meisten kennen wir gar nicht, aber direkt unter den Top 10 fällt uns eines ins Auge: Procter und Gamble. Hüh?

Haben die nicht letztens noch ihren Rasierschaum und ihr Shampoo mit Palmöl aus indonesischen Regenwäldern produziert, in denen stark gefährdete Tiere leben (oder jetzt lebten)? Bis 2020 war wohl geplant, auf Palmöl aus Regenwaldzerstörung zu verzichten. Na dann.

Also, die Kategorisierung in “nachhaltige Unternehmen” eines solchen Index muss erst einmal genau verstanden und dann – basierend auf den eigenen, persönlichen Kriterien – abgesegnet werden. Ich vermute, einige von uns würden jetzt das Beispielunternehmen eher nicht als nachhaltig einstufen.

Die Kriterien, was nachhaltig ist, gestaltet übrigens jeder Index-Anbieter irgendwie anders. Das führt zum nächsten Problem.

Was bedeutet denn überhaupt nachhaltig?

Wikipedia sagt dazu: “Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht.”

Das ist natürlich höchst schwammig und schwer greifbar. Eins ist klar: Nachhaltigkeit liegt stark im Auge des Betrachters. Beispiel: Ist für mich das komplette Paket – also ethisch, ökologisch, sozial – relevant oder ist mir neben der Einhaltung von Menschenrechten alles andere nicht so wichtig?

Kann ich also damit leben, wenn sich ein Unternehmen nicht unbedingt ökologisch super korrekt verhält, solange es keine Kinder beschäftigt? Oder muss es auf ganzer Linie nachhaltig sein? Und was bedeutet das wiederum konkret?

Dürfen die dann keinen Dienstwagen haben, weil Autos die Umwelt verschmutzen oder reicht es, wenn der Laden kein Öl in die Weltmeere kippt?

Wo sind die Grenzen? Themen wie Genmanipulation zur Ernährung der Weltbevölkerung z.B. werden super kontrovers diskutiert. Ganz selten sind Unternehmen bzw. Bereiche schwarz-weiß, also nachhaltig oder nicht nachhaltig.

Oder die Rüstungsindustrie – ohne sie hätten wir kein Internet. Das kann man jetzt selbst alles finden wie man will, aber wir sind in keinem Disney-Film unterwegs, wo es die „Bösen“ und die „Guten“ gibt. Die Welt ist viel komplexer.

Ich muss mir also erst einmal genau darüber klar werden, was ich akzeptabel finde und was nicht. Die Erwartungen an einen nachhaltigen Index dürften somit stark auseinandergehen.

Und ganz ehrlich: Wenn ich mal ganz genau in jedes Unternehmen, das es an die Börse geschafft hat, reinschaue, werde ich schon etwas ethisch, ökologisch oder sozial Verwerfliches finden!

Welches große Unternehmen hat nicht irgendwie irgendwann Mist gebaut? Da kommt ja sogar kaum der Mittelstand dran vorbei! Ist das Unternehmen hingegen klein aber fein, wird es nicht börsennotiert und somit nicht im Index gelistet sein.

Übrigens: Die im obigen Index-Beispiel enthaltenen Unternehmen müssen nur 50% ihres Umsatzes gemäß den Nachhaltigkeit-Standards machen. Selbst, wenn man also mit den Kriterien d’accord geht, muss man noch checken, ob die auch zu 100% eingefordert oder ob “ein paar” Schlupflöcher eingebaut sind. Macht eher alles einen scheinheiligen Eindruck finden wir.

Ok, es scheint nicht perfekt zu gehen, aber es gibt doch Indizes, die auf die größten Schurken verzichten – das ist doch schonmal besser als nix; so beispielsweise der Dow Jones Sustainability World Enlarged Index ex Alcohol, Tobacco, Gambling, Armaments & Firearms and Adult Entertainment.

