In der heutigen Community-Folge geht es um Risiken von ETFs:
„Wie ist das mit der Einlagensicherung bis 100k: spielt das bei ETFs irgendeine Rolle? Kann ein Depot wie z.B. Finanzen.net Zero (wo ich mein ETF Depot habe) pleite gehen? Sollte man deshalb z.B. seinen ETF dann auf zwei Depots streuen? (Also genau denselben ETF). Beim Festgeld damals war das ja immer ein Thema. Hoffe, ihr schlagt bei der Frage nicht die Hände überm Kopf zusammen, da ich ggf. Irgendetwas gerade durcheinander bringe).“ – Anonym
Das ist eine gute Frage, bei der es einiges durcheinanderzubringen gibt.
Einlagensicherung, Banken und Broker
Die Einlagensicherung betrifft nur Bankguthaben. Sie gilt für Girokonten, Tagesgeld und für das erwähnte Festgeld mit einem Versprechen bis 100.000 Euro pro Bank und Kunde. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis: Ich würde nicht mehr als 100.000 Euro insgesamt auf der Bank haben, weil fraglich ist, ob bei einer grossen systemischen Krise das Ganze rechtssicher ist oder ob nur pro Person 100.000 Euro abgesichert sind. ETFs sind kein Bankguthaben, daher spielt die Einlagensicherung keine Rolle und trifft quasi gar nicht zu.
ETFs sind Sondervermögen
ETFs sind sogenanntes Sondervermögen. Sie gehören nicht zum Vermögen der Bank oder des Brokers und bleiben auch bei Insolvenz der Bank oder des Brokers unangetastet. Das gilt sogar bei Insolvenz der Fondsgesellschaft: Meine Aktien gehören nicht der Fondsgesellschaft, denn sie verwaltet sie nur. Ihr Geld verdient die Fondsgesellschaft durch die Verwaltungskosten, die ich zahle. Das lässt sich gut mit einem Lagerhaus vergleichen: Die Dinge, die Du darin lagerst, gehören nicht dem Lagerhaus. Wenn es insolvent geht, bekommst Du Deine Sachen natürlich zurück. Das Lagerhaus verdient sein Geld mit der monatlichen Miete, die Du zahlen musst.
Das bedeutet: Deine ETFs bleiben immer Deine, egal, wer drum herum pleite geht.
Was passiert bei einer Broker-Pleite genau?
Das Depot wird von einer anderen Bank oder einem anderen Broker übernommen oder kann zu einem anderen Anbieter übertragen werden. Ein gutes Beispiel ist Lehman Brothers aus dem Jahr 2008. Lehman Brothers Deutschland ging pleite, aber Kunden mit Wertpapierdepots waren nicht betroffen, da diese als Sondervermögen geschützt waren. Die Wertpapiere wurden auf andere Verwahrstellen umgebucht oder konnten auf Wunsch zu anderen Brokern übertragen werden.
Anders verhält es sich bei Zertifikaten. Diese sind besonders riskant, da sie nicht als Sondervermögen geschützt sind. Guthaben auf dem Verrechnungskonto, zum Beispiel Cash aus Dividenden, ist hingegen nur bis zur Einlagensicherung geschützt.
Wäre es sinnvoll, sein Geld auf verschiedene Depots zu verteilen?
Wenn man sein Geld auf verschiedene Depots verteilt, dann nicht wegen der Einlagensicherung, sondern um operationelle Risiken zu minimieren. Wer beispielsweise Bedenken wegen technischer Probleme oder Zugangssperren hat, kann so vorgehen. Falls der eine Broker Probleme hat, kann man trotzdem auf das andere Depot zugreifen. Ich finde das nicht so relevant, aber wer davor Sorgen hat, kann das machen.
Sinkt der Wert meiner ETFs, wenn die Nachfrage nach ETFs sinkt?
