Warum Dein ETF-Depot NICHT reichen wird

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Dein ETF-Depot wird nicht reichen. Aber nicht, weil Du zu wenig investierst, sondern weil Du es isoliert betrachtest. Und dieser eine Denkfehler kostet Dich über die Jahre zehntausende Euro Rendite. Denn Dein Depot ist nur ein Teil Deines Vermögens, und wer das nicht sieht, verteilt alles falsch.

Wir schauen uns heute an, warum Dein ETF-Depot in Wirklichkeit nicht das ist, was Du denkst, und wie Du das Ganze richtig aufteilst, wenn Du endlich das gesamte Bild siehst.

„Warum schaut bei der Vermögensaufteilung eigentlich jeder nur aufs Depot? Müsste man nicht auch die gesetzliche Rente, die betriebliche Altersvorsorge oder eine eigene Immobilie mit einbeziehen?“ – Carsten

Und da trifft er einen super wichtigen Punkt: Die meisten achten nämlich nur auf ihr Depot und ihr Tagesgeld, wenn sie über ihre Vermögensaufteilung reden, und werfen dann mit Zahlen wie 60/40 oder 50/50 um sich, also „60% Aktien, 40% Anleihen“ oder sowas. Das ist aber nur die halbe Miete.

Gerd Kommer, den wir ja mega schätzen, sagt dazu ganz klar: Richtig investieren heißt, sein Vermögen ganzheitlich zu betrachten, also nicht nur das, was auf dem Depot liegt, sondern alles, was wir an Vermögenswerten haben.

Und das machen wir heute auch mal, allerdings etwas praktischer als Kommer in seinen Büchern, nämlich mit einer ganz einfachen Frage: Was kommt im Alter rein, was geht raus, und was fehlt?

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Was gehört denn da alles zu unserem Vermögen, was die meisten gar nicht auf dem Schirm haben?

Fangen wir mit dem größten Posten an, den kaum jemand beachtet: unserem Humankapital.

Das ist im Grunde all das Geld, das wir in unserem restlichen Berufsleben noch verdienen werden. Und das ist bei den meisten Menschen der mit Abstand größte Vermögenswert, und trotzdem taucht er natürlich in keinem Depot auf.

Ein Beispiel: Wer noch 25 Jahre arbeitet und im Schnitt 3.000 Euro netto verdient, kommt auf rund 900.000 Euro Humankapital, und das ohne Gehaltssteigerungen. Das ist deutlich mehr als die meisten auf dem Depot haben.

Klar ist das nicht total sicher, denn es kann auch immer sein, dass wir unseren Job verlieren, unsere Branche bergab geht oder was auch immer. Aber das zeigt erstmal das Potential, was wir noch erwirtschaften können, und bedeutet konkret:

Wenn die Rente noch lange hin ist, kann ich mit einem sehr hohen Aktienanteil an den Start gehen. Denn ich brauche das Geld ja nicht, was auf dem Depot ist, sondern kann einfach durch mein Einkommen meinen Lebensunterhalt bestreiten. Es gibt also in der Zeit vor der Rente genau genommen eine sehr hohe, reale Risikotragfähigkeit bei den meisten von uns.

Was ist eigentlich mit der gesetzlichen Rente, ist die auch Teil von unserem Vermögen?

Absolut, und auch das ist ein Baustein, der in keinem Depot auftaucht, aber trotzdem einen echten Wert hat. Die gesetzliche Rente ist erstmal risikoarm und liquide, denn sie kommt im Alter zuverlässig jeden Monat aufs Konto.

Dann gibt es noch die betriebliche Altersvorsorge, Riester, Rürup und private Rentenversicherungen. Wer sowas hat, kann das auch dazuzählen, aber Achtung: Da sind nur die Garantieanteile weitestgehend sicher.

