Neuer ETF bringt 50% Rendite in 3 Jahren? Aber DAS wird uns verheimlicht…

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aktive ETF

Über 50% Rendite in nur drei Jahren!

Man hört gerade immer öfter von einer neuen ETF-Variante, die angeblich das Beste aus zwei Welten vereinen soll: die günstigen Kosten von ETFs – kombiniert mit der Chance auf Überrendite.

Dabei handelt es sich um sogenannte „aktive ETFs“. Und die Renditen, die da teilweise draufstehen, sind wirklich beeindruckend. Über 50% in drei Jahren sind über 13% pro Jahr. Nur zum Vergleich: Auf einem guten Tagesgeldkonto bekommt man aktuell gerade mal 3%…

Was steckt also dahinter? Schauen wir uns das mal genauer an.

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Was sind aktive ETFs?

Bevor wir über aktive ETFs sprechen, kurz zu den Grundlagen – denn ohne die versteht man das Ganze nicht.

Ein ETF an sich ist erstmal ein Korb voller Aktien, den Du an der Börse kaufen und verkaufen kannst.

Und die allermeisten ETFs funktionieren nach einem simplen Prinzip: Sie bilden einen Index nach. Ein Index ist im Grunde nur eine Liste – zum Beispiel enthält der MSCI World die rund 1.300 größten Unternehmen der Industrieländer, also USA, Europa, Japan und so weiter. Ein ETF auf diesen Index kauft dann einfach diese 1.300 Aktien nach. Kein Mensch entscheidet, welche Aktien rein- oder rauskommen, sondern es wird einfach nur die Liste genommen, fertig. Das nennt man passives Investieren.

Und jetzt kommen die aktiven ETFs ins Spiel. Denn ETF beschreibt eigentlich nur die Verpackung – also einen Fonds, den Du an der Börse handeln kannst. Was drin ist, kann jede Fondsgesellschaft selbst entscheiden.

Vielleicht hilft das folgende Bild: Ein normaler ETF ist wie ein Fahrer, der stur nach Google Maps fährt. Der folgt einfach der Route, weil die App am besten weiß, wo es langgeht, die aktuelle Verkehrslage kennt und so weiter. Ein aktiver ETF ist, als würde der Fahrer das Navi ignorieren und selbst entscheiden, wo er abbiegt, weil er glaubt, eine schnellere Strecke zu kennen.

Wie funktioniert das jetzt konkret? Die meisten dieser aktiven ETFs nehmen einen bekannten Index als Referenz, zum Beispiel eben den MSCI World. Aber statt diesen Index 1:1 nachzubauen, weicht ein Fondsmanager bewusst davon ab.

Bestimmte Aktien werden stärker gewichtet, andere werden rausgeschmissen, weil das Fondsmanagement glaubt, die „Gewinner“ identifizieren zu können. Häufig kommen dabei auch quantitative Modelle zum Einsatz – also Computermodelle, die Unternehmen nach bestimmten Kriterien durchleuchten: Wie profitabel ist die Firma? Wie hoch ist die Verschuldung? Und dann wird entschieden, welche Aktien rein- und welche rauskommen.

Und das Ganze wird als ETF verpackt, sodass Du ihn an der Börse kaufen und verkaufen kannst – genauso wie jeden anderen ETF oder wie eine einzelne Aktie.

So, das klingt erstmal nach einer cleveren Idee.

Denn herkömmliche aktive Fonds – also die, die Dir Deine Bank verkauft – haben ja riesige Kostennachteile: Sie kosten ein bis zwei Prozent an Gebühren pro Jahr und dazu kommt in der Regel noch eine einmalige Kaufgebühr von bis zu fünf Prozent! Wenn Du in die investierst, kommen da ganz locker sechsstellige Kosten über Dein ganzes Anlegerleben zusammen!

Aktive ETFs dagegen kosten oft nur 0,2 bis 0,3 Prozent pro Jahr, werden durchgängig an der Börse gehandelt und sind sehr transparent – man kann also jederzeit sehen, was drin ist.

Ok: Günstiger als klassische aktive Fonds, transparenter, flexibler. Und trotzdem die Chance auf Überrendite – also mehr Gewinn, als der normale Index ohnehin abwirft. Klingt doch super, oder?

Warum die Renditen nichts aussagen

Fangen wir mal bei diesen fantastischen Renditen an. Über 50% in drei Jahren! Da bekommt man doch direkt leuchtende Augen. Aber jetzt die entscheidende Frage: Was hat denn der stinknormale, langweilige MSCI World in den letzten drei Jahren gemacht?

