Immer mehr Leute fragen bei ihrer Sparkasse oder Volksbank nach ETFs. Und die Banken bieten mittlerweile auch Produkte rund um ETFs an. Das klingt doch erstmal super, oder?
Das Problem ist nur: Was Du dort bekommst, kann Dich richtig viel Geld kosten – und zwar deutlich mehr, als die meisten ahnen. Wir haben kürzlich ein Angebot zugeschickt bekommen, das uns echt die Sprache verschlagen hat. Was da drin stand und warum Du bei Deiner Hausbank extrem aufpassen musst, schauen wir uns heute mal an.
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Ok, was genau ist denn das Problem mit ETFs bei Sparkasse, Volksbank und Co.?
Du hast es ja gerade angekündigt: Uns hat eine Teilnehmerin unseres Online-Kurses ein Angebot ihrer Bank geschickt, was als „ETF-Altersvorsorge-Angebot“ betitelt war, sich bei genauerem Hinschauen aber als ein super schlechter Versicherungsvertrag mit völlig überhöhten Kosten entpuppt hat.
Und jetzt kommt die absolute Härte: In dem Angebot steckt ein einziger ETF, der von der hauseigenen Fondsgesellschaft auch noch zu völlig überzogenen Kosten aufgelegt wird. Und dieser ETF hatte eine Gewichtung von 10% im Gesamtportfolio; alle anderen Bestandteile waren aktiv gemanagte Fonds, die nochmal teurer waren und statistisch gesehen langfristig eine super schlechte Performance hinlegen.
Diese aktiv gemanagten Fonds werden übrigens am liebsten von Banken und Vermögensverwaltern verkauft, weil sie richtig viel Geld damit verdienen. Für Dich als Anleger sieht es hingegen meistens anders aus: Historische Daten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, mit aktiven Fonds langfristig schlechter abzuschneiden als mit einem einfachen ETF.
Gerd Kommer schreibt in seinem Standardwerk „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“, dass sich für Zeiträume bis zu einem Jahr rund 50% der aktiven Fonds schlechter entwickeln als ein vergleichbarer ETF. Bei Zeiträumen von über zehn Jahren steigt der Anteil der schlechter abschneidenden aktiven Fonds laut diesen Daten auf etwa 95%. Bei noch längeren Zeiträumen nähert sich dieser Anteil nahezu 100%.
Leider ist das den meisten Leuten überhaupt nicht bekannt, denn Banken werben oft mit kurzen Zeiträumen, in denen ihre Fonds überdurchschnittliche Gewinne gemacht haben. Dass ihre Fonds auf Dauer diese Überperformance so gut wie nie beibehalten können – gerade unter Berücksichtigung der Kosten – kommt in der Beratung aus unserer Sicht häufig, sagen wir mal, zu kurz.
Also dreister geht es ja kaum. Da bekommt der Begriff Mogelpackung eine ganz neue Bedeutung… Aber was, wenn ich direkt nach einem ETF-Sparplan frage – das geht doch auch bei der Hausbank?
Ja, auch bei den „normalen“ Banken hast Du mittlerweile die Möglichkeit, in globale ETFs zu investieren bzw. Dir einen Sparplan aufzusetzen.
Nichtsdestotrotz sind hier die Gebühren im Vergleich zu Neo-Brokern deutlich höher. Und zwar so viel höher, dass es sich lohnt, mal genauer hinzuschauen.
Die Konditionen variieren je nach Region, aber als Beispiel haben wir uns mal zufällig das Preis-Leistungsverzeichnis der Volksbank Mittelhessen eG rausgefischt. Das war ziemlich weit oben bei den Google-Ergebnissen.
Die Ausführungsgebühr für den Sparplan beträgt 1,95 Euro pro Ausführung. Außerdem gibt es Depotgebühren von 0,05% vom Kurswert pro Quartal, mindestens aber 4,95 Euro pro Quartal. Das klingt jetzt erstmal nach nicht viel, aber warte mal ab; ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das durchgerechnet habe.
Ja genau, das klingt ja wirklich erstmal nicht nach viel. Was macht das auf lange Sicht wenn Du sagst, das summiert sich?
Also, die Depotgebühr bei der Beispiel-Volksbank ist ja nicht fix, sondern sie wächst mit Deinem Vermögen, das hatten wir ja gerade. Es sind 0,05% vom Kurswert pro Quartal. Je mehr Geld in Deinem Depot liegt, desto mehr kassiert die Bank.
Rechnen wir das mal durch bei 300 Euro Sparrate pro Monat und 8% Rendite, also dem langfristigen historischen Durchschnitt.
Nach 10 Jahren und 36.000 Euro Einzahlungen liegt die Depotgebühr bei ungefähr 9 Euro pro Monat plus 1,95 Euro Sparplan. Die bisherigen Gebühren gesamt betragen dann 740 Euro.
