Wie unsere Gesellschaft funktioniert

Einer unserer absoluten Lieblings-Blogger, Tim Urban, hat auf seinem Blog „Wait But Why“ mal wieder einen Knaller rausgehauen: Eine Blogserie darüber, wie unsere Gesellschaft funktioniert.

Die Posts haben uns so sehr beeindruckt, dass wir unbedingt die bisherigen Erkenntnisse mit Dir teilen möchten. Doch bevor es um die Gesellschaft geht, müssen wir erst einmal auf den einzelnen Menschen schauen. Und das einzelne Gehirn.

Du kennst bestimmt den inneren Konflikt am Kuchenbuffet. Die eine Stimme in Dir möchte unbedingt, dass Du Dir noch ein drittes Stück reinpfeifst. Der Kuchen ist ja so lecker, also her damit! Eine andere Stimme in Dir mahnt zur Vernunft: Wenn Du mehr isst, wird Dir vermutlich übel.

Je nachdem, wie es um Deine Disziplin steht und wie sehr Du heute schon Deinen Willenskraft-Muskel beansprucht hast, wirst Du entweder Deinem Trieb nachgeben und weiter essen oder Deine weise Vorausschau siegen lassen und aufhören.

Das Beispiel soll illustrieren, was uns eigentlich am laufenden Bande passiert: Dein primitives Steinzeithirn will etwas anderes als Dein höheres Bewusstsein. Warum eigentlich?

Dein Steinzeithirn ist – simpel ausgedrückt – mit der rasanten Entwicklung der Menschheit einfach mal Null mitgekommen. Es denkt immer noch, dass wir in Höhlen leben und täglich ums Überleben kämpfen.

Die zusätzliche Energie durch den Kuchen kommt uns da gerade gelegen, denn wer weiß, wann es wieder etwas gibt?!

Dein Bewusstsein hingegen sorgt dafür, dass Du vernünftig sein kannst und Empathie sowie Vorstellungsvermögen besitzt. Es kann in die Vogelperspektive gehen und einen kritischen Blick auf Dein Ich werfen. Es kennt Vergangenheit und Zukunft. Und kann somit zwischen verschiedenen mittelbaren Konsequenzen abwägen.

Dein Steinzeithirn hingegen kennt nur unmittelbare Konsequenzen. Es ist aber elementar, sich spätere Konsequenzen zweiter und dritter Art vor Augen führen zu können, um ein verantwortungsvolles und somit auch dauerhaft zufriedenes Leben zu führen.

Je nachdem, inwieweit Du durch Reflektion und Lernen immer mehr dazu kommst, Dein Bewusstsein Entscheidungen fällen zu lassen, wirst Du Dich also weniger “ferngesteuert” fühlen.

Und das führt im Allgemeinen zu Deinem persönlichen Wachstum und Fortschritt.

Soviel zum Individuum. Diese Phänomene kann man aber auch beobachten, wenn sich mehrere Menschen zusammentun.

Findet sich eine Gruppe von Leuten, die es schafft, ihr Bewusstsein bestimmen zu lassen, wie die Kommunikation so läuft, wird diese Gruppe nach der Wahrheit suchen. Wie ein Wissenschaftler.

Das bedeutet, dass eine offene Diskussion stattfinden kann und sich niemand davon verletzt fühlt, wenn jemand einen anderen Standpunkt vertritt. Denn die Gruppe will weiterkommen und sucht nach echten Ergebnissen anstelle nach Bestätigung der eigenen Meinung.

Vor kurzem haben wir mit Freunden eine sehr spannende Diskussion darüber geführt, wie viel bzw. wenig Staat und Regulierung gut für den Menschen ist. Dabei diskutierten wir beispielsweise, ob die staatliche Förderung von Kultur nicht komplett abgeschafft werden sollte.

Unter uns war ein großer Opern-Fan. Aber sie fühlte sich nicht angegriffen, sondern erläuterte, warum eine Subvention doch im Sinne des Gemeinwohls sein könnte, während andere von uns das ganz anders sehen und davon ausgehen, dass jeder für seine Unterhaltung selbst zahlen und der Markt regeln soll, welche Angebote fortbestehen.