Viele dieser Produkte haben ja auch einen fondsgebundenen Teil, der schwanken kann oder irgendwelche Hintertüren, also da muss man genau hinschauen, was davon tatsächlich garantiert ist. Aber die garantierten Teile sind eben auch sichere Bausteine, die viele komplett vergessen, wenn sie über ihre Portfolio-Aufteilung nachdenken.

Und was ist mit einer selbstgenutzten Immobilie? Ist die eher sicher oder riskant, wenn man die als Vermögenswert sieht?

Da würde ich sagen: Es kommt drauf an, was man damit vorhat.

Denn eine Immobilie mit Blick auf ihren Wert hat ein hohes Klumpenrisiko. Sie ist ja ein einziges, teures Objekt an einem einzigen Standort, und das ist ganz anders als weltweit diversifizierte Aktien-ETFs, die ja für die Altersvorsorge von allen seriösen Experten empfohlen werden.

Und eine Immobilie ist super illiquide, man kann sie nicht entsparen. Wenn wir im Alter Geld brauchen, können wir schlecht die Küche oder ein Kinderzimmer verkaufen.

Aber auf der anderen Seite sparen wir uns die Miete, und dementsprechend haben wir geringere Ausgaben im Alter. Das heißt, unsere Rentenlücke wird dadurch kleiner.

Wie meinst Du das genau, die Rentenlücke wird kleiner durch die Immobilie?

Also, das ist jetzt ganz wichtig: Die meisten reden von der Rentenlücke und meinen das, was später an Einkommen fehlt. Das ist aber überhaupt nicht hilfreich. Denn um zu beurteilen, wie viel uns später fehlt, müssen wir ja wissen, welche Ausgaben wir haben.

Es kann ja sein, dass ich total viel verdiene und das nicht mal ansatzweise brauche. Dann habe ich vielleicht eine hohe Rentenlücke mit Blick auf meine Einnahmen, aber es macht ja gar keinen Sinn, diese zu schließen, wenn ich das Geld nicht brauche.

Also heißt Rentenlücke bei uns nicht einfach letztes Gehalt minus Rente, sondern: Was brauche ich tatsächlich an Ausgaben im Alter, und wie viel davon deckt mein Renteneinkommen ab? Also Ausgaben minus Renteneinkommen, das ist die echte Lücke, die wir schließen müssen, und darum sollten wir immer mit dieser rechnen. Das macht es auch viel leichter, seine gesamten Vermögenswerte einzusortieren, also unter diesem Blickwinkel.

Und damit zurück zur selbstgenutzten Immobilie: Mietfrei wohnen reduziert unsere echte Rentenlücke, aber wir brauchen daneben genug liquides Vermögen, um unseren Alltag finanzieren zu können.

Darum ist die Frage nach dem Risiko bei der Immobilie gar nicht so entscheidend, sondern: Wenn wir planen, darin wohnen zu bleiben, haben wir kleinere Ausgaben, brauchen aber nebenbei genug Liquidität; es gibt ja auch noch Instandhaltungskosten und so weiter.

Aber wenn wir sie später verkaufen wollen, müssen wir mit deutlichen Wertschwankungen rechnen, und dann ist sie definitiv risikoreicher, als die meisten glauben. Gerade wenn unter Zeitdruck verkauft werden muss, kann das ganz doll nach hinten losgehen, und dann steht man mit deutlich weniger aus dem Verkauf da als gedacht.

Ok, wie sortieren wir das jetzt alles ein?

Im Grunde gibt es zwei einfache Fragen.

Erstens: Was habe ich später schätzungsweise für Ausgaben? Zweitens: Was landet später tatsächlich auf meinem Konto?

Und genau die Differenz, also das, was wir brauchen minus das, was reinkommt, ist unsere echte Rentenlücke, und die müssen wir stopfen, zum Beispiel mit einem ETF-Depot.

