Das Leben genießen: 9 Tipps (Erfahrungsbericht)

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Frau hält Hand aus Auto - Lebensfreude

Kennste das?

Grundsätzlich ist alles in Ordnung, Dein Leben läuft, aber irgendwie fühlst Du Dich nicht so gut. Innen drin brodelt es, Du bist müde oder einfach frustriert. Doch das Gefühl ist zu subtil, um genauer hinzuschauen; es gibt viel zu tun und so verharrst Du – tagelang, wochenlang oder monatelang – in diesem rastlosen, unzufriedenen Zustand.

Manche verbringen ihr Leben in einem konstanten “muss ja” oder “wird schon” statt es mit allen Sinnen zu genießen. Das möchtest Du nicht? Dann finde zunächst heraus:

Was genau macht Dich unzufrieden?

Kannst Du identifizieren, wo Dein Störgefühl herkommt? Machst Du Dir Sorgen mit Blick auf die Zahnbehandlung nächste Woche? Bringt Dich vielleicht eine Person regelmäßig aus der Ruhe?

Wir schlagen vor: Mach Dir erst einmal bewusst, was vor sich geht. Und prüfe mal, ob Dir unsere Methoden helfen könnten.

Überfordere Dich nicht – schön eins nach dem anderen!

Vielleicht schaust Du zunächst, welches Thema Dich hier intuitiv am meisten anspricht, dann setze genau darauf den Fokus und übe Dich darin, den Trick in Dein Leben zu integrieren.

Weil wir selbst viele Sachen gleichzeitig verbessern wollten, haben wir früher oft gar nichts auf die Reihe bekommen. Nach unserer Erfahrung haben sich stetige, kleine Veränderungen massiv bewährt und rückblickend am allerbesten funktioniert, um die Lebensfreude zu steigern.

Die Zufriedenheit tritt im Leben nicht automatisch ein, sondern sie muss sich in der ständigen Auseinandersetzung mit der Unzufriedenheit behaupten. Wer in die totale Unzufriedenheit abgleitet, wird im Unglück enden. Letztlich wird derjenige Mensch eher zufrieden und glücklich werden, der es versteht, seine inneren Erfahrungen zu steuern bzw. zu kontrollieren und negative Erlebnisse positiv zu verarbeiten.

Wikipedia

Genau das gehen wir jetzt an! Hier kommen unsere neun besten Ideen, um das Leben mehr zu genießen.

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unsere Videos zum Thema an:

1. Übernimm die Verantwortung

Das Fundament für ein dauerhaft gutes Leben bildet die Eigenverantwortung. Nur, wenn Du selbst das Ruder in die Hand nimmst und es nicht äußeren Faktoren überlässt, wie Dein Leben verläuft, kannst Du Dich frei fühlen und innere Ruhe erlangen.

Checke also zunächst, ob Du diese Grundvoraussetzung bereits verinnerlicht hast oder hier erst einmal ansetzen solltest.

Denn eins ist sicher: Nicht die anderen sind schuld an Deinem Frust. Nicht Deine Freundin, der Staat, Deine Arbeit oder der Nachbar; auch nicht der Auftraggeber, der einfach nicht einsieht, dass Deine Leistung mehr wert ist, als er zahlen will. Oder Deine Chefin, die Dir immer mehr Arbeit auf den Tisch legt, als Du bewältigen kannst.

Du entscheidest Dich dafür, die Überstunden zu machen, um Deiner Chefin zu gefallen oder eine Dienstleistung anzubieten, die nicht genug gefragt ist, um hohe Preise aufzurufen. Du entscheidest Dich, eine Beziehung mit Person x zu führen und in der Stadt y zu leben.

Wir leben in einem solchen Luxus, dass wir konstant unsere Lebensentscheidungen neu treffen können und unbedingt müssen. Denn entscheidest Du nicht aktiv, kommst Du aus dem Agieren ins Reagieren und gibst das Ruder für Dein Leben aus der Hand.

Vermutlich fallen Dir gerade ganz viele Dinge in Deinem Leben ein, die Du vermeintlich nicht beeinflussen kannst. Aber ist das wirklich so? Oder möchtest Du nur den Preis nicht zahlen, Deine Umstände zu verändern?

Vielleicht hast Du Dir gerade ein Haus gekauft und nun merkst Du, dass Dein Nachbar den ganzen Tag laut Volksmusik hörst, so dass fast die Bilder bei Dir von der Wand kommen. Bald kennst Du nur noch ein Thema und erzählst auch Deinen Kollegen und Freunden den ganzen Tag von nichts anderem.