Joa, da ist dann z.B. das sympathische Schweizer Familienunternehmen Nestle mal direkt auf Platz 3 und hält somit eine Gewichtung von 2,17% anstelle von 0,65% im MSCI ACWI. Die ganzen Pharma- und Chemie-Butzen kommen als nächstes. Banken, Autoindustrien etc. mischen natürlich auch vorne mit.

Klar, immer noch besser als Waffen. Aber besser als Alkohol? Ist mal wieder eine ganz subjektive Sache, da tickt jeder anders. Egal, angenommen, ich finde nun einen Index, der meinen persönlichen Nachhaltigkeits-Kriterien genügt; dann kann ich mir doch einfach einen passenden Fonds suchen und fertig ist die Laube. Oder?

Risiko und Nachhaltigkeit

Wie eingangs beschrieben, ist es ja so: Möchte ich langfristig vernünftig, also möglichst risikoarm investieren, sollte ich mich am Kapitalmarkt breit aufstellen. Sonst haut mich eine regionale Krise oder eine Branchenschwäche komplett aus den Latschen und das Geld ist im schlimmsten Falle futsch, weil sich dieser Bereich nie wieder erholt.

Um sich breit genug aufzustellen, sollte man also am globalen Geschehen möglichst vollständig teilnehmen. Das betrifft verschiedene Regionen und Branchen, aber auch verschiedene Anlageklassen.

Wie sieht es nun damit bei nachhaltigen Investments aus? Um beim ersten Beispiel von oben zu bleiben: Mit einem Fonds auf den MSCI ACWI Sustainable Impact Index hat man 94 Unternehmen abgebildet.

Das ist nicht so viel, schaut man auf den Vater: Der MSCI ACWI beinhaltet 2.499 Unternehmen. Mit dem Dow Jones Sustainability World Enlarged Index hat man wenigstens noch 564 Unternehmen im Fonds.

Aber nicht nur die Menge ist entscheidend, sondern auch die Vielfalt. Leider bildet der MSCI ACWI Sustainable Impact Index nur eine sehr überschaubare Anzahl an Branchen ab. Das bedeutet eine denkbar schlechte Kombi: Nicht nur wenige Unternehmen, sondern auch nur ausgewählte Branchen kommen in den Index. Das ist eine richtig heikle Geschichte!

Der Dow Jones Sustainability World Enlarged Index beinhaltet zwar mehr Branchen, aber an die Diversifikation der “normalen” globalen Indizes ist nicht zu denken. Außerdem sind generell solche “Sonder”-Fonds verhältnismäßig teuer und von den Rendite-Einbußen fangen wir jetzt gar nicht erst an.

Wenn also mit einem Indexfonds nachhaltiges Investieren kaum möglich ist, sollte man dann nicht doch lieber selbst die Aktien auswählen?

Bloß nicht! Das Auswählen von Einzelaktien ist für uns langweilige Altersvorsorger sowieso schon null empfehlenswert – wenn man nun noch die vermeintlich nachhaltigen rauspickt, wird es richtig spekulativ.

Neben den großen Risiken, die man eingeht, kommt noch ein unglaublicher Zeitaufwand dazu: Ständig zu kontrollieren, ob die Unternehmen sich einerseits ordentlich benehmen, andererseits auch noch den Renditekriterien genügen oder man sie aus dem Portfolio schmeißen muss, ist nix für nebenbei.

Ja menno. Also Indexfonds gehen nicht, einzelne Aktien auch nicht, was tun? Vielleicht doch alles auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen, um bloß keine fragwürdigen Konzerne zu unterstützen? Ein bisschen Festgeld oder deutsche Staatsanleihen müssten doch wenigstens gehen?

Naja, die Banken oder der Staat werden mit Deinem Geld arbeiten. Und es ist nicht nachvollziehbar, was sie damit tun und wo sie es gerade hinschieben. Das geht vielleicht noch bei Nachhaltigkeitsbanken, aber da ist dann auch nix zu holen.