Tja, der MSCI World hat in den letzten drei Jahren ebenfalls über 50% zugelegt. Genauer, über 60%.

Wir hatten eine der stärksten Börsenphasen der letzten Jahrzehnte. In so einer Phase sieht fast jeder Anleger wie ein Genie aus: Wenn alles steigt, ist es wirklich keine Kunst, gute Renditen einzufahren.

Und damit wären wir bei einem Punkt, den wir immer wieder betonen: Kurze Zeiträume haben so gut wie keine Aussagekraft für die Zukunft. Drei Jahre sind eine Momentaufnahme. Nicht mehr und nicht weniger.

Es gibt kaum etwas Unsinnigeres, als von drei Jahren Daten darauf zu schließen, dass in Zukunft die Renditen so hoch bleiben. Renditen kehren grundsätzlich zu ihrem langfristigen Durchschnittswert zurück – das nennt sich Regression zum Mittelwert. Kein festes Glauben an dauerhafte Überrenditen wird hieran etwas ändern.

Es gab immer wieder Zeiten, wo bestimmte Strategien super an der Börse liefen. Bis es eben nicht mehr der Fall war.

Die spannende Frage ist also nicht: „Wie gut lief der Fonds in den letzten drei Jahren?“ Sondern: „Wie gut wird er in den nächsten 20 oder 30 Jahren laufen?“ Und genau da wird es ziemlich ernüchternd.

60 Jahre Forschung: Aktives Management versagt

Denn aktive ETFs sind immer noch aktiv gemanagt. Und was sagen 60 Jahre Forschung zum Thema aktives Management?

Zahlreiche Studien haben belegt, dass es langfristig nahezu unmöglich ist, den Markt zu schlagen. Und zwar auch nicht für „Profis“ wie Fondsmanager.

SPIVA Research beispielsweise untersucht jährlich, wie aktiv gemanagte Fonds im Vergleich zu passiven ETFs abschneiden. Und die Ergebnisse sind vernichtend: Je länger der Vergleich, desto schlechter schneiden die aktiven Fonds ab.

Gerd Kommer fasst das in seinem Standardwerk „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ so zusammen: „Die Underperformance aktiv gemanagter Portfolios gegenüber ihrem Vergleichsindex nimmt tendenziell mit der Länge der Betrachtungsperiode zu. Für Perioden bis zu einem Jahr liegt der Verliererprozentsatz oft bei ‚nur‘ 50%, für Perioden ab zehn Jahren nähert er sich 95% an. Für Perioden ab 20 Jahren beträgt er überwiegend 100%.“

Das bedeutet, dass Du für eine Leistung bezahlst, die Du so gut wie nie erhältst! Ab 20 Jahren liegt der Verliererprozentsatz bei quasi 100%. Das heißt: So gut wie kein aktiv gemanagter Fonds schafft es über diesen Zeitraum, besser abzuschneiden als ein stinknormaler Index-ETF.

Außerdem ist es unmöglich, im Vorfeld genau diesen einen Fondsmanager zu finden, der wirklich ein goldenes Händchen hat. Denn die paar Fonds, die besser performen als der Markt, wechseln auch noch jedes Jahr!

Die SPIVA Persistence Scorecard zeigt: Von den besten 25% der großen aktiv gemanagten US-Aktienfonds schaffte es fünf Jahre später kein einziger, weiterhin in der Spitzengruppe zu bleiben. Kein Einziger!

Und warum sollte das bei einem aktiven ETF anders sein? Nur weil die Verpackung eine andere ist? Ne, die Verpackung ändert nichts am Inhalt. Ein aktiver Fonds bleibt ein aktiver Fonds – egal, ob er als klassischer Publikumsfonds von Deiner Bank oder als ETF daherkommt.

Das Fondsmanagement trifft weiterhin aktive Entscheidungen, welche Aktien rein- und welche rauskommen. Und genau diese Entscheidungen sind es, die langfristig in der überwältigenden Mehrheit der Fälle schlechter abschneiden als der Markt. Niemand kann vorhersagen, welche Aktien langfristig erfolgreich sein werden. Es ist und bleibt also ein Glücksspiel.

Übrigens, wenn Du wissen willst, wie Du seriös und ohne Glücksspiel mit globalen ETFs ein Vermögen aufbaust, schau Dir am besten unser kostenloses ETF-Webinar an.