Sollte Dein Nachbar nicht zur Vernunft kommen, kannst Du wieder wegziehen. Ja, das kannst Du wirklich! Möglicherweise wird es teuer und umständlich, aber Du kannst darüber entscheiden, was Du tust. Und Du entscheidest selbst, in der Situation zu verharren oder sie zu verändern. In beiden Fällen zahlst Du den Preis für Dein (Nicht-)Handeln.

Du kannst so gut wie alles gestalten. Wenn Du etwas nicht aktiv verändern kannst, kannst Du zumindest an Deiner Einstellung arbeiten. Sei niemals das Opfer Deines Lebens. Denn dies ist ein gelingsicheres Rezept für Unglück.

Überlege vielmehr: “Wenn ich dies hier verändern möchte, was ist der Preis dafür? Und was ist der Preis, den ich zahle, wenn ich nichts ändere?” Und dann triff aktiv eine Entscheidung.

2. Visualisiere negativ

Oft heißt es Du sollst positiv denken und negativen Gedanken keinen Raum geben, um Dein Mindset zu verändern und grundsätzlich fröhlicher zu werden. Das ist an sich erst einmal eine tolle Idee, denn Du kannst aktiv die Strukturen in Deinem Gehirn beeinflussen und somit Positivität trainieren.

Aber was machst Du mit den unterschwelligen Ängsten, die immer wieder an die Oberfläche gelangen? Ängste vor bevorstehenden Prüfungen, den Gesundheitszustand geliebter Menschen bis hin zum eigenen Tod werden immer wieder auftreten. Solltest Du sie einfach wegschieben? Machst Du Dir dann nicht etwas vor?

Die Stoiker haben zum Umgang mit Ängsten und Sorgen eine großartige Methode, die Dir nicht nur dabei hilft, Deine Furcht zu mindern, sondern Dich im Ergebnis insgesamt zu einem glücklicheren Menschen macht: Negative Visualisierung. Was auf den ersten Blick völlig gegensätzlich und kontraproduktiv erscheint, ist ein großartiger Trick für ein zufriedeneres Leben.

Stell Dir vor, Du musst morgen aus Deiner geliebten Wohnung ausziehen, weil Dein Vermieter Eigenbedarf anmeldet. Baue eine richtige Geschichte dazu und spüre genau, wie Du Dich dann fühlen würdest.

Die Trauer um Dein Heim, die Angst davor, keine neue Bleibe zu finden und all der Stress, den so ein Umzug mit sich bringt. Stell Dir alles genau vor. Und dann überlege in Deiner Geschichte, wie es weitergeht. Wo wirst Du realistischerweise eine neue Wohnung finden? Wie könnte diese aussehen?

Schon in der Übung wirst Du vermutlich merken, dass alles eigentlich gar nicht so schlimm wäre wie angenommen. Den Umzug wuppst Du und Du wirst Dich vermutlich schnell an die neue Wohnsituation gewöhnen.

Vielleicht findest Du sogar ein paar Vorteile in der Gelegenheit, Dich nochmal neu einzunisten. Nach der Übung wirst Du außerdem Deine aktuelle Wohnung vermutlich so sehr zu schätzen wissen wie schon lange nicht mehr. Dankbarkeit wird sich bei Dir einstellen.

Dies ist nur ein kleines Beispiel. Genauso gut kannst Du die Methode für die nächste Arztbehandlung oder einen Vortrag, den Du halten musst und wovor Du Angst hast, anwenden. Die Stoiker empfehlen sogar, ab und an den eigenen Tod oder den von Dir nahestehenden Menschen zu visualisieren, um hiervor die Sorge zu nehmen.

Negativ zu visualisieren hilft Dir, das zu schätzen und zu lieben, was Du bereits hast. Gleichzeitig mindert es Deine Angst vor Dingen, die außerhalb Deines direkten Einflussbereichs liegen.

Schnell wirst Du sehen: Viele Worst-Case-Szenarien sind gar nicht so furchtbar wie zunächst angenommen. Fange mit leichteren Themen an und dann gehe zu schweren Brocken über.

Hilfreich ist die Methode außerdem, um Enttäuschungen vorzubeugen. Wie oft warst Du schon voller Vorfreude auf den nächsten Urlaub und dann erst einmal bitter enttäuscht, weil irgendetwas (Anreise, Hotel, Landschaft, Leute) nicht dem entsprach, wie Du es Dir ausgemalt hast?

Auch hier hilft: Stell Dir vorher vor, dass es regnen wird und sich andere Hotelgäste unmöglich benehmen. So bildlich wie möglich. Du wirst Dich wundern, wie sehr Du Deine “echte” Reise dann wirklich zu schätzen weißt und wie leicht es Dir auf einmal fällt, über Kleinigkeiten, die Dich sonst gestört hätten, hinwegzusehen.