Trauriges Zwischenfazit

Nachhaltiges Investieren am Kapitalmarkt ist Mumpitz – fast jedes Unternehmen macht außerdem was nicht-nachhaltiges. Du wirst enorm viel Zeit investieren und dabei ein ziemlich hohes Risiko eingehen müssen, weil Du von einigen wenigen Branchen und meist auch noch politisch gestalteten Subventionen (z.B. im Energiesektor) abhängig bist, wenn Du nur in nachhaltige Unternehmen investieren willst.

Ganz am Rande: Diese Realität betrifft auch die klassische Rentenversicherungswelt von Riester, betriebliche Altersvorsorge und Co. Denn die Anbieter solcher Produkte verdienen ihr Geld nicht nur mit Deinen Gebühren, sondern selbstverständlich auch am Kapitalmarkt.

Ich will aber kein egoistischer Kackstiefel sein – was mach ich denn jetzt?

Altersarmut ist ja auch keine Lösung!

Um das gleich vorwegzunehmen: Wir sind trotzdem immer noch große Verfechter vom passiven Investieren mit Indexfonds. Wie können wir denn noch ruhig schlafen?

Indem wir – wie immer – einen Blick auf die echten Zahlen werfen: Wir haben mal konkret geschaut, was passiert, wenn wir z.B. 1.000 Euro in den MSCI World stecken. Das ist ein Index, der im Gegensatz zum MSCI ACWI “nur” die entwickelten Märkte abbildet. Da sind also die rund 1.600 größten Unternehmen dieser Region drin.

Die meisten von den Moneten fließen in Aktien der Tech-Riesen Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet (Stand August 2020). Sie halten zusammen eine Gewichtung von über 14% am MSCI World, das macht dann rund 140 Euro von den 1.000 Euro, die wir investieren.

Wir würden behaupten: Hier liegt das Thema Nachhaltigkeit klar im Auge des Betrachters und man kann möglicherweise in beide Richtungen argumentieren.

Schauen wir mal auf einige definitiv nicht sonderlich nachhaltig anmutende Unternehmen: Von den 1.000 Euro werden 4,77 Euro in Aktien von Exxon Mobil und 7,83 Euro in Aktien von Nestle investiert. Für 2,80 Euro werden Philip Morris-Aktien gekauft, für 2,40 Euro welche vom Rüstungs- und Technologiekonzern Lockheed.

Das ist traurig. Aber stellen wir uns doch mal die folgende Frage: Warum sind diese Unternehmen im MSCI World? Richtig: Weil sie ganz viel Umsatz machen! Und zwar in erster Linie durch das Konsumverhalten von uns reichen Industrienationen-Bewohnern.

Darum ist Dein Investitionsverhalten total nachrangig

Der wichtigste Punkt bei der ganzen Diskussion ist dieser hier: Kaufst Du Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens ein, spülst Du dem Laden real Geld in die Kasse. Du erhöhst seinen Cashflow und mittelbar seinen Gewinn, womit das Unternehmen wiederum weiter wachsen kann.

Doch was passiert, wenn man einem Unternehmen über einen Aktienkauf “Geld gibt”? Dieses landet überhaupt nicht beim Unternehmen selbst, sondern stärkt, wenn überhaupt, nur seine Reputation.

Da sich die Aktien bereits im Umlauf befinden, kaufst Du sie einfach „gebraucht“ von anderen Marktteilnehmern. Geld bekommt das Unternehmen nur beim initialen Börsengang.

Mit einem Aktienkauf leistest Du lediglich einen minimalen Beitrag daran, dass die Nachfrage nach diesen Aktien steigt, was wiederum zu einer Kurssteigerung führen kann. Das hat zur Folge, dass sich das Unternehmen eventuell künftig später leichter neues Kapital durch die Emission neuer Aktien beschaffen kann.

Doch dieses Kapital wird dem Unternehmen auch nur helfen, wenn Leute seine Produkte haben wollen! Im Prinzip hast Du über den Besitz von Aktien übrigens auch ein Mitspracherecht und kannst somit Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen – das nur am Rande.

Warum gibt es denn überhaupt nachhaltige Fonds und Co., wenn das alles ziemlicher Unfug ist? Ganz einfach, wie immer: Damit lässt sich Geld verdienen!

