Ist eine Riester-Rente sinnvoll? Das kommt raus, wenn man selbst nachrechnet • LazyInvestors

Ist eine Riester-Rente sinnvoll? Das kommt raus, wenn man selbst nachrechnet

Beim Thema private Altersvorsorge stolpert jeder irgendwann über Riester. Neben betrieblicher Altersvorsorge oder klassischen Rentenversicherungen ist „riestern“ nach wie vor eine recht verbreitete Form.

Doch Riesters Image hat in den letzten Jahren stark gelitten. Das liegt weniger am Konstrukt an sich als an den wenig prickelnden Angeboten: Oftmals sind die Kosten zu hoch, die Renditen zu gering und die Verträge völlig intransparent.

So sind insbesondere sogenannte Riester-Rentenversicherungen und -Banksparpläne in Verruf geraten – die Anzahl der abgeschlossenen Verträge geht immer weiter zurück. Von derartigen Produkten halten wir aufgrund der oben genannten Nachteile wenig und wir ersparen uns allen an dieser Stelle, weiter darauf einzugehen.

Anders sieht es bei den sogenannten Riester-Fondssparplänen aus: Sie erhalten immer noch Zulauf und haben nennenswerte Vorteile. Mit dieser Riester-Form werden wir uns daher im Folgenden beschäftigen.

Eins vorweg: Dieser Artikel spiegelt unsere persönliche Meinung als Privatanleger wieder – mit Anlageberatung haben wir nichts am Hut. Lies bitte den Disclaimer, hinterfrage alles kritisch und schau Dir möglichst viele verschiedene Quellen an!

Wie funktionieren Riester-Fondssparpläne grundsätzlich?

Zunächst wird Dein Geld von dem Anbieter eines Fondssparplans in Aktien- und meist auch Anleihenfonds investiert. Das kann man auch gut selbst machen – dafür braucht man keinen Riester-Vertrag. Doch insbesondere die folgenden zwei Punkte können riestern attraktiv machen:

  1. Der Staat findet es gut, wenn Du riesterst und gibt Dir daher Zulagen sowie Steuererstattungen (mehr dazu in den Beispielen weiter unten).
  2. Dein Vermögen ist pfändungssicher und somit auch geschützt, solltest Du z.B. Hartz IV beziehen müssen.

Neben den „schwarzen Schafen“ da draußen, die intransparente, kostenintensive Riester-Verträge vertreiben (da wird einem bei den Abschlusskosten meist schon ganz anders) sind in jüngster Zeit Anbieter aus dem Boden gesprossen, die es anders machen: Sie bieten im Vergleich kostengünstigere und renditestärkere Produkte an.

Als Beispiele seien DWS Toprente Dynamik, Deka Zukunftsplan Classic oder fairriester genannt. Bei letzterem wird Deine monatliche Sparrate in ein global diversifiziertes Aktien- und Anleihenportfolio aus ETFs investiert. Die Kosten sind vergleichsweise überschaubar. Außerdem kannst Du zwischen einer lebenslangen Rente und Teilauszahlungen zu Rentenbeginn wählen. Auch eine Komplettauszahlung ist möglich – dann geht Dir allerdings die staatliche Förderung flöten.

All das ist nicht der Standard: Oft investieren die Anbieter von Riester-Fondssparplänen in die hauseigenen, aktiv gemanagten Fonds. Das finden wir ziemlich ungünstig, denn aktive Fonds weisen statistisch gesehen schlechtere Renditen auf als passive Indexfonds wie ETFs und sind gleichzeitig deutlich teurer.

Darum (und um ein komplexes Thema nicht noch komplexer zu machen) legen wir für unsere folgenden Beispiele fairriester zugrunde und schauen mal, was dabei so rumkommen kann.

Mit welcher Rendite kannst Du rechnen?

Fairr funktioniert so: Zu Beginn Deiner Ansparphase wird hauptsächlich in den schwankungs- und renditestarken Aktienmarkt investiert; zum Ende hin hingegen ausschließlich in Staatsanleihen der entwickelten Welt. Diese sind schwankungsärmer und bringen auch deutlich weniger Rendite als Aktien, wenn man auf historische Werte schaut.

