Neue Zwangsrente: Steckt uns der Staat jetzt in teure Produkte?

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Etwa 18 Prozent von Deinem Bruttogehalt gehen bereits jeden Monat in die Rentenkasse. Bald sollen weitere zwei Prozent obendrauf kommen. Die landen dann aber nicht bei den heutigen Rentnern, sondern werden vermeintlich gewinnbringend für Dich angelegt.

Klingt erstmal nach einer Verbesserung, aber bei vielen gehen da die Alarmglocken an. Denn das klingt ähnlich wie das Versprechen von Riester vor ein paar Jahrzehnten.

Kurzer Rückblick zu Riester für alle, die es nicht im Detail kennen: Du zahlst freiwillig in einen geförderten Vertrag ein und kriegst Zulagen obendrauf.

Aber das Ganze ist bekanntlich übel ausgegangen. Eine Studie von Finanzwende zeigt ganz klar auf: Bei knapp zwei von drei Verträgen machen die Sparer am Ende sogar Verluste. Nicht, weil die Förderung zu gering wäre oder sowas, sondern weil die Kosten, die bei so einem Vertragsabschluss entstehen, so unglaublich hoch sind. Was viele oft gar nicht merken, bis es zu spät ist.

Und genau das ist jetzt wieder die Sorge: Dass am Ende vor allem die daran verdienen, die das Ganze verkaufen. Aber dieses Mal mit dem Unterschied, dass es anders als bei Riester keinen Ausweg für uns gibt.

„Mich würde eure Einschätzung zur geplanten kapitalgebundenen verpflichtenden Rente interessieren. Ich investiere selbst in ETFs, achte auf die Kosten und befürchte, dass ich nun in teure Modelle gedrängt werde vom Staat – analog Riester früher oder den neuen „ETF-Renten“, die wenig rentabel sind, weil zu hohe Kosten – nur eben nun verpflichtend.“

– Claudia

Sortieren wir das mal. Denn Claudia wirft hier zwei Dinge zusammen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

Keine Lust zu lesen? Hör Dir unsere Podcastfolge zum Thema an:

Fangen wir vorne an: Was ist diese Kapitalrente eigentlich?

Das Vorbild dafür kommt aus Schweden, und ausgedacht hat sich das Ganze eine Rentenkommission aus Wissenschaftlern und Politikern.

Also, zwei Prozent zusätzlich von Deinem Bruttogehalt fließen künftig in einen öffentlichen Fonds. Der legt das Geld breit gestreut an, vor allem in Aktien und Anleihen aus der ganzen Welt. Das Geld wird also nicht sicher geparkt, sondern es soll wachsen. Die Hälfte davon zahlt übrigens Dein Arbeitgeber.

Und dieses Geld wandert nicht in den großen Topf, aus dem die heutigen Renten bezahlt werden. Es landet auf einem Konto, das nur Dir gehört.

Los geht das Ganze vermutlich 2028. Aber nicht auf einen Schlag, sondern langsam. Jedes Jahr kommt ein halbes Prozent dazu, bis die zwei Prozent voll sind.

Zum Paket gehören noch zwei Punkte, die vielen nicht schmecken werden – längst überfällig sind sie aber ehrlicherweise trotzdem. Ab Anfang der 2030er Jahre soll das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden, und die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren fällt weg.

Nochmal zurück zur Kapitalrente: Wo schließe ich die denn dann ab?

Gar nicht. Und genau da fällt Claudias Sorge glücklicherweise „auseinander“.

Es gibt keinen Vertrieb, keine Provisionen, Abschlusskosten oder Garantien, die Rendite fressen. Es gibt einen zentral verwalteten Fonds, und der soll angeblich höchstens 0,1 Prozent im Jahr kosten. Das ist also günstiger als so mancher ETF, den wir uns selbst ins Depot legen.

Und es gibt einen ziemlich verlässlichen Hinweis darauf, dass hier ausnahmsweise mal nicht die Finanz- bzw. Versicherungslobby gewinnt. Gehofft hatte die nämlich darauf, dass der Staat die Leute in Produkte drängt, die Banken, Versicherer und Fondsanbieter verkaufen können.

Also anders ausgedrückt: Wenn die Versicherungslobby mit dem neuen System unglücklich ist, dann ist das schonmal ein gutes Zeichen.

Aber warum klingst Du dann so wenig begeistert?

Weil es aus meiner Sicht einfach nicht reicht. Die Kommission wirbt mit 770 Euro Zusatzrente nach 45 Beitragsjahren. Das klingt nach einer Menge Geld. Nur gilt das für einen Musterfall, den es so kaum gibt.

Ich hab das selbst mal gerechnet: Wer mit 25 einsteigt, 3.500 Euro brutto verdient und jedes Jahr zwei Prozent mehr Gehalt bekommt, der kommt nach über 40 Jahren auf rund 500 Euro Kapitalrente im Monat in heutiger Kaufkraft.

Das hilft. Aber es schließt Deine Rentenlücke nicht mal ansatzweise. Und diese 500 Euro sind die Zahl für die Jüngsten unter uns, also für jemanden, der mit 25 anfängt und über 40 Jahre durchhält. Der zahlt dafür auch am längsten ein, und der geht später in Rente als alle vor ihm. Das darf man nicht vergessen.

Apropos Rentenlücke: Wir haben ein Tool gebaut, das Dir dabei hilft, Deine echte Rentenlücke zu bestimmen und auch berechnet, wie viel Du investieren musst, um sie zu stopfen. Hier findest Du den Rentenplaner.