Nach 20 Jahren und 72.000 Euro Einzahlungen liegt die Depotgebühr bei ungefähr 29 Euro pro Monat plus 1,95 Euro Sparplan. Die bisherigen Gebühren gesamt betragen dann 3.100 Euro.
Nach 30 Jahren und 108.000 Euro Einzahlungen liegt die Depotgebühr bei ungefähr 71 Euro pro Monat plus 1,95 Euro Sparplan. Die bisherigen Gebühren gesamt betragen dann 9.100 Euro.
Aber warte mal ab: Bei fast allen Neo-Brokern entfallen Depotgebühren, und auch die Ausführungsgebühren für die Sparpläne und einzelne Käufe. Dann gehen die 300 Euro komplett in Deinen ETF. JedenMonat. 30 Jahre lang.
Das wiederum bedeutet: Nach 20 Jahren hast Du beim Neo-Broker rund 5.600 Euro mehr im Depot als bei der Volksbank. Nach 30 Jahren sind es sogar über 21.000 Euro – einfach nur wegen der Gebühren. Denn die werden ja nicht nur einfach abgezogen bei der Bank, sondern sie können ja auch nicht für Dich arbeiten.
Und jetzt stell Dir vor, Du sparst 500 oder sogar 1.000 Euro im Monat – dann wird der Unterschied nochmal viel viel größer.
Übrigens, unsere Empfehlungen für Broker ohne Depotgebühren und Ausführungsgebühren findest Du hier.
Und was ist mit dem S-Broker? Der wird ja oft als günstigere Alternative angepriesen.
Das stimmt, vielen Sparkassen-Kunden wird der hauseigene S-Broker als Lösung präsentiert.
Und ja, der S-Broker ist günstiger als die Filiale. Aber im Vergleich zu den Neo-Brokern ist er immer noch teurer.
Sparpläne kosten 1,25% pro Ausführung. Das Depot ist zwar kostenlos, wenn man einen aktiven Sparplan hat – aber wehe, man pausiert mal ein Quartal: Dann werden knapp 4 Euro im Monat fällig.
Rechnen wir das auch mal kurz durch, mit der gleichen Annahme wie eben, also 300 Euro Sparrate pro Monat.
Beim S-Broker: Es fallen 0 Euro Depotgebühr an, wegen des aktiven Sparplans, aber 3,75 Euro Ausführungsgebühr, also 1,25% von 300 Euro. Das sind 3,75 Euro pro Monat, die nicht für Dich arbeiten.
Über 20 Jahre wären aus diesen 3,75 Euro pro Monat – hätte man sie mitinvestiert bei ca. 8% Rendite – fast 2.200 Euro geworden. Über 30 Jahre sogar über 5.500 Euro.
Besser als die Filialbank, klar. Aber warum überhaupt Gebühren zahlen, wenn es genauso gut ohne geht?
Ok, und wenn ich mir dann beim Neobroker selber ETFs aussuche – bin ich dann safe?
Ganz wichtig: nein, nicht automatisch. Denn ganz unabhängig davon ist noch eine andere Sache total wichtig zu verstehen.
Es gibt rund 3.000 ETFs, die in Deutschland handelbar sind. Aber die allerwenigsten eignen sich für einen seriösen, fundierten Vermögensaufbau.
Wenn es um Deine Geldanlage geht, willst Du mit Deinen ETFs die gesamte Weltwirtschaft abbilden. Denn wenn Du global und branchenweit in Tausende Aktien gleichzeitig investierst, spekulierst Du nicht auf die Entwicklung von einzelnen Firmen oder Branchen.
Aber der weitaus größte Teil an ETFs bildet gar nicht die globale Wirtschaft ab, sondern einzelne Regionen, Branchen, Trends usw.
Aber ob jetzt erneuerbare Energien, Pharma oder KI – hiermit schließen wir immer eine Wette darauf ab, dass in den nächsten Jahrzehnten genau dieser Bereich weiter abgeht. Und damit werden wir mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit falsch liegen.
Die Gefahr ist somit viel zu groß, dass Du Dir ETFs aussuchst, die mit viel zu hohen Risiken einhergehen, weil sie auf einzelne Nischen spekulieren.
Übrigens, falls Du wissen willst, wie Du Schritt für Schritt globale ETFs aussuchst und Dir eine solide Altersvorsorge aufbaust, schau Dir hier unser kostenloses Webinar an. Darin erklären wir Dir alles Wichtige, was Du wissen musst, bevor Du in ETFs investierst.
Aber nochmal zum Neo-Broker, wo ich eigentlich drauf hinauswollte: Sind die denn genau so sicher wie die Sparkassen und Co.?
