Es gibt endlich ein neues Altersvorsorgedepot der Bundesregierung, das Deinen ETF-Sparplan staatlich fördern soll. Für viele ist das die Traumvorstellung! Also zum Beispiel 500 Euro anlegen, aber davon 200 Euro vom Staat geschenkt bekommen. Darauf haben viele Jahrzehnte lang gewartet und jetzt gibt es erste, konkrete Infos.
Und die Realität zeigt: Wer hier nicht richtig hinguckt, kriegt nicht nur weniger Geld als gedacht…
… sondern zahlt sogar kräftig drauf.
Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video oder hör Dir unsere Podcastfolge zum Thema an! ABER: Das Video und der Podcast beruhen noch auf dem Gesetzesentwurf. Die Änderungen betreffen vor allem die Zulagenstruktur für kleine Beiträge. Für die meisten Sparer mit 150 €/Monat ändert sich am Ergebnis kaum etwas. Der Artikel hier wurde aktualisiert und beruht auf dem verabschiedeten Gesetz.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Erstmal kurz zu den Basics: Das Altersvorsorgedepot ist ein spezielles Depot, in das Du monatlich einzahlen kannst – zum Beispiel in einen Welt-ETF auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World. Der Staat legt was dazu, Du kannst die Einzahlungen von der Steuer absetzen und während der gesamten Ansparphase fallen keine Steuern an. Los geht das Ganze am 1. Januar 2027.
Es wird verschiedene Varianten geben: Garantieprodukte, bei denen wie bei Riester eine Beitragsgarantie gilt, ein Standardprodukt für Einsteiger und eben das Altersvorsorgedepot, in dem Du selbst in ETFs und Fonds investieren kannst.
Letzteres ist das einzige, was aus unserer Sicht Sinn macht. Denn die Geschichte hat immer wieder gezeigt: Garantien sind nicht nur komplett unnötig, wenn man lang genug anlegt, sondern kosten massiv Rendite. Bei Riester hat die Beitragsgarantie dazu geführt, dass das Geld großteils in „sichere“ Anlagen statt in Aktien floss – mit dem Ergebnis, dass viele Riester-Sparer nach 20 Jahren real weniger hatten, als sie eingezahlt haben!
Und beim Standardprodukt hat der Anbieter einen großen Teil der Anlageentscheidung in der Hand. Du hast viel weniger Kontrolle darüber, was da eigentlich in Deinem Depot landet.
Also bleibt nur das Altersvorsorgedepot ohne Garantie als sinnvolle Variante, da Du selbst entscheidest, was reinkommt.
Die Förderung
Jetzt zur Förderung, denn die ist der Hauptgrund, warum das Altersvorsorgedepot überhaupt interessant ist: Du kannst bis zu 1.800 Euro im Jahr gefördert einzahlen, also 150 Euro pro Monat. Gefördert heißt: Darauf bekommst Du Zulagen vom Staat. Und zwar bekommst Du auf die ersten 360 Euro 50% dazu, das sind maximal 180 Euro. Auf die nächsten 1.440 Euro gibt es noch 25%, also nochmal 360 Euro. Macht zusammen 540 Euro Grundzulage pro Jahr.

Du zahlst also 150 Euro im Monat ein und der Staat schiebt Dir 45 Euro pro Monat dazu. Insgesamt landen 195 Euro pro Monat in Deinem Depot. Hast Du Kinder, kommt obendrauf noch eine Kinderzulage: 100% auf Deine Einzahlung, maximal 300 Euro pro Kind und Jahr. Das heißt: Schon ab 25 Euro Eigenbeitrag pro Monat bekommst Du die volle Kinderzulage.
Und dann gibt es während der Ansparzeit einen Steuervorteil: Du kannst Deine Einzahlung plus Zulage als Sonderausgaben in der Steuererklärung angeben. Bei einem Bruttoeinkommen von 55.000 Euro beispielsweise bekommst Du rund 215 Euro pro Jahr als Steuererstattung zusätzlich zu den 540 Euro Zulage.

Und weil Dein Gehalt und damit Dein Steuersatz im Laufe der Karriere steigt, kann die Erstattung zusammen mit der Zulage auf fast 1.000 Euro staatliche Förderung pro Jahr steigen! Schonmal nicht schlecht.
Jetzt lautet aber die große Frage: Wie viel Rente wird das künftig bringen?
