Das Problem mit ETFs als Geldanlage

Lesezeit: ca. minuten

ETF Kritik

ETFs werden immer wieder als DIE Methode zur Geldanlage angepriesen. Aber sind ETFs wirklich so gut? In diesem Blogpost werfen wir mal einen Blick auf die größten Probleme und Kritikpunkte, die immer wieder mit ETFs in Verbindung stehen.

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

ETFs sind nicht so gut wie eine Versicherung

ETFs mögen ja für den Vermögensaufbau eine gute Sache sein. Aber als Altersvorsorge stehen wir damit doch vor einem großen Problem: Was ist, wenn wir in der Rente nun Stück für Stück unser Vermögen aufbrauchen und das Geld einfach nicht reicht, weil wir viel älter werden als gedacht?

Dann wachen wir irgendwann morgens auf und die Kasse ist leer. Und dann?

Dieses Risiko nennt sich Langlebigkeitsrisiko. Und das sollten wir durchaus ernst nehmen, denn wer will schon ohne ausreichende Rente im Alter dastehen? Wir werden ja auch immer älter.

Hier kommen Rentenversicherungen ins Spiel, die einem einen gewissen Beitrag bis zum Lebensende auszahlen. Der entscheidende Punkt ist der garantierte Rentenfaktor. Denn dieser entscheidet darüber, wieviel Rente Du später für Deine eingezahlten Beiträge bekommst.

Nehmen wir an, Deine Versicherung garantiert Dir einen Rentenfaktor von 25. Das ist ein eher optimistischer Wert, denn die Rentenfaktoren werden schon seit einigen Jahren immer weiter gesenkt.

Ein Rentenfaktor von 25 bedeutet, Du bekommst pro 10.000 Euro Guthaben in der Versicherung 25 Euro Rente. Hast Du zum Renteneintritt beispielsweise 100.000 Euro auf dem Konto, bekommst Du 250 Euro Rente pro Monat ausgezahlt. Dein Leben lang. Zwar muss davon auch noch ein Teil versteuert werden, aber das vernachlässigen wir hier mal.

Nun schauen wir mal auf ETFs. Hast Du zu Rentenbeginn ein Vermögen von 100.000 Euro in ETFs, kannst Du Dir davon nach Abzug von Steuern ein Leben lang eine Rente von 480 Euro auszahlen. Das ist fast das Doppelte von der Versicherung, trotz Steuern!

Wie kann das denn jetzt sein?

Das liegt schlichtweg an der viel höheren Rendite von ETFs, während Du bereits in Rente bist. Denn Dein vorhandenes Vermögen wächst ja weiter. So kannst Du allein aus dem laufenden Wertzuwachs 480 Euro monatlich entnehmen, ohne Dein angespartes Vermögen von 100.000 Euro anzutasten. Das könntest Du noch komplett vererben oder Dir natürlich einfach mehr auszahlen.

Außerdem ist es mit ETFs viel leichter, ein derartiges Vermögen überhaupt erst aufzubauen, weil Du ja auch in der Ansparphase höhere Renditen hast, die nicht durch die hohen Kosten der Versicherung geschmälert werden.

Schau Dir auch gerne mal unser Blogpost zum Thema ETFs im Versicherungsmantel an, falls Dich das näher interessiert.

Dennoch sollten wir bei einer eigenständigen Altersvorsorge mit ETFs Richtung Ruhestand konservativere Anlagen hinzunehmen, um uns vor schlechten Börsenphasen – gerade am Anfang der Rente – abzusichern.

So können wir eine gute Ausgewogenheit zwischen renditestarken und stabilisierenden ETFs wählen. Damit lässt sich das Risiko von anfänglichen Wertschwankungen enorm eindämmen.

Schauen wir mal auf das Beispiel von eben: Selbst, wenn 50% von Deinem Vermögen zu Renteneintritt in konservativen Anlagen liegt, die keine nennenswerte Rendite bringen, kannst Du immer noch über 250 Euro netto monatlich rausnehmen.

Dann hast Du das Gleiche raus wie bei Deiner Versicherung, nur, dass Du Dein komplettes Vermögen dabei erhältst!

Bist Du hingegen bereit, Dein Vermögen auch zu verbrauchen, kalkulierst aber super konservativ, dass Du 100 Jahre alt wirst, könntest Du Dir noch über 400 Euro auszahlen, wenn Du auch zu 50% risikoarm investierst.

Ja, grundsätzlich ist das eine tolle Idee, sich durch eine Versicherung gegen die Langlebigkeit abzusichern. In der Realität ist aber die garantierte Rente so mickrig, dass wir sehr, sehr alt werden müssen, um überhaupt das rauszubekommen, was wir eingezahlt haben! Bei einem Rentenfaktor von 25 aus unserem Beispiel hättest Du erst mit über 100 Jahren Dein Geld wieder raus.