Weniger Streuung, mehr Risiko

Es gibt aber noch ein weiteres Problem, das oft unter den Tisch fällt: Aktive ETFs sind in der Regel nicht so breit gestreut wie ein klassischer Welt-ETF.

Breite ETFs – wie der MSCI ACWI IMI oder der FTSE All-World – bieten eine riesige Streuung. Sie investieren in tausende Unternehmen weltweit und decken dabei alle möglichen Branchen und Regionen ab. Ein aktiver ETF dagegen bildet eben nur einen Teil eines breit gestreuten Index ab.

Schauen wir mal auf ein konkretes Beispiel: Der iShares World Equity Enhanced Active UCITS ETF – einer der größten und bekanntesten aktiven ETFs – hält aktuell rund 600 Aktien.

Aber der MSCI World, an dem er sich orientiert, enthält ja rund 1.300 Aktien. Der aktive ETF investiert also noch nicht mal in knapp die Hälfte der Unternehmen. Die andere Hälfte wird bewusst rausgeschmissen, weil das Fondsmanagement sie für weniger attraktiv hält.

Und genau hier liegt das Problem: Mit dieser geringeren Streuung steigt Dein Risiko. Denn Studien zeigen, dass langfristig nur eine kleine Handvoll Aktien für den Großteil der gesamten Börsenrendite verantwortlich ist. Die große Mehrheit der Aktien performt eher mittelmäßig – aber ein paar wenige Überflieger ziehen den ganzen Markt nach oben.

Welche das sein werden, weiß vorher niemand. Und wenn der Fondsmanager genau diese Aktien rausgeschmissen hat? Dann hast Du die Gewinner verpasst und sitzt auf den Verlierern.

Wem aktive ETFs wirklich nutzen

Jetzt müssen wir uns doch langsam mal die Frage stellen, wie es denn sein kann, dass trotzdem immer mehr aktive ETFs auf den Markt kommen? Das ist leicht erklärt, denn bei unserem Investitionsverhalten spielen meist ganz andere Punkte eine Rolle als langweilige historische Daten.

Und das wissen die Anbieter auch: Aktive ETFs werden vor allem dazu entwickelt, die Stimmung der Anleger zu bedienen. Die Fondsgesellschaften erkennen, dass viele Anleger sich mehr wünschen als „nur“ den Markt. Sie wollen Überrendite. Und das ist ja auch menschlich total nachvollziehbar.

Also bringen die Anbieter Produkte heraus, die genau dieses Versprechen bedienen. Für die Fondsgesellschaften ist das ein super Geschäft: Einige der großen Häuser wie J.P. Morgan oder Fidelity bieten nämlich sowohl klassische teure aktive Fonds als auch die neuen günstigen aktiven ETFs an – und erschließen sich so eine komplett neue Zielgruppe: die kostenbewussten Selbstentscheider.

Also, wenn jemand von aktiven ETFs wirklich profitiert, dann sind es die Fondsgesellschaften.

Was Du tun solltest

Gut, eins dürfte spätestens jetzt klar sein: Aktive ETFs sind kein Wundermittel und definitiv kein Ersatz für ein breit gestreutes, passives Weltportfolio.

Das Gegenteil ist der Fall: Wir bekommen keine garantierte Überrendite, sondern weniger Streuung und ein Produkt, das auf einem sehr jungen Markt steht, wo viele Anbieter wieder verschwinden werden.

Und die Renditezahlen, mit denen gerade geworben wird? Die sind das Ergebnis einer der stärksten Börsenphasen der letzten Jahrzehnte. Da hat so ziemlich alles gut performt. Das als Beweis für die Überlegenheit aktiver ETFs zu nehmen, ist ungefähr so, als würdest Du nach drei Sonnentagen im Februar sagen: „Der Klimawandel ist super, wir brauchen keine Heizung mehr.“

Wer sich hingegen einmal rudimentär mit den Daten beschäftigt – so wie Du es zum Beispiel gerade machst, weil Du Dir diesen Blogpost hier durchliest– setzt auf breite, globale ETFs, die die gesamte Weltwirtschaft abbilden. Mit diesen ETFs profitieren wir einfach vom langfristigen Wachstum der Weltwirtschaft, zahlen niedrige Gebühren und minimieren unser Risiko enorm.

Aber: Es kriselt wirtschaftlich in vielen Ländern. Reichen also ETFs alleine nicht mehr? Schau Dir dazu unser Video Warum ETFs 2026 nicht mehr reichen an.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 03. Juni 2026
LETZTE AKTUALISIERUNG: 15. Juli 2026
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