Die beste Altersvorsorge für Selbstständige (2024)

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Als Selbstständiger steht man vor einer großen Herausforderung: Man muss komplett eigenverantwortlich für sein Alter vorsorgen. Während Angestellte verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, ist dies für Selbstständige (noch) keine Pflicht (mehr zum “noch” weiter unten).

Das bedeutet umso mehr, dass wir Selbständige sehr gründlich überlegen sollten, wie wir vorsorgen. All das kann man jetzt als Nachteil sehen – tun wir aber nicht! Im Grunde ist es ein Riesenvorteil, denn Du kannst selbst entscheiden, wie Du Deine private Altersvorsorge gestaltest.

Selbstständige sind ja oft auch selbstständig, weil sie das Thema Eigenverantwortung für ihr Leben wichtig finden. Und hier ergibt sich eine richtig große Chance.

Wie sorge ich als Selbstständiger optimal vor?

Die Frage sollte am Ende des Artikels für Dich beantwortet sein. Zunächst betrachten wir die verschiedenen Vorsorgeformen – wie immer mit ein paar Beispielrechnungen. Denn ohne die Zahlen wirklich miteinander zu vergleichen, kann man sich das Ganze auch sparen.

Außerdem schauen wir auf verschiedene Lebenssituationen, in denen sich Selbstständige oft befinden: So schwankt das Einkommen bei fast jedem – ob nun stärker oder schwächer – und gerade in der Anfangsphase steht kaum etwas zur Verfügung, das zur Seite gelegt werden kann.

Aber auch die Vielverdiener sollen nicht außen vor bleiben. Und natürlich werden wir immer auf die steuerliche Anrechenbarkeit der verschiedenen Vorsorgeformen eingehen.

Eins sei schon einmal vorweg gestellt: Risiko und Rendite sind wie immer im Leben eng miteinander verknüpft. Wer nach einem Garantieprodukt mit Renditen von 10% sucht, der möge sich an einen unseriösen Berater wenden 🙂

Bitte verwechsle übrigens nicht Altersvorsorge und Absicherung gegen elementare Risiken wie Krankheit, Tod, Haftpflichtschäden etc.! Für diese Risiken brauchst Du dringend (und zuallererst) Versicherungen – für die Altersvorsorge nicht unbedingt.

Kurzer Hinweis: Wir verwenden hier das Wort “Selbstständiger” für die komplette Personengruppe, die von der Sozialversicherungspflicht befreit ist. Die meisten Freiberufler / Freelancer, Unternehmer, Gesellschafter-Geschäftsführer etc. sind also angesprochen.

Solltest Du rentenversicherungspflichtig sein (das sind z.B. Künstler, Hebammen und Handwerker), ist der Artikel trotzdem interessant für Dich, weil Du herausfinden kannst, was sich zusätzlich als Vorsorge anbietet.

Und noch ein Hinweis: Dieser Artikel spiegelt unsere persönliche Meinung als Privatanleger wider – mit Anlage- oder Steuerberatung haben wir nichts am Hut. Lies bitte den Disclaimer, hinterfrage alles kritisch und schau Dir möglichst viele verschiedene Quellen an!

Weiterhin behandeln wir hier nicht jeden Sonder-Grenz-Einzelfall und jeden speziellen Aspekt vollumfänglich, sondern versuchen, das Thema nicht noch komplexer zu machen, als es eh schon ist.

Welche Altersvorsorge für Selbstständige gibt es?

Es gibt viele Varianten, vorzusorgen. Wir beschäftigen uns im Folgenden mit den sinnvollsten und / oder bekanntesten Möglichkeiten:

  1. Eigene Altersvorsorge mit ETFs
  2. Rürup
  3. Freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung
  4. Private Rentenversicherung
  5. Immobilien

Eigene Altersvorsorge mit ETFs

Was die meisten Selbstständigen vereint, ist eine starke Vorliebe, ihre Lebensgestaltung auch wirklich selbst in die Hand zu nehmen. Und genauso kann man es mit der Altersvorsorge handhaben: Einfach mal selber machen. Das gilt übrigens für Angestellte und Selbstständige gleichermaßen!

