NASDAQ, S&P 500, DAX – Lohnt es sich darin zu investieren?

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„Hey Lazy Investors! Der NASDAQ hat in den letzten Jahren den MSCI World um Längen geschlagen. Warum sollte ich nicht einfach voll auf Tech setzen?“

Diese Frage hören wir oft – mal geht es um Tech, mal um die USA, mal um den DAX. Denn alle drei Indizes, also NASDAQ, S&P 500 und DAX, haben in den letzten Jahren hervorragend performt.

Hinter der Frage steckt eigentlich eine tiefere Überlegung: Warum die ganze Welt kaufen, wenn man auch gezielt in die Gewinner investieren kann? Genau das schauen wir uns jetzt an.

Was sind NASDAQ, S&P 500 und DAX? Die wichtigsten Unterschiede

Zunächst zur Abgrenzung: In was investiere ich, wenn ich einen ETF auf den NASDAQ, S&P 500 oder DAX kaufe? Der NASDAQ ist stark auf Technologie konzentriert und umfasst amerikanische Tech-Aktien. Der S&P 500 beinhaltet nur Aktien aus den USA, während der DAX ausschließlich deutsche Aktien umfasst.

Ein globaler ETF hingegen enthält Aktien aus allen Regionen und allen Branchen. Damit bist Du überall beteiligt – egal, wo gerade Wachstum entsteht. Das Ganze erfolgt nach einfachen Regeln und beinhaltet sozusagen die erfolgreichsten Unternehmen der Welt, wobei die besten auch ein größeres Gewicht bekommen.

In den letzten Jahren waren der NASDAQ und der S&P 500 besser als ein globaler Aktien-Index wie der MSCI ACWI. Das Problem dabei ist allerdings, dass es sich um eine recht kurze Rückschau handelt.

Denn historisch wechseln die Gewinner ständig: In den 1980ern boomte Japan – alle dachten, das geht ewig so weiter. Danach kam eine lange Durststrecke mit jahrzehntelang kaum Rendite. Erst in letzter Zeit haben sich japanische Aktien wieder erholt.

Und nur, weil etwas „die Zukunft“ ist, heißt das noch lange nicht, dass die entsprechenden Aktien immer steigen werden. Die Zusammenhänge sind alles andere als trivial. Vor 30 Jahren zum Beispiel war die Automobilindustrie in den Industrieländern ganz hoch im Kurs und niemand hat damit gerechnet, dass das mal anders laufen wird. Oder ein jüngeres Beispiel: Die Cannabis-Branche hat in den 2010er Jahren einen krassen Boom erlebt, weil Legalisierungen und große Hoffnungen auf schnelles Wachstum die Aktienkurse in die Höhe getrieben haben. Doch statt des dauerhaften Höhenflugs kam der tiefe Fall: Viele Cannabis-Aktien verloren 80 Prozent oder mehr an Wert. Die ganzen bürokratischen Hürden, Überproduktion, die weiterhin starke Konkurrenz durch den Schwarzmarkt und der harte Kampf vieler Firmen, überhaupt Gewinne zu machen, haben dafür gesorgt, dass die Kurse den Bach runtergegangen sind – entgegen der Erwartungen der ganzen Investoren.

Gleichzeitig gab es Legalisierung, steigende Nachfrage, immer mehr medizinischer Einsatz und einen Zukunftsmarkt. Es handelte sich also um eine relevante Branche – aber die Aktienkurse sind seit Jahren im Keller. Wirtschaftlicher Erfolg bedeutet nicht automatisch Aktienerfolg, wenn Erwartungen zu hoch und Bewertungen überzogen sind.

Warum Trend-ETFs langfristig schlechter abschneiden

Wir Menschen sind einfach nicht in der Lage, über Jahrzehnte vorauszuschauen, und das wird auch immer schwieriger, denn die Entwicklung und der technologische Fortschritt schreiten immer schneller voran.

In Summe führt das dazu, dass Trend-ETFs laut einer großen Studie im Schnitt langfristig deutlich weniger Gewinn als breit gestreute Welt-ETFs erzielen. Die Anbieter verdienen trotzdem gut daran – weil viele unerfahrene Anleger darauf hereinfallen. Wer sich dafür näher interessiert, findet mehr Informationen in unserem Post Studie: Finger weg von diesen ETFs!.

Wer nur auf einen Bereich beziehungsweise eine Region setzt, die gerade steil geht, nimmt auch ein großes Risiko in Kauf. Denn aktuell im Trend zu sein bedeutet auch: aktuell teuer zu sein. Amerikanische Tech-Aktien sind gerade sehr hoch bewertet.