Aber Claudia schreibt doch von teuren Modellen. Was meint sie dann eigentlich?

Sie meint mit ziemlicher Sicherheit das Altersvorsorgedepot, also die neuen „ETF-Renten“, so wie sie es nennt. Und das ist eine völlig andere Baustelle.

Also, das Altersvorsorgedepot ist der Nachfolger von Riester und startet am 1. Januar 2027. Du kannst Dir da zum Beispiel selbst ETFs aussuchen, die Du besparst, bekommst Zulagen vom Staat und kannst Deine Einzahlungen von der Steuer absetzen. Die Grundidee ist echt gut. Und vor allem ist es freiwillig. Niemand zwingt Dich da rein.

Was Claudia aber richtig riecht: Auch beim Altersvorsorgedepot gibt es wieder ganz viele Schlupflöcher für versteckte Kosten! Es gibt verschiedene Produktvarianten, und die Verbraucherzentrale rechnet schon mit einer Verkaufswelle, wie es sie noch nie gegeben hat.

Die Rentenkommission schreibt sogar selbst in ihren Bericht, dass die staatlich geförderte private Altersvorsorge in Deutschland vor allem an einem gelitten hat: an zu hohen Kosten. Und beim Nachfolger, also dem Altersvorsorgedepot, will sie jetzt genau hinschauen, ob sich das wiederholt. Die trauen dem also selbst nicht so recht. Das ist schon extrem ärgerlich…

Also, es ist ganz wichtig, dass Du weißt, was Du da tust.

Und am besten investierst Du eigenständig über das Altersvorsorgedepot in ETFs, nicht über irgendein Versicherungs- oder Bankprodukt.

Aber selbst dann müssen die Kosten niedrig sein, und Du musst Deine Steuererstattung jedes Jahr wieder anlegen, statt sie auszugeben. Fehlt eines von beiden, dann stehst Du mit einem ganz normalen ETF-Depot fast immer besser da.

Und zwar trotz Zulagen und trotz Steuervorteil!

Wo genau die Grenze liegt, findest Du in unserem Artikel dazu: Neues Altersvorsorge-Depot – Wer DAS nicht weiß zahlt drauf. Da ist auch ein Rechner von uns verlinkt, mit dem Du das für Deine eigenen Werte und Sparraten mal durchspielen kannst.

Also zu Claudia: Ihre Sorge ist also absolut berechtigt, nur eben nicht bei der Kapitalrente, sondern beim Altersvorsorgedepot. Da muss man tierisch aufpassen.

Und wo bleibt dann der Zwang, vor dem sie Angst hat? Da war ja auch mehrmals die Rede von in ihrer Frage…

Nirgends. Und das ist der Punkt. Die Kapitalrente soll tatsächlich Pflicht werden. Aber da verdient niemand an Dir. Und beim Altersvorsorgedepot, wo richtig abkassiert werden kann, zwingt Dich kein Mensch. Da unterschreibst Du freiwillig. Claudias Sorge kombiniert also etwas, das gar nicht zusammengehört: den Zwang von der Kapitalrente und die Kosten vom Altersvorsorgedepot.

Und das kann eben richtig teuer werden, wenn Du Dir von einem Berater auf Provisionsbasis ein Produkt andrehen lässt, statt Dir selbst einen günstigen ETF auszusuchen.

Und egal, wie Du investierst, also ob im eigenen Depot oder über das Altersvorsorgedepot, die Fragen bleiben dieselben: Welche ETFs sind denn die richtigen? Wie kommst Du durch eine Krise, ohne panisch zu verkaufen? Das nimmt Dir niemand ab. Genau dafür haben wir unser kostenloses Webinar gemacht.

Was heißt das jetzt alles für jemanden wie Claudia, die längst selbst investiert?

Erstmal durchatmen. Die verpflichtende Kapitalrente ist nicht „Riester in neu“. Die ist an sich eine gute Sache und vor allen Dingen billig, bei verhältnismäßig hohen Renditeaussichten.

Ich finde es gut, dass sich endlich etwas bewegt. Wir warten ja seit Jahren darauf, dass für die Rente endlich auf Aktien gesetzt wird. Aber es ist viel zu wenig, und es kommt viel zu spät. Das ganze Umlagesystem gehört meiner Meinung nach abgelöst und nicht mit zwei Prozent Kapitalmarkt aufgehübscht. Nur werden wir das vermutlich aber nicht mehr erleben…

Also ganz ehrlich: Wenn wir uns auf den Staat verlassen, sind wir verlassen. Warte also nicht, bis irgendeine Reform Dich rettet. Nimm es selbst in die Hand. Und es ist ja eh so: Selbst die Kommission rechnet nicht damit, dass Dich die Kapitalrente retten wird. Also die eigene, private Vorsorge wird nach wie vor unumgänglich sein.

Und wenn Du jetzt denkst: „Gut, dann mache ich das eben selbst und fang damit endlich an“, dann ist die erste Frage ja meistens: Wie viel muss ich überhaupt zur Seite legen, damit am Ende genug zusammenkommt? Reichen zum Beispiel 450 Euro im Monat? Genau das haben wir für verschiedene Startalter mal komplett durchgerechnet. Schau Dir mal unser Video dazu an: Reicht ein 450€ ETF-Sparplan in 2026?


Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 12. Oktober 2026
LETZTE AKTUALISIERUNG: 12. Oktober 2026
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