Dein Portfolio wird also mit dem nahenden Renteneintritt immer stärker auf schwankungärmere Anleihen-ETFs umgeschichtet. Schon ab 23 Jahren vor Renteneintritt wird sukzessive der Anleihenanteil erhöht und der Aktienanteil verringert – von ursprünglich 91% Aktien und 9% Anleihen auf 0% Aktien und 100% Anleihen.

Doof ist das, wie erwähnt, für die Rendite. Nehmen wir also an, am Aktienmarkt lassen sich 7,9% erzielen. Soviel hat der MSCI World, ein globaler Aktienindex, über einen Zeitraum von 15 Jahren im Schnitt gebracht. Bei Staatsanleihen in Deutschland waren historisch gesehen so rd. 3% drin. Das ist aktuell kaum vorstellbar, aber wir wollen ja lange Zeiträume betrachten.

Um also eine potentielle Rendite zu ermitteln, haben wir die historischen Marktrenditen zugrunde gelegt und für ein paar Fälle durchgerechnet:

  • Anlagezeitraum: 31-36 Jahre
  • Sparrate: 200-400 € monatlich
  • Kinder: 0-2

Bei der beschriebenen Portfoliostruktur kommen wir so grob auf eine durchschnittliche Marktrendite von 5% für fairriester. Damit werden wir im Folgenden als Annahme weiterarbeiten.

Um die Vergleichbarkeit zwischen den Szenarien zu gewährleisten und auch hier nichts komplizierter als nötig zu machen, gehen wir in den kommenden Rechenbeispielen davon aus, dass jede Person 36 Jahre alt ist und 48.000 € im Jahr verdient.

Beispiel 1 – Single, maximal förderungsoptimiert

Anne hat keine Kinder und bis zum offiziellen Rentenbeginn noch 31 Jahre Zeit zu sparen. Weil Anne die maximale Förderung aus Zulage und Steuererstattung rausholen will, spuckt ihr der Rechner von fairriester aus, dass sie 160,41 € im Monat sowie einen Einmalbetrag von 1.604,16 € anlegen soll.

Vom Staat bekommt Anne jedes Jahr 175 € als Zulage on top. Außerdem erhält sie eine ordentliche Steuererstattung für ihr riestern (umgerechnet 45,33 € pro Monat). Somit hat Anne real monatlich gar nicht 160,41 € ausgegeben, sondern nur 115,09 €. Klar, die Differenz schießt sie vor, bekommt sie aber eben mit ihrer Steuererstattung – sollte sie brav ihre Steuererklärung machen – zurück.

Die lebenslange Rente, mit der Anne bei 5% Marktrendite rechnen kann, würde monatlich 355,25 € netto betragen – zusätzlich zu ihrer gesetzlichen Rente. In Summe käme Anne dann auf 1.627,71 € gesamte Netto-Rente.

Riester - Single, maximal förderungsoptimiert

Pro monatlich gespartem Euro bekommt Anne 3,09 € an Riester-Rente heraus. Ist jetzt erstmal nicht sonderlich hilfreich; diese Kennzahl wird uns jedoch später dabei helfen, die verschiedenen Szenarien miteinander zu vergleichen.

Wird die Rente reichen?

Das hängt natürlich von Annes Lifestyle im Rentenalter ab. Aktuell liegt ihr Netto-Gehalt bei 2.435,76 €. Der Einfachheit halber gehen wir davon aus, dass Anne in der Rente eine Ecke weniger Kohle braucht, also 2.000 €. Nur werden die 2.000 € von heute im Jahr ihres Renteneintritts deutlich weniger Wert sein. Das liegt an der Inflation, also der Wertminderung des Geldes über die Zeit.

Möchte Anne künftig die gleiche Kaufkraft haben, wie heute mit 2.000 Öcken, so sollten es bei Renteneintritt 3.058,80 € sein (Annahme: durchschnittliche Inflationsrate der letzten 20 Jahre i.H.v. 1,38%).

Dann muss Anne wohl etwas mehr sparen. Höhere Sparbeträge schauen wir uns später an, nun kommen wir erstmal zu einem Beispiel mit Kindern.

Beispiel 2 – Person mit 2 Kindern, maximal förderungsoptimiert

Bertram hat zwei Kinder. Die hat er zwar nicht wegen der Riester-Zulagen bekommen, aber hierfür hat es sich gelohnt ;-): Bertram bekommt insgesamt 775 € an jährlicher Zulage, denn jedes Kind, das ab 2008 geboren wurde, bringt 300 € extra an Förderung.