An der ganzen Einführung von ESG-Ratings sowie den europäischen Vorgaben hierzu verdienen übrigens neben den Fondsanbietern am meisten Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater, die jetzt durch die Welt jückeln und die neue Bürokratiemaschine am Laufen halten. Traurig.

Hier findest Du ein super gutes Interview, in dem die ganze Thematik sehr gut erklärt wird.

Wir fassen zusammen:

Während das Unternehmen mit seinen Umsätzen wirklich arbeiten kann und über direkte Produktverkäufe das Feedback bekommt, dass seine Waren nachgefragt werden, ist der Zufluss über Aktien bzw. ETFs ein höchst indirekter. Die Produktion wird also durch Deine Einkäufe, nicht Deine Investments angekurbelt!

Darum gilt: Das, was Du für Deinen Lebensunterhalt ausgibst, hat einen viel, viel höheren Einfluss als das Geld, das Du in Wertpapiere investierst.

Butter bei die Fische, was passiert denn in unserem Alltag so? Wieviel Geld geben wir aus für Sprit, den wir in unsere Autos schütten, wieviel für Fleisch aus Massentierhaltung, wieviel für unter schlimmen Bedingungen gefertigte Klamotten?

Während unser eher unethisches und nicht sonderlich nachhaltiges Ausgabeverhalten im “normalen” Leben meist ausgeblendet wird, richten viele bei der Frage nach ihrer Vorsorge den Scheinwerfer genau auf diese Themen. Aber sollte man nicht insbesondere beim Konsum genau hinschauen?

So förderst Du wirklich Nachhaltigkeit

Das große Geld bringen wir Privatanleger den Konzernen nicht durch Investments in Indexfonds, sondern durch unseren alltäglichen Konsum. Man möge nur die oben genannten Beispielzahlen ins Verhältnis setzen – zur letzten Tankrechnung, zum Sommerurlaub im Süden, zu den Ausgaben für Nahrungsmittel aus Massentierhaltung.

Auch, wenn man schon echt auf das Thema achtet und sich dessen bewusst ist, hinter welchem Produkt welches Unternehmen steckt, wird man oftmals sein Geld genau denen geben, denen man es eigentlich nicht geben möchte. Das fällt halt nur nicht so auf bzw. geschieht gern mal über Umwege.

Worauf es also unserer Meinung nach am meisten ankommt, ist sich im Alltag bewusster zu verhalten und somit seine “Investments” in die als nicht förderungswürdig eingestuften Unternehmen klein zu halten. Wie machen das jetzt Anna und Eddy zum Beispiel?

Zunächst essen und kaufen wir kein Fleisch bzw. ernähren uns weitestgehend pflanzlich. Denn Nutztierhaltung ist ökologisch gesehen ziemlicher Mist (von den ethischen Gesichtspunkten ganz abgesehen).

Wir haben kein spritverbrauchendes Auto und kaufen uns super selten Klamotten. Außerdem kaufen wir generell keinen Quatsch – keinen Kram, z.B. aus Plastik, den man eigentlich nicht braucht.

Wir sind zwar einen großen Teil des Jahres nicht an unserem Wohnort, reisen aber sehr, sehr langsam.

Ist das jetzt der Weisheit letzter Schluss? Geht das nicht besser? Und – ertappt! – machen wir das immer bilderbuchartig und konsequent?

Natürlich nicht! Wir essen gerne Käse. Wir fliegen gerne in die Ferne. Aber wir ziehen es wenigstens zu, keine Ahnung, 70% oder sowas durch.

Wir wollen damit in keiner Weise sagen, dass wir irgendetwas besser machen, sondern dazu inspirieren, worauf man achten kann, wenn man nachhaltig sein Geld ausgeben möchte. Oder vielleicht eher: wenn man mit seinem Geld möglichst wenig Schaden anrichten möchte.

Am nachhaltigsten verhält man sich, wenn man gar nichts konsumiert. Dass das nicht so einfach möglich ist, ist klar; da musst Du schon aus der Gesellschaft aussteigen. Deshalb sind wir der Meinung: Kaufe nur das, was Dich wirklich glücklich macht.

