Vier Geld-Gewohnheiten, die Dich im Hamsterrad halten

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schlechte Geld-Gewohnheiten

Es gibt vier Geld-Gewohnheiten, die die Mittelschicht nicht nur im Hamsterrad halten – viele verbauen sich damit leider auch Schritt für Schritt ihre finanzielle Zukunft. Um welche Gewohnheiten es sich dabei handelt, erfährst Du in diesem Beitrag.

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

Gewohnheit 1: Das sparen, was übrig ist 

Viele Menschen begleichen erst ihre Rechnungen und geben ihr Geld für normalen Konsum aus, also das neuste iPhone, Klamotten und so weiter. Wenn dann nach all den Ausgaben noch etwas übrig ist, denken sie vielleicht daran, etwas zurückzulegen.

Auf den ersten Blick ergibt es auch total Sinn, erstmal seine Kosten zu begleichen. Die Rechnungen zu bezahlen ist prinzipiell ja eine gute Idee. Aber was von der Reihenfolge her so logisch erscheint, ist langfristig leider nicht der beste Weg.

Wir Menschen haben ja die Tendenz, kurzfristige Belohnungen mehr zu schätzen als langfristige Vorteile. Das sofortige Befriedigen von aktuellen Wünschen hat einen viel größeren Reiz als das langfristige Sparen für unser Zukunfts-Ich.

Also denken wir uns: „Ich decke erstmal meine alltäglichen Ausgaben und dann schaue ich mal, was übrig ist.“

Das Problem ist, dass uns hier das Parkinsonsche Gesetz in die Quere kommt. Das ist ein psychologischer Effekt, der dazu führt, dass wir die Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, tendenziell auch komplett aufbrauchen.

Das heißt zum Beispiel, wenn wir 2.000 Euro im Monat zur Verfügung haben, sind wir geneigt, diese 2.000 Euro auch auf den Kopf zu hauen. Hätten wir nur 1.500 gehabt, wären wir aber auch damit zufrieden gewesen. 

Den gleichen Effekt sehen wir bei Menschen, die sofort ihre Ausgaben erhöhen und ihren Lebensstil entsprechend anpassen, wenn sie mehr verdienen. Das führt dann zu einem kontinuierlichen Anstieg der Ausgaben, sodass das verfügbare Einkommen trotz höherer Einnahmen scheinbar immer knapp ist.

Das wiederum führt mittel- und langfristig zu einem Mangel an finanzieller Sicherheit. Logisch, ich verdiene immer mehr, aber habe gefühlt nicht mehr zur Verfügung, weil ja am Ende des Monats immer das Konto leer ist.

Daher ist es unheimlich wichtig, sich selbst zuerst zu bezahlen und eben nicht zuletzt, um diesen Abwärtsstrudel zu vermeiden.

Was meine ich damit genau?

Wenn wir uns nicht selbst zuerst bezahlen, bleiben unser Vermögensaufbau, die finanzielle Unabhängigkeit mit 40 oder 50 und der finanziell entspannte Ruhestand sicher auf der Strecke.

Die Lösung ist glücklicherweise denkbar einfach: Lege eine bestimmte Summe am Anfang des Monats direkt nach Gehaltseingang zurück. Wenn Du noch gar nicht weißt, wo es finanziell hingehen soll, fange mit 10-20% von Deinem Nettogehalt an.

Dadurch hast Du das Sparen zur Priorität gemacht und sichergestellt, dass Geld für langfristige Ziele da ist, bevor es für andere Ausgaben verwendet wird.

Das Ganze solltest Du auch automatisieren, damit Du es konstant durchziehst. Wie das geht, erklären wir in diesem Blogpost hier.

Gewohnheit 2: Nicht auf Notfälle vorbereitet sein

Im Leben treten immer wieder unerwartete Ausgaben auf, sei es durch plötzlich notwendige Reparaturen oder andere nicht planbare Ereignisse.

Solche Vorfälle sind total normal und betreffen alle Menschen. Und genau weil sie eben so normal sind, sollten wir uns auch darauf vorbereiten, damit es für uns eben nicht mehr so überraschend kommt.

Viele Menschen sind sich dieser Sache aber nicht wirklich bewusst. Denn wie wir immer wieder sehen, haben viele kein finanzielles Polster, um genau diese unvorhersehbaren Dinge abzufedern.

Wie wir bereits gesehen haben, konzentrieren sich Leute oftmals zu sehr auf ihre laufenden Ausgaben.

Wenn Dir finanzielle Stabilität und zukünftig auch finanzielle Unabhängigkeit wichtig sind, brauchst Du aber zwingend einen Notgroschen.