Was teilweise sogar makaber klingen mag (z.B. den Tod zu visualisieren), hat tatsächlich mehr Glück in unser Leben gebracht.

Probiere es aus! Schnell merkst Du: Du kannst viel mehr bewältigen und verkraften, als Du denkst. Du wirst Deine jetzigen Umstände zu schätzen wissen und Deine Ängste werden kleiner. Du kannst das Leben genießen lernen.

Um unsere Anmerkung vom Anfang noch einmal zu verdeutlichen: Es geht nicht darum, einer Herausforderung pessimistisch gegenüber zu stehen. Pessimismus finden wir ziemlich sinnlos. Als wir mit dem negativen Visualisieren angefangen haben, ist uns das jedoch manchmal passiert, denn die Grenzen verschwimmen schnell. Hier hilft Dir vielleicht Folgendes:

Es gibt einen großen Unterschied zwischen “Oh mein Gott, ich hab’s einfach nicht drauf und werde auf der Bühne mit meinem Vortrag auf jeden Fall versagen!” und “Ich bin super vorbereitet; doch trotzdem besteht die Möglichkeit, dass ich mich verspreche und die Leute komisch gucken. Vielleicht lacht mich sogar jemand aus, wer weiß.”

So behältst Du eine positive Grundhaltung bei, setzt Dich aber gleichzeitig mit weniger schönen Szenarien auseinander, die durchaus eintreten können. Wir praktizieren diese Methode nun schon über Jahre hinweg regelmäßig und sind sehr große Fans geworden. Zum einen können wir unsere Umwelt besser akzeptieren und sind somit wesentlich gelassener als früher, zum anderen sind wir viel, viel seltener enttäuscht.

Empfehlenswert zum Thema ist der TED-Talk von Tim Ferriss, der diese Technik noch weiter führt und lebensnah erklärt. Wenn Du generell mehr über die Stoiker und deren großartige Methoden für ein zufriedenes Leben erfahren möchtest, empfehlen wir Dir das Buch A Guide To The Good Life*.

3. Arbeite pareto-optimal

Das Paretoprinzip besagt: In 20% der Zeit schaffst Du 80% Deiner Arbeit. Die restlichen 80% der Zeit brauchst Du, um die letzten 20% des Ergebnisses hinzukriegen. Nun überlege: Arbeitest Du immer auf diese 100% hin? Wäre es nicht oftmals viel sinnvoller, nur 80% zu erreichen und somit 80% an Aufwand zu sparen?

Immer 100% leisten zu wollen – also Dinge perfekt zu erledigen – erfordert immens viel Zeit und Energie. Außerdem wirst Du Dich oft minderwertig fühlen und für unzulänglich halten, denn Perfektionismus ist fast immer unerreichbar. Die wenigen Momente, in denen Du Dir selbst Anerkennung zeigst, weil Du etwas tadellos gemacht hast, finden dann oft am Rande der Erschöpfung statt.

Wie wir in die Perfektionismus-Falle getappt sind

Eddy ist am Anfang seiner Gründer-Karriere in die Perfektionismus-Falle geraten: Als er sein erstes Produkt entwickelte, musste zum Launch alles perfekt sein. Die Folge war, dass die Markteinführung ewig gedauert hat, das Produkt am Ende zu teuer, die Marge zu klein war und so weiter.

Wenn Du Dich genau umschaust, wirst Du außerdem schnell sehen, dass nichts im wahren Leben perfekt ist. Kennst Du wirklich jemanden, der immer alles hinkriegt oder hat die Person nicht auch Schwächen? Machen alle anderen einwandfreie Arbeit oder auch Fehler?

Hilf Dir selbst, in dem Du Dir Zeitfenster setzt, in denen Du 80% schaffen kannst. Und dann lebe mit dem Ergebnis. Am Anfang wirkt das bedrohlich – insbesondere dann, wenn Du bislang über die 80% hinaus performed hast.

Wenn Du aber ein paar Mal erfahren hast, dass die Welt nicht untergeht, wenn Du etwas nicht einwandfrei machst, baust Du wieder Vertrauen auf. Hier hilft – wie so oft – die regelmäßige Übung.

Das überzeugt Dich nicht und macht Dir Angst?

Stell Dir vor was passiert, wenn Du eine nicht-perfekte Arbeit ablieferst. Das geht mit negativem Visualisieren (siehe oben) auch ganz gut.

Schnell wirst Du merken: So richtig viel kann Dir nicht passieren. Anderen fällt übrigens der Unterschied zwischen 100% und 80% eher selten auf. Dein Chef oder Deine Kunden werden eher Deine neue Leichtigkeit spüren, als Mängel entdecken.