Und wir spenden gerne Geld an unterstützenswerte Organisationen, die sich für aus unserer Sicht nachhaltige Projekte einsetzen.

Uns ist es ebenso wichtig, dass wir vernünftig und risikoarm für unser Alter vorsorgen. Da das Investieren in die normalen „Standard“-Indizes und -Unternehmen nur einen – wenn überhaupt – indirekten Einfluss hat, nehmen wir diesen in Kauf.

Vielleicht schauen wir also einfach mal alle auf das, was wir regelmäßig so konsummäßig anstellen. Denn da fließt die Kohle hin – und zwar in signifikantem Maße. Da ist die Musik drin.

Wir meinen: Ran an unseren Alltagskonsum! Nichts ist nachhaltiger, als wenig zu konsumieren und – wenn man doch etwas braucht – recycelte bzw. Second-Hand-Produkte zu kaufen.

Oder engagiere Dich politisch, damit Deine Steuergelder bald nicht mehr in die Kohle-, Erdöl- oder Rüstungsindustrie investiert werden. Noch viel besser: Gründe ein Unternehmen, das ein Nachhaltigkeits-Problem löst.

All das hat einen viel größeren Einfluss als Deine paar Euros am Aktienmarkt. Und das hohe Risiko, das man durch eine 100% nachhaltige Investmentstrategie eingeht, ist unserer Meinung nach in keiner Weise mit den überhaupt nicht messbaren bzw. umstrittenen positiven Effekten aufzuwiegen.

Zusammengefasst: Das solltest Du zum Thema nachhaltiges Investieren wissen

  • Nachhaltigkeit ist höchst subjektiv
    Es gibt keine allgemeingültige Definition und jeder nachhaltige Fondsanbieter denkt sich seine eigenen Kriterien aus. Jeder Anleger muss für sich entscheiden, was nachhaltig ist. Und es gestaltet sich schwierig, dazu die passenden Indizes zu finden. Wählst Du hingegen ausschließlich einzelne nachhaltige Unternehmen aus, so schließt Du super risikoreiche Wetten ab.
  • Irgendwas ist immer
    Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Jedes größere Unternehmen hat irgendeine Leiche im Keller. Und kein Index, der uns bislang über den Weg gelaufen ist, ist ernsthaft – für unser Empfinden – nachhaltig. Du hast außerdem nicht wirklich die Kontrolle darüber, was mit Deinem Geld passiert.
  • Achte auf Deinen Alltagskonsum
    Wirklich relevant ist, was Du übers Jahr so ausgibst und wem in den Rachen schiebst. Vermutlich unterstützt Du in Deinem Alltag all die bösen Unternehmen, in die Du nie investieren möchtest und gibst ihnen so – paradoxerweise – die viel größeren Summen. Denn würden alle bei ihrem täglichen Konsum in erster Linie Produkte nachhaltiger Unternehmen kaufen, wären diese Unternehmen automatisch in den Top-Bereichen der globalen Indices. Nachhaltiges Investieren wäre dann easy as pie.
  • Schätze den Einfluss Deiner Investments realistisch ein
    Während Du durch Deine Einkäufe ganz direkt einem Unternehmen Geld gibst, passiert das über Investments nur super indirekt: Du hilfst dem Unternehmen lediglich dabei, künftig eventuell leichter Kapital beschaffen zu können. Das Wachstum der Produktion zweifelhafter Waren wird durch Umsätze, nicht durch Aktienwerte angekurbelt!

Das beste zum Schluss: Dieser Artikel spiegelt unsere persönliche Meinung als Privatanleger wieder – mit Anlageberatung haben wir nichts am Hut. Lies bitte den Disclaimer, hinterfrage alles kritisch und schau Dir möglichst viele verschiedene Quellen an!

Was meinst Du? Wie nachhaltig investierst Du Dein Geld oder glaubst Du, ein nachhaltiger Lebensstil ist eh Quatsch?