Das bedeutet nicht, dass es morgen bergab geht, aber die Chance ist größer, dass die zukünftigen Renditen niedriger ausfallen, weil Bewertungen langfristig immer zu ihrem Mittelwert zurückkehren. Wer sich dafür näher interessiert, sollte unseren Post ETF auf Allzeithoch – Jetzt lieber nicht anlegen? lesen. Darum ist es immer gut, nicht nur auf eine Region oder Branche zu setzen, sondern eben breit zu streuen.

Warum wollen Anleger trotzdem immer das kaufen, was gerade gut läuft?

Zunächst einmal glaube ich nicht, dass die meisten sich Gedanken darüber gemacht haben und wirklich wissen, was wir bisher besprochen haben.

Das ist auch total verständlich, weil wir das nirgendwo lernen. Medien sorgen sogar für das Gegenteil: Sie appellieren an unsere Urinstinkte wie Angst und Gier, anstatt Sachverhalte vernünftig einzuordnen und aufzuklären, dass zum Beispiel kurzfristige Trends gar keine Aussagekraft für die Zukunft haben.

Anleger lassen sich darum von dem leiten, was gerade gut läuft. FOMO – wir wollen nichts verpassen. In den letzten Jahren waren das eben die amerikanischen Tech-Aktien und viele denken: „Das wird auch in Zukunft so bleiben. Also lieber alles auf die USA.“ Das ist die eine Falle: Man schließt von vergangenen Gewinnen auf die Zukunft.

Aber es gibt auch die andere Falle:

„Die USA sind gerade hoch bewertet, die Schwellenländer günstig – also sollte ich jetzt alles umschichten?“

Klingt logisch, ist aber dieselbe Denkfalle – nur andersherum.

Denn niemand weiß, wie lange eine Phase anhält. Mal laufen Industrieländer besser, mal Schwellenländer. Diese Wechsel passieren regelmäßig – und sind nicht planbar. Statt ständig umzuschichten ist es besser, konsequent breit gestreut zu bleiben, und zwar regelbasiert, nicht nach Gefühl. Die gute Nachricht: Große Indizes machen das automatisch. So profitierst Du automatisch – egal, wer gerade vorne liegt.

Home Bias: Warum Deutsche zu viel in den DAX investieren

Kommen wir zu einem weiteren Denkfehler, der uns Menschen immer wieder passiert, wenn wir nicht genau hinschauen. Das betrifft insbesondere die DAX-Investoren: den sogenannten Home Bias.

Menschen investieren gern in das, was sie kennen. Deutsche kaufen den DAX, Amerikaner den S&P 500. Das fühlt sich vertraut an, ist aber gefährlich: Gerade wenn man hier arbeitet und hier noch ein Haus hat oder Ähnliches, dann setzt man alles auf eine Karte! Je mehr man hier verwurzelt ist, desto wichtiger ist es, bei der Anlage breit zu streuen und Deutschland unterzugewichten.

Egal, wie sehr Du an etwas glaubst oder Dir etwas wünschst – das ist so ein bisschen wie Mitarbeiter-Aktien. Dann hängt nicht nur das Einkommen an einer Firma, sondern auch noch das Vermögen! Auch wenn Du Deinen Arbeitgeber richtig gut findest: Das ist super riskant. Wenn es eine Krise gibt, ist beides weg. Genau das ist im Kleinen, was man im Großen mit dem DAX macht. Das ist kein solides Investment, sondern eine Wette.

Auch wichtig: Deutschland macht nur rund 2 Prozent der börsennotierten Weltwirtschaft aus. Ein DAX-ETF setzt also alles auf ein einziges Land, das am Kapitalmarkt leider keine große Rolle spielt.

Fazit: Welt-ETFs schlagen regionale Indizes langfristig

NASDAQ, S&P 500 oder DAX setzen auf vergangene Renditen und konzentrieren das Risiko auf wenige Länder oder Branchen. Besser sind Welt-ETFs, die alles abdecken – günstig, breit gestreut und wissenschaftlich belegt. Wenn eine Region aufsteigt, profitierst Du automatisch, und schwächelnde Regionen verlieren an Gewicht im Index. So profitierst Du automatisch vom Wachstum der gesamten Weltwirtschaft. Auch damit setzen wir auf Vergangenheit, aber auf die letzten 120 Jahre und nicht auf 5 Jahre Überperformance.

Aber was ist mit anderen Anlageklassen wie Gold oder Krypto? Die haben doch auch richtig gute Renditen erzielt – sollten wir also auch in sie investieren? Darum geht es im Video „Wo ist unser Geld 2026 noch sinnvoll angelegt?“, schau es Dir mal an.


Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 08. Dezember 2025
LETZTE AKTUALISIERUNG: 05. Februar 2026
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