Dieser Puffer sollte nicht auf Deinem Girokonto liegen, damit er von dem Geld getrennt ist, womit Du Deine gewöhnlichen Ausgaben tätigst. Am besten eignet sich ein Tagesgeldkonto für den Notgroschen. So kommst Du zwar jederzeit an Dein Geld, läufst aber nicht Gefahr, es “aus Versehen” auszugeben.

Wie hoch Dein Notgroschen genau sein sollte, ist nicht pauschal zu beantworten und hängt von mehreren Faktoren ab. In der Regel liegt die Höhe irgendwo zwischen drei und zehn Netto-Monatsgehältern.

Wenn bei Dir zum Beispiel jeden Monat 2.500 Euro auf Deinem Girokonto an Einkommen landen, solltest Du mindestens 7.500 Euro als Notgroschen zur Seite legen.

In diesem Blogbeitrag erfährst Du, wie Du die richtige Summe für Dich ermitteln kannst.

Extrem wichtig ist es, diesen Notgroschen auch wirklich nur im absoluten Notfall zu verwenden! Und sollte er mal benutzt werden, ist die Prio Eins, ihn direkt wieder aufzufüllen.

Gewohnheit 3: Zu lange mit dem Investieren warten

Es sollte zu den meisten bereits durchgedrungen sein: Die, die eine gesetzliche Rente bekommen, werden ungefähr 40% ihres Nettoeinkommens erhalten. 

Ein finanziell entspannter Ruhestand sieht anders aus.

Die Bundesbank hat in einer Erhebung ermittelt, dass 40% des Vermögens der Deutschen auf dem Bankkonto liegt.

Daran können wir sehen, dass sehr viele Leute keine Ahnung haben, was sie alternativ mit ihrem Geld machen können. Ihnen scheint nicht klar zu sein, was das für ihr Vermögen für Konsequenzen hat.

Denn Geld zum Beispiel auf dem Girokonto zu haben ist wie eine Banane auf den Kompost zu werfen. Das verrottet einfach. Das Geld wird immer weniger, weil die Inflation es unbemerkt auffrisst.

Und als wäre das alleine nicht schon schlimm genug, verlieren die Leute täglich zusätzlich ganz viel Geld durch entgangene Renditen. Denn dadurch, dass ihr Geld nicht angelegt ist, kann es sich auch nicht vermehren.

Doch genau das Investieren würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wir hätten die Inflation kompensiert und unser Geld würde tatsächlich mehr werden.

Zeit ist bei der Geldanlage allerdings ein super wichtiger Faktor, weshalb diese “Abwarten-Kultur” total schädlich für uns ist.

Lass uns mal auf ein paar spezifische Situationen und Zahlen schauen, damit wir genau wissen, was uns erwartet:

Im ersten Beispiel legen wir im Alter von 40 Jahren 50.000 Euro in einem ganz simplen, breitgestreuten und wissenschaftlich fundierten ETF-Portfolio an.

Dann haben wir zum Renteneintritt im Alter von 67 Jahren – mit Blick auf historische Daten und natürlich abzüglich aller Kosten, Steuern und Inflation – ein Vermögen von 200.000 Euro.

Abzüglich der eingesetzten 50.000 Euro ist das ein Reingewinn von 150.000 Euro.

Hätten wir die 50.000 auf dem Girokonto liegen gelassen, wären die mit 67 noch nicht mal mehr 30.000 Euro wert.

Wir hätten somit nicht nur 20.000 Euro durch die Inflation verbrannt, sondern uns wären dadurch, dass wir unser Geld nicht investiert hätten, ganze 150.000 Euro an Gewinn entgangen! Donnerwetter.

Für Beispiel Nummer zwei nehmen wir die gleichen Annahmen von eben, legen jedoch die 50.000 Euro bereits mit 30 Jahren an.

Nun könnten wir mit 67 Jahren mit einem Vermögen von 350.000 Euro rechnen (natürlich ebenfalls nach Kosten, Steuern und Inflation) bzw. einem Gewinn von 300.000 Euro.

Auf dem Girokonto wären die 50.000 nur noch 24.000 Euro wert. Wenn wir die 50.000 Euro also nicht investieren, entgehen uns fast 330.000 Euro! Das ist doch Wahnsinn!

Für die Rechnungen haben wir übrigens mit der langfristigen Durchschnittsinflation von 2% gerechnet. Wer jetzt Puls hat, weil gerade die Inflation so hoch ist: Solche Phasen gab es in der Vergangenheit immer wieder und das ist bereits in den langfristigen Durchschnitt mit eingerechnet, keine Sorge. Wir rechnen ja hier mit richtig langen Zeiträumen.

Ja, also der beste Zeitpunkt, um mit Deiner Geldanlage loszulegen, war gestern und der zweitbeste ist heute.