Das hat Eddy dann auch gemerkt und heute geht er wesentlich lockerer mit nicht perfekter Vorbereitung um. Seine Kunden sind total zufrieden und die Erwartungen fast aller völlig erfüllt.

Der Gründer von LinkedIn (Reid Hoffman) sagte übrigens einst: “If you are not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late.” Dies solltest Du Dir zum Mantra machen, wenn Du unter Deinem Perfektionismus leidest.

4. Versuche, Deine Vergleiche mit Mitmenschen zu minimieren

Jeder von uns schaut auf andere und vergleicht sich. Daran kann man schwer etwas ändern. Du kannst allerdings beeinflussen, wie Du damit umgehst.

Anna war Profi darin, sich mit Vergleichen aus der Ruhe zu bringen. Sie war ein ziemlicher Workaholic und konnte nur schwer abschalten. Erlaubte sie sich dann mal ein paar Minuten Entspannung, fielen ihr direkt Leute ein, die bestimmt noch mehr leisten und nie Pause machen.

Und schon war die Pause nicht mehr genehmigt und das schlechte Gewissen am Start. Aber auch Anna ist nicht völlig beratungsresistent und hat etwas gefunden, was ihr wirklich hilft:

Sie fragt sich Folgendes: Diese Person, der ich hier gerade nacheifere, ist sie (soweit ich das beurteilen kann) in einem Zustand innerer Ruhe und Zufriedenheit? Lohnt es sich also wirklich, sich mit ihr zu vergleichen und ihren Lebensstil anzustreben? Oder ist ein mehr-so-sein-wie-die möglicherweise gar kein wünschenswertes Ziel?

Die überdurchschnittlich häufige Antwort kannst Du Dir vermutlich selbst denken.

Dabei geht es übrigens nicht darum, die Person, mit der Du Dich vergleichst, schlecht zu machen bzw. Dich über sie zu stellen, um Dich besser zu fühlen. Das macht Dich auch nicht zufriedener, sondern pinselt nur Dein Ego.

Es wird es immer jemanden geben, der schlauer, ehrgeiziger und schöner ist als Du

Du wirst niemals einen Vergleich gegen alle gewinnen – das ist unmöglich. Wenn Du in den Vergleichsmodus kommst, beobachte das zunächst und akzeptiere dann, dass Du Dich mit anderen misst. Und dann stelle Dir die oben genannten Fragen.

Während es immer eine gute Idee ist, sich von “Vorbildern” inspirieren zu lassen und teilweise Dinge zu übernehmen (Wenn ich z.B. jemanden kennenlerne, der einen gesunden, starken Körper hat und mir derjenige erzählt, wie er trainiert, kann ich seine Trainingsmethoden adaptieren), so sollte ich mich immer daran erinnern, dass mein neues Idol selbst genug andere Probleme haben wird.

Anstelle Dich mit anderen zu vergleichen und minderwertig zu fühlen, schau lieber auf Dich selbst: Was hast Du in der letzten Zeit erreicht? Wie ist Dein jetziges Ich im Vergleich zu vor zwei Jahren? Konzentriere Dich auf Deine eigenen Fortschritte und freu Dich darüber, dass Du immer wieder dazulernst.

5. Lerne Dein Ego kennen – und zu ignorieren

Die meisten von uns werden vermutlich behaupten, ziemlich selbstbewusst zu sein und über dem zu stehen, was andere von uns denken oder über uns sagen. Aber schauen wir genau hin, so merken wir doch oft, dass das so gar nicht stimmt.

Häufig erzählen wir z.B. Dinge, um von Leuten bewundert zu werden oder um uns wenigstens nicht minderwertig neben anderen zu fühlen. Uns wurmt es, wenn jemand gar nicht erkennt, “wer wir eigentlich sind” und was für großartige Dinge wir machen bzw. erreicht haben. Wenn wir ignoriert oder unterschätzt werden, tut das ganz schön weh.

Was sich dann trotzig und laut meldet, ist unser Ego. Und das kann einem richtig in die Quere kommen. Denn das Ego ist darauf aus, von anderen anerkannt zu werden. Es denkt: So richtig glücklich bin ich erst, wenn ich möglichst vielen anderen gefalle. Dass das leider gar nicht stimmt und Menschen nicht dauerhaft zufriedener macht, ist bei unserem steinzeitlichen Ego noch nicht angekommen.

Befreie Dich!

Was hingegen extrem befreiend und zufriedenstellend wirkt, ist die Erlösung vom Diktat des Egos: wirklich nicht mehr Dinge zu tun, damit andere einen mögen und nix darum zu geben, was andere von einem denken.

