Das große Problem mit Bankberatern bei Deiner Geldanlage

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Problem Bankberater

Es gibt ein ziemliches Problem, wenn Du Bankberatern bei der Geldanlage einfach vertraust. Egal, ob Du fürs Alter vorsorgen oder einfach ganz allgemein Vermögen aufbauen willst: Du kannst Dir so gut wie sicher sein, dass Dir die „Beratung“ eher schaden als helfen wird.

So ganz unbedarft würde man ja meinen, dass man von einer Bank die besten Infos bekommen sollte, wenn es um das Thema Geldanlage geht. Immerhin ist es doch eine Kernaufgabe von Banken, Geld anzulegen!

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

Wo liegt also das Problem?

Es ist so: Wendest Du Dich mit Deinem Wunsch nach einer ordentlichen Geldanlage an Deine Bank, wird Dir mit 99%iger Wahrscheinlichkeit ein sogenannter aktiv gemanagter Investmentfonds verkauft. 

Was ist das?

Fangen wir mal ganz von vorne an:

Fonds ganz allgemein kannst Du Dir wie große Töpfe vorstellen, in die z.B. ganz viele Aktien reingeworfen werden. Und diese Töpfe kannst Du Dir kaufen. Somit entfällt für Dich das eigenständige Auswählen von einzelnen Wertpapieren und Du streust automatisch über ganz viele verschiedene Firmen. 

Das ist erstmal eine super Sache, da man mit einem einzigen Produkt in ganz viele verschiedene Wertpapiere investieren kann. 

Ok, was bedeutet dann das „aktiv“?

Aktive Fonds haben ein Management, dass aktiv auswählt, welche Aktien in den Topf kommen. Das Fondsmanagement versucht dabei, den Markt zu schlagen. Es will also mehr Rendite erwirtschaften, als der Durchschnitt der Firmen in diesem Markt.

Nehmen wir mal ein Beispiel: Ein aktiv gemanagter Fonds mit deutschen Aktien würde nicht einfach nur die Unternehmen aus dem DAX in den Topf werfen, sondern selbst entscheiden, welche Unternehmen „die besten“ sind (bzw. sein werden). Und das funktioniert so:

Anhand von all seinem Wissen über einzelne Unternehmen, über den Kapitalmarkt, Trends und so weiter überlegt der Fondsmanager, welche Aktien sich künftig positiv entwickeln werden. Dabei spielt auch das Timing eine große Rolle, denn der Fondsmanager muss quasi dem Markt voraus sein und die richtigen Aktien rauspicken, bevor diese an Wert gewinnen.

Nun gibt es zwei Probleme mit solchen aktiven Fonds:

Zum einen kosten sie richtig viel Geld. Das Fondsmanagement wird nämlich fürstlich entlohnt und die Bank zwackt sich ebenfalls ihre Anteile für die Vermittlung ab.

Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn der Fonds die Kosten durch etwaige Überrenditen wieder reinholen würde. Das Gegenteil ist aber der Fall:

Zahlreiche Studien der letzten 50 (!) Jahre haben belegt, dass es langfristig nicht möglich ist, den Markt zu schlagen, also die Gewinneraktien auszuwählen, die sich besser als der Durchschnitt entwickeln werden. Und zwar auch nicht für „Profis“ (wie Fondsmanager).

In einer der jüngsten Studien wurde zum Beispiel belegt, dass nur 1,4% der professionellen Fondsmanager über einen Zeitraum von 10 Jahren in der Lage waren, eine bessere Rendite zu erzielen, als der Durchschnitt aller Unternehmen im vergleichbaren Segment. In diesem Fall bezog sich das auf den weltweiten Markt.

Außerdem ist es unmöglich, im Vorfeld genau diesen einen Fondsmanager zu finden, der wirklich ein goldenes Händchen hat. Denn die paar Fonds, die besser performen, als der Durchschnitt, wechseln auch noch jedes Jahr.

Es ist sogar unwahrscheinlich, dass ein heutiger Gewinnerfonds den Markt nächstes Jahr wieder schlägt.

Auch hier schauen wir wieder auf eine Studie: Von den 25% der besten aktiv gemanagten Fonds waren zwei Jahre später noch nicht mal 4% weiterhin unter den Top-Performern, nach 5 Jahren nur noch 1% in diesem Segment.

Also ganz ehrlich, da hat man beim Pferderennen bessere Chancen.

Es gibt einfach keinen gescheiten Grund, sich aktiv gemanagte Fonds auszusuchen – außer, man pokert super gerne oder hat Mitleid mit seiner Bank und möchte ihr gerne zu mehr Einkommen verhelfen anstelle sich selbst.

Das bedeutet jetzt aber auch nicht auf der anderen Seite, dass Aktienfonds eine schlechte Sache sind, sondern dass es deutlich mehr Sinn macht, die erfolgreichere Fonds-Variante zu wählen, die sich auch über viele Jahrzehnte hinweg bewährt hat: die sogenannten Indexfonds.

Vielleicht hast Du schon mal die Abkürzung ETF gehört: ETF steht für “Exchange-Traded Fund” und bedeutet übersetzt “an der Börse gehandelter Fonds”. Um bei dem Bild zu bleiben: Im Topf landen bei ETFs die Unternehmen, die Bestandteil eines Index sind.

