Vier häufige Finanztipps, die Dir in Wirklichkeit schaden (ohne dass Du es merkst)

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Schädliche Finanztipps

Es gibt ein paar Finanztipps, die jeder von uns schon mal gehört hat. Leider geht aber nicht jeder dieser Tipps mit der Zeit.

Vier  häufige Finanztipps, die Dir heute vermutlich mehr schaden als sie Dir bringen, schauen wir uns jetzt genauer an.

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

„Geh zu einem Finanzberater, der hat mehr Ahnung als Du“

So ganz unbefleckt würde man ja meinen, dass wir bei einer Bank bzw. von einem Finanzberater die besten Infos bekommen sollten, wenn es um das Thema Geldanlage geht. Immerhin machen die das doch beruflich!

Wo liegt also das Problem?

Wendest Du Dich mit Deinem Wunsch nach einer ordentlichen Geldanlage zum Beispiel an Deine Bank, wird Dir mit 99%iger Wahrscheinlichkeit ein sogenannter aktiv gemanagter Investmentfonds verkauft.

Nun gibt es zwei Probleme mit solchen aktiven Fonds:

Zum einen kosten sie richtig viel Geld. Das Fondsmanagement wird nämlich fürstlich entlohnt und die Bank zwackt sich ebenfalls ihre Anteile für die Vermittlung ab.

Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn der Fonds die Kosten durch etwaige Überrenditen wieder reinholen würde. Das Gegenteil ist aber der Fall:

Zahlreiche Studien der letzten 50 Jahre haben belegt, dass es langfristig nicht möglich ist, den Markt zu schlagen, also die Gewinneraktien auszuwählen, die sich besser als der Durchschnitt entwickeln werden. Und zwar auch nicht für „Profis“ wie Fondsmanager.

Somit wirst Du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit langfristig miese Renditen einfahren.

Wenn Du Dich auf einen Berater verlässt, hat das auch zur Konsequenz, dass Du nicht verstehst, was Du machst oder was mit Deinem Geld passiert. Du wirst also Dein Leben lang unsicher sein.

Wir erhalten regelmäßig E-Mails, in denen uns Leute schreiben, dass sie alle möglichen Verträge unterschrieben haben, aber immer noch nicht wissen, wie gut sie abgesichert sind.

Vor über 10 Jahren haben wir uns selbst beraten lassen. Eddy und mir ging es wie wahrscheinlich vielen: Wir hatten selbst keinen Plan von der Geldanlage und haben Beratern mehr oder weniger blind vertraut.

Eddy hat dadurch über 8.000 Euro in der Finanzkrise 2008 verloren, weil er finanziell nicht genug gebildet war und sich auf seinen Bankberater verlassen hatte.

Also eins ist klar: Ohne eine grundlegende finanzielle Bildung hängt das Thema Finanzen für immer wie eine dunkle schwarze Wolke über Dir.

Neben der Unsicherheit im Alltag kommt dann noch hinzu, dass Du einfach sehr viel Geld verlierst, das für Gebühren und Verwaltungskosten draufgeht. Und natürlich durch Renditeeinbußen.

Es gibt also keinen rationalen Grund, sich aktiv gemanagte Fonds auszusuchen.

Das bedeutet jetzt aber auch nicht auf der anderen Seite, dass Aktienfonds an sich eine schlechte Sache sind. Sondern dass es deutlich mehr Sinn macht, die erfolgreichere Fonds-Variante zu wählen, die sich auch über viele Jahrzehnte hinweg bewährt hat: die sogenannten Indexfonds.

Wenn Du als Anleger auf einen großen Index setzt, muss sich niemand überlegen, welche Unternehmen gut oder schlecht performen werden, sondern Du hast immer automatisch die “Best Of” im Körbchen.

Und auch hier empfiehlt es sich, richtig groß zu denken. Mit globalen ETFs kannst Du in den bedeutendsten Teil der Weltwirtschaft investieren. Der MSCI ACWI z.B. beinhaltet fast 3.000 einzelne Aktien.