Erst, wenn wir unsere eigene Agenda verfolgen, können wir stabil werden und uns weniger von äußeren Faktoren beeinflussen lassen, die nicht in unserer Hand liegen.

Die Befreiung vom Ego ist ein lebenslanger Prozess und immer wieder von Rückschlägen begleitet. Für uns beide war dieser Artikel von Tim Urban bahnbrechend – lies selbst und erfahre mehr über Dein eigenes Mammut.

Um Dich von den irrwitzigen Zielen Deines Egos zu lösen, solltest Du es zunächst immer wieder entlarven. Du glaubst gar nicht, wie oft es sich an einem normalen Tag meldet – geschweige denn in herausfordernden Situationen mit anderen Leuten. Wenn Du gemerkt hast, dass Dein Ego mal wieder vor sich hin schwallt, äffe es innerlich nach und mache es lächerlich.

Du kannst Situationen auch aktiv provozieren, um Deine Befreiung voranzutreiben. Zieh zur nächsten Party Deine hässlichsten Klamotten an oder versuche – wenn Dir das zu hart ist – wenigstens einen Abend lang nichts (aus Deiner Sicht interessantes) von Dir zu erzählen.

Achte aktiv darauf, keine Bestätigung einzuholen, in dem Du nichts Anerkennenswertes preisgibst.

Wann sich Dein Ego meldet und Du es nicht merkst

Hier kommen ein paar weitere Beispiele, wo sich unser Ego regelmäßig meldet, wir uns dessen aber gar nicht wirklich bewusst sind:

Bei der Arbeit

In einem gemeinsamen beruflichen Termin schaut die Chefin nur die anderen Anwesenden an – Dich aber nicht. Du denkst: “Nimmt sie mich nicht ernst? Warum sieht sie mich nicht? Ich hab doch auch ganz viel Ahnung von dem Thema!”. Dein Ego ist verunsichert und sehnt sich nach Beachtung.

Unter Freunden

Beim Essen fachsimpeln Deine Freunde über die aktuelle Außenpolitik der USA. Du hast nicht wirklich etwas Sinnvolles beizutragen und – ganz ehrlich – so richtig interessiert Dich das Thema auch nicht. Trotzdem redest Du mit, damit Dich die anderen für politisch interessiert und gebildet halten. Wäre ja fatal, wenn sie denken würden, Du wärst ignorant. Hallo Ego!

Im Alltag

Du bist Sonntagnachmittag in Deiner Schluffi-Hose unterwegs und triffst Deinen Kollegen, der immer top gestylt ist. Schon fühlst Du Dich latent unwohl und sogar ein bisschen minderwertig. Deinem Ego gefällt das so gar nicht, dass der andere schicker unterwegs ist und Du schämst Dich ein bisschen.

Dein Ego in solchen Momenten wahrzunehmen ist schon die halbe Miete. Du wirst Dich wundern, wie schnell Du über solche vermeintlichen Verletzungen Deines Selbstbewusstseins hinwegkommst, wenn Du immer wieder hinschaust und Dich über Dein albernes Ego amüsierst.

6. Verabschiede Dich von negativen Leuten

Den Spruch hast Du vielleicht schon mal gehört: Du selbst bist die Mischung aus den fünf Menschen, mit denen Du Dich am meisten umgibst. Sind das schlechte Nachrichten für Dich? Dann überprüfe mal, ob Du mit den richtigen Leuten zusammen bist.

Immer wieder schleichen sich chronische Nörgler in unser Leben, die ständig darüber reden wollen, wie schlimm alles (=die Politik, ihre Arbeit, die Aktien-Kurse, die Kinder) ist. Oder Du merkst, dass Du Vampir-Freunde hast, die Dir Deine Lebensenergie aussaugen, weil sie Dich für Ihr seelisches (Un-)Gleichgewicht verantwortlich machen.

Dann gibt es auch noch die Kritiker, die Dir nichts so richtig gönnen und Deinen Erfolg als einen Angriff gegen sich selbst sehen, weil sie an ihre eigenen Unzulänglichkeiten erinnert werden (siehe oben zum Thema Ego).

Nörgler, Vampire und Kritiker verbindet meist eins: Sie übernehmen nicht die Verantwortung für sich selbst, sondern suchen im Außen nach Schuldigen. Und das macht Freundschaften mit ihnen oft sehr belastend.

Merkst Du immer wieder, dass es Dich eher anstrengt und aufreibt, mit jemandem Zeit zu verbringen, kann es gut sein, dass Du Dich von dieser Person trennen solltest. Überprüfe für Dich, ob die Freude oder das Leid in der gemeinsamen Zeit überwiegt.