Anna & Eddy LazyInvestors

Über uns

Hej! Wir sind Anna & Eddy und helfen seit 2016 Menschen dabei, ihre Finanzen selbstständig in den Griff zu bekommen. Zu dem Thema kamen wir aus dem eigenen Schmerz, denn auch wir sahen nicht durch den Wust an intransparenten Altersvorsorge-Produkten durch. Nun haben wir uns in das Thema hineingefuchst und wollen andere davor bewahren, die üblichen Fehler zu machen. Wir sind keine Finanzberater, Anlagevermittler oder Versicherungsmakler, sondern stellen unabhängige Informationen zur finanziellen Bildung bereit. Erfahre hier mehr über uns.

Das könnte Dir auch gefallen

  • Love it. Wie immer treffend auf den Punkt gebracht. Mir gefällt die Rechnung. Als Konsument hat man die viel größere Marktmacht als den Kleinkram, den man als Privatinvestor so verzapft. Die 2,06€ gibt man ja nicht mal direkt Lockhead, sondern jemandem, der diese Aktie gerade verkaufen will. Damit hat man höchstens die Nachfrage an Lockhead Aktien minimal erhöht und die Aktie mikroskopisch wertvoller gemacht.

  • Auf den Punkt. Da ich im Alltag schon soviel wie mir nur irgend möglich ist umsetze (incl. regelmäßiger Recherche ob die „gute“ Firma nicht inzwischen von einer „bösen“ aufgekauft wurde), will ich das aber auch partout bei meinen Finanzen und Versicherungen. Immer wieder entdecke ich einen Haken, der mir ordentlich die Petersilie verhagelt. So richtig macht das alles keinen Spaß. Bleibt mir nur das Mantra „der Weg ist das Ziel“ und hoffe, das sich mit mir gemeinsam noch viele andere Gedanken machen und so sehr langsam aber stetig einen neuen Markt schaffen, der irgendwann mal korrekt bedient wird.

    • Hej Sandra,
      danke für Deinen Kommentar. Wie machst Du es dann bzgl. Deiner Finanzen, wie sorgst Du für das Alter vor?
      Wo entstehen bei Dir Grenzen bzw. wie weit gehst Du Kompromisse ein?
      Viele Grüße
      Eddy

  • Danke fur den wertvollen input..am besten wäre es natürlich den fokus auf ein nachhaltiges konsumverhalten und die tendenz zumindest auf einen nachhaltigen indizes zu geben..
    Das nachhaltige investment vollig zu ignorieren weil es ja eh alles in wirklichkeit trotzdem nicht 100% koscher ist und dann mit der rendite in wirklich saubere projekte investemts wiederum einen ausgleich zu schaffen ist ein fur mich nicht stimmiger ansatz und gleicht definitiv das schlechte gewissen nicht aus..ebensowenig wie man durch spenden vom seinem „unethisch erworbenen geld“ sein karma wieder gut machen kann..die rechnung geht meines erachtens nicht auf und wirkt etwas zurechtgebogen..um seine nicht ganz saubere rendite zu rechtfertigen..

    • Hej Elke,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Wir sind völlig bei Dir und möchten dazu anregen, dass sich jeder dazu Gedanken macht, was er/sie in Kauf nimmt für eine „ordentliche Altersvorsorge“. Klar ist: Am Kapitalmarkt wird es wirklich eng mit strengen Kriterien.

      Viele Grüße
      Anna

  • mal abgesehen von ETFs und Börsenmarkt, es muss doch so etwas wie das direkte Anlegen in kleinere Unternehmen – die es nicht auf den Aktienmarkt schaffen – geben. Vor eins zwei Jahren gab es auf crowdfarming.com den südafrikanischen Viehbauern, bei dem man online Anteile an seinen Kühen kaufen und somit jedes mal am Profit aus dem Verkauf der Milchprodukte beteiligt wurde. Diese Option finde ich auf besagter Plattform mittlerweile nicht mehr. Aber das Prinzip ist doch super, und könnte parallel eine 100%ig nachhaltige, umwelt- & menschenfreundliche Geldanlage werden. Kennt ihr vielleicht weitere Beispiele, wo in diese Richtung Möglichkeit geschaffen werden?