Die Rechnung
Wir haben das mal für ein Szenario durchgerechnet, das ziemlich typisch ist für unsere Community.
Unsere Beispielperson ist 35 Jahre alt und verdient heute 55.000 Euro brutto. Wir gehen davon aus, dass das Gehalt im Laufe der Karriere real steigt – anfangs stärker, später weniger, ab Mitte 50 stagniert es – ein typischer Verlauf laut Arbeitsmarktforschung.
Nun zum Investment: Die Person legt ab heute 32 Jahre lang bis zur Rente mit 67 in ETFs an. Danach wird das Kapital über 18 Jahre ausgezahlt – denn beim Auszahlplan im Altersvorsorgedepot muss das Geld bis 85 reichen.
Wir unterstellen 6% Rendite nach Inflation, weil wir eben alles auf heutige Kaufkraft berechnen, damit Du mit den Zahlen auch was anfangen kannst.
Schauen wir erstmal, wie das normale ETF-Depot funktioniert:
Du zahlst 150 Euro pro Monat ein, über 32 Jahre. Während der Haltedauer musst Du die Vorabpauschale zahlen – das ist eine kleine Steuer, die im Regelfall auch anfällt, wenn Du nichts verkaufst. Am Ende zahlst Du Abgeltungssteuer auf Deine Gewinne, allerdings mit einer 30% Teilfreistellung, das ist so vorgesehen für Aktien-ETFs.
Für das normale ETF-Depot rechnen wir außerdem mit 0,07% Kosten pro Jahr – dafür bekommst Du heute einen soliden Welt-ETF.
Im Ergebnis bekommst Du netto rund 780 Euro pro Monat.

Und jetzt das Altersvorsorgedepot im Vergleich:
Dafür schauen wir auf verschiedene Kostenszenarien – denn Kosten sind der entscheidende Faktor. Während der Ansparphase fallen keine Steuern an. Und ganz wichtig: In den folgenden Zahlen ist die Steuererstattung mit drin! Wir gehen also davon aus, dass Du diese jedes Jahr in Dein normales ETF-Depot reinvestierst, statt sie auszugeben.
- Bei 0,3% Kosten im Altersvorsorgedepot kommen wir auf rund 990 Euro netto pro Monat. Das sind rund 210 Euro bzw. 27% mehr als beim normalen Depot. Richtig gut.
- Bei 0,5% Kosten sind es 950 Euro netto. Immer noch 170 Euro oder 21% mehr pro Monat.
- Bei 1% Kosten sind es rund 840 Euro netto. Das sind immerhin noch 60 Euro mehr pro Monat, aber der Vorteil ist schon deutlich geschrumpft.
- Und bei 1,5% Kosten sind es rund 750 Euro netto. Weniger als im normalen ETF-Depot. Die gesamte staatliche Förderung wird also von den Kosten aufgefressen!
Ok, der Kipppunkt in unserem ersten Beispiel liegt bei rund 1,5% Kosten. Darunter lohnt sich das Altersvorsorgedepot, darüber nicht.

Aber jetzt kommt der Haken: Diese Zahlen gelten nur, wenn Du die Steuererstattung jedes Jahr konsequent reinvestierst. Und jetzt mal Hand aufs Herz – wer bekommt im Sommer seinen Steuerbescheid und schiebt die 400 Euro oder was auch immer sofort in den ETF? Die meisten Leute werden das Geld ausgeben. Und ohne reinvestierte Erstattung sieht die Rechnung ganz anders aus:
- Bei 0,3% Kosten kommen wir auf nur noch rund 840 Euro netto pro Monat statt 990. Der Vorteil schrumpft von 210 Euro auf gerade mal 60 Euro gegenüber dem eigenen ETF-Depot.
- Bei 0,5% Kosten sind es rund 800 Euro netto – nur 20 Euro mehr als im normalen ETF-Depot!
- Und bei 1% Kosten haben wir nur noch 690 Euro netto. Das sind fast 100 Euro weniger als Dein normales ETF-Depot.
Ohne reinvestierte Erstattung kippt der Vorteil also schon bei 0,5% Kosten. Das ist ein komplett anderes Bild.