Damit ist in keiner Weise gemeint, sich aus einer Beziehung zu verabschieden, wenn es mal ungemütlich wird. Es ist superwichtig, seinen Freunden in Notzeiten beizustehen. Und so kann es auch passieren, dass jemand lange braucht, um z.B. über einen Verlust hinwegzukommen und dabei immer wieder unseren Zuspruch und unser Verständnis braucht.

Schau also genau hin: Handelt es sich um eine aktuelle Herausforderung und braucht mein Freund meine Hilfe? Bin ich gerne für ihn da? Oder habe ich seit Monaten/Jahren das Gefühl, dass ich als Mülleimer benutzt oder sogar für seine Probleme verantwortlich gemacht werde?

Wenn man wirklich in sich hineinhorcht, merkt man schnell den Unterschied. Das Dasein füreinander ist eine Selbstverständlichkeit und steht innerlich gar nicht zur Debatte, wenn es sich um echte Freunde handelt. Bei dem Gegenteil fühlt sich hingegen Unterstützung oft nach einem riesigen Kraftakt an und kommt nicht von Herzen.

Sich zu lösen ist nicht unbedingt trivial

In der Umsetzung ist es wirklich herausfordernd, einen Schlussstrich zu ziehen. Den wenigsten Leuten fällt es leicht, sich von Menschen zu trennen, die über einen langen Zeitraum Teil des eigenen Lebens waren. Uns geht es da nicht anders und so ein Abwenden ist nicht selten mit viel Schmerz verbunden.

Nichtsdestotrotz: Denke darüber nach, ob das Aufrechterhalten einer ungesunden Beziehung Dir auf Dauer nicht mehr Leid bringt und ob eine Trennung nicht langfristig besser für Dich ist.

Übe Distanzieren ruhig es erst einmal im Kleinen. Wenn beispielsweise Deine Arbeitskollegen wieder anfangen darüber zu schimpfen, wie besch***en doch alles ist, gehe aus dem Raum. Was – aus eigener Erfahrung und auch wissenschaftlich belegt – leider nicht funktioniert, ist das Ignorieren von solch negativem Gerede:

Stell Dir vor, Du hast Kopfhörer auf und hörst die ganze Zeit auf Dauerschleife: “Alles ist scheiße… alles ist scheiße… alles ist scheiße”. Kein Mensch der Welt kann das ignorieren und nicht an sich heranlassen. Und genauso verhält es sich, wenn Du Deinen Kollegen “nur” beim negativen Reden zuhörst.

Es kommt noch schlimmer: Prasseln nur schlechte Gedanken anderer auf Dich ein, fällt Dir sicherlich auch selbst noch etwas ein, was total mies läuft. Und zack – unvermeidbar bist Du auch ein negativer Mensch.

Verabschiede Dich also von den “Freunden”, die Dich nur Energie kosten und Dich nicht unterstützen. Deine Freunde kannst Du Dir aussuchen, Deine Familie nicht. Triff also kluge Entscheidungen, mit wem Du Deine Freizeit verbringst, mach den Vampir-Test und vertraue Deinem Bauchgefühl. Das weiß genau, wer gut und wer schlecht für Dich ist.

7. Komm in die Gegenwart

Verinnerliche das hessische Mantra: „Isch resch misch net uff!“

Eine der größten Herausforderungen für uns ist immer wieder das Thema Gegenwart. Es gibt nur den einen Moment, den Du wirklich erlebst, und dieser ist im Hier und Jetzt. Du kannst die Vergangenheit nicht verändern und die Zukunft nicht vorhersagen, aber Du kannst in der Gegenwart sein.

Nur in diesem Moment findet das Leben statt und nur jetzt kannst Du es genießen. Natürlich kannst Du Dich an schöne Ereignisse erinnern und Dich auf morgen freuen. Aber sind die Gedanken an Zeiten außerhalb der Gegenwart nicht allzu oft mit Sorgen und Ängsten hinsichtlich der Zukunft, dem Bereuen von Vergangenem oder Zurücksehen in eine frühere Zeit verbunden?

Obwohl Gegenwärtigkeit grundlegend für ein glückliches Leben ist, halten wir uns automatisch in der Vergangenheit oder der Zukunft auf, wenn wir auf Autopilot fahren. So sind wir ständig verloren in unseren Gedanken an Geschehenes oder planen den nächsten Tag.

Um ins Hier und Jetzt zu gelangen, ist die einfachste Methode die Meditation. Was für viele immer noch esoterisch anmutet und irgendwie als Zeitverschwendung gilt, ist eine unglaublich wirkungsvolle Übung, um mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit im Leben zu erlangen.