Wie geht das? Indem man in ein möglichst breit aufgestelltes (“diversifiziertes”) Portfolio aus börsengehandelten Indexfonds (ETF) anlegt. Das klingt erstmal kompliziert, ist es aber ehrlicherweise überhaupt nicht. Lass Dich nicht von den Begriffen abschrecken.

ETFs umfassen oft Hunderte von Aktien und sind daher nicht Einzelschicksalen ausgesetzt. So kannst Du die globale Wirtschaft abbilden und an ihrer Entwicklung teilhaben. Das macht die ganze Nummer wesentlich risikoärmer als selbst Aktien auszusuchen, auf die man – wie beim Pferderennen – wettet. 

Auch Stiftung Warentest und Finanztip beispielsweise raten zur eigenständigen Altersvorsorge mit ETFs. Neben der Risikominimierung durch weltweite Streuung ist die Rendite ziemlich attraktiv: Historisch betrachtet waren im Schnitt 7-8% p.a. drin.

Vorteile eigener Anlage in ETFs

Selbst anlegen hat nicht nur den Vorteil von hohen Renditen, sondern bringt gleich zwei positive Dinge mit sich:

  1. beschäftigt man sich zwangsweise einmal grundlegend mit dem Thema und macht sich unabhängig von Dritten. Du verstehst wirklich, was mit Deinem Geld passiert und brauchst Dich nicht mehr von unseriösen “Beratern” über den Tisch ziehen zu lassen.
  2. hast Du die volle Flexibilität, was Ein- und Auszahlungen betrifft. Du bestimmst ganz allein, wie viel Du wann sparst und wie viel Du wann entnimmst. Außerdem kannst Du Dein (Rest-)Vermögen vererben. Keiner kann Dir reinreden: Es gibt weder fixe Laufzeiten, noch intransparente Versicherungsgebühren oder Strafen für Kündigungen und Co.

Wer selbst seine Altersvorsorge regelt, muss aber ertragen können, dass das Vermögen – insbesondere in den ersten Jahren – stark schwankt. Finanzkrisen muss man stur aushalten können. Über einen langen Zeitraum waren aber bisher die Renditen am globalen Kapitalmarkt immer signifikant positiv.

Wie hoch ist die Rente bei der eigenen Altersvorsorge mit ETFs?

So, genug geplaudert, hier kommen ein paar Szenarien. Wir haben einmal durchgerechnet, wie viel Rente Du im Alter erwarten kannst, wenn Du verschiedene Beträge zu verschiedenen Zeitpunkten sparst.

Kurz zu den Annahmen:

  • Wir nehmen die historische Marktrendite i.H.v. 8% nominal an.
  • Bei der Berechnung gehen wir davon aus, dass Du mit 67 ganz klassisch in Rente gehst und Dein Vermögen aufbrauchen darfst, bis Du 97 wirst. Das ist sehr großzügig, aber wir wollen ja mit einem guten Gefühl in den Ruhestand gehen.
  • Außerdem nehmen wir an, dass Du während der Ansparphase zu 100% in Aktien-ETFs anlegst. Da diese Aktien-ETFs aber im Wert schwanken, solltest Du zu Rentenbeginn auch einen großen Teil in konservativen, also weniger schwankenden Anlagen haben.
    Die bringen Dir nach Inflation zwar keine Rendite, verhindern aber, dass Dir das Geld zu früh ausgeht, sozusagen, falls ein paar schlechte Börsenjahre kommen. Daher gehen wir jetzt mal ganz konservativ davon aus, dass Du zu Rentenbeginn 50% Deines Vermögens in Bankguthaben oder Staatsanleihen hast.
  • Außerdem bereinigen wir alle Werte um Kosten, Steuern und die langfristige, durchschnittliche Inflation von 2% p.a.

So, jetzt aber. Wie viel musst Du monatlich sparen, um eine Rente von 1.500 oder 2.500 Euro zu bekommen?