Auch Bertram möchte, wie Anne, das Maximum an Zulagen und Steuerersparnissen rausholen. Dafür muss er laut fairr-Rechner nur 95,42 € im Monat sparen (Stichwort Zulagen) und einen Einmalbetrag von 954,16 € investieren.

Nach dem gleichen Prinzip wie im ersten Beispiel braucht Bertram netto nur 82,41 € aufzuwenden. Die zusätzliche Rente durch riestern läge für Bertram bei netto 300,19 € im Monat. In Summe käme er dann auf eine gesamte Netto-Rente von 1.572,65 €.

Riester - Person mit 2 Kindern, maximal förderungsoptimiert

Bertram kommt somit auf 3,64 € pro gespartem Euro im Monat. Das ist eine ganze Ecke mehr als bei Anne, weil er von den Kinder-Zulagen profitiert. Allerdings hat er insgesamt nicht so viel gespart und somit kommt summa summarum auch nicht soviel an Rente rum. Also schauen wir im Folgenden auf ein Beispiel mit einer höheren Sparrate.

Beispiel 3 – Person mit 2 Kindern, 300 € monatliche Sparrate

Christina findet es nicht so ideal, was Bertram da macht. Die 1.572,65 € monatliche Rente haben bei Rentenbeginn in 31 Jahren nur noch eine Kaufkraft von 1.028,28 €. Das wird wohl nicht reichen. Darum legt Christina mehr an, nämlich insgesamt 300 €.

Auch Christina darf sich über Zulagen für sich und ihre Kinder sowie Steuererstattungen freuen. Sie hat eine Netto-Sparrate von 286,99 € und kommt damit auf eine Netto-Rente von insgesamt 2.074,25 € (Riester + gesetzliche Rente).

Riester - Person mit 2 Kindern, 300 € monatliche Sparrate

Pro gespartem Euro macht das jedoch nur 2,79 € monatliche Rente. Das ist eine deutlich schlechtere Rendite, sogar als bei Anne, obwohl Christina Kinder hat. Wie kann das sein?

Das liegt daran, dass der Anteil der staatlichen Förderung am Gesamt-Sparbetrag natürlich immer kleiner wird, je mehr man in den Riester-Sparplan steckt. Somit hat Christina am Ende zwar mehr Geld, aber sie hat weniger effizient investiert.

Insgesamt ist ihre Lage schon mal eine ganze Ecke besser als bei Bertram, aber vermutlich auch nicht ausreichend, wenn wir daran denken, dass sie 1.000 € mehr bräuchte, um die Inflation auszugleichen.

Beispiel 4 – Single, 300 € monatliche Sparrate

David hat keine Kinder und legt wie Christina 300 € im Monat an. Er kommt auf eine Netto-Sparrate von 255,88 €. Als monatliche Rentenzahlung könnte er mit 1.971,23 € netto insgesamt rechnen. Seine zusätzliche Rente pro investiertem Euro ist etwas schlechter als die von Christina und beträgt 2,73 € – mangels Zulagen für etwaigen Nachwuchs.

Riester - Single, 300 € monatliche Sparrate

So richtig berauschend sind die Beträge also nach Inflation alle nicht. Geht das nicht besser?

Wir erinnern uns: Eigentlich kann man ja eine deutlich höhere Marktrendite einfahren – nur nicht mit dem genannten Riester-Programm, wenn die Anleihen-Anteile gerade zum Ende der Ansparzeit so hoch sind. Schauen wir also mal, was rauskommen könnte, wenn man selbst auf dem Aktienmarkt unterwegs ist.

Bevor wir das machen, legen wir aber die gleiche Rendite wie in unseren Riester-Beispielen zugrunde, um die Methoden besser vergleichen zu können.

Beispiel 5a – Selber anlegen, 5% Marktrendite

In Beispiel 4 haben wir gesehen, dass David nur 255,88 € braucht, um 300 € zu sparen, weil er am Ende des Jahres vom Staat Steuern fürs riestern zurückbekommt. Außerdem erhält er die jährliche Zulage von 175 €.