Vielleicht fragst Du Dich jetzt: Warum ist der Vorteil trotz der ganzen Förderung SO überschaubar? Dafür muss man verstehen, was bei der Auszahlung passiert:
Beim normalen ETF-Depot zahlst Du nur auf die Gewinne Steuern: rund 18,5% effektiv, dank Teilfreistellung. Beim Altersvorsorgedepot hingegen zahlst Du auf die gesamte Auszahlung Deinen persönlichen Einkommenssteuersatz. Also auf Einzahlungen, Zulagen und Gewinne. Und eine Teilfreistellung gibt es auch nicht.
In unserem Beispiel liegt der Grenzsteuersatz im Alter bei knapp 30%. Die Abgeltungssteuer von 26,4% fällt eben nur auf 70% der Gewinne an, während der persönliche Steuersatz auf alles fällt. Das frisst einen erheblichen Teil der Förderung wieder auf.
Übrigens, falls Du selbst mal rechnen willst, ob sich das Altersvorsorgedepot nach aktuellem Stand für Dich lohnt, dann nutze unseren Altersvorsorgedepot-Rechner.
Weitere Bedingungen und Einschränkungen
Neben Kosten und Steuererstattung gibt es noch zwei weitere Haken, über die kaum jemand spricht:
Erstens, die Flexibilität: Dein Geld im Altersvorsorgedepot ist bis 65 quasi gesperrt. Keine vorzeitige Entnahme, kein Zugriff in Notfällen – es sei denn, Du kaufst oder baust eine selbstgenutzte Immobilie. Wenn Du aus anderen Gründen vorher ranmusst, wird die Kündigung förderschädlich. Das bedeutet, Du zahlst alle Zulagen und Steuererstattungen zurück. In Deinem normalen ETF-Depot kannst Du hingegen jederzeit an Dein Geld, ohne Strafen und ohne Rückzahlungen.
Und zweitens, die Auszahlung: Das Altersvorsorgedepot schreibt Dir vor, wie Du Dein Geld bekommst, also als Auszahlplan bis mindestens 85 oder als lebenslange Rente über eine Versicherung. Du kannst Dir zu Beginn maximal 30% auf einen Schlag auszahlen lassen, aber auch diese 30% kommen auf Dein Renteneinkommen oben drauf und werden mit Deinem persönlichen Steuersatz besteuert. Je nach Höhe kann das also richtig teuer werden.
Den Rest bekommst Du als monatliche Auszahlung – da hast Du keine Wahl. Im normalen ETF-Depot entscheidest Du, wann Du wie viel entnimmst und die Steuer ist immer gleich: Abgeltungssteuer auf die Gewinne, fertig.
Über 100 Seiten für einen ETF-Sparplan
Tja. Über 100 Seiten Gesetzentwurf. Drei Produktvarianten mit unterschiedlichen Regeln. Zwei Zulagen plus Kinderzulage plus Günstigerprüfung. Mindestens vier verschiedene Besteuerungen je nachdem, ob Du gefördert oder ungefördert eingezahlt hast und ob Du Dir das Geld monatlich oder auf einen Schlag auszahlen lässt. Dazu eine Entnahmesperre bis 65 mit Ausnahme für Immobilien. Und ein Kostendeckel, der nur für das Produkt gilt, das wir nicht empfehlen würden. Und das alles für einen ETF-Sparplan mit staatlicher Förderung. Willkommen in Deutschland.
Ob sich dieser Deal lohnt, hängt, wie wir gesehen haben, von Kosten, Auszahlmodus und Deiner Disziplin bei der Steuererstattung ab. Und davon, ob Du mit der fehlenden Flexibilität leben kannst.
Es ist wie bei allen staatlich geförderten Produkten hierzulande: Es wird so kompliziert gemacht, dass Du nur schwer erkennen kannst, was für Nachteile beispielsweise entstehen. Und genau diese Intransparenz hat schon Riester, Rürup und die betriebliche Altersvorsorge zu Goldeseln für die Finanzindustrie gemacht.
Was das Altersvorsorgedepot NICHT löst
Was dabei aber am meisten untergeht: Selbst wenn Du das Altersvorsorgedepot nutzt und die maximale Förderung mitnimmst, investierst Du dann 195 Euro pro Monat inklusive der Zulagen für Deine Altersvorsorge.
Unsere Rechnung hat ja gezeigt: Das ergibt in heutiger Kaufkraft bestenfalls 1.000 Euro pro Monat. Das ist schön, aber es wird für die meisten nicht ausreichen, um die Rentenlücke zu stopfen.
