Warum ein Autokauf oft keine schlaue Entscheidung ist und was sich stattdessen lohnt • LazyInvestors

Warum ein Autokauf oft keine schlaue Entscheidung ist und was sich stattdessen lohnt

Nicht lange ist es her, da galt ein schickes Auto noch als Statussymbol. Heutzutage sieht das bei vielen Leuten anders aus: Während in den Städten Carsharing immer mehr Anklang findet und die Parkplatz-Suche immer hoffnungsloser wird, steht auch auf dem Land eher Fortbewegung als Prahlerei im Vordergrund.

Als Leser unseres Blogs vermuten wir eh mal, dass es Dir nicht so sehr um ein Aushängeschild Deines Egos geht, wenn Du mit dem Gedanken spielst, Dir ein neues Auto zuzulegen. Vielmehr werden praktische Gründe dahinterstehen:

Möglicherweise lebst Du in der Stadt und kommst im Alltag mit den ganzen Mobilitätsangeboten gut zurecht, aber im Sommer würdest Du schon gerne spontan an die Ostsee fahren und eigentlich nervt Dich auch oft der volle Bus morgens zur Rushhour. Außerdem sind beim Einkaufen die Getränkekisten eine ziemliche Herausforderung. Oder Nachwuchs ist in Sicht und ein Auto würde das Leben deutlich leichter machen.

Vielleicht bist Du aber auch dabei, Deinen Wohnsitz aufs Land zu verlagern und überlegst, Dir ein Auto anzuschaffen, um schneller bei Deinem Arbeitgeber in der Stadt zu sein. Oder Du spielst mit dem Gedanken, zu einer Firma zu wechseln, die weiter weg ist, was einen Autokauf notwendig machen würde.

Es gibt viele Gründe, die Dich zu dem Gedanken bewegen können. Lass uns also gemeinsam schauen, wann ein Autokauf Sinn machen kann – unter Kosten- und Lifestyle-Gesichtspunkten.

Wann ist ein eigenes Auto günstiger?

Um die Frage beantworten zu können, müssen wir erst einmal herausfinden, wie hoch die realen Kosten für ein Autos sind. Hierfür haben wir uns aus den Top10 der insgesamt günstigsten Autos (nicht nur mit Blick auf den Kaufpreis, sondern auch auf die Unterhaltskosten, Spritverbrauch etc.) mal drei Modelle herausgepickt und durchgerechnet.

Da Du Dir als preisbewusster Blog-Leser vermutlich keinen Neuwagen zulegen möchtest, haben wir das Ganze natürlich auch für einen Gebrauchtwagen durchgerechnet. Lass uns also anhand dieses Beispiels mal ein paar Vergleichsrechnungen durchführen. Kurzer Hinweis vorweg: Alle Quellen für die folgenden Annahmen findest Du in unserem GoogleSheet .

Nach ca. drei Jahren haben die meisten Autos schon den größten Werteverlust hinter sich; gleichzeitig sind sie aber noch gut in Schuss und somit ein prima Kompromiss aus günstigerem Kaufpreis und immer noch günstiger Instandhaltung:

Ein VW Polo, der drei Jahre alt ist, kostet durchschnittlich rd. 7.000 Euro. Die monatlichen Kosten für Versicherung, Steuer, Reparaturen und Co. liegen bei mindestens 222 Euro (hierbei handelt es sich um die Kosten für einen Neuwagen – vermutlich sind sie somit bei einem älteren Modell höher).

Durchschnittlich liegt die Haltedauer für ein Kfz in Deutschland bei aktuell 9,3 Jahren, während die jährliche Fahrleistung bei rd. 13.300 Kilometern liegt. Bei unserem Beispielfahrzeug liegt der Spritverbrauch bei ca. 5,5 Litern pro Kilometer (Super).

So, wenn wir nun alle Daten in die Rechenmaschine schmeißen, kostet uns der Wagen rd. 41.000 Euro für eine Haltedauer von besagten 9,3 Jahren. Im Monat sind das 366,05 Euro. Statistisch gesehen hat das Fahrzeug keinen Restwert mehr – vielleicht kriegst Du es aber noch für ein paar Euros los.

41.000 Euro. Hm. So allein betrachtet weiß man jetzt gar nicht, ob das viel oder wenig ist und erst recht nicht, ob sich das lohnt. Also schauen wir mal, wie man sich alternativ mit 41.000 Euro über neun Jahre lang fortbewegen kann.

