Ich investiere seit über zehn Jahren in ETFs. Hat es sich gelohnt? Das und meine größten Learnings schauen wir uns jetzt mal genauer an.
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Wie ich zu ETFs kam
Als ich mit Anfang 30 gerade meine Promotion fertig hatte, hatte ich ehrlich gesagt: nichts. Keine Rücklagen, keine Altersvorsorge, nichts geregelt. Ich hab nebenbei halbtags gearbeitet, aber von dem Geld ging einfach alles für den Alltag drauf.
Mir war aber schon klar, dass ich später nicht von der gesetzlichen Rente leben kann. Also hab ich das gemacht, was fast jeder macht: Ich hab mir einen „Finanzberater“ eingeladen. Das war jemand von einer großen, anbieterunabhängigen Finanz- und Versicherungsverwaltung, die mir empfohlen wurde.
Der Berater und ich saßen bei mir am Küchentisch, und am Ende hab ich dann den Vertrag für eine private Rentenversicherung unterschrieben.
Aber irgendwie war mir richtig unwohl damit. Ich hatte ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium und trotzdem hab ich den Vertrag nicht ansatzweise geblickt. Alles war unübersichtlich, die Kosten nicht nachvollziehbar und die Renditebeispiele völlig aus der Luft gegriffen. Der Berater wollte, dass ich die schätze, nach dem Motto „Frau Terschüren, was denken sie denn, sind Renditen, mit denen wir hier die Beispiele rechnen sollten. Vielleicht 3, 6 und 9 Prozent?“. Das war echt absurd. Und für eine Rentenversicherung sowieso völlig unrealistisch, wie ich mittlerweile weiß.
Aber zufälligerweise hat mir mein Bruder in einem Telefonat kurz darauf erzählt, wie er seine Altersvorsorge regelt – ohne Versicherungsprodukte. Und da wurde ich hellhörig. Zum Glück war ich noch in der Widerrufsfrist und hab erstmal den Vertrag zurückgezogen.
Dann hab ich den Klassiker „Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs“ von Gerd Kommer und zwei Blogs zum Thema gelesen. So viel mehr gab es damals auch gar nicht – zumindest nicht im deutschsprachigen Raum.
Basierend auf dem, was ich gelesen hab und auf dem Austausch eben mit meinem Bruder, hab ich mir ein ETF-Portfolio gebaut, was im Grunde eine Mischung aus den Quellen war.
Mein erstes Depot: zu kompliziert
Mein Portfolio war damals auch ziemlich groß, so ca. acht ETFs. Ich hab zum Beispiel selbst die einzelnen Regionen wie USA, Europa und Asien durch einzelne ETFs abgebildet und auch nochmal unterschieden nach ETFs mit etablierten, alteingesessenen Unternehmen vs. wachstumsstarken Firmen und so weiter.
Auch damals gab es eigentlich schon große, globale Aktien-ETFs, die im Grunde alles beinhalten. Aber mir ging es genauso, wie uns auch heute immer wieder Leute schreiben: Ich konnte schlichtweg nicht glauben, dass ein bis zwei ETFs reichen sollen, sondern wollte ja auch das Maximale an Gewinnen rausholen und ein „fortgeschrittenes“ Portfolio haben.
Darum hatten die meisten meiner ETFs auch den Fokus auf hohe Ausschüttungen. Sowas sind zum Beispiel ETFs mit Aktien von Unternehmen, die besonders hohe Dividenden auszahlen, oder Anleihen, die einen besonders hohen Zins bringen. Im Fachjargon nennt man diese auch hochausschüttende ETFs. Dahinter steckte natürlich der Wunsch, mir schnell ein schönes passives Einkommen aufzubauen.
Doch nach und nach wurde mir klar, dass hochausschüttende ETFs keine gute Strategie sind. Denn damit wird man – ganz vereinfacht zusammengefasst – ein niedrigeres Gesamtvermögen haben und geht gleichzeitig mehr Risiko ein, weil man nicht so breit investiert wie mit „normalen“ ETFs.
Falls Dich das Thema näher interessiert, schau Dir mal unseren Blogpost hierzu an.
So, nach einem Brokerwechsel hab ich dann die Chance genutzt, mal aufzuräumen. Ich hab die meisten ETFs verkauft und mein Portfolio radikal verschlankt. Heute hab ich nur noch zwei ETFs: Einen auf den MSCI World und einen auf den MSCI Emerging Markets. Fertig.
Vielleicht fragst Du Dich jetzt, wie viel Zeit ich eigentlich mit dem Thema verbringe?
Wie viel Aufwand ist das eigentlich?
Ich schaue vielleicht fünf Minuten im Monat in mein ETF-Depot, weil ich dann nachkaufe. Wenn ich einen Sparplan hätte, würde ich wahrscheinlich nicht mal das machen, sondern einfach nur einmal im Jahr kurz reinschauen.
Es ist wirklich super pflegeleicht. Einmal aufgesetzt, läuft der Hase.
Aber: Am Anfang muss man sich einmal rudimentär mit dem Thema auseinandersetzen. Der Wartungsaufwand ist zwar super gering, aber ohne die Grundkenntnisse geht es einfach nicht, weil es viel zu gefährlich ist, sonst, beispielsweise in Krisen, von seiner wohlüberlegten Strategie abzuweichen.