Warum konnten wir so frei alle möglichen Standpunkte diskutieren? Weil sich jeder von uns völlig bewusst war, die Wahrheit eben nicht zu wissen, sondern unsere Theorien und Vorschläge als zu überprüfende Arbeitsthesen sahen.

Wir waren gemeinsam auf der Suche nach dem besten Ergebnis und jeder war bereit, seinen Standpunkt zu ändern, wenn ein anderer eine “glaubwürdigere” These zu bieten hat.

Hach, das war ein toller Abend!

Meist läuft es aber leider nicht so. Denn in den meisten Gruppen, die zusammenfinden, hat das Steinzeithirn das Sagen. Dort geht es nicht darum, Thesen zu überprüfen, sondern eine gemeinsame Meinung zu vertreten. Denn das verbindet und gibt dem Steinzeithirn Sicherheit.

Leider führt dies unter anderem dazu, dass Tabus entstehen. Denn einige Dinge dürfen nicht ausgesprochen werden. Passiert das doch, wird man unmittelbar durch Ablehnung und – im schlimmsten Falle – durch Ausschluss aus der Gruppe sanktioniert.

Es besteht also nicht der Wille, gemeinsam neue Erkenntnisse zu erlangen, sondern das Gemeinschaftsgefühl zu sichern und somit die Basis nicht anzugreifen, die meist auf einem gemeinsamen Glauben fußt:

In welcher christlichen Glaubensgemeinschaft wird versucht, die Bibel zu falsifizieren? Welcher Mensch traut sich in einer Runde von St.Pauli-Fans in Frage zu stellen, ob der HSV nicht der bessere Verein ist?

In welcher linken Partei wird überlegt, ob nicht die rechten doch Recht haben könnten und umgekehrt? Wer traut sich, zu diskutieren, ob man mit Blick auf den Klimawandel überhaupt Kinder bekommen sollte, da sie viele Ressourcen verbrauchen werden?

Gemeinschaften, in denen Tabus vorherrschen (die oft gar nicht ausgesprochen werden müssen, sondern implizit bestehen), sind nicht auf der Suche nach Wachstum, sondern Selbstbestätigung. Und besonders schade: Sie führen zu Abgrenzung. Wir gegen die.

Uns macht das oft traurig und wir fühlen uns unwohl, wenn wir unsere Standpunkte und Arbeitsthesen nicht frei diskutieren dürfen. Gesellschaftlich kommt man nur weiter, wenn man sich das traut. Zumindest war es in der Vergangenheit so:

Aufgrund mutiger Leute, die es gewagt haben, allgemeingültige Glaubenssätze und den gesellschaftlichen Konsens in Frage stellen, haben wir uns weiterentwickelt. Das führt nicht nur dazu, dass die Erde nicht mehr als Scheibe gilt, sondern zu mehr Frieden und Freiheit. Sonst würden wir uns immer noch die Köpfe einschlagen und hätten keine Verfassung.

Keine Frage – es spricht nichts dagegen, sich zwischenzeitlich den Freuden des Steinzeithirns voll und ganz zu widmen. Ob man seine Lieblings-Mannschaft anfeuert, die Buffet-Fräse spielt oder was auch immer.

Unseres Erachtens ist es aber elementar, dass wir uns trauen, alle Meinungen zuzulassen und zu diskutieren. Dabei ist entscheidend, dass man sich selbst immer wieder vergegenwärtigt, dass man im Grunde überhaupt keine Ahnung hat, lernen will und die “Wahrheit” herausfinden möchte. Auch, wenn sie erstmal unbequem ist.

Das war ein kurzer Ausflug in ein super komplexes Thema. Wen das näher interessiert und wer das richtig gut aufbereitet lesen will, der sollte sich unbedingt die Serie auf „Wait But Why“ reinziehen. Darin gibt es übrigens auch richtig viel zu lachen!






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