Ist es zu teuer, am Anfang des Monats seinen ETF-Sparplan ausführen zu lassen? Dazu haben wir eine Frage von Anke bekommen.
Ich habe mein Depot bei Finanzen.net.zero und konnte dort für meinen etf-Sparplan einstellen, an welchem Tag des Monats jeweils der etf-Kauf erfolgt. Ich bin dem Gedanken gefolgt, gleich am Monatsanfang Geld beiseite zu legen, und wählte deshalb einen Termin zu Monatsanfang. Inzwischen bin ich aber ins Zweifeln gekommen, ob das wirklich klug ist. Mein Eindruck ist, dass der von mir gewählte etf zu Monatsanfang immer etwas höhere Kurse aufweist … weil viele denken wie ich und die Nachfrage dann entsprechend hoch ist? Ist das nur mein Eindruck oder systematisch so? Wäre es z.B. klüger, in der Monatsmitte zu investieren? Habt ihr eine Meinung dazu? – Anke
Falls Du auch eine Frage an uns hast, kannst Du sie hier einreichen.
Ok, also Anke hat die Befürchtung, dass alle gleichzeitig kaufen und sich damit gegenseitig die Preise hochziehen sozusagen. Das klingt auch erstmal absolut plausibel. Genau deshalb lohnt es sich, die Sache ernsthaft zu prüfen.
Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video oder hör Dir unsere Podcastfolge zum Thema an:
Welche Annahme steckt eigentlich hinter der Frage?
Viele Menschen bekommen am Monatsanfang Geld, also investieren viele auch am Monatsanfang. Diese geballte Nachfrage treibt die Kurse kurzfristig hoch, so die Annahme. Wer dann kauft, kauft systematisch teurer. Das klingt logisch, ist aber ein Mythos.
So läuft es wirklich: Sparpläne werden nicht „alle gleichzeitig“ ausgeführt. Das läuft nicht so, dass morgens um 9 Uhr zehntausend Sparpläne gleichzeitig kaufen. Der Broker sammelt Aufträge und führt sie über den Tag verteilt aus, oft in mehreren Schritten und nicht zu einem einzigen Zeitpunkt.
Und jetzt der wichtige Punkt: Der Preis von Deinem ETF wird vor allem dadurch bestimmt, was die Aktien im ETF gerade wert sind. Wenn Apple, Nvidia & Co. weltweit steigen, steigt auch der ETF. Wenn sie fallen, fällt er.
Bei großen ETFs wird jeden Tag so viel gehandelt, dass das, was deutsche Sparpläne kaufen, im Vergleich dazu im Börsenrauschen komplett untergeht. Also sind Sparpläne quasi wie ein Eimer Wasser, den Du in den Ozean kippst: Der Ozean ist die Summe aus allen Käufen und Verkäufen weltweit, und der Eimer Wasser kann den Pegel einfach nicht beeinflussen, dafür ist er viel zu klein.
Gibt es denn trotzdem einen Monatsanfangseffekt?
Jein: Es gibt tatsächlich den sogenannten Turn-of-the-Month-Effect. Historisch waren Renditen rund um den Monatswechsel leicht höher, insbesondere wg. Pensionskassen und institutionellen Zuflüssen, also nicht privaten Investoren.
Aber der Effekt ist klein: Die Unterschiede sind in absoluten Zahlen winzig, wir reden hier von Bruchteilen eines Prozents pro Tag. Und er schwankt und ist nicht zuverlässig ausnutzbar. Und vor allem: Er ist längst bekannt und damit weitgehend eingepreist.
Eingepreist heißt: Wenn ein Effekt bekannt ist, kann man damit kein Geld mehr verdienen, weil alle ihn schon erwarten. Sobald alle von einem Vorteil wissen, handeln alle danach, und dann gibt’s den Vorteil nicht mehr. Ich versuchs mal mit einem Bild: Das ist wie mit einem Geheimtipp-Restaurant. Sobald es in der Zeitung steht, ist es kein Geheimtipp mehr, dann ist es voll und man kriegt keinen Tisch.
Aber macht es dann Sinn, später den Sparplan ausführen zu lassen?
Nein, der Sparplan ist gerade dafür da, Timing zu vermeiden. Wer anfängt, die Ausführungstage zu optimieren, ist gedanklich schon wieder beim Markt-Timing. Der größte Renditefaktor ist nicht der Tag, sondern überhaupt investiert zu sein. Regelmäßigkeit schlägt immer vermeintliche Cleverness, den richtigen Tag zu erwischen.
Und es ist viel wichtiger, dass man sich am Monatsanfang zuerst bezahlt, damit das Geld weg vom Girokonto und investiert ist, anstelle dass es da weiter liegt, keine Rendite macht und im schlimmsten Fall noch für was anderes ausgegeben werden kann. Denn die meisten Verluste entstehen nicht durch „falsche“ Tage, sondern durch Pausen, Aussetzen wg. Zweifeln etc.
Was ist denn wirklich sinnvoll bei der Wahl des Sparplantags?
Das ist das, was ich gerade schon angedeutet hab: Nimm den Tag, der zu Deinem Leben passt. Am besten kurz nach Gehaltseingang, damit das Geld gar nicht erst „verfügbar“ wirkt.
Mehr dazu liest Du in unserem Artikel So habe ich meine Finanzen automatisiert (für finanzielle Unabhängigkeit). Automatisierung schlägt Optimierung, dazu haben wir auch ein Video „So habe ich meine Finanzen automatisiert“.
Der beste Sparplantag ist der, der ewig laufen kann.
Also kauft Anke jetzt auch nicht zu teuer?
Nein, sie kauft nicht systematisch zu teuer. Und selbst wenn es minimale Effekte gäbe, wären sie langfristig völlig irrelevant im Vergleich zur Frage, ob sie 20–30 Jahre konsequent investiert.
Wenn sie über Sparplantage grübelt, macht sie schon sehr vieles richtig. Jetzt geht es nur noch darum, es sich leicht zu machen, nicht kompliziert. Und den Fokus auf die wichtigen Themen zu legen: Genug sparen, richtig investieren etc.
Genau, und falls auch Du schnellstmöglich Durchblick im ETF-Dschungel gewinnen willst, dann schau Dir mal unser kostenloses Webinar hier an. Darin zeigen wir Dir, was Du alles wissen solltest bevor Du in ETFs investierst.
Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
