Sparsam leben oder mehr verdienen – Was ist besser?

Lesezeit: ca. minuten

mehr-geld-verdienen-oder-sparen

Was ist der größere Hebel, um finanziell frei zu werden – mehr zu sparen oder mehr zu verdienen?

Keine Lust zu lesen? Schau Dir unser Video zum Thema an:

Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Einige behaupten vehement, dass man sich auf das “Mehr Verdienen” konzentrieren muss, weil das Einkommen ja unbegrenzt ist. Genügsamkeit bringt uns hingegen finanziell nur bedingt weiter.

Andere argumentieren, dass mehr Geld zu sparen der Schlüssel ist, weil viele Gutverdiener immer noch von einer Gehaltsabrechnung bis zur nächsten leben. Wohlhabend ist aber die Person, die ihr Geld behält, nicht die, die es wieder ausgibt.

Beide Seiten haben definitiv valide Punkte. Deshalb schauen wir uns das jetzt mal genauer an.

Mehr verdienen?

Beginnen wir mit dem Erhöhen unseres Einkommens: Wenn wir uns ausschließlich darauf konzentrieren, mehr Geld zu verdienen, kann das wenig hilfreich sein. Denn nur, weil wir mehr verdienen, hat sich dadurch unser Umgang mit Geld nicht automatisch verändert.

Wir alle kennen die Leute, die der Lifestyle-Inflation erlegen sind. Also, sobald sie eine Gehaltserhöhung bekommen, verspüren sie den Drang, sich zu belohnen und einfach mehr auszugeben.

Klar, sie haben ja auch hart für die Gehaltserhöhung gearbeitet und wollen natürlich die Früchte ernten. Sonst hätten sie sich ja nicht so anstrengen müssen.

Aber wenn wir einfach nur das zusätzliche Geld wieder ausgeben, kommen wir der finanziellen Freiheit nicht näher.

Und dieses Phänomen macht auch nicht vor den absoluten Spitzenverdienern halt. Der amerikanische Basketball-Star Shaquille O’Neal hat seine erste Million innerhalb von einer Stunde wieder rausgehauen. Wahnsinn, oder?!

Also, wenn wir keinen Plan haben, wie wir mit unserem Geld richtig umgehen, laufen wir Gefahr, einfach nur alles auf den Kopf zu hauen. Das Leben wird dadurch aber nicht unbedingt besser.

Hedonistische Adaption

Denn einer der miesesten psychologischen Effekte, der uns dabei regelmäßig die Tour versaut, ist die hedonistische Adaptation.

Dieser Effekt bezieht sich auf die Art und Weise, wie wir Menschen auf Veränderungen in unserem Leben reagieren. Unabhängig davon, ob es sich um eine gute oder eine schlechte Veränderung handelt, kehren wir sehr schnell zu dem gleichen Glücksniveau zurück, das wir vor der Veränderung hatten.

Das merken wir zum Beispiel, wenn wir uns ein neues Möbelstück oder irgendeine technische Spielerei kaufen. Im ersten Moment freuen wir uns total darüber, aber nach ein paar Monaten haben wir uns daran gewöhnt und sind in der Regel wieder genauso zufrieden wie vorher.

Kann jeder mehr verdienen?

Mehr Verdienen ist außerdem oft einfacher gesagt als getan. Nicht jeder kann von heute auf morgen sein Arbeitspensum erhöhen. Vielleicht gibt es in der eigenen Branche auch keine Aufstiegsmöglichkeiten.

In manchen Bereichen ist es auch schlichtweg schwer bis unmöglich, viel Geld zu verdienen. Wir hatten hier auf unserem Kanal schon mal das Beispiel von Musikern, wo das Durchschnittseinkommen einfach sehr gering ist.

Um dann mehr zu verdienen, müssen Leute in so einer Situation viel weiter aus ihrer Komfortzone herausgehen. Also durch einen Jobwechsel, eine Umschulung oder sich aus dem Angestellten Dasein lösen, um sich selbständig zu machen und so weiter.