Legst Du zum Beispiel mit 30 Jahren los und sparst monatlich 600 Euro, kannst Du Dir ab 67 jeden Monat 2.500 Euro entnehmen, und zwar nach allen Kosten, Steuern und Inflation! Das ist doch mal ne ordentliche Sache.

Wenn Du sogar schon etwas auf der Seite hast, sagen wir mal 50.000 Euro, dann brauchst Du nur 400 Euro pro Monat zu sparen.

So viel dazu, jetzt schauen wir mal auf die nächste Variante:

Rürup

Das Pendant zur gesetzlichen Rente für Angestellte ist Rürup. Diese Form der Altersvorsorge fördert der Staat durch anteilige Steuererstattungen. Wir lieben ja alle Steuervorteile. Doch sind die wirklich so ausschlaggebend, dass Rürup zur sinnvollen Altersvorsorge wird? Schauen wir erstmal, was Rürup genau ist.

Rürup bezeichnet an sich erst einmal eine Verpackung von einer Geldanlage. Bedeutet: Ein Anbieter legt für Dich Dein Geld am Kapitalmarkt an und packt dann den Rürup-Mantel drumherum. Dieser sorgt dafür, dass Du am Ende Deiner Ansparzeit eine regelmäßige Rente erhältst und während der Ansparphase Deine Einzahlungen steuerlich geltend machen kannst. 

Inflationsausgleich = Fehlanzeige

Vor kurzem gab es eine große Studie von Finanzwende zu Riester- und Rürup-Verträgen. Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Das Ergebnis war erschreckend.

Nur 2 von 89 untersuchten Verträgen haben es geschafft, eine Rendite von 2% zu erzielen, was einem Inflationsausgleich entsprechen würde.

Das muss man sich mal vorstellen! Da wäre es besser gewesen, sein Geld auf dem Tagesgeldkonto liegen zu lassen!

Der Hauptgrund für diese miese Performance sind die hohen Kosten der Anbieter bei gleichzeitig sehr überzogenen Annahmen dazu, wie alt ihre Versicherten im Schnitt werden. Du müsstest also mindestens 100 Jahre alt werden, um Deine Einzahlungen überhaupt wieder rauszubekommen, wenn man auf die Daten der o.g. Studie schaut.

Vererbung, Flexibilität und Sicherheit

Bei Rürup ist Dein Vermögen übrigens nicht vererbbar – im Gegensatz zu einem eigenen Vermögen aus ETFs. Zwar gibt es die Möglichkeit, dass Deine Angehörigen eine Hinterbliebenen-Rente bekommen, sollte Dir etwas zustoßen. Im besten Falle berechnet sie sich basierend auf dem Restkapital, was noch vorhanden ist, wenn Du verstirbst.

Das schmälert jedoch Deine Rendite, also Deine eigene, eh schon mickrige Rürup-Rente, noch mehr. Klar, der Rürup-Anbieter lässt sich diese zusätzliche Absicherung bezahlen.

Außerdem musst Du wirklich eine Rente beziehen; einmalige Auszahlungen o.ä. sind nicht möglich. Du kannst also nicht entscheiden, wann Du Dir wie viel rausnimmst, was bei eigener Anlage immer möglich ist. Das Renteneintrittsalter beträgt übrigens frühestens 62.

Ein großes Risiko wird außerdem oftmals außer Acht gelassen: Das Ausfallrisiko der Versicherung. Sollte diese in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, kann es gut sein, dass Deine Ansprüche gekürzt werden. Bei ETFs hingegen besteht hingegen kein Gegenparteirisiko, da Deine Anteile im Sondervermögen geschützt außerhalb der Insolvenzmasse der Fondsgesellschaft liegen.

Es gibt eigentlich nur einen guten Grund aus unserer Sicht: Die Angst vor Hartz IV. Denn Deine Rürup-Ansparungen dürfen nicht auf Deinen Hartz IV-Bezug angerechnet werden.

Gesetzliche Rentenversicherung

Auch als Selbständiger kann man in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, die für Angestellte Pflicht ist. Der Vorteil: Hier erhält man eine garantierte Rente. Außerdem kann man die Einzahlungen in Teilen von der Steuer absetzen.