In der Stadt könntest Du beispielsweise Carsharing nutzen. In dem gesamten Nutz-Zeitraum des VW Polos könntest Du Dich zu zweit mit einem Smart fast 6 Stunden pro Woche fortbewegen. Soll die ganze Familie mit und der Großeinkauf gemacht werden, brauchst Du einen Kombi. Dann kannst Du noch entspannt über 4 Stunden pro Woche durch die Gegend gurken.

Es geht noch wesentlich dekadenter: Du könntest ebenso mit dem Taxi zum Supermarkt fahren. Und zwar 29 Kilometer pro Woche! Auf dem Land schaffst Du es noch weiter – da könntest Du easy peasy 40 Kilometer Taxi pro Woche fahren. Das sollte für Erledigungen, bei denen man einen Kofferraum braucht, ja locker reichen.

Zurück zu wirtschaftlicheren Ansätzen: Nimm Dir einen Mietwagen. Für die tatsächlichen Autokosten wäre der zwei Tage pro Woche drin! Inklusive Sprit für die Durchschnittskilometer.

Du siehst – mit dem “Ich muss öfters mal große Dinge transportieren”-Argument wird sich ein Auto niemals rechnen. Wenn Du nur Dich selbst transportieren musst, erst recht nicht: Für die Fahrzeugkosten kannst Du Dir mit zwei Erwachsenen und sechs Kindern an sechs Tagen die Woche eine Tageskarte für ganz Hamburg kaufen.

Du kommst sogar über 100 Kilometer weit ins Umland – ein Erwachsener mit drei Kindern kann sich an fünf Tagen pro Woche eine Tageskarte holen. Der Preis einer Monatskarte für den Gesamtbereich ist nicht einmal so hoch wie die monatlichen Fixkosten für ein Auto.

Das Auto, mit dem Du liebäugelst, ist viel günstiger und bei Dir in der Stadt kostet die Minute Car2Go nicht 26, sondern 28 Cent? Kein Problem – klicke hier und erhalte unsere Berechnungs-Datei, aktualisiere sie um Deine Annahmen/Kosten und schau mal, wie die Lage bei Dir ist.

Wie steht es um die Zeitersparnis?

Wir sind uns sicher: Ein Auto rechnet sich nicht, solange man nicht völlig abgeschnitten von der Welt lebt. Wie sieht es hingegen mit der Zeitersparnis aus? Klar, mit einem eigenen Wagen ist man grundsätzlich erstmal schneller unterwegs als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Aber wie oft standen wir alle schon im Stau auf den Autobahnen und in der Stadt? In und um Hamburg verbringen die Autofahrer durchschnittlich 55 Stunden im Jahr im Stau. Dies sollte also bei der Berechnung der echten Zeitersparnis berücksichtigt werden.

Außerdem braucht Dein Auto von Dir selbst – im Gegensatz zur Bahn – viel Zeit. Es muss erst einmal ausgewählt und gekauft werden (gerade bei Gebrauchtwagen ein zeitintensives Unterfangen), dann muss es regelmäßig zur Inspektion und – je älter es wird – immer öfter in die Werkstatt gebracht werden. Die Reifen müssen zweimal im Jahr gewechselt werden und so weiter.

Im Vergleich zu all dem kannst Du Deine Zeit in der Bahn viel besser nutzen – zum Lesen, Meditieren, Arbeiten oder – extrem wichtig für unser Hirn – zum Nichtstun. Finden wir persönlich wesentlich besser als Auto fahren.

Alles schön und gut, aber um zum nächsten Bahnhof zu kommen, müsstest Du erstmal den Bus nehmen und das nervt ehrlich gesagt? Finden wir auch! Nimm also das Fahrrad! Dann hast Du zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Du hast einen Haufen Asche gespart und Dich bewegt. Sieh das Auto als Deinen freiwillig gewählten Rollstuhl. Das klingt hart, aber das ist es doch! Ein überdachter Rollstuhl für Menschen, die ihre Beine eigentlich benutzen könnten und sollten.

Bist Du dazu “gezwungen”, normalerweise Rad zu fahren oder zu gehen, wirst Du das auch tun. Wir beobachten immer wieder, dass die Autobesitzer ihren Wagen nicht nur – wie unter guten Vorsätzen geplant – bei Schneestürmen, Dauerregen und für Party-Einkäufe nutzen, sondern um keine Ausrede verlegen sind. Das Rad wird zu Hause gelassen, wenn sich irgendein Grund findet (“Heute bin ich zu müde”). Wir Menschen sind faul – eröffne Dir gar nicht erst die Möglichkeit, Deine Bequemlichkeit siegen zu lassen.