Wir meditieren selbst seit fast zehn Jahren täglich – klar auch mit Ausnahmen 😉 – zehn Minuten mit Hilfe einer App.

Zunächst wurden wir achtsamer, was unsere eigenen Gedanken betrifft: Anna hat z.B. gerne mal direkt morgens unter der Dusche imaginäre Streitgespräche geführt und ist danach mit richtig schlechter Laune in den Tag gestartet. Allein das Bewusstwerden dieser verrückten Gedanken hat sie gleichzeitig ausgeschaltet.

Mittlerweile bekommen wir immer öfter mit, was unsere Gedanken wieder so abziehen und können intervenieren – uns auch bewusst von unseren Gedanken distanzieren. Denn Du bist nicht was Du denkst. Im Gegenteil: Deine Gedanken führen oft ein Eigenleben und Du nimmst gar nicht immer bewusst wahr, was da passiert.

Achte auf Deine inneren Dialoge

In welchem Ton sprichst Du mit Dir? Bist Du oft viel zu hart zu Dir selbst? Würdest Du nicht jedem anderen die Grenzen aufzeigen, wenn er so mit Dir reden würde, wie Du mit Dir selbst sprichst?

Auch hier geht es wieder einmal nicht darum, Gedanken zu verdrängen oder etwas zu unterbinden. Vielmehr können Wahrnehmung und Akzeptanz dazu führen, dass sich Dein innerer Dialog verändert. Schau nur hin und dann sage Dir: „Ah, jetzt erzähle ich mir gerade, dass ich versagt habe.“ oder „Ah, jetzt bin ich gerade wütend auf mich, weil ich mich nicht unter Kontrolle habe.“

Diese Methoden führen dazu, dass Du Dich immer wieder aus Deinem Gedankenkarussell herausholst und mitbekommst, was eigentlich gerade in diesem Moment abgeht. Durch das Wechseln in die Beobachterperspektive kommst Du zurück in das Hier und Jetzt und erlangst mehr Klarheit.

In der Meditation lernst Du außerdem, Deinen Körper besser zu spüren und eher mitzubekommen, wie es Dir wirklich geht und was Du brauchst. Wenn es Dir gelingt, diese Achtsamkeit auch ab und zu im Alltag abzurufen, kannst Du immer leichter in der Gegenwart leben, Dich um Deine Bedürfnisse kümmern und den Autopiloten auf Pause schalten.

8. Verlasse Deinen Schutzpanzer

Gerne machen wir es uns in unserer Komfortzone bequem. Da herauszukommen und sich Herausforderungen zu stellen, ist jedoch essentiell dafür, auf Dauer zufrieden zu sein. Warum? Bleiben wir immer im gleichen Trott, spielt sich Gewohnheit ein und wir werden zu den Nörglern, mit denen wir uns noch nicht einmal anfreunden wollen.

Stell Dir vor, Du hast ein tolles Job-Angebot, traust Dich aber nicht zum Bewerbungsgespräch, weil Du Angst hast, abgelehnt zu werden. Oder Du hast die Gelegenheit, auf einer Konferenz zu sprechen, lehnst das aber ab, weil Du Angst vor einer öffentlichen Blamage hast.

Auf unserem Sterbebett werden wir kaum die Dinge bereuen, die wir versucht haben, sondern uns vielmehr über das ärgern, was wir uns nicht getraut haben („Ach hätte ich damals doch…“). Vielleicht sind Dir solche Gedanken auch schon mal begegnet. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass Du mutiger sein solltest.

Das fällt Dir schwer? Auch hier eignet sich negative Visualisierung wieder einmal hervorragend, um über Deinen Schatten zu springen. Stell Dir einfach vor, was im allerschlimmsten Fall passiert, wenn Du zum Bewerbungsgespräch gehst oder auf der Konferenz sprichst. Male Dir das absolute Worst-Case-Szenario aus.

Auch hier wirst Du sehen: Das Allerschlimmste, was passieren kann, wird sich aushalten lassen. Du wirst daran nicht zugrunde gehen. Im Gegenteil, mit einer viel größeren Wahrscheinlichkeit wirst Du wachsen und wieder einmal lernen: So schlimm ist das alles gar nicht.

Raus aus der Komfortzone

Mit regelmäßigen Schritten aus der Komfortzone kannst Du weiterkommen und Deine Messlatte immer weiter nach oben legen mit Blick auf das, was erst einmal passieren muss, damit Du Angst bekommst.