Der Nachteil für gewissenhafte Vorsorger mit dem nötigen Kleingeld: Man kann nur maximal 14.000 Euro im Jahr einzahlen.

Stiftung Warentest empfiehlt die freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung als Basisabsicherung. Im Vergleich sei dies sogar deutlich attraktiver gegenüber einem privaten Versicherungsprodukt mit Garantie (Finanztest 3/2018, S. 52).

Politisches Risiko

Angeblich liege die Rendite der deutschen Rentenversicherung aktuell bei 2-3%. Das Problem dabei: Wer weiß schon, wie lange das noch so bleibt? 

Im Gegensatz zur eigenen Anlage in ETFs, wo man einfach an der Entwicklung der Weltwirtschaft teilnimmt, ist die Rentenkasse ein höchst politisches Thema und mit viel Unsicherheit behaftet (Stichwort demografische Entwicklung etc.).

Dabei ist nicht nur die künftige Höhe unklar, sondern auch das gesetzliche Renteneintrittsalter, da es heraufgesetzt werden kann. Aus unserer Sicht ist es wesentlich spekulativer, auf Politiker eines einzelnen Landes zu vertrauen, als auf die gesamte Welt zu setzen. Aber das muss jeder für sich wissen.

Übrigens sind flexible (z.B. einmalige) Auszahlungen nicht möglich; Du bekommst einfach eine lebenslange Rente.

Private Rentenversicherung

Produkte in Form von klassischen, aber auch fondsgebundenen Rentenversicherungen zeichnen sich meist durch zwei Dinge aus: Sie haben unterirdische Renditen und hohe Kosten.

Man zahlt also einem Versicherungsverkäufer (das Wort Berater benutzen wir hier bewusst nicht, denn Versicherungsmakler sind Verkäufer. Sie bekommen Provisionen für den Verkauf von Produkten) erstmal viel Geld, der Versicherung laufend viel Geld und bekommt dann wenig raus.

Wenig kann auch bedeuten: Weniger als Du eingezahlt hast. On top kommt außerdem noch das oben beschriebene Ausfallrisiko.

Na toll. Steuervorteile hat man während der Ansparphase auch keine, erst in der Auszahlphase. Da fällt uns wirklich kein Grund ein, warum man das machen sollte.

Ist eine selbst genutzte Immobilie eine gute Altersvorsorge?

Jein. Es kommt schwer drauf an. Vergleicht man Immobilien mit der eigenen Anlage in ETFs, so wird die Immobilie in den meisten Fällen schlechtere Renditen abwerfen – trotz Mietfreiheit im Alter!

Eine nüchterne Auswertung historischer Daten kommt zu diesem einfachen Schluss. Das wirkt erst einmal kontraintuitiv, denn die Bau- und Bankenindustrie hat großartige Marketing-Arbeit geleistet und uns jahrzehntelang das Gegenteil eingetrichtert. Wenn Dich das Thema weiter interessiert, lies einfach unseren ausführlichen Blogpost zum Thema Mieten oder Kaufen.

Statistisch gesehen sind jedoch Hausbesitzer vermögender als Mieter. Warum? Weil sie zum Zwangssparen verdonnert werden, denn sie bezahlen (fast immer) einen Kredit ab. Der Mieter hingegen entscheidet jeden Monat, ob er nun was spart oder nicht.

Das Fazit bleibt trotzdem: Bei gleicher Spardisziplin ist aus unserer Sicht eine Anlage in ETFs oftmals wesentlich lohnenswerter als die eigenen vier Wände.

Natürlich ist es auch möglich, eine Immobilie zur Vermietung zu erwerben und hierdurch Einnahmen zu generieren, aber ganz ehrlich: Das bedeutet einen ordentlichen Zeiteinsatz und geht mit vielen Risiken einher, die auch die selbstgenutzte Immobilie mit sich bringt. Und ob die Mietrendite überhaupt an die von ETFs heranreichen wird, sei ebenfalls dahingestellt… 

Aus unserer Sicht gibt es daher keinen Grund, sich solch einen Stress zu machen, wenn man easy peasy mit einem Zeiteinsatz von 5 Minuten im Monat am globalen Marktgeschehen durch ETFs teilnehmen kann.

