Drei psychologische Fallen, die heimlich Dein Geld fressen

Lesezeit: ca. minuten

Geldfallen

In diesem Blogpost schauen wir uns drei psychologische Fallen an, die heimlich unser Geld fressen. Und die sind ganz schön tricky, weil wir unbewusst – also ganz automatisch – in sie hinein tappen, ohne dass wir es mitbekommen.

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

Diese mentalen Fallen werden auch als „kognitive Verzerrungen“ bezeichnet. Aber warum macht unser Hirn sowas von sich aus, wenn es uns doch schadet?

Als wir noch als Jäger und Sammler unterwegs waren, waren solche Schnellschüsse überlebenswichtig. Da konnten wir nicht entspannt abwägen, ob das Rascheln hinter dem Gebüsch ein wildes Tier ist, was uns fressen will oder vielleicht doch nur der Wind.

Darum sind wir darauf trainiert, super schnell zu reagieren und etwas einzusortieren – auch, wenn heutzutage eine rationale Abwägung in 99% der Fälle sinnvoller ist. Denn eine unmittelbare Bedrohung für unser Leben gibt es ja glücklicherweise nur noch sehr selten.

Es ist also nicht unser Fehler, dass wir automatisch in diese mentalen Fallen tappen. Der einzige Fehler, den wir machen können, ist weiterhin wegzuschauen. Also machen wir jetzt mal das Gegenteil und klären auch, wie Du Dich künftig vor den Fallen schützen kannst.  

Psychofalle Nummer 1: Survivorship Bias

Wir Menschen schauen uns Erfolge an und wollen daraus allgemeingültige Handlungsempfehlungen ableiten. Doch nur, weil Mark Zuckerberg sein Studium abgebrochen hat, heißt das noch lange nicht, dass ein Studienabbruch ein guter Karrierestart ist.

Auf jeden Erfolg kommt eine x-fache Anzahl von Misserfolgen. Das ist bei allen möglichen Dingen der Fall: Auf einen Hit, den alle monatelang hören, kommen Tausende von anderen Songs, die kaum jemand mitkriegt. 

Und auch für Bücher, Apps und Produkte gilt das Ganze – Tausende werden jedes Jahr produziert, nur wenige haben Erfolg.

Die Nachrichten und Social Media Feeds sind hauptsächlich von Erfolgsgeschichten geprägt. Misserfolge werden allerdings nur selten studiert und fast nie wird über sie sinnvoll berichtet.

Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass wir oft in die Falle tappen, Misserfolge zu übersehen bzw. zu unterschätzen. Das nennt man auch Überlebensirrtum oder Survivorship Bias.

Der ist natürlich auch in der Finanzwelt extrem beliebt: Wenn Du zu einem Berater bei Deiner Bank gehst, wird er Dir begeistert von “seinem” erfolgreichen Aktienfonds berichten, der im letzten Jahr super viel Rendite eingefahren hat und in den Du unbedingt einsteigen solltest.

Aber langfristig ist es statistisch gesehen total unwahrscheinlich, dass ein aktiv gemanagter Fonds (also solche, die Dir Banken verkaufen) weiter besser performt als ein langweiliger globaler ETF.

Nur 2-10% schlagen langfristig den Markt, je nach dem, auf welche der zahlreichen Studien man zum Thema schaut. Und es ist unmöglich, vorherzusagen, welcher Fonds nun zu den Gewinnern zählen wird. Das ist reine Glückssache.

Finanz”berater”, die einen aktiven Fonds verkaufen wollen, nutzen also quasi den Survivorship-Bias aktiv gegen Dich, weil sie Dir nie den ganzen Friedhof an Fonds zeigen, die entweder geschlossen wurden oder schlecht rentiert haben.

Sondern nur die “Gewinner” der letzten paar Jahre. Aber auch die werden ziemlich bald wieder weg vom Fenster sein oder zumindest unterirdisch performen, schaut man auf die jahrzehntelange Forschung zum Thema.

Das Gleiche sehen wir bei Immobilien. Sobald wir jemanden kennen, dessen Haus sich im Wert verdoppelt hat, leiten wir daraus ab, dass ein Eigenheim grundsätzlich ein gutes Investment sei.

Wenn wir auch hier auf die Daten schauen, ist eher das Gegenteil der Fall. Aber logischerweise geben uns die Leute in unserem Umfeld seltener Bescheid, wenn es mit dem Eigenheim nicht so gut läuft.

Schau Dir gerne unser ausführlichen Beitrag zu der Frage “Mieten oder Kaufen?” an, wo wir das Ganze ausführlich belegen.

Wenn wir also den Survivorship-Bias nicht auf dem Schirm haben, gehen wir schnell viel zu große, unnötige Risiken ein. Denn dann verlassen wir uns auf die Methode von irgendjemandem, der richtig viel Glück hatte und denken, dass wir das genau so nachmachen können.

Aber wir sehen den ganzen Haufen von gescheiterten Investoren nicht, die auch dachten, sie hätten das System gehackt und die beste Methode entdeckt.