Möglichkeiten, über Dich hinauszuwachsen, bieten sich fast täglich im Leben. Schau genau hin! Und fange gerne wieder im Kleinen an. Traue Dich, in einer Diskussion Deinen Standpunkt zu äußern. Gehe heute mal zu dem Sportkurs, zu dem Du schon immer wolltest, aber Du Dich alleine eigentlich nicht hintraust. Suche das schwere Gespräch mit Deinem Partner.

Wenn Dir bei dem Gedanken an solche Themen der Puls leicht hochgeht und es Dir unwohl wird, dann weißt Du, dass Du richtig liegst. Genau hier kannst Du üben. Und diese Herausforderungs-Grenze ist höchst individuell. Manche trauen sich noch nicht einmal, beim Hausarzt anzurufen und einen Termin zu vereinbaren; anderen wird es erst mulmig, wenn Sie vor 1.000 Leuten sprechen sollen.

Super zum Üben sind Comfortzone-Challenges: Hier begibst Du Dich ganz bewusst in eine ziemlich unangenehme Situation. Lege Dich zum Beispiel einfach mal für 30 Sekunden auf den Gehweg einer Fußgängerzone. So sieht das aus, wenn Eddy das macht:

Schaue Schritt-für-Schritt Deinen Ängsten ins Auge. Mit ein bisschen Übung wirst Du immer besser mit Herausforderungen umgehen und über Dich hinauswachsen. Und ehe Du Dich versiehst, nimmst Du größere Aufgaben an, um weiterzukommen. Es fällt Dir dann zunehmend leichter, Dich diesem Unwohlsein auszusetzen.

9. Bring Deine Themen in den kosmischen Zusammenhang

Die Erde stellt die kosmische Frage

Hach, jetzt wird es endlich esoterisch.

Nee, doch nicht.

Starten wir wieder mit einem Beispiel aus den eigenen Reihen. Anna war bei ihrer ehemaligen Arbeit schnell mal gestresst. Ihr ging fix der Puls hoch, wenn sie z.B. in der Arbeit merkte, dass sie es gar nicht mehr schafft, ein Thema ordentlich vorzubereiten, bevor das Meeting losgeht.

Was machte Anna dann? Auf dem Weg zum Klo brachte sie ihr Problem in den kosmischen Zusammenhang: „Wie wichtig ist meine Tätigkeit gerade für unser Universum? Wird die Menschheit noch fortbestehen können, wenn ich nicht perfekt erklären kann, warum die 3-Monats-Kohorte weniger Sales im Juni gemacht hat?“ Das Ergebnis kannst Du Dir vorstellen.

Nimm Dich selbst nicht so ernst. Die meisten von uns sind keine Herzchirurgen oder Piloten. Bringe mehr Leichtigkeit in Dein Leben, in dem Du Dir überlegst, wie wichtig das jetzt alles wirklich ist und welche Auswirkungen das Thema, was Dich gerade aufreibt, auf Dein weiteres Leben hat.

Und kenne außerdem Deinen Einflussbereich. Was kannst Du wirklich ändern und was liegt außerhalb Deiner Macht.

Fazit

Das waren unsere 9 Methoden für ein besseres Leben. Schritt eins sollte immer, wie im ersten Teil beschrieben, das Bewusstwerden sein. Du musst erst einmal merken, was in Deinem Leben passiert – was Dir Freude oder Unbehagen bereitet – damit Du etwas verändern kannst.

Das klingt offensichtlich, ist aber manchmal wirklich schwierig – insbesondere bei Themen, die wir lieber verdrängen, weil wir uns mit ihnen nicht auseinandersetzen wollen. Trau Dich, ihnen ins Gesicht zu blicken, denn Du kannst nur gewinnen! Glaubst Du nicht? Dann visualisiere einmal das Schlimmste, was passieren kann 🙂

Diese 9 Punkte umfassen viele Aspekte, die unsere Leben im letzten Jahrzehnt massiv verbessert haben. Kaum etwas davon ist von heute auf morgen umsetzbar. Man kann sich nur schrittweise nähern und ob man jemals die Perfektion erreicht, sei dahingestellt. 80% Verinnerlichung reichen aber auch hier vollkommen aus für ein gutes Leben – denke an das Pareto-Prinzip aus Punkt 3 😉

Kleine, konstante Veränderungen machen nicht nur die Gegenwart schöner – auch im Alter wirst Du so deutlich mehr Freude haben.

Ein letzter Hack: Wenn wir an irgendeiner Stelle gar nicht weiterkommen, gehen wir gerne zur Psychotherapie oder zu einem vertrauenswürdigem Coach. Das machen wir auch lieber früher als später, um uns einiges an Leid zu ersparen 🙂

Verfasst von Martin Eckardt
Veröffentlichung: 27. April, 2022
LETZTE AKTUALISIERUNG: 27. April, 2022
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