Wie sorge ich bei schwankenden Einnahmen am besten vor?

Aus unserer Sicht macht hier nur die eigene Anlage in ETFs Sinn. Man kann auch regelmäßig die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung anpassen, doch müssen die Beträge zwischen 100,07 Euro und 1.404,30 Euro pro Monat liegen (Stand Januar 2024).

Vom Aufwand her ist es natürlich einfacher, selbst in frei gewählten Abständen den Betrag in ETFs zu investieren, den man gerade zur Verfügung hat. So kann man auch beliebig lange aussetzen, falls gerade kein Geld zur Verfügung steht.

Leider hat dies den Nachteil, dass man vermutlich weniger zur Seite legt, als wenn man zum Sparen “gezwungen” ist oder eine Anpassung der Beiträge zu nervig ist. 

Doch glücklicherweise gibt es eine Möglichkeit für die konsequente, eigenständige Geldanlage: Man kann Sparpläne einrichten, mittels derer man jeden Monat/jedes Quartal/wie auch immer einen Betrag x investiert. 

So umgehst Du das Risiko Deiner eigenen Faulheit 🙂

Welche Altersvorsorge eignet sich bei niedrigem Einkommen?

Die Möglichkeiten und Vorgehensweisen sind immer die Gleichen – egal, ob Du viel oder wenig verdienst. Wie immer musst Du einmal durchrechnen, bei welchem Produkt Du am meisten rausbekommst.

Wenn Du wenig hast, ist eine gute Rendite für Dich noch wichtiger, damit Du später genug Rente bekommst. Überlege daher gut, ob Du Garantien wirklich brauchst oder lieber selbst anlegst, um die Chance auf einen größeren Ertrag zu erhalten. Wie bereits erwähnt, waren nach langen Zeiträumen die Renditen am globalen Aktienmarkt immer positiv.

Kann ich die Aufwendungen für meine Altersvorsorge steuerlich absetzen?

Das Thema haben wir ja am Rande schon bei den einzelnen Vorsorgevarianten betrachtet. Fassen wir zusammen:

Bei Rürup und der gesetzlichen Rentenversicherung können Einzahlungen steuerlich angerechnet werden. Es gibt jedoch einen Maximalbetrag, der für die Summe Deiner Altersvorsorge-Aufwendungen gilt. Das bedeutet: Hast Du z.B. einen Rürup-Vertrag UND zahlst freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein, so teilen sich beide Produkte den Maximalbetrag.

Legst Du hingegen selbst in ETFs an, so kannst Du die Aufwendungen nicht absetzen. Dafür hast Du einen Vorteil in der Rentenphase: Während sowohl die Auszahlungen von Rürup als auch die aus der gesetzlichen Rentenversicherung mit Deinem persönlichen Einkommensteuersatz voll(!) versteuert werden, zahlst Du für Deine Kapitalerträge aus eigenem Vermögen nur 25% Abgeltungsteuer. 

Liegt Dein persönlicher Einkommensteuersatz unter den 25%, so werden Deine Kapitalerträge ebenfalls hiermit belastet (das musst Du nur in Deiner Steuererklärung angeben). Du zahlst dann also weniger als die 25%.

Absetzbarkeit ist nachrangig

Aus unserer Sicht ist das jedoch alles sekundär. Steuerliche Aspekte sollten bei der Wahl der Altersvorsorge nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen. Das liegt

  1. daran, dass es ausschließlich auf die Netto-Rendite ankommt. Wenn Du zwar alles ganz toll steuerlich geltend machen kannst, Dein Vorsorgeprodukt trotzdem hohe Kosten verursacht und/oder eine miese Performance aufweist, dann bringt Dir das Steuergespare auch nichts. Es geht schlichtweg darum, bei welcher Variante Du am meisten pro eingesetztem Euro heraus bekommst und nicht darum, wo Du am meisten Steuern sparen kannst.
  2. daran, dass sich die Steuergesetzgebung andauernd ändert. Jetzt einen Vertrag abzuschließen und darauf zu hoffen, dass sich bis in 35 Jahren zum Rentenbeginn an der steuerlichen Behandlung nichts geändert hat, ist ziemlich naiv.