Da wärste wir mit dem Sparstrumpf besser drangewesen.

Klar, für die Versicherungen ist das Geschäft mit dem Langlebigkeitsrisiko ein Traum: Es lässt sich aus Marketingsicht gut verkaufen. Und dann profitiert die Versicherung von jedem, der früher stirbt.

Gegen das Langlebigkeitsrisiko können wir uns mit ETFs aber selbst wappnen, indem wir vernünftig anlegen.

ETFs gibt es noch nicht so lange

ETFs gibt es mittlerweile seit fast 30 Jahren. Sie sind also ungefähr so alt wie der erste Web Browser.

PayPal gibt es seit 24 Jahren und YouTube seit 17 Jahren. Das sind alles Errungenschaften, die Du vermutlich gerne nutzt und da stört Dich das „junge“ Alter wahrscheinlich nicht so sehr.

Das Problem, das also hinter dem vermeintlich jungen Alter von ETFs steckt, ist die Sorge, dass wir nicht wissen, wie zuverlässig das Ganze dauerhaft funktioniert.

Ein ETF ist aber im Grunde nur ein großer Topf, in dem beispielsweise einzelne Aktien liegen. Er ist also nur das Gefäß und hat selbst lediglich den Wert seiner Inhalte.

Und für diese Inhalte gibt es Daten über 120 Jahre! Die Wertpapiere und ihre Wertentwicklung sind historisch komplett nachvollziehbar.

Aber auch ETFs selbst als Gefäße haben schon große Krisen ohne Schaden überstanden, denken wir nur mal an die letzte globale Finanzkrise.

Die in Europa zugelassenen ETFs sind übrigens super streng reguliert und haben beispielsweise weniger Risiken als Bankguthaben oberhalb der Einlagensicherung oder Rentenversicherungen. Bislang ist auf jeden Fall kein Fall bekannt, wo es zu Schäden durch das Konstrukt ETF gekommen ist.

ETFs funktionieren nicht mehr, wenn das alle machen

Oft hören wir sowas wie „ETFs gefährden den Kapitalmarkt, wenn immer mehr passiv investieren.“

Es ist erstmal völlig richtig, dass wir aktive Investoren brauchen, die quasi die Marktpreise mit beeinflussen, weil sie gute Unternehmensentwicklungen belohnen und schlechte abstrafen.

Würden alle nur noch passiv in ETFs investieren, würde das nicht mehr funktionieren. So wie übrigens keine Investmentstrategie auf der Welt funktionieren würde, wenn das alle machen 🙂

Damit passives Investieren mit ETFs funktioniert, reicht allerdings ein ganz kleiner Teil an aktiven Investoren.

Und nicht jeder, der ETFs kauft, ist passiv unterwegs. Erstmal geht die weitaus größte Zahl von ETFs auf Regionen, Branchen, Trends etc. Also aktive Strategien.

In der Realität liegt die Anzahl von passiv investiertem Kapital weltweit aktuell bei unter 3% schätzungsweise. Aktive Investoren wird es immer ausreichend geben, da müssen wir uns nicht drum sorgen.

Übrigens ist die Risikokennzahl, nämlich die Volatilität, am globalen Aktienmarkt insgesamt eher zurückgegangen in den letzten Jahren. Somit fehlt also ein Indiz dafür, dass ETFs in irgendeiner Weise die Märkte negativ beeinflussen.

Du siehst also, alle vermeintlichen Probleme sind nicht wirklich welche, wenn wir genau hinschauen. Lass Dir darum keine Angst machen und Dich von „Experten“ verunsichern, die Dir entweder ihre überlegende Anlagestrategie oder Versicherung verkaufen wollen.

Klar, auch ETFs sind kein Allheilmittel. Wer das verspricht, lügt schlichtweg. Sie sind aber mit Abstand die beste Methode, um langfristig möglichst renditestark anzulegen und gleichzeitig schlechte Risiken zu vermeiden.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 16. Dezember, 2022
LETZTE AKTUALISIERUNG: 11. Dezember, 2023
Diese Artikel könnten Dir auch gefallen

Schließ Dich über 20.000 neugierigen Menschen an

Erhalte wöchentlich unsere neuesten Momentaufnahmen – mit spannenden Punkten zu ausgewählten Themen, über die wir in den letzten Tagen gestolpert sind bzw. die uns bewegt haben – normalerweise über Geld, Produktivität, Psychologie. Trag Dich jetzt ein und sei dabei.

>