    • Hej Johannes,
      glücklicherweise gibt es super viele tolle Projekte derart, die man unterstützen kann! Leider kennen wir keine Plattform o.ä., auf der es einen gebündelten Überblick gibt, aber vielleicht ein anderer Leser? Sonst erfährt man ja normalerweise über sein erweitertes Netzwerk von Projekten, in die man investieren mag. Kleiner Hinweis noch: eine „100%ig nachhaltige, umwelt- & menschenfreundliche Geldanlage“ gibt es unseres Erachtens nicht. Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: Milchproduktion – in welcher Form auch immer – ist weder nachhaltig noch umweltfreundlich 🙂 Aber darum geht es ja nicht, sondern – wie immer – darum, das zu unterstützen, was man gut findet. Als langfristige Altersvorsorge ist das jedoch eine sehr riskante Geschichte, wie wir im Artikel beschrieben haben. Da kommt man aus unserer Sicht an breit gestreuten Indizes nicht vorbei, um etwaige Risiken durch Diversifikation einzudämmen.
      Viele Grüße
      Anna

  • Super Zusammenstellung. Das hatte mir bis dato gefehlt und es macht Sinn in meinem Kopf. Den nachhaltigen Lebensstil im Alltag ohne eigenes Auto, bewusste Nahrungsmittelauswahl, SecondHand-Kleidungskauf und Solawi- und diverse Vereinsmitgliedschaften habe ich schon und mit dem Wissen aus eurem Webinar und Blogeinträgen hätte ich nun ein bisschen weniger schlechtes Gewissen, breit in ETFs anzulegen. Sollen die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abgewendet werden, müssen eh quasi alle Unternehmen ganz schnell nachhaltiger werden… Die erfolgreichen Unternehmen sind die, die wir zu solchen machen.

    • Hej Paula,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Freut uns sehr, dass Dir der Post gefällt 🙂

      Viele Grüße,
      Anna

  • Hi Anna und Eddy, ich bin noch nicht mit dem Kurs durch, vielleicht wird noch meine Frage später beantwortet aber ich stelle sie trotzdem hier: Ist es möglich bei dem Geld was ich in einem bestimmten ETF anlege, bestimmten Unternehmen unterschiedlich zu gewichten? (Dadurch könnte ich in meinem Portfolio bestimmte Unternehmen ausschließen, die ich nicht unterstützen möchte). Danke.

    • Hej Aldo, Du kannst nicht sozusagen händisch aus einem ETF einzelne Unternehmen entfernen oder anders gewichten, das geht nicht. Das ist ja der Clou an einem ETF: Die Zusammenstellung und Gewichtung erfolgt einfach basierend auf dem zugrundeliegenden Index. Du kannst also höchstens einen ETF wählen, der bestimmte Branchen/Firmen ausschließt, wie wir in dem Artikel hier beschrieben haben 🙂 Viele Grüße, Anna

  • Das ist ein wirklich einseitiger und sehr verallgemeinernder Artikel. Der „Beweis“, dass als nachhaltig bezeichnete ETFs nicht als solche zu bezeichnen sind, ist purer anecdotal evidence – es wird ein einzelner herausgepickt und dann die Nachteile dargestellt. Es gibt haufenweise als sustainable bezeichnete ETFs, die sehr viel mehr Firmen beinhalten als der hier dargestellte – trotzdem wird es so dargestellt, dass man automatisch eine kleinere Streuung, weniger Marktabdeckung hätte etc. Das stimmt einfach nicht. Ausserdem ist es nicht so, dass jeder Anbieter sustainability wahllos für sich definiert. Die allgemeinen Kriterien wie ESG und SRI sind durchaus homogen, in den Details unterscheiden sie sich anhand der Anbieter – natürlich muss man selber ein bisschen gucken, wenn es einem das wert ist. Auch der Punkt mit der langfristig niedrigeren Rendite hat sich in der Vergangenheit offensichtlich als falsch herausgestellt.
    Natürlich ist sustainability ein Trendthema und es schleich sich automatisch schwarze Schafe ein. Es bleibt einem nie erspart, zumindest etwas eigene Recherche aufzubringen. Aber deswegen alle nachhaltigen Fonds abzukanzeln, ist ein Totschlagargument und wirklich kurz gedacht.

