Die harte Wahrheit über Steuervorteile bei Altersvorsorge

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Wahrheit Steuervorteile

Oft werben Versicherungen und Banken mit Steuervorteilen für ihre Altersvorsorge-Produkte: Einzahlungen sind einerseits steuerlich absetzbar, andererseits muss man in der Rente teilweise weniger Steuern abdrücken.

Das klingt soweit erstmal super. Aber das ist leider nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn viele andere Aspekte spielen eine entscheidende Rolle, ob ein Altersvorsorgeprodukt nun gut oder schlecht für Dich ist.

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Bei einer Rentenversicherung (egal welcher Art) bezahlst Du die Versicherung. Im günstigsten, aber sehr seltenen Falle – nur eine Vermittlungsgebühr. Normalerweise erhält der Makler aber Abschluss- und laufende Provisionen. Hinzu kommen laufende Kosten der Versicherung selbst.

Gleichzeitig ist es komplett unwahrscheinlich, dass Du mit einer Rentenversicherung eine gute Rendite machen kannst. Und das ist auch total logisch bzw. Im System einer Versicherung so angelegt. 

Warum ist das so?

Wird etwas garantiert – und das ist ja nunmal der Grund, warum man sich versichern möchte – muss der Anbieter auch so anlegen, dass er diese Garantien erfüllen kann. Die Versicherung muss also quasi, um das mal bildlich auszudrücken, ziemlich viel Geld unters Kopfkissen legen, damit sie garantiert genug auf der Seite hat, um Dir Dein Geld auch auszahlen zu können.

Selbst wenn Dein Versicherer z.B. auch in Aktien investiert, sind immer noch konservative Anlagen bei Riester, betrieblicher Altersvorsorge und Co. dabei. Denn wird von vornherein, also mit Vertragsabschluss, etwas für später garantiert, muss der Anbieter ziemlich zügig den Anteil konservativer Anlagen erhöhen, um die Garantie auch erfüllen zu können, logisch. 

Dazu sind die Versicherer auch verpflichtet.

Das Problem: Renditestarke Anlagen können so nur einen Teil ausmachen. Meist wird schon sehr früh, also weit vor Renteneintritt, sehr renditearm angelegt. Und somit geht Dir richtig viel Geld flöten.

Und selbst, wenn die Rente noch weit weg ist: Garantien führen zu einem irrationalen Verhalten, was total schlecht für Dich ist. Das bedeutet wenn die Kurse fallen, MÜSSEN die Versicherer Aktien verkaufen und die bis dato nur auf dem Papier vorhandenen Verluste realisieren. Das konnte man z.B. bei dem Corona-Crash 2020 beobachten. Und als die Kurse wieder stiegen, kauften die Versicherer die Aktien viel zu teuer wieder nach.

Dadurch werden enorme Renditepotenziale verschenkt. Du als Privatanleger könntest solche Schwankungen einfach aussitzen oder, noch besser, Aktien nachkaufen, wenn sie gerade günstig sind. Das geht aber für die Versicherung schlichtweg nicht, weil sie auf solche Schwankungen reagieren muss.

Also, wir merken uns bislang: Einerseits kostet eine Versicherung immer Geld, man muss ja den ganzen Apparat bezahlen, andererseits kann eine Versicherung nicht renditestark anlegen.

Und jetzt kommen wir zu den Steuern. Es ist völlig richtig, dass Altersvorsorge, die quasi staatlich anerkannt ist, steuerlich vorteilhafter ist. Aber: Der Steuervorteil allein ist nicht entscheidend! Sondern die eben beschriebenen Aspekte wie Kosten und Rendite sind der viel größere Hebel.

Oder anders ausgedrückt: Steuerbegünstigungen werden fast immer durch eine niedrige Rendite und hohe Kosten aufgefressen.

Übrigens, die steuerlichen Vorteile selbst sind eh so eine Sache:

Die Gesetzgebung ändert sich am laufenden Bande; nichts ist unsicherer, als die künftige Besteuerung – egal welche Einkommensart man betrachtet. Insofern ist es immer schwierig bzw. kaum möglich, zum aktuellen Zeitpunkt steueroptimiert für die Rente in 20, 30 oder 40 Jahren anzulegen und gleicht eher einer Wette auf einen künftigen Steuervorteil.

Darum würden wir da nicht drauf setzen. Die letzte Investmentsteuerreform hat z.B. dazu geführt, dass auch die schlankste Versicherungsvariante mit den besten Konditionen gegenüber einer eigenen Altersvorsorge mit ETFs fast immer nachteilig ist.

Bei der Altersvorsorge kommt es vor allem auf zwei Dinge an: gute Renditen und niedrige Kosten. Du kannst jede Menge Geld reinschieben und Zulagen vom Staat einsacken – alles schön und gut. Aber wenn Du keine Rendite erwirtschaftest und nach dem Abzug von laufenden Kosten noch nicht einmal die „unsichtbare“ Inflation ausgleichen kannst, erreichst Du genau Null-Komma-Nix.

Betrachtet man die Gesamtrendite – also das, was nach Wertsteigerung, Kosten, Steuervorteilen und Co. erzielbar ist – kommen Versicherungen für die Altersvorsorge denkbar schlecht weg.

Falle also nie drauf rein, wegen Zulagen oder Steuervorteilen einfach ein Produkt blind zu wählen!

Schau immer auf die Netto-Rendite, also auf das, was Du nach Abzug aller Kosten tatsächlich auf Deinem Konto landet. Denn oft bringen Zulagen und Steuervorteile nichts, wenn das Produkt schlecht ist.

Es ist immer das Gleiche: hohe Renditen erfordern auch, dass man Risiko trägt. Das bedeutet bei einer vernünftigen Altersvorsorge aber eigentlich nur, Schwankungen auszuhalten. Denn solange Du mind. 10-15 Jahre vor Rentenbeginn loslegst, sind Schwankungen mit Blick auf historische Daten gar kein Problem!

Es gibt also unseres Erachtens nach keinen guten Grund, nur auf Sicherheit zu gehen, außer Du willst am Ende mit Sicherheit … wenig Geld haben.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 25. September, 2022
LETZTE AKTUALISIERUNG: 27. September, 2022
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