Die Folge ist dann, dass wir uns gerade dazu gesellen können, weil wir mit großer Wahrscheinlichkeit viel Geld verlieren werden oder es sogar ganz weg sein wird.

Um sich gegen den Survivorship-Bias zu wehren, hilft es nur, auf langfristige Daten zu schauen. Nur so können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit allgemeingültige Handlungen ableiten.

Wenn Du von irgendwelchen Erfolgsgeschichten hörst, frage Dich immer: War hier in erster Linie Glück im Spiel oder handelt es sich um eine Methode, die statistisch gesehen mit großer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg führen wird?

Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Vertraust Du auf das vermeintliche Geschick von Fondsmanagern, die statistisch gesehen so gut wie nie den Markt schlagen? Oder nimmst Du einfach stumpf die Marktrendite über globale Aktien-ETFs mit und brauchst nicht auf Glück zu hoffen?

Psychofalle Nummer 2: Recency Bias

Während Corona sind die Aktienkurse ganz schön in den Keller gegangen. Die Nachrichten haben natürlich mal wieder den Weltuntergang prophezeit.

Das hat dazu geführt, dass viele Leute erstmal in Schockstarre verfallen sind und von der aktuellen Situation total verunsichert waren. Wir bekamen andauernd Fragen von verängstigten Leuten, nach dem Motto “Soll ich jetzt wirklich investieren, wo alles gerade auf Abschwung steht?” oder sowas wie “Wann lohnt es sich denn wieder, einzusteigen? Das wird doch jetzt erstmal die nächsten Jahre so weitergehen?!”

Anstelle also die günstigen Kurse zu nutzen und Geld zu investieren, haben viele aus Angst gar nichts gemacht.

Und das ist auch total verständlich. Für viele von uns war es das erste Mal, dass wir in solch einer Krise waren. Dass sie nur so kurz andauern würde, wusste natürlich vorher auch niemand. Ich fand es persönlich auch komisch, während des Crashs in mein rotes Depot zu schauen. Das fühlt sich einfach nicht gut an.

Beim Thema Geldanlage sollten wir aber nie nach unserem Gefühl handeln, sondern danach, was rational richtig ist.

Die Sache ist die: So etwas, was wir mit Corona erlebt haben, das gab es in der Vergangenheit schon ganz oft. 

Wir blicken ja mittlerweile auf über 120 Jahre Börsengeschichte zurück. Da hatten wir zwei Weltkriege, diverse Staatsbankrotte und Währungsreformen sowie Pandemien, also teilweise deutlich schlimmere Situationen als Corona. 

Aber – und das ist der entscheidende Punkt – langfristig ging es an der Börse immer wieder bergauf. Die Wirtschaft erholt sich also immer wieder.

Nun finden unsere Hirne das aber super schwer vorstellbar, wenn man mittendrin steckt in so einer Krise. Dann kann man sich ja gar nicht vorstellen, dass alles wieder gut wird sozusagen. 

Wie so oft hilft auch hier ein Blick auf die Fakten, und zwar aus der Vogelperspektive:

Schauen wir zum Beispiel auf die Daten rund um 2008/2009, wo wir die schwere Finanzkrise hatten. Auch seitdem haben sich die Kurse wieder erholt und sind wieder in ihrem langfristigen Aufwärtstrend gewesen, bevor es mit Corona sehr kurz ordentlich bergab ging, das war eine wirklich kurze Unterbrechung. 

Darauf folgte ein krasses Wachstum.

Summa summarum ist es so: Es gibt seit Bestehen der Börse einen Aufwärtstrend mit ordentlichem Wachstum. Und man hätte sogar Gewinne gemacht, wenn man mitten in der Finanzkrise seine Aktien verkauft hätte, solange man sie mindestens 15 Jahre vorher gekauft hätte.

Von diesem Trend dürfen wir auch weiterhin ausgehen. Denn die Menschen sind super erfinderisch und lösen immer wieder die Widrigkeiten und Probleme, die ihnen vor die Füße fallen. Aber natürlich ist es wichtig, langfristig anzulegen, damit einem Krisen eben nichts anhaben können.

Wenn wir das aber nicht auf dem Schirm haben und immer nur auf die aktuelle Lage schauen, unterliegen wir knallhart den Rezenzeffekt oder auch Recency Bias genannt. Das bedeutet, wir schauen in erster Linie auf das, was zeitlich aktuell ist, ohne etwas in den Kontext zu setzen. Dadurch verlieren wir jeglichen realistischen Blick und bekommen Panik.

Diese Sorgen und Ängste, die dadurch entstehen, haben natürlich auch einen negativen Einfluss auf unsere Finanzen. Sie führen dazu, dass wir genau die falschen Handlungen ausführen.

Denn was ist die Folge für uns Normalos durch die ganzen tagesaktuellen Krisen-, Rezessions-, Inflations- & Co Nachrichten?

Wir bekommen Angst um unser Geld, packen es unters Kopfkissen und warten lieber erstmal ab, bis sich die Lage erholt hat, bevor wir unser Geld anlegen.