Und ich kann verstehen, dass Finanzen und Zahlen nicht für jeden so toll sind wie für mich. Es gibt unendlich viele verwirrende Informationen da draußen und die meisten wissen gar nicht, wo sie überhaupt anfangen sollen.

Bei vielen löst das auch die Angst aus, dass sie ihr hart verdientes Geld aufs Spiel setzen. Klar, wir wollen keinen Fehler mit unserem Geld machen. Also verfallen wir erstmal in Schockstarre.

Das Ganze lässt sich auch einfach verdrängen, denn die Freunde haben auch noch nichts mit ihrem Geld gemacht und im Alltag sprechen wir ja sowieso nicht über Finanzen.

Manch andere sind eigentlich “investitionsbereit”, warten aber auf den perfekten Zeitpunkt, um einzusteigen. Da dieser perfekte Zeitpunkt aber leider nie kommt, ist das Ergebnis das gleiche – sie machen nichts.

Tatsächlich setzen wir unser Geld aber bereits dadurch aufs Spiel, dass es durch die Inflation auf unserem Konto weniger Wert wird. Wir machen also einen sehr großen Fehler durchs Nichtstun.

Aber ich habe gute Nachrichten für Dich:

Geldanlage muss nicht so kompliziert und verwirrend sein!

Spätestens, wenn Du jemanden an deiner Seite hast, der Dich Schritt für Schritt durch den Prozess leitet, wirst Du feststellen, dass es leicht sein kann und sich vor allem richtig für Dich lohnt.

Und lange dauern tut es dann erst recht nicht.

Das bestätigt auch Juliane, eine Teilnehmerin aus unserem Programm „How To Make Altersvorsorge Suck Less“:

Gewohnheit 4: Alles blind an einen Finanzberater geben – ohne es selbst zu verstehen

So, jetzt denkst Du vielleicht. „Leute, das ist ja ganz nett, aber ich hol mir einfach einen Finanzberater, der macht das für mich. Dann bin ich auch frühzeitig investiert und muss mich um nichts kümmern.“

Jap, das ist einfach – jemand anderes erledigt die Arbeit. Aber wehe, wenn Du mal genauer nachrechnest, wie viel die „Berater“ für diese Dienstleistung tatsächlich abkassieren. 

Der Schock sitzt dann immer ziemlich tief. Denn die meisten Leute wissen überhaupt nicht, welche Kosten auf sie zukommen. Was auch verständlich ist, weil die ganzen Verträge und Produktbeschreibungen unverständlich und schwer nachzuvollziehen sind – insbesondere, was die Gebühren angeht. 

Darum schauen wir uns mal anhand eines kleinen Beispiels die Kosten einer normalen Finanzdienstleistung genauer an:

Stell Dir vor, Du investierst monatlich 200 Euro, und zwar über 35 Jahre. Einmal in ein selbstgebautes, breit gestreutes ETF-Portfolio und einmal über Deinen Berater in einen aktiven Fonds. Das ist das, was Du zu 90% von einem Finanzberater vermittelt bekommst.

Wir nehmen an, beide Investments hätten die gleiche Rendite von 7%. Aktive Fonds performen statistisch gesehen langfristig deutlich schlechter als globale ETFs, aber das lassen wir hier mal außen vor.

Für das ETF-Portfolio zahlst Du 0,15% an Gebühren und für den aktiv gemanagten Fonds 1,85% Gebühren. Das entspricht einfach aktuellen Durchschnittswerten.

Wenn wir nun bei beiden Varianten unser Vermögen am Ende vergleichen, könnte man aus den Latschen kippen. Nur aufgrund der “leicht höheren” Kosten haben wir mit dem aktiven Fonds über 100.000 Euro weniger!

Du siehst, das ist mehr als ein Kleinwagen.

Würde Deine Sparrate statt 200 Euro bei 1.000 Euro liegen, würde Dich das ganze über 500.000 Euro kosten! Ja, Donnerwetter.

Du willst über die Zeit ja immer mehr investieren. Sprich: Je mehr Du investierst, desto mehr wird von Deinem Geld in Gebühren versenkt.

Darin sind saftige Provisionen für den Fondsvermittler enthalten, die ihm ein ordentliches passives Einkommen bescheren.

Passives Einkommen von Deinem Geld. Das hätte auch Deins sein können.

Verstehe uns hier bitte nicht falsch: Wir haben absolut kein Problem damit, für gute Leistungen hohe Preise zu zahlen.

Aber es gibt keinen Grund, einen Prozentsatz Deines Vermögens an einen Berater zu zahlen.

Vor allem nicht, wenn Du es viel besser und mit wenig Aufwand selbst erledigen kannst.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 16. August, 2023
LETZTE AKTUALISIERUNG: 11. Dezember, 2023
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