Dazu passend haben wir noch eine andere Frage zu einem vermeintlichen Risiko von ETFs erhalten:
„Was passiert mit meiner Altersvorsorge, wenn in 15-30 Jahren die Nachfrage nach ETFs sinkt – unabhängig davon, ob ich nun glaube, dass die Wirtschaft wächst oder nicht? Nachfrage reguliert doch letztlich den Wert meines ETFs, oder? Was weiß ich schon, ob es nicht in 10 Jahren irgendwas Neues gibt, in das man investiert? In eurem Podcast und Kurs vermittelt ihr den Eindruck, dass ETF das beste Tool zum Vermögensaufbau ist und ich habe es so verstanden, dass ihr abgesehen von Notgroschen und sicheren Staatsanleihen, Festgeld usw. ‚alles Geld in ETFs‘ stecken würdet. Wäre es nicht sinnvoll, im Sinne einer Diversifikation, Vermögen auch in Immobilien, Aktien, Depots zu stecken, um den Effekt abzupuffern, wenn die Nachfrage nach ETFs sinkt und ihr Wert fällt?“ – Cathrin
Hier liegt zunächst ein Missverständnis vor, das es aufzuklären gilt: ETFs sind keine echte Anlageklasse, sondern nur Sammelbehälter oder Hüllen für Aktien. Die Nachfrage nach ETFs beeinflusst nicht den Wert der enthaltenen Aktien. Stattdessen beeinflussen die enthaltenen Aktien den Wert der ETFs, da der Wert quasi durchgereicht wird. Der ETF-Wert entspricht also dem Wert der enthaltenen Aktien, und ein ETF an sich hat keinen eigenen Wert. Solange Menschen in Aktien investieren, bleibt der Wert der zugrunde liegenden Unternehmen bestehen, was sich wiederum im Wert der ETFs widerspiegelt.
Das bedeutet: Die Nachfrage nach Aktien ist entscheidend, nicht die Nachfrage nach ETFs. Seit 1600 werden Aktien ausgegeben, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich daran etwas ändern sollte.
Wird es in 10 Jahren bessere Anlageprodukte als ETFs geben?
ETFs sind nur eine Verpackung für Aktien. Solange Unternehmen relevant bleiben, bleiben ETFs eine effiziente Möglichkeit, darin zu investieren.
Falls ein besseres Produkt auf den Markt kommt, könnte es ETFs ablösen. Bis dahin bleiben sie die kostengünstigste, diversifizierteste und einfachste Lösung. Eine Alternative ist derzeit nicht in Sicht. Wer keine weitere Zeit verlieren und jetzt wissen möchte, wie man spekulationsfrei mit globalen ETFs die Altersvorsorge aufbaut, sollte sich am besten unser kostenloses Webinar anschauen.
Braucht man neben ETFs auch Immobilien oder andere Anlagen?
Was Immobilien betrifft: Die meisten überschätzen die Renditen und unterschätzen die Risiken wie Klumpenrisiko, Verschuldung oder die Tatsache, dass der Kredithebel auch in die andere Richtung gehen kann. Mehr dazu gibt es im Artikel Mieten vs. Kaufen (überraschende Zahlen).
Einzelaktien separat zu kaufen ist nicht nötig – Aktien sind in Aktien-ETFs logischerweise bereits enthalten 🙂
Mehr Diversifikation als mit einem breit gestreuten ETF-Portfolio geht kaum: Ein solches Portfolio enthält weltweit tausende Aktien und bietet damit mehr Diversifikation als Einzelaktien oder aktive Fonds. Ein Depot ist lediglich ein Konto bei einem Broker, über das man Wertpapiere kauft. Es ist keine eigene Anlageklasse und hat mit der Frage der Diversifikation nichts zu tun.
Fazit: Wie sicher sind ETFs wirklich?
ETFs sind keine eigene Anlageklasse, sondern ein kosteneffizientes Mittel, um breit in Aktien zu investieren. Solange Aktienmärkte existieren, wird es eine Möglichkeit geben, daran teilzunehmen, ob über ETFs oder andere Wege. Wer sich mit Immobilien, Krypto, Gold oder anderen Assets wohlfühlt, kann ergänzen, muss aber jeweils Aufwand, Kosten und vor allen Dingen auch Risiken beachten. Mehr dazu gibt es in der Community-Folge zu Krypto.
Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
