Inflation – gut oder schlecht?

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Inflation - gut oder schlecht?

„Erster Mythos: ‚Es ist gut sich Sorgen zu machen.‘ Falsch: Es ist besser, sich Gedanken zu machen, ohne sich dabei im Geringsten zu sorgen.“

– Psychologe Rafael Santandreu

Ist Inflation gut oder schlecht für uns? Die Nachrichten beantworten die Frage eigentlich recht klar:

„Die fetten Jahre sind vorbei“, „Inflation ist toxisch“, „Die nächste Teuer-Welle rollt schon an“. So lauten ein paar aktuelle Schlagzeilen zur Inflation. Da kann man sich ja schon mal fragen: Sind wir alle dem Untergang geweiht?

Angst und Panik hat noch niemanden weitergebracht. Also atmen wir erst einmal tief durch und schauen uns ein paar Daten zum Thema an. Die zeigen ein eher anderes Bild als uns die Clickbait-Überschriften glauben lassen.

Inflation ist erstmal nix Neues. Die gibt es seit es Geld gibt und weißte was? Wir werden trotzdem alle immer reicher (dazu gleich mehr).

Auch eine hohe Inflationsrate ist nichts Neues. Es gab immer wieder Phasen von deutlichen Preissteigerungen (hier kann man z.B. schön gucken, wie die Entwicklung in Deutschland seit 1950 ist).

In den letzten paar Jahren war die Inflation hierzulande jedoch recht niedrig. Darum sind wir überhaupt nicht dran gewöhnt und erstmal geschockt, was natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien ist. So kann man auch viel besser Schlagzeilen produzieren als mit der Nachricht „Die Inflation liegt seit 20 Jahren bei 1,2% im Schnitt.“ Da klickt ja keiner.

Was ist Inflation überhaupt genau?

Inflation ist die Messgröße für Preissteigerungen. Daraus kann man dann wiederum die Geldentwertung – bzw. genauer – den Wertverlust des Geldes über die Zeit ableiten. Denn steigt der Preis für die berühmte Kugel Eis von 1,00 Euro auf 1,50 Euro, ist mein Euro in der Hosentasche weniger wert. Ich kann mir nämlich gar keine ganze Kugel mehr davon kaufen, sondern nur 0,66 Kugeln. Blöd.

Die Eisdiele kann die Preise erhöhen, wenn genug Leute bereit sind, den höheren Preis zu bezahlen. Ganz allgemein werden Dinge teurer, wenn viel Geld für wenige Sachen da ist.

Wenn beispielsweise alle einen Tesla haben wollen und die Produktion kaum hinterherkommt, steigen die Preise, weil viel Nachfrage auf wenig Angebot trifft. Dieses Phänomen kann man auch perfekt am deutschen Immobilienmarkt der letzten Jahre beobachten.

Warum ist Inflation gut?

Generell gab es seit der Wirtschaftskrise in den 1930ern nur sehr vereinzelt Jahre, in denen die Preise im Schnitt gesunken sind. Da lautet doch die große Frage: Müssten wir nicht immer ärmer werden, wenn die Preise immer weiter steigen?

Nope. Auch nach Berücksichtigung der Inflation werden wir immer reicher – und zwar global! Extreme Armut ist in den letzten Jahren extrem zurückgegangen und vermutlich bald nicht mehr existent.

Warum ist das so, dass uns diese Preissteigerungen nicht zugrunde richten? Ist das nicht ein Widerspruch?

Für die Volkswirtschaft im allgemeinen ist (normale) Inflation erstmal richtig gut: Ist zu erwarten, dass die Preise steigen, investieren Leute eher ihr Geld bzw. geben es aus. Denn sie wollen ja nicht riskieren, später mehr für die neue Anschaffung bezahlen zu müssen. Und wenn alle Zeichen auf Preisanstieg stehen, will ein Investor natürlich möglichst früh dabei sein, um die guten Renditen einzuheimsen.

So wird die Wirtschaft angekurbelt, was wiederum auch positive Folgen für den Einzelnen hat, denn auch die Löhne und Gehälter steigen. Sie sind ja quasi auch nur „Preise“, die für unsere Dienstleistungen gezahlt werden, die wir Arbeit- und Auftraggebern erbringen.

Und jetzt kommt der Clou: Für ganz viele Dinge müssen wir deutlich weniger arbeiten als früher, weil die Löhne überproportional zur Inflationsrate gestiegen sind. Das gilt z.B. für viele Nahrungsmittel oder Haushaltsgeräte: 1991 hätte man noch 53 Stunden ackern müssen, um sich eine Waschmaschine leisten zu können, heute sind es nur noch 20.