Das coole ist: In ETFs kannst Du ganz alleine und ohne fremde Hilfe investieren. Du sparst Dir so die horrenden Gebühren und Kosten. Am Ende hast Du nicht nur mehr Rendite, sondern kannst auch individuell und flexibel nach Deinen Bedürfnissen anlegen.

Es handelt sich also definitiv um einen Irrglauben, dass man sich als normaler Mensch nicht alleine um seine Finanzen kümmern kann. Wir erleben es täglich bei unserer Arbeit. Und das ist auch der Grund, warum es LazyInvestors überhaupt gibt.

Denn Du kannst Dich vor Fehlern nur schützen, wenn Du Dich selbst mit Deinen Finanzen auseinandersetzt. Was im ersten Moment vielleicht nach Arbeit klingt, lohnt sich massiv – nicht nur für Deine Finanzen.

Damit erlangst Du im Hier und Jetzt Sicherheit und kannst Entscheidungen bewusst treffen, statt blind Leuten vertrauen zu müssen, die Geld an Deinem Unwissen verdienen.

Unsere gesammelten Erkenntnisse zu dem Thema findest Du übrigens in unserem kostenlosen Finanzen-Fahrplan.

„Spar 20% von Deinem Gehalt“

Dieser Tipp klingt erstmal nicht schlecht und ist vor allem einfach umzusetzen. Für viele Leute ist das auch ein guter Ratschlag oder zumindest ein guter Start.

Aber für Leute, die mehr als ungefähr 50.000 Euro brutto pro Jahr verdienen, kann dieser Ratschlag total kontraproduktiv sein.

Also, im Verhältnis hast Du logischerweise mehr Geld im Alltag zur Verfügung als bei einem Einkommen unter 50.000 Euro, wo die Lebenshaltungskosten in der Regel das meiste von Deinem Einkommen fressen.

Und genau dieses Plus an Geld erhöht die Gefahr, dass Du es für Sachen ausgibst, die Du eigentlich gar nicht brauchst. Die Dich also langfristig gar nicht glücklicher machen.

Und dann entstehen verschiedene Effekte: Du landest auf der einen Seite im Konsum-Management, sprich, Du verbringst viel Zeit damit, das Gekaufte zu verwalten und zu pflegen.

Auf der anderen Seite kann es auch dazu führen, dass Du Deine laufenden Kosten erhöhst, weil Deine regelmäßigen Ausgaben steigen. Zum Beispiel durch den Umzug in eine größere Wohnung, für die Du monatlich mehr Miete zahlst.

Sparst Du also mit einem höheren Gehalt „nur“ 20%, obwohl Du easy mehr zurücklegen könntest, landest Du leicht in der berühmten Hamsterrad-Falle: Deine Kosten steigen parallel mit Deinem Einkommen. Deine Zufriedenheit bleibt aber gleich oder nimmt sogar ab, weil Dich das Konsum-Management und die steigenden Kosten überfordern.

Schau Dir auch gerne unseren Beitrag zum teuren Fehler nach einer Gehaltserhöhung an, da erklären wir das nochmal genauer.

Bei einem ordentlichen Gehalt kannst Du also viel mehr zurücklegen – ohne dass Du es im Alltag wirklich merkst!

Das Geld könntest Du schlau in wissenschaftlich fundierte und spekulationsfreie ETFs investieren und wärst innerhalb weniger Jahrzehnte finanziell unabhängig.

Würdest Du zum Beispiel über 25 Jahre monatlich 500 Euro zurücklegen, könntest Du Dir auf immer 870 Euro monatlich aus Deinem Depot nehmen, ohne dass Dein angelegtes Vermögen weniger wird. Und zwar netto und inflationsbereinigt!

Legst Du über den gleichen Zeitraum 1.500 Euro monatlich zurück, wären das 2.600 Euro netto und inflationsbereinigt pro Monat.