Diese Vorteile hat Ella nicht, denn sie spart selbst – ganz ohne Riester. Sie hat zwar auch zwei Kinder, aber das interessiert an der Börse leider niemanden. Nun legt sie die 255,88 € an – zur gleichen Rendite wie die Beispiel-Riesterer. Denn Ella legt nicht nur in Aktien an, sondern mischt ebenfalls konservative Anleihen hinzu.

Damit kommt Ella auf eine monatliche Zusatz-Rente von 542,49 € Rente bzw. 1.814,95 € insgesamt. Das sind 156,28 € weniger als David hat, denn Ella erhält keine Zulagen vom Staat. Somit bekommt sie nur 2,12 € pro gespartem Euro monatlich – hat aber einen entscheidenden Vorteil: Sie kann sich nicht nur eine lebenslange Rente auszahlen, sondern erhält ihr komplettes Vermögen aufrecht, denn die Zahlungen entsprechen ausschließlich ihrer monatlichen Rendite. Das nennt man “ewige Rente ohne Kapitalverzehr”.

Während beim riestern am Ende die Erben leer ausgehen (außer man wählt eine Hinterbliebenenabsicherung für die Restbeträge in der Rentenzeit, die allerdings ordentlich kostet und im Todesfall auch nur das auszahlt, was noch übrig ist), kann Ella ihren Kindern ihr komplettes Vermögen vermachen, denn sie hat sich ihre Rente ausschließlich durch die Kursgewinne finanziert.

Ella könnte übrigens auch ihr Lebensalter schätzen und davon ausgehen, dass sie 95 Jahre alt wird. Ihre Lebenserwartung liegt bei 79-83 Jahren (je nach Quelle) – somit ist da ein ordentlicher Puffer drin.

Würde sie sich nun eine zusätzliche Rente bis zum Alter von 95 auszahlen und somit bis dahin auch ihr Kapital aufbrauchen, könnte sie sich netto mit 860,56 € zusätzlich das Leben verschönern. In Summe wären es dann 2.133,02 € an Netto-Rente.

Selber anlegen, 5% Marktrendite

Hier wird deutlich: Versicherungen, die Dir Deine Riester-Rente auszahlen, sichern das sogenannte Langlebigkeitsrisiko ab, also das man quasi richtig alt wird und irgendjemand die Zeche zahlen muss. Eine Versicherung „gegen das sehr alt werden“ sollte man aber nicht verwechseln mit einem Vermögensaufbau für das Alter! Letzterer ist definitiv von Nöten und besser außerhalb einer Versicherung angesiedelt. Denn hier ist mehr zu holen.

Du möchtest selbst mal rechen? Hier erhältst Du die kompletten Szenario-Berechnungen inkl. Quellenangaben, mit denen Du dann weitermachen kannst.

Beispiel 5b – Selber anlegen, 7,9% Marktrendite

Gehen wir nun davon aus, dass Ella ausschließlich am globalen Aktienmarkt anlegt und auf die konservative Beimischung verzichtet. Das klingt jetzt abenteuerlicher als es ist: Bislang waren nach einem Anlagezeitraum von über 15 Jahren die Renditen am globalen Aktienmarkt immer positiv. Ella muss aber zwischendurch Schwankungen aussitzen können und sich nicht von den Nachrichten verrückt machen lassen.

Außerdem möchte Ella ihren Lebensstandard halten und auf die oben berechneten 3.058,80 € Rente in Summe kommen – also inklusive Inflationsausgleich. Damit sich Ella dies als lebenslange Rente auszahlen kann, braucht sie zuzüglich zur gesetzlichen Rente 1.786,34 € monatlich. Um die Lücke zu schließen, muss Ella allerdings nur 329,46 € pro Monat investieren.

Und hier sei erneut darauf hingewiesen: Ella erhält so ihr komplettes Vermögen und kann ausschließlich von der Rendite ihre Rente aufstocken! Ihre Kinder erben also ihre gesamten Ersparnisse. Oder Ella haut irgendwann die Kohle auf den Kopf – wie sie eben will.

