Die drei größten Kostenfallen für die Mittelschicht

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Kostenfallen

Hier kommen die drei größten Kostenfallen für die Mittelschicht, die die meisten Leute leider entweder nicht kennen oder gekonnt ignorieren. Finanzielle Unabhängigkeit bleibt so für viele nur ein Traum.

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

Die Konsumenten-Falle

Die meisten von uns neigen dazu, eher Konsumenten als Produzenten zu sein. Und damit meine ich nicht unbedingt exzessives Shopping oder den ständigen Kauf der neuesten Gadgets.

Vielmehr geht es um die grundsätzliche Herangehensweise: Also konsumiere ich mehr, als ich produziere? Widme ich meine Gedanken und Energie mehr dem Ausgeben von Geld oder der Generierung?

Wenn wir uns mal diejenigen anschauen, die erfolgreich mit Geld sind, sehen wir eine gemeinsame Eigenschaft: Ihr Fokus liegt auf der Wertschöpfung. Aber das betrifft nicht nur erfolgreiche Unternehmer:

Auch als “ganz normaler” Angestellter kannst Du recht einfach auf die Produzentenseite kommen:

Nehmen wir zum Beispiel mal an, Du beschäftigst Dich in Deiner Arbeit intensiv mit dem Konzept von New Work. In diesem Fall könntest Du über die spezifischen Herausforderungen, denen Du dabei begegnet bist, und die Strategien, mit denen Du sie bewältigt hast, bloggen. 

Ein solcher Beitrag würde anderen nicht nur wertvolle Einblicke in Deine beruflichen Erfahrungen bieten, sondern auch Deine Präsenz in dem Bereich stärken. 

Das wiederum erhöht signifikant die Wahrscheinlichkeit, dass andere Fachleute oder potenzielle Arbeitgeber auf Dich aufmerksam werden. Auf diese Weise positionierst Du dich als Experte in Deinem Bereich, wodurch Du Deinen Marktwert beträchtlich steigern kannst.

Du kannst aber natürlich auch in die Vollen gehen und Dich selbstständig machen. Eddy und ich haben LazyInvestors damals 2016 neben unseren Jobs in unserer Freizeit gestartet.

Anstatt also abends fernzusehen oder am Wochenende feiern zu gehen, haben wir uns damit beschäftigt, wie wir finanzielle Bildung unter die Leute kriegen können.

Was jetzt vielleicht nach Verzicht klingt, bringt uns aber ehrlicherweise viel mehr Freude als jegliches Konsumieren. Klar, es gibt auch genug anstrengende Tage, aber insgesamt erfüllt uns unsere Arbeit sehr.

Und das heißt jetzt auch nicht, dass wir alle komplett aufhören sollten, zu konsumieren. Jeder von uns braucht Dinge und Dienstleistungen, und es ist völlig in Ordnung, dafür Geld auszugeben.

Und auch Eddy und ich schauen jetzt gerne mal wieder abends Netflix.

Aber wenn Du mehr Geld haben willst, überlege einmal für Dich, ob Du Dich vielleicht zu sehr auf der Konsumenten-Seite bewegst – und somit in erster Linie Geld ausgibst – oder was Du machen kannst, um mehr auf die Produzentenseite zu kommen, in dem Du mehr Wert für andere schaffst und damit auch mehr verdienen kannst.

Die “Was wäre wenn?”-Kosten

Stell Dir vor, Du hast 50.000 Euro auf Deinem Girokonto. Vielleicht denkst Du, dass Du in zehn Jahren immer noch 50.000 Euro hast, aber das ist leider nur die halbe Wahrheit.

Was wir gerne übersehen, sind die „Was wäre wenn?-Kosten“ der Entscheidung, das Geld auf dem Girokonto zu lassen. Denn die Inflation frisst stetig den Wert unseres Geldes auf. Das bedeutet, dass Dir Deine 50.000 Euro in zehn Jahren nicht mehr dasselbe kaufen können wie heute.

Die sind dann nämlich nur noch schätzungsweise 41.000 Euro wert. Das ist ein realer Verlust – auch, wenn die Zahl auf dem Konto gleich bleibt.

Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet also: Was wäre, wenn ich mit dem Geld etwas anderes mache?

Würden wir das Geld beispielsweise in ein stinknormales, globales ETF-Portfolio stecken, würden – mit Blick auf historische Daten – aus den 50.000 Euro in 10 Jahren 80.000 Euro, und zwar nach Kosten, Steuern und natürlich Inflation.

Die “Was wäre wenn”-Kosten – die in Wirklichkeit Opportunitätskosten heißen – liegen bei diesem Beispiel also bei fast 40.000 Euro, die wir verlieren würden, wenn wir nicht handeln.

Das mag jetzt offensichtlich wirken, aber in der Praxis übersehen die meisten Menschen diese Kosten. Sie sehen nämlich nur die unmittelbaren Kosten ihrer Entscheidungen und nicht die versteckten Kosten, die dadurch entstehen, dass sie einen Alternative nicht wahrnehmen.

Zum Beispiel verbringen einige Leute sehr viel Zeit mit der Analyse von Aktien, weil sie das Investieren in Einzelaktien für die „fortgeschrittene“ Variante im Vergleich zu einem simplen, globalen ETF-Portfolio sehen.

Das klingt ja auch erstmal logisch.

Sie geben sich also nicht mit der durchschnittlichen Marktrendite von ETFs mit historisch rund 8% zufrieden, sondern wollen aktiv den Markt schlagen und noch mehr rausholen, indem sie die Gewinneraktien herausfinden.

Was dabei aber gerne mal vergessen wird: Dadurch entstehen sehr hohe Opportunitätskosten. Denn die Zeit, die diese Leute mit der Aktienanalyse verbringen, können sie nicht für andere Dinge nutzen.

Möglicherweise wäre es für diese Menschen aber sinnvoller, in der Zeit lieber eine neue Fähigkeit zu lernen und so ihr Humankapital zu steigern. 

Sie würden also wertvoller für den Arbeitsmarkt und könnten so sehr wahrscheinlich viel mehr Geld verdienen.

Die Frage lautet also: Welche Entscheidung wird vermutlich mehr Geld bringen?

Kleiner Spoiler: Warum hier ganz klar das Humankapital gewinnt, erfährst Du gleich in Punkt 3.

Natürlich bedeutet das nicht, dass wir jeden Moment unseres Lebens maximieren müssen. Erholung und Freizeit sind ebenso wichtig. Aber es ist essentiell, dass wir uns bewusst sind, dass jede Entscheidung, die wir treffen – ob es sich um die Verwendung unserer Zeit oder unseres Geldes handelt – Opportunitätskosten mit sich bringt.

Das zu verstehen ist ein Schlüssel in unserer finanziellen Bildung und hilft uns dabei, klügere Entscheidungen zu treffen sowie Zeit und Geld effizienter zu nutzen.

Kennst Du noch weitere Beispiele, die wir hier nicht genannt haben? Dann schreib sie gerne in die Kommentare, damit hier alle voneinander lernen können.

Die Kosten von Kosten

Weißt Du, was bei vielen Finanzprodukten oft übersehen wird, aber eine gewaltige Wirkung auf Dein Gesamtvermögen haben kann? Genau, mal wieder die Kosten.

Nicht die Rendite, sondern die Kosten sind oft das Zünglein an der Waage, wenn es darum geht, ob Dein Vermögen wächst oder schrumpft.

Und wir reden hier nicht von ein paar Euros, sondern von Summen, die den Unterschied zwischen einem Ruhestand in Saus und Braus und einem, wo wir uns total einschränken müssen, ausmachen können.

Insbesondere aktive Fonds können wahre Kostenmonster sein. Und das sind genau die, die uns regelmäßig von Banken und Finanzberatern verkauft werden.

Auf den ersten Blick erscheinen sie vielleicht attraktiv: Schließlich wird uns versprochen, dass ein Profi-Manager unser Geld aktiv verwaltet und versucht, den Markt zu schlagen. Er will also richtig viel Rendite für Dich rausholen.

Aber genau das hat seinen Preis. Und dieser Preis kann Deine Rendite deutlich schmälern – auch, wenn Du es auf den ersten Blick nicht merkst.