Ach so. Ja, das ist eine total verständliche Frage – und die hören wir echt oft. Die kurze Antwort ist: Ja. Alle Broker – egal, ob jung oder alt – unterliegen den gleichen gesetzlichen Vorschriften und werden von der BaFin beaufsichtigt.
Und jetzt kommt der Punkt, den viele nicht wissen: Deine ETFs selbst liegen beim Zentralverwahrer und nicht bei der Bank. ETFs sind sogenanntes Sondervermögen. Das bedeutet, es ist egal, ob die Bank oder auch die Fondsgesellschaft pleite gehen, denn das Vermögen ist geschützt und außerhalb der Insolvenzmasse.
Und Geld, das auf dem Verrechnungskonto liegt – also nicht investiert ist – ist durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro geschützt. Auch das ist bei Neo-Brokern genauso wie bei jeder anderen Bank.
Und jetzt wird es sogar ein bisschen ironisch: Ausgerechnet bei Volksbanken und Sparkassen musste die BaFin in den letzten Jahren mehrfach eingreifen.
Bei den Volksbanken musste der Stützungsfonds mit 1,2 Milliarden Euro einspringen – doppelt so viel wie erwartet. Bei einer Volksbank hat die BaFin sogar dafür gesorgt, dass Vorstand und Aufsichtsrat gehen mussten.
Auch bei den Sparkassen hat die Aufsicht genau hingeschaut: BaFin und EZB haben das Sicherungssystem geprüft und auf Verbesserungsbedarf hingewiesen. Zusätzlich wurden bei einzelnen Häusern wiederholt Defizite im Risikomanagement festgestellt – mit aufsichtsrechtlichen Konsequenzen für die Geschäftsleitung. Zwei Sparkassen-Geschäftsleiter wurden 2025 offiziell verwarnt.
Und BaFin-Chef Mark Branson hat ganz klar gesagt: Genossenschaftliche Strukturen schützen nicht vor Misswirtschaft.
Also: Wer denkt, die Sparkasse oder Volksbank sei automatisch sicherer als ein Neo-Broker – das stimmt so einfach nicht. Und Deine ETFs als Sondervermögen sind sowieso bei jedem Broker gleich geschützt.
Was kann ich denn machen, wenn ich schon ein Depot bei der Sparkasse oder so habe?
Prüf erstmal die Kosten, und google dafür mal nach „Preis-Leistungsverzeichnis“ + Brokername der Bank. Darin werden alle aufgelistet.
Wenn Dir das zu teuer ist, kannst Du ganz einfach ein Konto bei einem Neobroker aufmachen und dort einen Depotumzug beauftragen. Das sind ein paar Klicks, und den Rest erledigt dann der neue Broker für Dich.
Ok, worauf sollten wir jetzt insgesamt achten?
Erstens: Lass Dir bei Deiner Hausbank nichts andrehen, was „ETF-irgendwas“ heißt, aber eigentlich eine Versicherung oder ein Mischprodukt mit aktiven Fonds ist. Schau genau hin, was drin ist.
Zweitens: Selbst wenn es echte ETFs sind – die Gebühren bei Filialbanken sind im Vergleich zu Neo-Brokern oft deutlich höher. Über 20 oder 30 Jahre kostet Dich das Tausende Euro. Nutze also lieber einen Neo-Broker. So machen wir das auch. Bei den gängigen Anbietern fallen keine Depot- und Sparplangebühren an.
Drittens: Nicht jeder ETF eignet sich für den Vermögensaufbau. Finger weg von Branchen- und Themen-ETFs. Setze auf breite, globale ETFs, die die gesamte Weltwirtschaft abbilden.
Wenn Du jetzt wissen willst, welche weiteren ETF-Irrtümer Dich richtig teuer zu stehen kommen können – und wie Du sie vermeidest – dann hör Dir unsere Folge Die 3 größten ETF-Irrtümer, die für Dich teuer werden an.
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Preis-Leistungsverzeichnisse für die Rechenbeispiele: https://atruvia.scene7.com/is/content/atruvia/volksbank-mittelhessen-preisverzeichnis-134200pdf https://www.sbroker.de/sites/default/files/2025-10/Preismodell.pdf
Quellen zu den genannten BaFin-Maßnahmen bei Sparkassen und Volksbanken: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Massnahmen/60b_KWG_84_WpIG_und_57_GwG_anonym/neu/meldung_2025_11_24_geldbusse_sparkasse.html https://www.finanzwende.de/themen/banken-und-schattenbanken/volksbanken-back-to-bodenstaendigkeit https://de.linkedin.com/pulse/frontalangriff-auf-die-sparkassen-bafin-und-ezb-fordern-kr%C3%B6ner
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Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt für Dich verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