Und bei 2.500 Euro über 4.300 Euro monatlich.

Aber es geht noch besser: Wenn Du Dein Geld wirklich für Dich nutzen willst, kannst Du Dir auch – wie wir – überlegen, Dein komplettes Vermögen aufzubrauchen. Dadurch könntest Du noch viel mehr entnehmen und mit mehr oder weniger 0 Euro auf der Bank sterben 😉

Also, jetzt gehen wir mal von einer Rentendauer von 30 Jahren aus, das ist ziemlich lang. In der Zeit dürfen wir unser Geld aufbrauchen.

Dann könntest Du Dir bei einer Sparrate von 500 Euro ganze 1.200 Euro monatlich entnehmen. Bei einer Sparrate von 1.500 Euro wären es fast 3.600 Euro und wenn Du 2.500 Euro sparst, fast 6.000 Euro im Monat!

Das sind wie gesagt nur Beispiele. Um das für Deine persönliche Situation zu berechnen, nutze gerne unseren Renten-Sparrechner hier.

Du solltest den monatlichen Sparbetrag, den Du anstrebst, auf Dein aktuelles Alter, das Alter, in dem Du finanziell unabhängig sein möchtest, und generell auf Deine finanziellen Ziele abstimmen. Und nicht einfach auf einen Prozentsatz.

„Mieten ist Geldverschwendung“

Ich weiß, Du hörst wahrscheinlich an allen Ecken und Enden, dass „Geld für die Miete zu bezahlen“ dumm sei und nur Deinem Vermieter helfe. Alle wollen Dir ein schlechtes Gewissen einreden, wenn Du Dir keine Immobilie zulegen willst.

Aber vielleicht hast Du überhaupt keine Lust, Dir ein eigenes Haus anzuschaffen, weil Du auch immer mitkriegst, wie Deine Kollegen über die Probleme bei den Baumaßnahmen abkotzen und generell die Bewirtschaftung ihres Eigentums so unheimlich viel Zeit in Anspruch nimmt.

Und – lass mich raten – sie sagen alle trotzdem sowas wie: „Ich werfe doch nicht meinem Vermieter die Kohle in den Rachen, wenn ich stattdessen einen Kredit abzahlen kann und am Ende die Bude mir gehört.“

Stimmts?

Aber macht das wirklich Sinn oder ist das einfach eine zu einfache Rechnung von deren Seite?

Die Antwort lautet: Kommt drauf an! Das es eine glasklare Sache und Kaufen immer eine super Entscheidung sein soll, ist auf jeden Fall falsch.

Aber klar, zu mieten und nichts mit dem Geld zu machen, was Du sonst in ein Eigenheim gesteckt hättest, ist genauso falsch.

Mieten ergibt nur dann finanziell Sinn, wenn Du Dein Geld anderweitig investierst. Zum Beispiel in das schon erwähnte breit gestreute ETF-Portfolio.

Wir haben das mit dem Mieten oder Kaufen mal ausführlich durchgerechnet. Die Ergebnisse findest Du in diesem Blogpost.

Finanziell steht der investierende Mieter meist besser da. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Wenn Du einfach keine Lust darauf hast, ein Eigenheim zu besitzen, weil damit natürlich auch viele Verpflichtungen einhergehen und Du super viel Zeit einsetzen müsstest oder Du Dich zu Recht nicht über Jahrzehnte verschulden willst, dann möchten wir Dir hiermit fröhlich verkünden: Es gibt auch eine lohnenswerte Alternative 🙂

Wenn Du vor der Eigenheim-Entscheidung stehst, lad Dir gerne unsere kostenlose Anleitung „In 3 Schritten entscheiden: Mieten oder kaufen“ herunter.

„Folge Deiner Leidenschaft und das Geld kommt von alleine“

Eigentlich stimmt das doch. Denn wenn ich meiner Leidenschaft folge, habe ich Spaß bei der Arbeit, dann fällt mir das Arbeiten also leicht und somit verdiene ich auch noch ohne große Anstrengung Geld.