Und das Altersvorsorgedepot beantwortet Dir auch nicht die viel wichtigeren Fragen:
- In welche ETFs solltest Du eigentlich investieren?
- Solltest Du neben Aktien-ETFs auch in risikoarme Anlageklassen investieren – und wenn ja, wie gewichtet?
- Wie steht es um Deine Risikotragfähigkeit, also emotional und real?
- Hast Du genug Hintergrundwissen, um die nächste Krise auszuhalten, ohne panisch Dein Depot förderschädlich aufzulösen?
- Wie passt Du Dein Portfolio an, wenn die Rente naht?
- Und, das hatten wir ja gerade schon, wie viel musst Du insgesamt investieren, damit es später reicht?
Diese Fragen sind viel wichtiger als die Frage, ob Du 45 Euro Zulage im Monat mitnimmst oder nicht. Und die Antworten darauf findest Du in keinem Gesetzentwurf.
Genau für diese Fragen haben wir unser kostenloses Webinar gemacht. Danach hast Du ein umfassendes Verständnis davon, worauf es bei der Altersvorsorge wirklich ankommt.
Unsere Einordnung
Also, wie solltest Du vorgehen, wenn das Altersvorsorgedepot kommt?
Erstens: Ob sich das Ganze lohnt, hängt vor allem von zwei Dingen ab – den Kosten und davon, ob Du die Steuererstattung reinvestierst. Wenn Du beides im Griff hast, sind in unserem Beispiel bei 0,5% Kosten oder weniger rund 170 bis 210 Euro mehr pro Monat im Alter drin. Ohne reinvestierte Erstattung lohnt es sich nur noch bei Kosten unter 0,5%. Und ob die Anbieter so günstig sein werden, ist leider alles andere als sicher.
Zweitens: Ob Du über die geförderten 1.800 Euro hinaus noch mehr ins Altersvorsorgedepot einzahlen solltest, hängt auch von den Kosten ab. Bei sehr günstigen Anbietern kann sich das steuerlich zwar lohnen – aber Du gibst dafür Deine Flexibilität auf. Im Zweifel bist Du mit dem eigenen ETF-Depot für Beträge ÜBER den geförderten Teil hinaus besser bedient.
Drittens, und das ist der wichtigste Rat von allen: Warte nicht auf den Staat. Egal ob das Altersvorsorgedepot kommt, wie es kommt oder was sich noch ändert – fang jetzt an, selbst zu investieren. Jedes Jahr, das Du wartest, kostet Dich bares Geld. Und ob Du dann ab nächstem Jahr 150 Euro in ein gefördertes Depot steckst, kannst Du dann immer noch entscheiden. Aber Dein eigenes ETF-Portfolio ist und bleibt die Basis – denn da bestimmst Du, was mit Deinem Geld passiert.
Die Grundidee des Altersvorsorgedepots ist wirklich besser als das, was wir bisher hatten. Aber wie so oft wird es so verkompliziert, dass am Ende kaum jemand durchblickt. Und genau das ist gefährlich, denn wer nicht durchblickt, kann auch nicht beurteilen, ob sich etwas lohnt oder die Kosten zum Beispiel zu hoch sind.
Apropos Kosten: Rund um das Altersvorsorgedepot werden sich garantiert wieder Versicherer und „Berater“ positionieren, die Dir übrigens auch heute schon ihre teuren Produkte als „staatlich geförderten ETF-Sparplan“ verkaufen wollen. Warum das fast immer ein schlechter Deal ist und wie Du solche Angebote erkennst, zeigen wir in diesem Artikel hier.
Du hast schon einen Riester-Vertrag? Das sind Deine Optionen
Vielleicht hast Du ja schon einen Riester-Vertrag und fragst Dich: Was passiert damit, wenn das Altersvorsorgedepot kommt? Die kurze Antwort: Erstmal gar nichts. Dein bestehender Vertrag läuft ganz normal weiter. Die Zulagen und Steuervorteile, die Du bisher bekommen hast, bleiben Dir erhalten. Du musst also nicht in Panik verfallen und nichts überstürzt kündigen.