Wähle also Dein Vorsorgeprodukt anhand der Gesamtrendite und natürlich anhand von Kriterien, die Dir sonst wichtig sind (Garantien, Flexibilität, …).

Nur, weil etwas steuerlich absetzbar ist, heißt das also noch lange nicht, dass es das bessere Investment ist. Finanzprodukteverkäufer wie Versicherungsmakler und Bank”berater” erzählen Dir gerne etwas anderes, aber lass Dich nicht veräppeln!

Wird die Altersvorsorge für Selbstständige zur Pflicht? Was mache ich dann?

Aktuell steht zur Debatte, ob Selbstständige zur Altersvorsorge verpflichtet werden. Da die Politik wenig von Eigenverantwortung hält und die Versicherungsbranche gute Lobbyarbeit leistet, müsstest Du dann vermutlich einen Rürup-Vertrag abschließen. Eine andere Variante dürfte die freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung werden.

Falls Du eigentlich selbst anlegen wolltest, ist das jetzt zwar nervig, weil Du einen anderen Plan hattest, aber auch kein Untergang:

Du kannst einfach den dann per Gesetz vorgeschriebenen Mindestbetrag in eine der vom Staat ausgesuchten Varianten einzahlen und alles darüber hinaus eigenständig in ETFs anlegen.

Fazit

Es ist immer das Gleiche: Wer nur auf Nummer Sicher gehen will und Garantien braucht, der kann auch keine Rendite erwarten. Wer hingegen Marktschwankungen aushalten bzw. gut ignorieren und über einen längeren Zeitraum anlegen kann, der kann sich auch “was trauen” und seiner Geldmehrung eine Chance geben. Ohne Risiko keine Rendite. It is what it is.

Glücklicherweise gibt es kein entweder oder: Wer möchte, kann einfach mehrere Formen miteinander mischen. Beispielsweise kann für eine garantierte Rente in Form einer Basisabsicherung freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden; darüber hinaus kannst Du selbst in ETFs anlegen. Ein derartiges Vorgehen empfiehlt auch die Stiftung Warentest (Finanztest 3/2018, S. 53).

Doch ein Appell an die Sicherheitsliebenden: Wirklich ausschließlich auf Garantieprodukte zu setzen, finden wir super heikel! Du gehst damit das Risiko ein, am Ende nur eine mickrige Rente herauszubekommen und Deinen Lebensstandard stark einschränken zu müssen oder sogar in die Altersarmut zu rutschen.

Egal, wofür Du Dich entscheidest: Es führt kein Weg dran vorbei, ordentlich was zur Seite zu legen. Du wirst später nicht hauptsächlich von der Rendite leben können, sondern in erster Linie von Deinen geleisteten Einzahlungen. So ist das nun mal.

Damit genug zum Sparen übrig bleibt, empfiehlt es sich also dringend, die eigenen Ausgaben in den Griff zu kriegen. Wieviel Geld brauchst Du wirklich für ein gutes Leben? Und wie kannst Du leicht sparen?

Kannst Du Deine Fixkosten schon jetzt reduzieren, so brauchst Du erstens auch im Alter weniger für ein (genauso) gutes Leben wie jetzt und kannst zweitens mehr zur Seite legen.

Zusammengefasst: Was ist die beste Altersvorsorge für Selbstständige?

  • Du legst Wert auf Flexibilität, hast noch mindestens 10-15 Jahre bis zur Rente und/oder möchtest die größte Rendite rausholen? Dann lege eigenständig in ETFs an.
  • Du brauchst unbedingt eine garantierte Rentenhöhe und nimmst dafür eine geringe Rendite in Kauf? Dann zahle freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
  • Dir sind mehrere bis alle oben genannten Faktoren wichtig? Dann kombiniere verschiedene Altersvorsorge-Varianten miteinander.
Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 15. August, 2019
LETZTE AKTUALISIERUNG: 15. Februar, 2024
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