Du überlegst, einen neuen Job weiter weg anzunehmen und dafür ein Auto anzuschaffen? Rein wirtschaftlich betrachtet ist auch der Fall nicht unbedingt vorteilhaft. Für unser Beispiel-Auto müsstest Du im Jahr 4.400 Euro mehr verdienen – und zwar netto.

Anders herum betrachtet kannst Du Dich auch fragen, wie viele Stunden Du arbeiten musst, um Dein Auto zu finanzieren. Gehen wir wieder von unserem Beispiel aus und nehmen an, dass Du 2.000 Euro netto im Monat verdienst, dann wären das 3.472 Stunden für die gesamte Haltedauer. Allein für den reinen Kaufpreis des Gebrauchtwagens müsstest Du 595 Stunden ackern. Das sind 3,7 Monate!

Bricht man nun die Gesamtkosten Deines fahrbaren Untersatzes auf die Beispiel-Haltedauer von 9,3 Jahren herunter, wären es im Jahr 2,3 Monate, die Du ausschließlich für Dein Auto arbeitest. Puh. Hier kannst Du übrigens Deine eigenen Daten eintragen und selbst nachrechnen.

Fassen wir zusammen: Das Auto ist in den meisten Fällen – wenn man mal ehrlich ist – ein Luxusgut und somit eine Lifestyle-Entscheidung. Für Bequemlichkeit. Keine gute Idee finden wir.

Eigentlich wollten wir auch die positiven Seiten des Autokaufs herausarbeiten, aber irgendwie liegt uns das nicht. Vielleicht sind wir da zu befangen. Wir investieren viel lieber das Geld für ein potentielles Fahrzeug und gehen damit früher in Rente.

Bleibt man bei unserer Beispielrechnung und legt jeden Monat den Betrag von 366,05 Euro zur normalen Marktrendite an, wird nach 30 Jahren daraus ein Vermögen von 352.387,42 Euros herauskommen. Nach Steuern! Stark oder? Da sind dann auch noch ein Fahrrad und die Monatskarte drin.

Übrigens, bei uns reicht in 95% der Fälle für Transporte ein Fahrrad vollkommen aus. In einen Fahrradkorb passt erstaunlich viel. Muss mal was von A nach B gebracht werden, was sperrig und nervig ist, wird halt Carsharing genutzt.

Unser am meisten zur Verwendung kommendes Lasten-Transportmittel ist jedoch ein Longboard: Damit kann man Pakete zur Post bringen, vier Bierkästen vom Supermarkt nach Hause schieben und sogar Lattenroste zum Wertstoffhof bringen. Dabei bewegt man sich dann auch noch und zaubert Leuten um sich herum ein Lächeln auf die Lippen 🙂

 

Zusammengefasst: Das solltest Du bedenken, wenn Du Dir ein Auto zulegen willst

 

  • Es wird sich vermutlich nicht rechnen
    Lüg Dir nicht selbst in die Tasche: Wenn Du nicht gerade abgeschieden von jeglicher Zivilisation lebst, wird ein Autokauf keine wirtschaftliche Entscheidung sein. Du kannst umfangreich und großzügig alternative Transportmittel nutzen, bis Du ansatzweise auf die tatsächlichen Kosten eines eigenen Fahrzeugs kommst.
  • Du wirst Dich weniger bewegen
    Wenn Du die Wahl zwischen Auto und Rad/gehen hast, wirst Du Dich wesentlich öfter für das Auto entscheiden, obwohl es gar nicht notwendig wäre. Du bewegst Dich weniger und bist nicht dem Wetter ausgesetzt, was einen – zumindest in unseren Breitengraden – massivst abhärtet.
  • Du gehst anderen Leuten auf den Senkel
    Damit spielen wir nicht nur auf die Umweltverschmutzung an. Autos sind laut, nehmen viel Platz weg und sind ziemlich gefährlich für Fußgänger und Radfahrer. Sei nett zu Deinen Mitmenschen und belästige sie nicht mit einem motorisierten fahrbaren Untersatz.

Wie ist Deine Meinung? Was spricht für Dich gegen oder für einen Autokauf? Schreib uns einen Kommentar.






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