Warum Grundwissen entscheidend ist
Ich hab mir damals ja unheimlich viel angelesen. Nicht, weil ich es musste – sondern weil ich’s wissen wollte. Und das war im Nachhinein eine der besten Entscheidungen.
Denn wer sich auskennt, bleibt ruhig – auch wenn’s an der Börse in den Keller geht. Corona, Trump-Crash – das war für mich alles kein Problem. Aber wenn man sich nicht auskennt, dann fängt man schnell an, Panikverkäufe zu tätigen, Branchenwetten einzugehen oder den falschen “Experten” hinterherzulaufen.
Das sehen wir ständig bei Leuten, die uns schreiben: Sie haben es eigentlich geschafft, sich ein ordentliches Weltportfolio zu bauen – und machen es dann wieder kaputt, weil sie keinen Kurseinbruch von 10 Prozent aushalten.
Das ist übrigens auch total verständlich, weil wir alle von den Nachrichten so aufgepeitscht werden und Angst bekommen, unser Geld zu verlieren. Und genau hier ist es so wichtig, rauszuzoomen und auf die 120 Jahre Börsengeschichte zu schauen, in der wir schon ganz andere Krisen überstanden haben.
Genau das meine ich mit „Grundwissen“.
Übrigens, falls Du den Einstieg in das Thema ETF-Investieren suchst und Fehler von vornherein vermeiden willst, dann schau Dir mal unser kostenloses Webinar hier an. Darin erklären wir Dir, worauf es wirklich bei der Anlage in ETFs ankommt.
Was ich heute anders machen würde
Also, ich fasse mal zusammen, ein paar Sachen würde ich aus heutiger Sicht definitiv anders machen:
- Ich würde von Anfang an auf ein simples Weltportfolio setzen.
- Ich würde thesaurierend investieren und die Finger von Dividenden-ETFs und Co. lassen.
- Und mir immer wieder klar machen, dass einfach viel besser als kompliziert ist.
Was wirklich den Unterschied macht
Das Ding ist sowieso: In ETFs zu investieren wird Dich mit hoher Wahrscheinlichkeit alleine nicht reich machen. Zumindest nicht, wenn Du nicht auch viel einzahlst. Die Rendite ist nur der Verstärker – nicht der Hauptmotor.
Wenn Du 2.000 Euro investierst, sind 20 % Rendite halt auch nur 400 Euro.
Richtig viel Vermögen baust Du erst dann auf, wenn Du regelmäßig große Beträge investierst. Und dafür brauchst Du ein gutes Einkommen. Aber mit einer hohen Sparquote kommst Du ziemlich schnell in die finanzielle Unabhängigkeit.
Ich hab meistens eine Sparquote von rund 50-70% und gerade deswegen ein ordentliches Vermögen – die Renditen sind nur die Sahnehaube.
Hat es sich also gelohnt?
Also haben sich meine ETF-Investments gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Ich hab die finanzielle Unabhängigkeit erreicht – und das, obwohl ich anfänglich suboptimal angelegt und einige Fehler gemacht hab.
Mittlerweile ist das Thema für mich erledigt und ich habe noch nie erlebt, dass ich grundlegend am ETF-Investieren zweifele. Klar kommen mal kleine Unsicherheiten auf, aber dann belese ich mich entsprechend und schließe die Wissenslücken, die mir auffallen.
Und das Beste ist: Das Ganze geht mit einem super einfachen Depot. Du brauchst kein Studium, keine ausgefallenen Strategien, keine zehn ETFs. Du musst nur anfangen – und dann dranbleiben.
Viele wollen an der Stelle immer direkt eine konkrete Rendite hören – 5, 10, 20%. Aber ich habe mittlerweile nach so vielen dieser Fragen die Erfahrung gemacht, dass es schlecht ist, hier eine genaue Zahl zu nennen.
So wird ständig verglichen, regelmäßig ins Depot geschaut und man wird unweigerlich durch kurzfristige Kursentwicklungen beeinflusst. Das ist gerade für Anfänger total gefährlich:
Sie glauben dann vielleicht, dass sie zum falschen Zeitpunkt eingestiegen sind, weil sie eigentlich viel mehr im Depot haben sollten. Oder sie versuchen ständig, irgendeine Rendite zu übertreffen und landen beim Zocken statt nachhaltigem Investieren.
So ein Vergleich kann also unrealistische Renditeerwartungen kreieren – oder sogar als falsches Renditeversprechen verstanden werden. Und das möchte ich nicht.
Stattdessen empfehle ich einfach, statistische Durchschnittswerte anzuschauen. Zum Beispiel, dass ein normales Weltportfolio langfristig mit Blick auf historische Daten im Schnitt 7-8% bzw. unter Berücksichtigung der Inflation 5-6% Rendite bringt.
Das ist viel aussagekräftiger als mein doch vergleichsweise kurzfristiger, persönlicher Verlauf. Auch, wenn er – wie bei vielen – nicht perfekt, aber dennoch sehr, sehr positiv war.
Von meinen Fehlern hab ich hier ja gerade erzählt. Es gibt allerdings noch weitere, die man beim Investieren in ETFs machen kann und die dafür sorgen, dass sich am Ende unser Geld nicht vermehrt, sondern sogar nur ein Bruchteil von dem übrig ist, was wir investiert haben.
Welche Fehler das sind und wie Du Dich davor schützen kannst, darum geht es in diesem Blogpost.