    Eure Grundaussagen, dass das persönliche Konsumverhalten wichtiger ist, ist richtig. Aber eure Argumente gegen jede Art von nachhaltigen Fonds sind sehr schwach und halten einem genaueren Blick nicht stand.

    • Hey David, welche nachhaltigen Index-Fonds würdest du denn empfehlen?

    • Hej David,

      sorry, das stimmt so leider nicht. Wie auch im Video gezeigt, ist es rein mathematisch logisch, dass wenn man eine weitere Variable wie eben zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien hinzufügt, die Diversifikation geringer wird, somit das Risiko für den Anleger steigt.

      Von wahllosen Kriterien sprechen wir auch nicht, aber jeder legt halt andere fest, was ist denn dann richtig? 😉

      Renditeprognosen aufgrund von so kurzen Laufzeiten bei nachhaltigen Fonds zu treffen macht ebenso wenig Sinn.

      Immerhin sind wir uns im Konsumpunkt einig 😉

      Nichtsdestotrotz wollen wir nochmal betonen, dass wir auch für eine bessere Welt sind und nichts davon haben, nachhaltige Fonds schlecht zu machen – im Gegenteil.

      Allerdings wollen wir die echten Fakten zeigen und unseren Recherchen nach machen nachhaltige Fonds die Welt leider nicht besser.

      Schau Dir dazu gerne auch noch dieses Video an, da wird das auch nochmal super erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=QKRCE_RdFvc

  • Hallöchen, ich frage mich folgendes: in einer perfekten Welt, wo niemand mehr Geld für Waffen, Kohle, etc. ausgibt, müssten die entsprechenden großen Unternehmen, die man ja auch im MSCI World findet, pleite gehen. Wenn ich jetzt trotzdem in ETFs dieses Indexes investiere, müsste ich doch langfristig mit Verlusten rechnen oder nicht? Eben weil die Unternehmen aufgrund veränderter Konsummuster pleite gehen? Liebe Grüße:)

    • Solange es ein allgemeines Wachstum gibt, wächst auch der MSCI World. Und es würden ja neue Unternehmen nachrücken – ganz nach dem Prinzip Bundesliga (die einen steigen ab, die anderen auf). Insofern macht dieses Szenario aus unserer Sicht nicht wirklich Sinn 🙂

      • Aha, dieses Nachrücker-Prinzip hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dankeschön!

  • Wow wow wow, reiner Mindblow!! Habe mich so viel mit dem Thema beschäftigt, aber das war jetzt mal eine ganz andere Perspektive! Total einleuchtend. Tatsächlich komme ich für mich zu der Schlussfolgerung ( vor erst), dann eben nur teilweise in nachhaltige zu investieren, habe mir aber das Video noch nicht angeschaut.

    Was haltet ihr denn von dem FairWorldFonds? Sinnvoll oder nur was für’s gute Gewissen?

    • Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar! Bei dem von Dir beschriebenen Produkt handelt es sich um einen aktiv gemanagten Fonds, was nochmal eine ganz andere problematische Komponente mit sich bringt im Vergleich zu ETFs. Wenn Dich das näher interessiert, lies Dir mal unseren Altersvorsorge-Fahrplan durch oder schau Dir unser Video an!

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    HOW TO MAKE ALTERSVORSORGE SUCK LESS - DER FAHRPLAN

    Entdecke die vier größten Mythen der Altersvorsorge. Lerne, welche Fehler die meisten Leute machen und was Dir die Finanzindustrie verheimlicht – bereits über 10.000 Abonnenten.

    Altersvorsorge Fahrplan LazyInvestors
    >