Außerdem kriegt man viel mehr Leistung für den gleichen Preis: Denk nur mal daran, wie teuer früher Computer oder Autos waren, wenn Du die Power, die Du fürs Geld bekommst, vergleichst. Da kannste dem technischen Fortschritt und ganz allgemein dem Wettbewerb für danken.

Für Schuldner (falls Du z.B. einen Immobilienkredit abbezahlst) ist eine unerwartete Inflation übrigens hilfreich – insbesondere wenn der Zins lange festgeschrieben ist. Nun sinkt real, was Du tilgen musst, da der Kreditbetrag ja feststeht, das Geld aber im Wert sinkt.

Der entscheidende Punkt ist aber das „unerwartet“, denn sonst wäre die (erwartete) Inflation im Zins bereits eingepreist. Außerdem gilt das natürlich nicht für kurzlaufende Kredite wie Dispos etc., wo die Zinsen ganz schnell angepasst werden.

Das Blatt wendet sich aber auch für langfristige Schuldner in dem Moment, wo die Inflationsrate niedriger ist, als erwartet. Da zahlt man dann im Vergleich zu hohe Zinsen.

Ein bisschen Geduld muss man haben

All diese Entwicklungen – also die Angleichung von Inflation, Löhnen, Zinsen etc. – passieren natürlich nicht auf einen Schlag. So dauert es immer etwas, bis sich diese Prozesse „eingeruckelt“ haben. Gerd Kommer hat das so schön für Zinsen beschrieben: „Inflation und Zinsen gleichen zwei galoppierenden Pferden. (…) Mal ist das eine ein bisschen vorne, mal das andere. Aber insgesamt bewegen sie sich ähnlich.“

Kurze Erklärung: Zinsanpassungen erfolgen durch Währungshüter wie die Europäischen Zentralbank (EZB). Ja, wir wissen, alle schimpfen auf das „aktuelle“ (also immer jetzt) Verhalten der Notenbanken und Onkel Dieter von nebenan weiß auch viel besser, wie richtige Geldpolitik geht.

Glücklicherweise denken die Ladies und Gents bei der EZB aber einmal mehr nach und neigen nicht zu Übersprungshandlungen. Denn eine ordentliche Regulierung der Geldmenge ist überraschenderweise nicht sonderlich trivial. Dafür hat die Steuerung bislang sehr gut funktioniert – Hut ab!

Aus dem Gleichlauf von Inflationsrate und Zinsen folgt allerdings auch: Sogenannte Geldmarktrenditen – also das, was man für Bankguthaben, risikoarme Anleihen oder Rentenversicherungen kriegt – waren inflationsbereinigt als Geldanlage schon immer uninteressant. Denn gibt es hohe Zinsen, geht dies früher oder später auch Hand in Hand mit hoher Teuerung.

In Deutschland rentierten solche Anlagen langfristig gesehen sogar unterhalb der Inflation. Zum Vermögensaufbau taugen derartige Produkte also sicherlich nicht. Das bringt uns auch gleich zum nächsten Punkt:

Wann ist Inflation schlecht?

Klar dürfte nun sein: Ungünstig ist Inflation für diejenigen, die viel Cash bzw. Geldmarktprodukte halten (also z.B. ihre Kohle auf dem Girokonto vergammeln lassen) oder deren Gehälter (dauerhaft!) nicht mit der Inflationsrate mithalten können.

Und natürlich trifft Inflation insbesondere diejenigen, die eh schon über ihren Verhältnissen leben. Habe ich mir ein Haus und Auto gegönnt, obwohl ich mit meinem Gehalt gerade so über die Runden komme, sind plötzliche Preisanstiege für Sprit und Heizöl natürlich wesentlich problematischer.

Falls Du Dich in den letzten Absätzen wiederfindest, haben wir ein paar Vorschläge, wie Dir Inflation weniger anhaben kann.

Das kannst Du tun, wenn Dir die Inflation Sorgen bereitet

  • Geh auf Nachrichten-Diät und schau lieber, was Du persönlich verändern kannst – was also in Deinem Einflussbereich liegt. Das sind z.B. Dein Ausgabeverhalten und Dein Gehalt.
    Falls Dich interessiert, wie problematisch die News im Zusammenhang mit der aktuellen Inflation sind, schau Dir unbedingt unsere Video dazu an:

  • Ganz konkret kannst Du in Zeiten höherer Inflation versuchen, teurere Anschaffungen erstmal zu verschieben. Unabhängig davon solltest Du auch genau überprüfen, welche teuren Dinge Du durch günstigere ersetzen kannst und was Du wirklich brauchst, um somit Deine „persönliche Inflationsrate“ dauerhaft zu senken.

    Denn wir alle sind anfällig für eine gewisse „Lifestyle-Inflation“, wenn wir nicht bewusst darauf schauen, welche Ausgaben uns langfristig glücklich machen.