Häufig wird nur der Ausgabeaufschlag genannt, ein einmaliger Betrag, den Du beim Kauf des Fonds zahlst. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Denn die laufenden Kosten, die jedes Jahr anfallen, sind oft viel höher und können einen erheblichen Anteil deiner Rendite auffressen. Sie können leicht ein bis zwei Prozent Deines Anlagebetrags ausmachen – jedes Jahr!

So viel machen nur 1-2% aus

Jetzt denkst Du vielleicht: “Ein bis zwei Prozent, das ist ja nicht viel.” Deshalb mal ein kleines Beispiel.

Stell Dir vor, Du investierst 50.000 Euro. Nach 30 Jahren und einer durchschnittlichen Rendite von 8% hätte Dein Investment einen Wert von knapp 500.000 Euro. Klingt ja erstmal nicht schlecht.

Aber jetzt kommt der Haken: Wenn Du Kosten in Höhe von zwei Prozent annimmst, bleibt Dir am Ende nur ein Betrag von knapp 277.000 Euro. Das bedeutet, dass fast die Hälfte Deines Vermögens durch Kosten aufgefressen wurde!

Und selbst, wenn wir Kosten von nur 1% annehmen, beträgt Dein Endvermögen schlanke 373.000 Euro. Also gehen immer noch fast 130.000 Euro an die Bank.

Die meisten Leute nehmen das einfach so hin. Der Vertrag ist unterschrieben und dann läuft es nach dem Motto “Augen zu und durch”. Aber würdest Du Deinem Berater heute 130.000 Euro in die Hand drücken?

Und das Schlimmste kommt jetzt noch: Die meisten aktiven Fonds schaffen es noch nicht einmal, den Markt zu schlagen. Je nach Studie performen mindestens 90 Prozent der aktiv gemanagten Fonds schlechter als der Gesamtmarkt. Das bedeutet, dass Du für eine Leistung bezahlst, die Du in den meisten Fällen gar nicht erhältst!

Somit ist übrigens die Wahrscheinlichkeit für unsereins, mit Einzelaktien eine Überrendite zu erreichen, erst recht verschwindend gering – um nochmal auf Kostenfalle Nummer zwei zurückzukommen. Denn es gelingt ja noch nicht einmal den Profis.

So reduzierst Du die Kosten

Also, zurück zum Thema: Kosten sind der heimliche Killer Deiner Rendite. Sie sind wie eine unsichtbare Hand, die ständig einen Teil Deines Vermögens abzweigt. Und je länger Du Dein Geld anlegst, desto größer wird ihr Einfluss. Daher ist es entscheidend, dass Du die Kosten Deiner Finanzprodukte genau im Blick behältst und sie so niedrig wie möglich hältst.

Und genau das ist mit ein Grund, warum globale ETFs heute für uns Anleger so interessant sind.

ETFs, also börsengehandelte Fonds, bilden einen bestimmten Index, wie beispielsweise den DAX, nach. Das bedeutet, sie versuchen nicht, den Markt zu schlagen, also eine Überperformance zu erreichen, sondern einfach dessen Performance zu kopieren.

Durch diese passive Strategie sind die laufenden Kosten erheblich niedriger. Mittlerweile liegen sie bei rund 0,1-0,2 Prozent pro Jahr. Und das führt natürlich zu einem Unterschied, der über die Jahre erhebliche Auswirkungen hat.

Wenn wir die 50.000 Euro zu Kosten von 0,15 Prozent pro Jahr anlegen, werden daraus unter den sonst gleichen Annahmen wie oben über 480.000 Euro. Das heißt, wir haben insgesamt nur 20.000 Euro an Kosten abgedrückt, anstelle von sechsstelligen Summen.

Und sehr, sehr wahrscheinlich auch noch eine bessere Rendite eingefahren.

Also, Investieren ist nicht einfach nur ein Spiel von Renditen, sondern auch ein Spiel von Kosten. Und wenn Du dieses Spiel gewinnen willst, musst Du lernen, beide Seiten der Medaille zu berücksichtigen.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 22. August, 2023
LETZTE AKTUALISIERUNG: 11. Dezember, 2023
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