Geht Ella wie im Beispiel zuvor von einem Lebensalter von 95 Jahren aus und ist bereit, bis dahin ihr Erspartes verbraucht zu haben, braucht sie für die gleiche zusätzliche monatliche Rente in Höhe von 1.786,34 € nur 260,83 € zu investieren. Das sind noch nicht mal 5 € mehr als David spart – die Rente ist jedoch um über 1.000 € monatlich höher!

Selber anlegen, 7,9% Marktrendite

Beispiel 6 – Eigene Anlage und Riester mischen

Glücklicherweise gibt es kein Entweder-oder. Wer das System für sich optimieren möchte, kann auch in Erwägung ziehen, sowohl selbst anzulegen, um eine höhere Rendite zu erzielen, als auch die Vorteile von Riester mitzunehmen.

Das macht Fabian: Er optimiert seinen Riester-Sparplan auf die maximale Förderung (wie Anne im ersten Beispiel). Mit der Anlage von 115,09 € monatlich netto kommt er also ebenso auf eine zusätzliche Netto-Rente von 355,25 €.

Um nun im Alter genug zu haben, braucht er noch 1.431,09 € an zusätzlicher Rente durch eigene Anlage. Dann kommt er mit Riester und gesetzlicher Rente auf insgesamt 3.058,80 €.

Soll es die ewige Rente sein, muss Fabian 263,24 € am globalen Aktienmarkt investieren. Er würde dann insgesamt 378,33 € monatlich zur Seite legen. Das ist natürlich mehr, als wenn er vollständig selbst vorsorgen würde (siehe Ella), dafür erhält er aber Zulagen und eine garantierte Riester-Rente.

Eigene Anlage und Riester mischen - ewige Rente

Ist er bereit dazu, seine zusätzliche Anlage bis zum 95. Lebensjahr aufzubrauchen, so müsste er nur 208,41 € selbst anlegen und würde somit insgesamt 323,50 € in seine Altersvorsorge stecken. Sollte er doch älter als 95 werden, würde sich seine gesamte Rente von monatlich 3.058,80 € auf 1.627,71 € reduzieren.

Eigene Anlage und Riester mischen - gemischte Rentenzeiträume

Fazit

Du siehst: Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Riester mit „selbst machen“ zu kombinieren. Während wir eine eigene Anlage immer für sinnvoll halten, weil sie einem die maximale Flexibilität mit Blick auf Ein- und Auszahlungen bei gleichzeitig niedrigen Kosten und hoher Rendite ermöglicht, sollte man für sich gut prüfen, ob riestern Sinn macht. Aus unserer Sicht lohnt sich eine Beimischung von Riester am ehesten, wenn man

  • sich sehr sicher ist, sein Erwerbsleben bis zur Rente als Angestellter zu verbringen, denn sonst entfallen die Zulagen und Steuervorteile.
  • junge Kinder hat.
  • die maximale Förderung rausholt und darüber hinaus selbst anlegt.
  • noch viel Zeit bis zur Rente hat (sonst ist die Rendite von vornherein durch den höheren Anleihen-Anteil geschmälert).
  • nicht plant auszuwandern.
  • befürchtet, (zwischenzeitlich) Hartz IV beziehen zu müssen.
  • auf einen Fondssparplan mit niedrigen Kosten und vergleichsweise guter Rendite wie aus unseren Beispielen setzt.

Gerade den letzten Punkt sehen wir als elementar an, damit es sich lohnt. Schau also bei der Anbieter-Auswahl ganz genau hin, sonst werden etwaige staatliche Förderungen ratz fatz durch hohe Kosten bzw. schlechte Renditen aufgefressen. Falls Dir gerade ein Licht aufgeht und Du merkst, dass Du in einem ziemlich schlechten Riester-Vertrag steckst, schlagen wir Folgendes vor:

  1. Du bist Dir nicht sicher, ob Du überhaupt weiterhin riestern willst/solltest?
    Dann wende Dich an die Verbraucherzentrale. Die beraten Dich und helfen Dir dabei, zu entscheiden, ob Du Deinen Vertrag weiterführen oder ruhend stellen bzw. kündigen solltest. Unsere Webinar-Teilnehmer haben damit gute Erfahrungen gemacht.
  2. Du willst sicher weiterhin riestern?
    Dann wechsle Deinen Vertrag. Fairr macht das z.B. direkt für Dich.