Und so ein Index wiederum bildet einen Markt ab. Wir hatten es ja eben schon vom DAX, dem Deutschen Aktienindex. Der DAX beinhaltet die 40 größten Unternehmen Deutschlands.

Wenn man nun einen ETF auf den DAX anschaut, dann stecken da Aktien von diesen 40 Unternehmen drin. Das ist auch schon alles. Solche Indizes gibt es wie Sand am Meer: Es gibt globale Indizes, aber auch Länder-Indizes (wie den DAX eben). Es gibt Indizes auf Branchen, auf Sektoren, auf Strategien, auf andere Wertpapiere… Whatever.

Wenn man nun als Anleger auf einen großen Index setzt, muss sich niemand überlegen, welche Unternehmen gut oder schlecht performen werden, sondern man kann blind darauf vertrauen, dass man immer die “Best Of” im Topf hat.

Und auch hier empfiehlt es sich, richtig groß zu denken. Mit globalen ETFs ist man in den bedeutendsten Teil der Weltwirtschaft investiert. Der MSCI ACWI z.B. beinhaltet fast 3.000 einzelne Aktien.

Wie bereits deutlich geworden sein sollte, ist man mit so einem ETF den aktiv gemanagten Fonds weit voraus. Wissenschaftliche Studien von renommierten Forschern, die belegen, dass aktive Fonds langfristig dramatisch unter dem Durchschnitt der Wirtschaftsentwicklung blieben, gibt es zuhauf.

Bei so einem vernichtenden Ergebnis sollte man meinen, dass Leute vermehrt passive Fonds kaufen, dem ist aber gar nicht so! In erster Linie besitzen Anleger aktive Fonds, weil die einem von Banken und Co. verkauft werden.

Das ist auch ganz logisch, denn die Banken verdienen viel mehr an Dir, wenn Du einen aktiven Fonds kaufst als bei einem passiven ETF. Deswegen werden aktiv gemanagte Produkte natürlich viel stärker vertrieben. So fließen die Marketinggelder fast vollständig in aktive Produkte.

Na super!

Was bedeutet das denn nun konkret mit Blick auf die Kosten für uns Anleger?

Während bei ETFs etwa 0,05-0,2% an laufenden Kosten anfallen, liegen diese bei aktiv gemanagten Fonds bei 1,85% durchschnittlich. Hinzu kommen bei letzteren meist noch Ausgabeaufschläge von etwa 4-6 %.

Auf den ersten Blick denkt man wahrscheinlich “Ach komm, ob ich 0,1 oder 1,8 Prozent zahle, das macht doch wirklich keinen Unterschied!” Aber die Realität sieht anders aus:

Angenommen Du investierst im Monat 200 Euro über 35 Jahre und rechnest mit einer sehr moderaten Rendite von 5%. Trotz gleicher Sparrate und gleicher angenommenen Rendite hat man mit dem ETF nach den 35 Jahren 217.000 Euro auf dem Konto, mit dem aktiven Fonds hingegen nur 143.000!

Somit ergibt sich am Ende der Ansparzeit mit der Anlage in den ETF ein über 70.000 Euro größeres Vermögen. Nur wegen der scheinbar leicht höheren Verwaltungskosten.

Viele aktive Fonds haben außerdem noch zusätzlich eine „erfolgsbezogene Vergütung“: Performt der Fonds besonders gut, zwackt sich das Management noch mehr von der Rendite ab.

Gut, schlechtere Performance, höhere Kosten, gibt es wenigstens einen Vorteil mit Blick auf das Thema Risiko, wenn man auf seinen Bankberater hört?

Fehlanzeige!

Durch die viel breitere Streuung mit ETFs reduziert man das Risiko auch enorm. Denn gerät eine Region bzw. eine einzelne Branche in Schieflage, ist dies viel weniger problematisch, wenn man möglichst breit aufgestellt ist und andere Bereiche die „schlechten“ ausgleichen können.

Aktive Fonds enthalten hingegen meist deutlich weniger Aktien als ETFs. Dadurch trägt man schnell (ungewollt) Branchen- oder Länderrisiken.

Die Sache ist die: Es gibt keine Rendite ohne Risiko.

Je höher die Renditechancen sind, desto höher ist das Risiko, Verluste einzufahren. Mit einer Ausnahme: Diversifikation ist die EINZIGE Möglichkeit, Dein Risiko zu minimieren, ohne dabei auch Deine Renditechancen einzudämmen. Das nennt sich Free Lunch.

Übrigens: Risiko minimieren bedeutet bei einer vernünftigen Geldanlage mit global gestreuten ETFs auch, dass Du Schwankungen aushalten kannst. Denn solange Du mindestens 10-15 Jahre vor Rentenbeginn loslegst, sind diese Schwankungen mit Blick auf historische Daten gar kein Problem!

Ja, investieren sollte kein Glücksspiel sein. Lasse lieber etwas kluge Demut walten und finde Dich damit ab, dass wir alle nicht wissen, wie sich die Märkte entwickeln werden.

Dein Bankberater wird aber sicherlich irgendwelche hanebüchenen Gründe finden, warum „sein“ aktiv gemanagter Fonds auf jeden Fall den Index schlagen wird. Auch, wenn es dafür keine Fakten gibt und Du langfristig durch hohe Kosten und schlechte Renditen viel Geld verlieren wirst.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 29. September, 2022
LETZTE AKTUALISIERUNG: 01. Oktober, 2022
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