Wenn das neue System dann da ist, hast Du im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
Möglichkeit 1: Einfach alles lassen, wie es ist. Dein Riester-Vertrag bleibt im alten Fördersystem. Das kann dann Sinn machen, wenn Du eher wenig verdienst und Kinderzulagen bekommst. Denn im alten System ist die Förderung für genau diese Konstellation oft deutlich großzügiger. Ein Beispiel: Wer 20.000 Euro brutto verdient und zwei Kinder hat, konnte bisher mit einem Eigenbeitrag von nur 60 Euro im Jahr rund 775 Euro an Zulagen einstreichen. Im neuen System gibt es für denselben Eigenbeitrag deutlich weniger. Heißt: Nicht für jeden ist das neue System automatisch besser.
Möglichkeit 2: Mit Deinem alten Vertrag ins neue Fördersystem wechseln. Du kannst Deinem Anbieter mitteilen, dass Du künftig nach den neuen Regeln gefördert werden möchtest. Aber Vorsicht: Das ist unwiderruflich, also eine Einbahnstraße. Und es gilt dann automatisch für alle Deine Riester-Verträge gleichzeitig – Du kannst Dir nicht aussuchen, welchen Vertrag Du umstellst und welchen nicht. Wichtig dabei: Die Vertragsbedingungen Deines alten Riester-Vertrags ändern sich dadurch nicht. Der Vertrag wird also nicht plötzlich zu einem Altersvorsorgedepot und die Kosten bleiben dieselben. Es ändern sich nur die steuerlichen Spielregeln.
Möglichkeit 3: Das Guthaben komplett auf ein neues Altersvorsorgedepot umziehen. Das ist der sauberste Schnitt, wenn Du Deinen alten Riester-Vertrag sowieso loswerden willst. Besteht Dein Vertrag schon länger als fünf Jahre, ist der Umzug kostenfrei. Ist er jünger, darf Dein bisheriger Anbieter maximal 150 Euro verlangen. Und der neue Anbieter? Der darf auf das Geld, das Du mitbringst, keine neuen Abschlusskosten oder Provisionen draufschlagen. Er darf nur eine einmalige Pauschale von höchstens 150 Euro berechnen. Das ist ein großer Fortschritt, denn bisher konnten Anbieter beim Wechsel nochmal kräftig an Deinem bereits geförderten Guthaben mitverdienen!
Übrigens, sobald Du nach dem 31. Dezember 2026 irgendeinen neuen Altersvorsorgevertrag abschließt – also zum Beispiel ein Altersvorsorgedepot eröffnest – gilt automatisch das neue Förderrecht für alle Deine Verträge. Auch für Deinen alten Riester. Du rutschst also allein durch den Neuabschluss ins neue System, ohne dass Du Dich aktiv dafür entscheiden musst.
Und wenn Du kurz vor der Rente stehst? Bist Du bereits in der Auszahlphase, also bekommst Du schon Geld aus Deinem Riester, dann kannst Du nicht mehr wechseln. Steht die Auszahlung aber erst noch an und Du bist finanziell nicht darauf angewiesen, kann es sich lohnen, damit bis nach dem Start des neuen Systems zu warten. Der Grund: Nach der Reform wird die Auszahlung flexibler und günstiger. Heute muss Dein Anbieter mit einem Teil Deines Guthabens eine Rentenversicherung kaufen, die ab 85 greift. Das verursacht nochmal Extra-Kosten. Nach der Reform reicht ein Auszahlplan bis 85, ohne teure Zusatzversicherung. Das spart bares Geld.
Ganz wichtig zum Schluss: Ab 2027 können Gottseidank keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Für die meisten Leute mit bestehenden Verträgen wird Möglichkeit 3 der beste Weg sein: Guthaben raus aus dem alten Riester, rein ins Altersvorsorgedepot. Denn mal ehrlich: Die meisten Riester-Verträge sind teure Versicherungsprodukte, die durch die Beitragsgarantie kaum Rendite erwirtschaftet haben. Da bringt es wenig, nur die Steuerregeln umzustellen und den alten Vertrag weiterlaufen zu lassen. Dann lieber einen sauberen Schnitt und das Geld dort anlegen, wo es günstiger und transparenter für Dich arbeitet.
Die Ausnahme sind Geringverdiener mit mehreren Kindern. Für die kann sich das Bleiben im alten System tatsächlich noch rechnen, weil die Kinderzulagen dort großzügiger sind. Wenn Du Dir unsicher bist, rechne es durch, bevor Du irgendetwas unterschreibst.