Ein Beispiel: Jemand braucht 2.500 Euro im Monat, bekommt 1.200 aus der GRV und 300 aus der bAV garantiert, dann fehlen 1.000 Euro. Das ist die Lücke, und je nach Größe dieser Lücke entscheidet sich, wie unser ETF-Portfolio aussehen muss.

Alle anderen Vermögenswerte sortieren sich also in den beiden Fragen oben ein: entweder weil sie unsere Ausgaben reduzieren, weil wir zum Beispiel keine Miete zahlen, aber Achtung, Instandhaltungskosten etc. nicht vergessen, oder weil sie später liquide Mittel reinbringen.

Das macht Sinn, aber was heißt das jetzt konkret für unser Portfolio?

Wenn wir die Einkünfte für später mal zusammenzählen, also GRV, Garantieanteile aus bAV und Co., dann haben wir oft schon einen ordentlichen Vermögensblock, der nicht im ETF-Depot liegt.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt, und zwar in zwei Phasen:

Solange wir noch arbeiten und sparen, müssen wir im Depot genug Risiko eingehen, sonst holen wir einfach nicht genug Rendite raus und das Depot reicht am Ende nicht. Das gilt eigentlich für alle, egal ob große oder kleine Rentenlücke. Wer eine große Lücke hat, muss aber sogar besonders viel in Aktien-ETFs investieren, weil es sonst unmöglich wird, die Lücke überhaupt zu schließen.

Aber Achtung: Das geht nur, wenn man das Grundlagenwissen richtig drauf hat. Denn wenn man sich seiner Sache nicht sicher ist und bei der ersten Krise in Panik gerät und sein Depot auflöst, hat man gar nichts gewonnen, sondern Geld verloren. Darum kann man den Zeitraum nur richtig ausnutzen und risikoreich anlegen, wenn man die Basics draufhat.

Wenn Du Dir das notwendige Grundlagenwissen übrigens schnellstmöglich draufschaffen willst, dann schau Dir mal unser Webinar an.

Wenn wir dann in Rente gehen, dreht sich das: Dann müssen wir Risiko reduzieren, weil wir ja jetzt aus dem Depot entnehmen und darauf angewiesen sind.

Falls Dich das Thema näher interessiert, lies in unserem Artikel ETF-Auszahlung und Entnahme – Das solltest Du wissen, BEVOR Du verkaufst.

Also, ich kann ja nochmal zusammenfassen, worauf wir mit dieser Folge hinauswollen: Das Depot wird ganz oft nicht reichen, weil die Leute viel zu sicherheitsbedürftig anlegen, wenn sie nicht ihre ganzen anderen Vermögenswerte auf dem Schirm haben.

Wer die ignoriert und sich nur aufs Depot versteift, hält in der Ansparphase entweder zu viel auf dem Tagesgeld oder parkt zu viel in Anleihen-ETFs. In beiden Fällen verschenkt man Rendite, und das kann bedeuten, im Alter den Lebensstandard nicht halten zu können, die Reisen streichen zu müssen oder eben doch bis 67 durchzuziehen statt mit 63 aufzuhören.

Reichen wird es erst, wenn Du es zusammen mit allem anderen im Gesamtbild siehst. Also wenn Du einmal weißt, was Du alles hast, und dann erkennst, wie renditestark Du anlegen musst, um genug Vermögen aufzubauen. Aber der allererste Schritt dafür ist, die eigene Rentenlücke überhaupt zu kennen.

Und genau dafür haben wir unseren Rentenplaner gebaut. Damit kannst Du Deine echte Rentenlücke ermitteln, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Rente, betrieblichen Altersvorsorge, Riester, Rürup und allem, was Du sonst noch hast, und der rechnet Dir dann aus, wie viel Du in ETFs investieren musst, um die Lücke zu schließen, also genau das, was Carsten sich wünscht: eine vollständige Betrachtung.


Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 20. Juli 2026
LETZTE AKTUALISIERUNG: 29. Juli 2026
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