    Wenn Du an Deinem Ausgabeverhalten arbeiten möchtest, lies Dir mal unsere Artikel zum Thema durch:
  • Auch Dein Gehalt ist beeinflussbar. Du kannst lernen, besser zu verhandeln – das bringt enorm viel. Und Dich natürlich fortbilden. Nützt auch das nichts, ist es Zeit für einen Arbeitgeberwechsel. Die guten Nachrichten: Mit der Inflationsrate steigt auch das Angebot auf dem Jobmarkt.
  • Um nun nicht nur finanziell gut durchs Jahr zu kommen, sondern auch im Alter noch genug zu haben, solltest Du so investieren, dass auch nach Inflation langfristig betrachtet ordentliche Renditen drin sind:

So geht vernünftige Geldanlage – trotz Inflation

Aktien haben als Anlageklasse global betrachtet in den letzten 120 Jahren weit über der Inflation rentiert. Und somit Immobilien, Gold und natürlich Geldmarktprodukte deutlich hinter sich gelassen. Schau Dir hier mal die historischen Renditen an (natürlich real, also nach Inflation).

Die Kurse von Aktien schwanken aber zwischenzeitlich wesentlich stärker als Deine Tagesgeld-Zinsen. Aktien stellen kurz- und mittelfristig somit keinen guten Inflationsschutz dar. Vielmehr geht es bei derartigen Investments darum, diese Schwankungen auszuhalten und die langfristige Wertsteigerung zu sehen, die Du sozusagen als Prämie für das Aushalten erhältst.

Das ist ja im Leben immer so: Den Zinseszins kann man nur einfahren, wenn man sich auf etwas committet und sich von zwischenzeitlichen Einbrüchen nicht aus der Bahn werfen lässt.

Um Dich keinen unnötigen Branchen- oder Länderrisiken auszusetzen, solltest Du allerdings unbedingt ganz breit aufgestellt investieren. Das geht am allerbesten mit globalen Aktien-ETFs – die beinhalten oft Tausende von einzelnen Wertpapieren.

Falls Du gar nicht so genau weißt, was das ist: Auf unserem Blog kannst Du Dir bei Bedarf alles wichtige zum Thema Altersvorsorge mit ETFs durchlesen.

Kurz am Rande sei erwähnt: Eine weltweite Streuung bietet auch langfristig einen besseren Inflationsschutz. Denn lokale „Inflationsdesaster“ kann man so wesentlich besser umgehen. Das vergessen viele, wenn sie in deutsche Immobilien investieren: Damit ist man, neben vielen anderen Problemen, auch komplett dem heimischen Länderrisiko ausgesetzt.

Aber kann man sich nicht mit Gold oder Kryptowährungen besser gegen die Inflation absichern?

Die kurze Antwort lautet: Nein.

Gold korreliert kurzfristig kaum mit der Inflationsrate, im Gegensatz zu risikoarmen Anleihen zum Beispiel. Gold ist übrigens generell kein gutes Investment, weil es „eine unattraktive Rendite-Risikokombination“ hat, insbesondere gegenüber den oben erwähnten Aktien-ETFs (Kommer, Gerd: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs, 2018, S. 245).

Zum Thema Krypto, Inflation, Staatsverschuldung und der Zukunft des Geldes (um nur ein paar Themen zu nennen 😉 führen wir eine lebhafte Diskussion mit unserem Freund Ties Lange, seitdem sich er und Anna diese sehr spannende Podcast-Folge reingezogen haben.

Warum erzählen wir das? Ties fasste einfach perfekt zusammen, was das Problem mit Kryptoinvestments aktuell darstellt:

„Welche Elemente sind wirklich Währung, welche sind Wertspeicher und was davon (in erster Linie bei ETH) sind eigentlich Technologie- oder auch Fintechunternehmen? Gerade letztere Angebote konkurrieren stark miteinander und stehen jetzt vor einer massiven Regulierungswelle. Dann schauen wir mal, wer da übrig bleibt, kein Scam war und wirklich Nutzen stiftet. Vielleicht ein bisschen wie 1999.“

– Ties Lange

Tja, das trifft den Nagel auf den Kopf. Auch, wenn doch immer klarer wird, dass Kryptowährungen absolut relevant sind und das Potential haben, unser Geldsystem komplett zu reformieren, ist doch immer noch unklar, mit welchem Investment man aktuell am besten fährt. Also ist die Nummer eher spekulativ.

Fazit

Sind Deine Ausgaben niedriger als Deine Einnahmen und investierst Du den Rest langfristig und vernünftig (am besten in globale Aktien-ETFs, um am allgemeinen Wirtschaftswachstum teilzunehmen), hast Du Dir einen super Inflationsschutz gebaut.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 11. Februar, 2022
LETZTE AKTUALISIERUNG: 14. September, 2022
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