„Was haltet ihr von Robo-Advisorn? Gibt es einen Vorteil gegenüber meiner bisherigen Strategie in einen ETF (aus Industrie und Schwellenländern) zu investieren?“
Diese Frage haben wir aus der Community erhalten. Falls Du auch eine Frage an uns hast, kannst Du sie auf hier einreichen.
Was macht ein Robo-Advisor?
Ein guter Robo-Advisor macht von der Strategie her genau das, was wir den ganzen Tag lang rauf und runter empfehlen: in globale ETFs investieren. Das machst Du anscheinend ja auch.
Als Vorteile werden oft drei Punkte genannt:
- Erstens der einfache Einstieg: Du musst Dich nicht um die genaue Auswahl der ETFs kümmern, denn der Robo übernimmt das alles für Dich nach festgelegten Regeln.
- Zweitens die psychologische Entlastung: Gerade in Krisenzeiten fällt es vielen schwer, ruhig zu bleiben, und ein Robo schützt Dich vermeintlich vor impulsiven Handlungen.
- Drittens das vorgefertigte Risikoprofil: Viele Robos ermitteln Dein Risikoprofil über einen kurzen Fragebogen, was auf den ersten Blick sinnvoll wirkt, da Du eine Strategie bekommst, die angeblich genau zu Dir passt.
Die genannten Punkte klingen erstmal nach großen Vorteilen, sind es aus unserer Sicht aber nur auf den ersten Blick.
Die Nachteile von Robo-Advisors
Der erste große Nachteil sind die Kosten. Robo-Advisors verlangen zusätzliche Gebühren von etwa 0,4 bis 1,0 Prozent jährlich, und zwar zusätzlich zu den Kosten des ETFs selbst. Das klingt wenig, frisst aber langfristig einen deutlichen Teil der Rendite auf – ohne irgendeine Outperformance. Da kommen gerne mal Beträge im fünfstelligen Bereich bei einer langfristigen Anlagedauer zustande, die Du Dir sparen könntest, wenn Du einfach selbst die Altersvorsorge in die Hand nimmst.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das: Angenommen, Deine eigenen ETFs kosten 0,15 Prozent pro Jahr und Dein Robo berechnet insgesamt 0,7 Prozent. Wenn Du 300 Euro monatlich über 30 Jahre bei einer typischen Durchschnittsrendite anlegst, macht das einen Unterschied von fast 43.000 Euro, die Dir am Ende fehlen.
Ein weiterer Nachteil, der oft als Vorteil genannt wird, sind die standardisierten Lösungen. Viele Robos arbeiten mit vorgefertigten Risikoprofilen, was bequem ist und wie ein Vorteil erscheint. Das Problem dabei: Diese Profile basieren oft auf subjektiven Einschätzungen, zum Beispiel wie wohl Du Dich mit Schwankungen fühlst. Wer sich noch nie mit Geldanlage beschäftigt hat, kann das jedoch kaum realistisch beantworten. Außerdem gehen diese Profile nicht individuell auf Deine Lebenssituation ein.
Wir halten ehrlicherweise nichts von diesen pauschalen Risikoprofilen, weil sie stark von Deinem Wissensstand beeinflusst werden. Je mehr Du weißt, desto mehr Risiko kannst Du bei langer Anlagedauer eingehen – Du musst dann nur gut schlafen können. Außerdem verändert sich Dein Risikoprofil auf dem Weg Richtung Renteneintritt und in der Rente selbst. Es ist also sehr dynamisch, denn später geht es nicht mehr nur ums gut schlafen können, sondern auch darum, schwankungsärmer anzulegen, um Risiken in der Entnahmephase zu reduzieren. Da hilft dann auch der Robo nicht, weil man das eben selbst beurteilen muss. Gerade bei Fragen wie „Wann beginne ich, risikoärmer anzulegen?“ oder „Was sind geeignete risikoarme Bausteine?“ ist man mit einem standardisierten Profil oft allein.
Robo-Advisors sind kein Ersatz für Finanzbildung
Und damit kommen wir zum größten Problem: Robo-Advisors sind kein Ersatz für Finanzbildung. Denn Du gibst die Verantwortung ab und verstehst oft nicht genau, wie Dein Geld angelegt ist.
Und das ist verheerend. Robos bieten keine Antwort auf wichtige Fragen: Wie viel musst Du eigentlich investieren, damit es später reicht? Hast Du genug Vertrauen in Deine Strategie und investierst ausreichend hohe Summen? Wenn man es nicht richtig versteht, ist man meist zu vorsichtig. Solltest Du Dein Portfolio anpassen, wenn die Rente naht, und wenn ja, wie? Das hatten wir ja gerade – man muss das selbst einschätzen können. Hast Du genug Hintergrundwissen, um Krisen gut auszuhalten?
Viele glauben, der Robo schützt automatisch vor Panikverkäufen. Aber Du kannst Dein Depot dort genauso schnell liquidieren wie bei einem normalen Broker. Man braucht also rudimentäre Bildung, um Krisen gut aushalten zu können, sonst drohen Panikverkäufe. Oder Du überlegst, zumindest wieder alles auf Eis zu legen und zu hinterfragen, weil Dein Depot in den ersten Monaten oder Jahren im Minus ist. Das ist ein Problem bei beiden Anlageformen, mit und ohne Robo.
In unserem Artikel Studie: Finger weg von diesen ETFs! wird die Frage aufgeworfen, ob es Sinn macht, auf gehypte ETFs einzugehen. Viele Robos empfehlen nämlich auch Trend-ETFs. Spoiler: Wir halten von solchen Trend-ETFs wenig – und es ist wichtig, genau hinzuschauen, wenn Robos solche Produkte vorschlagen.
Fazit: Lohnt sich ein Robo-Advisor für die Geldanlage?
Wenn Du eh schon selbst anlegst, stellt sich eher die Frage: Welchen konkreten Mehrwert bietet Dir ein Robo in Deiner Situation – und ob Dir dieser den Aufpreis wert ist. Wer mit dem Thema partout nichts zu tun haben will, für den ist ein Robo immer noch eine sinnvolle Alternative, denn das ist besser, als gar nicht zu investieren.
Aus unserer Sicht sind Robo-Advisors in den allermeisten Fällen kostengünstiger und transparenter als traditionelle Vorsorgeprodukte wie Riester, Rürup oder private Rentenversicherungen – besonders wenn man auf langfristige Rendite achtet.
Aber jeder muss selbst einmal die paar Aspekte verstehen, die wichtig sind. Das ist nicht viel, aber sehr entscheidend für unsere finanzielle Zukunft. Und diese Grundlagen entscheiden auch darüber, ob Du Frieden mit dem Thema schließen kannst oder Unsicherheiten fortbestehen.
Gleichzeitig: Keine Sorge, dass das „ETF-Lernen“ ein Studium ist. Wenn Du im Schnitt pro Woche eine Stunde abzwacken kannst, kannst Du in Deinem Alltag alles aufsetzen und bist in grob sechs Wochen fertig – so unser Erfahrungswert nach 10 Jahren LazyInvestors.
Wenn Du nun endlich mit dem Investieren in ETFs durchstarten und konkret wissen willst, wie Du Schritt für Schritt vorgehst, dann komm in unser kostenloses Webinar.
Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