Solltest Du Sorge davor haben, dass die ganze Weltwirtschaft auf Dauer zusammenbricht und Du deswegen davon absiehst, am Kapitalmarkt selbst zu investieren, ist auch Riestern mit Fondssparplänen mit Vorsicht zu genießen: Die Anbieter bzw. genauer die dahinter stehenden Banken müssen zwar garantieren, Dir am Ende Deiner Ansparphase mindestens Deine Einzahlungen und Zulagen zurückgeben zu können (und somit auch eine Mindestrente auf dieser Basis).

Die Frage ist jedoch, ob sie das können, wenn es überall dauerhaft bergab geht und keine Aussicht auf ein erneutes globales Wachstum besteht. Denn das Geld liegt nicht bei der Bank auf einem Sparkonto oder sowas, sondern in den Fonds, in die die Bank für Dich investiert.

Wie schon erwähnt, gab es bislang in der Vergangenheit keinen Zeitraum von mehr als 15 Jahren am globalen Aktienmarkt, in dem man weniger als das Investierte zur Verfügung gehabt hätte – trotz diverser Finanzkrisen. Wie wahrscheinlich also überhaupt der Fall ist, dass man weniger rausbekommt als man eingezahlt hat, wenn man Jahrzehnte lang seine Altersvorsorge aufbaut, sei also dahingestellt.

Und selbst dann: Bei einem echten dauerhaften Zusammenbruch der Wirtschaft ist aus unserer Sicht eben recht fraglich, inwieweit Versicherungen in der Lage sein werden, Renten zu bezahlen. Bei derartigen Sorgen macht es möglicherweise eher Sinn, sich Konserven und Wasservorräte zuzulegen.

Was können Selbstständige tun?

Solltest Du Dein eigener Chef sein oder planen, Dich selbstständig zu machen, kannst Du als Pendant zu Riester einen Rürup-Fondssparplan abschließen. Der funktioniert ähnlich wie Riester, jedoch gibt es keine Zulagen vom Staat. Steuerersparnisse kannst Du aber ebenfalls einfahren.

Es gibt aus unserer Sicht neben den fehlenden Zulagen zwei signifikante Nachteile von Rürup:

  1. Du hast nach der Ansparphase kein Wahlrecht zwischen (teilweiser) Kapitalauszahlung und Rente. Es wird Dir in jedem Falle die Rente ausgezahlt. Das mindert die Flexibilität.
  2. Bei Rürup mit Fondssparplänen hast Du keine Sicherheit, wenigstens eine Rente basierend auf Deinen geleisteten Einzahlungen zu bekommen (das, was sich bei Riester Beitragsgarantie nennt). Sprich: Solltest Du tatsächlich eine negative Rendite erleben, sinkt Deine Bemessungsgrundlage für die Rente auch entsprechend.

Du nimmst hier das Marktrisiko selbst mit. Wie oben beschrieben, ist es aus unserer Sicht eh völlig unwahrscheinlich, bei einer vernünftigen Kapitalanlage weniger zu haben als man eingezahlt hat. Sorgt man sich also davor, ist Rürup hier auch nicht hilfreich.

Wir können uns also ehrlicherweise nur vorstellen, dass Rürup für die Leute hilfreich ist, die eine berechtigte Angst davor haben, Hartz IV beziehen zu müssen – denn auch Rürup ist pfändungssicher.

Ansonsten denken wir, dass es als Selbstständiger eher ungünstig ist, ein derartiges Produkt zu nutzen, da die Vorteile dahinschwinden und legen darum ausschließlich selbst an. Das ist aber unsere ganz persönliche Meinung. Wäge also gut für Dich ab, wie Du Dich aufstellen willst und bedenke auch kritische Szenarien.

Was auch immer Du tust: Denke selbst nach, nimm den Rechenschieber in die Hand und lass Dir insbesondere von den Versicherungsmaklern keine Angst einjagen. Sie haben ein großes Interesse daran, dass Du ihre Produkte kaufst.

Du möchtest selbst mal rechnen? Hier erhältst Du die kompletten Szenario-Berechnungen inkl. Quellenangaben, mit denen Du dann weitermachen kannst.

Falls Du Dich für betriebliche Altersvorsorge interessierst: Hierzu haben wir ebenfalls einen Artikel geschrieben – natürlich wie immer mit vielen Beispielrechnungen.






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