Oder wir hinterfragen unsere komplette Finanz-Strategie und verkaufen vielleicht aus Panik oder Unwissen unsere Anlagen. Wir denken dann: „Ich nehme lieber das, was noch übrig ist, bevor mein Geld ganz weg ist.“

Wenn wir aber so eine Krise einfach aussitzen oder sogar den Mut haben, weiter zu investieren, können wir enorm von der langfristigen Entwicklung profitieren.

Um also generell Dinge zu lernen und Dinge einschätzen zu können, müssen wir immer wieder rauszoomen und Sachverhalte im Zusammenhang sehen.

Und um komplexe Zusammenhänge zu verstehen, reicht es natürlich nicht aus, kurze, aufgeladene Artikel zu lesen, die viel zu dramatisch sind, weil sich eine nüchterne, faktenbasierte Berichterstattung nicht so gut verkauft wie der nächste Weltuntergang.

Wir haben einen Beitrag geschrieben, der Dir hilft, finanzielle Entwicklungen panikfrei einschätzen zu können, damit Du keine Kurzschlussreaktionen machst und viel Geld verlierst. Schau es Dir mal an.

Psychofalle Nummer 3: Vogel-Strauß-Effekt

Strauße bauen Nester für ihre Eier in den Boden und stecken ab und zu den Kopf hinein, um die Eier zu drehen. Dies hat zu dem Mythos geführt, dass diese Vögel ihren Kopf in den Sand stecken, wenn sie eine Bedrohung spüren.

So würden sie angeblich eine Bedrohung nicht wahrnehmen, sondern sie ignorieren und hoffen, dass sie verschwindet.

Strauße verhalten sich nicht wirklich so, allerdings tun das Menschen oft. 

Wir verschieben dann wichtige Aufgaben, wie unsere Finanzen zu regeln, bis ins Unendliche, weil wir Angst vor der Realität haben.

Zum Beispiel berichten uns immer wieder Teilnehmer unseres Online-Programms, wie sie sich vorher gefühlt haben. So auch Julia:

„Ich habe das Thema Altersvorsorge lange, lange vor mir hergeschoben und letztes Jahr dann einen Riester-Vertrag abgeschlossen, damit ich das Gefühl habe zumindest „irgendetwas“ gemacht zu haben… mit dem Wissen, dass es nicht wirklich was bringen wird und das Thema damit nicht erledigt ist.“

Sie hatte also irgendwas gemacht und dann einfach die Augen verschlossen. Warum läuft das denn oft so?

Wir Menschen sind einfach von Natur aus keine rationalen Wesen, sondern von Emotionen getrieben. Unser Gehirn kann uns bei den scheinbar einfachsten Sachen behindern, damit es sich nicht dem Schmerz aussetzen muss, sich mit etwas Unangenehmen zu befassen.

Dafür braucht man sich nicht zu schämen; das geht uns allen so.

Es ist also leicht, den Kopf zu vergraben, wenn finanzielle Herausforderungen anstehen.

Nur macht das die ganze Sache natürlich noch schlimmer. Wenn ich schon erahne, dass mein Riester-Vertrag nichts taugt, ich aber einfach die Augen zu mache, vergeht wertvolle Zeit, die mein Geld schon in einer vernünftigen Anlage hätte arbeiten können.

Die Konsequenz ist dann, dass ich irgendwann kurz vor dem Ruhestand “aufwache” und mir bewusst wird, dass meine Rente nicht reichen wird, weil ich mein sauer verdientes Geld in einem schlechten Riester-Produkt hatte.

Ja, für viele sind Finanzen ein Thema, das sie immer wieder ignorieren, anstatt den Tatsachen ins Auge zu blicken – auch, wenn sie tief im Inneren wissen, dass sich das Problem auf lange Sicht nur verschlimmern wird.

Es ist eigentlich ziemlich einfach, den Vogel-Strauß-Effekt zu überwinden, nur wird es alleine sehr schwer.

Wir brauchen einfach ein vertrauensvolles Umfeld, um den Kopf aus dem Sand zu bekommen. Deshalb haben wir unser Online-Programm ins Leben gerufen, wo wir Dich unterstützen.

Hier können wir Dir helfen, diese ganzen kognitiven Verzerrungen zu überwinden. Wir führen Dich schnell und einfach Schritt für Schritt durch den Prozess und bringen Klarheit in das Thema Finanzen.

Wenn Dich das interessiert, schau Dir dazu am besten unser kostenloses Webinar an oder lad Dir unseren Finanzen-Fahrplan herunter.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 23. November, 2023
LETZTE AKTUALISIERUNG: 11. Dezember, 2023
Diese Artikel könnten Dir auch gefallen

Schließ Dich über 20.000 neugierigen Menschen an

Erhalte wöchentlich unsere neuesten Momentaufnahmen – mit spannenden Punkten zu ausgewählten Themen, über die wir in den letzten Tagen gestolpert sind bzw. die uns bewegt haben – normalerweise über Geld, Produktivität, Psychologie. Trag Dich jetzt ein und sei dabei.

>