Warum wir nichts von Zielen halten

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Sollte man sich Ziele setzen? Bei dieser Frage spalten sich oft die Lager.

Wir sind eher auf der Anti-Seite. Das heißt jetzt nicht, dass wir wild und chaotisch durch die Gegend eiern. Aber so ein klassisches Ziel nach dem Motto “Zu Weihnachten in zwei Jahren soll eine Million Euro auf dem Konto sein” gibt es bei uns nicht.

Warum kommen wir dann trotzdem einigermaßen zurecht und kriegen auch so einiges auf die Reihe? Uns treiben normalerweise zwei Dinge an: Entweder die Lust an etwas, die einen zieht oder der Schmerz, der einen sozusagen schiebt.

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Wir legen grundsätzlich Richtungen fest, in die wir streben wollen. Aus “weg von einem Schmerz” bauen wir Prozesse, um sich zu verbessern. Fortschritte und Weiterentwicklung kann aber auch rein lustgetrieben sein, ohne den (unnötigen) Druck eines festgesetzten Ziels.

Denn genau das passiert unserer Meinung nach, wenn man sich Ziele setzt: Man übt Druck auf sich aus. Ist die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung dann höher? Bewiesenermaßen ja!

Aber der Weg zum Ziel ist dann sehr gerne auch mal richtig anstrengend, blöd und macht überhaupt keinen Spaß. Dann hat man ein Ziel erreicht, verspürt ein kurzes Yay! – und was dann? Danach stellt sich der Gewöhnungseffekt ein und man fühlt sich genau so wie vorher.

War es dann die Sache wert, sich ein Ziel aufzuzwingen?

Wir glauben nicht. Viel erstrebenswerter ist es unserer Meinung nach, am Prozess selbst Freude zu haben und sich dann zusätzlich über das Erreichen eines neuen Levels zu freuen.

Und genau daran sollte man unserer Meinung nach arbeiten: dass einem die täglichen Prozesse möglichst viel Freude bereiten. Es ist total klar, dass das nicht immer easy peasy machbar ist, aber wenn man das im Hinterkopf hat, bringt das schon eine andere Sicht auf die Dinge im Alltag.

Dann prügelt man sich weniger durch einen miesen Job, um viel Geld zu verdienen oder durch das Hardcore-Sportprogramm, um einen Waschbrettbauch zu haben. Diese Beispiel-Ziele (viel Geld oder Waschbrettbauch) bringen einen im Leben nicht wirklich voran, wenn man mal ehrlich ist. Da ist es doch schöner, man hat täglich Spaß an der Arbeit oder am Sport – ohne unbedingt ein anderes Ziel anzustreben, als einen guten Prozess zu gestalten.

Macht es jetzt überhaupt nie Sinn, sich Ziele zu setzen?

Es kommt auf die Situation an. Verdienst Du einfach viel zu wenig Geld, um Dich und Deine Familie ordentlich zu ernähren, gibt es ja ein klares Ziel (=genug verdienen). Aber musst Du das wirklich als antreibendes Ziel setzen, um aus der misslichen Lage rauszukommen? Oder wirst Du nicht eh alles dransetzen, Deine Grundbedürfnisse decken zu können?

Eigentlich sollte es immer eine intrinsische Motivation geben, einer Sache zu folgen. Und dann macht man es auch – egal, ob ein Ziel dahinter liegt oder nicht – so gut, wie man kann. Ist es nichts Überlebenswichtiges, dauern Fortschritte vielleicht länger. So what?!

Ein selbst auferlegtes Ziel kann so eine intrinsische Motivation schnell zunichte machen, denn man fühlt sich ja oft schlecht, wenn man einen Meilenstein nicht erreicht hat oder dem Zeitplan hinterherhinkt.

Eddy geht aktuell zum Beispiel fleißig zum Gesangsunterricht und würde irgendwann gerne mal auf der Bühne stehen und einen zum besten geben. Der Unterricht macht ihm so viel Spaß, dass er sich sogar noch einen zweiten Lehrer genommen hat, um noch mehr Fortschritte zu machen.

Das macht er alles ohne Druck. Es steht kein Termin im Kalender, an dem sein Konzert stattfindet. Es macht ihm einfach Spaß. Ein Gig wäre total toll, aber das Singen alleine bereitet ihm schon super viel Freude.

Auch, wenn es nie zu dem Konzert kommt, wäre für ihn alles in Ordnung.

Natürlich läuft es nicht in allen Lebensbereichen bei uns so wie bei Eddys Gesangsunterricht, aber unser Fokus liegt sehr darauf, dass uns die Dinge, die wir tagtäglich machen, möglichst viel Freude und Zufriedenheit bringen. Und klar, zwischendurch ist das auch hart und unbequem. Aber das nehmen wir gerne in Kauf, wenn wir insgesamt einen freudebringenden Prozess verfolgen. Da hilft es, die Konsequenzen im Blick zu behalten.

Nicht ohne Grund haben wir einen Investor für LazyInvestors und mehrere Verlagsangebote für das Herausbringen eines Buches abgelehnt: Uns würde es einfach keinen Spaß machen, uns tot zu ackern. Die Investoren und Verlage kommen nämlich dann auch mit Jahreszielen um die Ecke 😉

Wie ist Deine Meinung über Ziele setzen – hilft Dir das oder eher nicht, um zufrieden zu sein? Was waren Deine Erfahrungen bisher, wann waren Ziele für Dich sinnvoll und wann nicht? Schreib uns hier einen Kommentar!

Verfasst von Dr. Anna Terschüren & Martin Eckardt
Veröffentlichung: 09. Juli, 2020
LETZTE AKTUALISIERUNG: 11. Dezember, 2023
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