Vielleicht hattest Du zu Beginn eines neuen Projektes auch schon das Gefühl, Du würdest Deiner Leidenschaft folgen. Du beginnst frohen Mutes und bist begeistert. Doch irgendwann wird es anstrengend und die Dinge machen irgendwie nicht mehr so viel Spaß wie am Anfang.

Wenn wir dem Leidenschafts-Mythos aufsitzen, ist das Scheitern nun vorprogrammiert. Denn eigentlich sollte ja alles locker flockig laufen und Spaß machen. Ist das hingegen dann mal nicht der Fall, so kann es sich ja auch nicht um die echte, eigene Leidenschaft handeln und die Suche geht von vorne los – logisch!

Und so kann es passieren, dass wir immer wieder von der einen Sache zur nächsten springen.

Genau so ging es Eddy am Anfang seines Unternehmertums. Er hat dann immer wieder Projekte abgebrochen, wenn es unangenehm wurde, und sich etwas Neues gesucht.

Das erste große Problem ist: Viele Leute wissen gar nicht, was ihre Leidenschaft ist, geschweige denn, wie sie sie finden könnten.

Außerdem können wir nicht davon ausgehen, dass das, was unsere Leidenschaft ist, uns auch Geld bringt.

Wenn Deine große Leidenschaft zum Beispiel im Schauspiel, Singen, Zeichnen oder generell künstlerischen Tätigkeiten liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, damit ordentlich Geld zu verdienen, nicht sonderlich hoch.

Schauen wir zum Beispiel mal auf das Durchschnittseinkommen von Musikern in Deutschland. Damit wohlhabend zu werden, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Das heißt nicht, dass das unmöglich ist, aber die Statistik ist da definitiv nicht auf Deiner Seite. Da kommt es nicht von ungefähr, dass viele Künstler oft noch einen Nebenjob oder sogar einen anderen Hauptjob brauchen.

Besser wäre es aus unserer Sicht, zu schauen, was Geld bringt und einem einigermaßen liegt und das dann zu seiner Leidenschaft werden zu lassen.

Denn wie Cal Newport in seinem Buch „So Good They Can’t Ignore You„* ausführlich darlegt:

Seine Leidenschaft zu finden braucht richtig viel Zeit. Du kannst nicht irgendwelche Bücher lesen oder mal einen einstündigen Workshop machen und dann mit Deiner neuen Leidenschaft nach Hause gehen, sorry.

Denn eigentlich findet man seine Leidenschaft nicht, sondern die Leidenschaft kommt zu einem. Das ist nix Spirituelles – Du musst die Leidenschaft nicht beim Universum bestellen, sondern sie ist ein Nebeneffekt und entsteht, wenn Du eine Tätigkeit meisterst.

Einen ähnlichen Effekt sehen wir regelmäßig bei einigen unserer Kurs-Teilnehmer. Erst haben sie keine rechte Lust auf Finanzen und sobald sie einmal im Thema drin sind, entsteht langsam eine gewisse Leidenschaft:

“Ich hätte nie gedacht, dass mir Finanzen Spaß machen könnten. Und jetzt lese ich in der S-Bahn dauernd Finanzbücher. Ich erkenne mich nicht wieder.”

Also „Folge Deiner Leidenschaft und das Geld kommt von alleine“ klingt schön, ist aber wenig realistisch und der Glaube daran macht Dich tendenziell eher unzufriedener, da Enttäuschungen so am laufenden Bande vorprogrammiert sind.

Neben weit verbreiteten Finanztipps, die Dir teilweise sogar schaden, gibt es aber auch extrem nützliche. Einige, von denen Du wahrscheinlich noch nicht gehört hast, findest Du in diesem Post.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 26. April, 2023
LETZTE AKTUALISIERUNG: 11. Dezember, 2023
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