Das heißt jetzt nicht, dass das nicht für jeden mit der richtigen Einstellung möglich wäre. Aber je nachdem, in welcher Situation wir uns befinden, ist es eben einfacher oder schwerer, mehr Geld zu verdienen.

Dennoch: Was das „Mehr Verdienen“ dem „Mehr Sparen“ definitiv voraus hat, ist die optimistische Sicht. Mehr zu verdienen geht mit Fülle und Wachstum einher, während Sparen natürlich nach Einschränkungen klingt.

Lieber mehr sparen?

Im Vergleich zum „Mehr Verdienen“ gibt es hier auch ganz klar eine Grenze. Wir können kein Geld sparen, das wir nicht haben.

Und das ist genau der Punkt, wo der Fokus auf das Sparen nach hinten losgehen kann: Wenn wir kaum genug Geld verdienen, um all unseren monatlichen Verpflichtungen nachzukommen, ist mehr Sparen vielleicht unmöglich.

Klar, wir werden hier und da noch ein paar Euros rausquetschen können, aber irgendwann ist einfach Schluss. Dann helfen auch die besten Spartipps nicht mehr.

Was wir bei LazyInvestors oft sehen, ist aber leider, dass genau die Leute, die wenig Geld verdienen und auch schon ordentlich an der Spar-Schraube gedreht haben, sich weiterhin auf das Sparen fokussieren.

Da auf dieser Seite aber nicht mehr viel rauszuholen ist, ist das natürlich massiv anstrengend und frustrierend.

So optimieren einige im Klein-Klein und werden immer vorsichtiger mit ihrem Geld. Dabei sollten Menschen in dieser Situation unbedingt ihren Fokus aufs “Mehr Verdienen” setzen.

Die Gefahr bei beidem

Also, beide Methoden – “Mehr Verdienen” und “Mehr Sparen” – haben eins gemeinsam: Die Gefahr der Übertreibung.

Denn niemand wechselt die Seiten von heute auf morgen. Und so kann es sein, dass wir in eine Abhängigkeit geraten.

Nach dem Motto „Nur noch ein Jahr sparen, dann höre ich auf, dann habe ich genug.“ Oder „Nur noch eine weitere Million verdienen, dann habe ich für immer ausgesorgt.“ Und wir wissen alle, dass dieser Satz im kommenden Jahr wieder erneut als Argument genutzt wird, um weiter zu machen.

Nach jahrzehntelangem „Sparen, Sparen, Sparen“ können wir nicht einfach den Schalter umlegen und anfangen, Geld auszugeben.

Ausgeben fühlt sich dann falsch an. Es weckt Schuldgefühle und außerdem wissen wir vielleicht nicht einmal, wofür wir unser Geld überhaupt ausgeben wollen.

Oder wenn wir jahrelang den maximalen Fokus aufs Geld verdienen gelegt und eine 80-Stunden-Woche nach der anderen durchgezogen haben, fangen wir nicht von heute auf morgen an, es ruhiger angehen zu lassen.

Wir müssen also eine gute Balance finden. Denn wie wir sehen, sind beide Fähigkeiten wichtig. Besitzen wir nur eine, geht die Rechnung nicht wirklich auf.

So machen wirs

Eddy und ich haben uns damals, als wir beide unseren ersten Job hatten, relativ schnell aufs Sparen fokussiert. Wir waren sehr angetan von der Philosophie der Frugalisten-Szene.

Warum wir uns übrigens heute nicht mehr als Frugalisten bezeichnen würden, erfährst Du in unserem bisher beliebtesten Post hier.

Durch den Frugalismus wissen wir mittlerweile aber sehr genau, welche Ausgaben uns glücklich machen, wo wir gerne viel Geld ausgeben und wo wir Geld einsparen ohne Ende, weil es uns einfach egal ist.

Parallel haben wir uns – inspiriert durch das Buch Die 4-Stunden-Woche* von Tim Ferriss – damit beschäftigt, weitere Einkommensströme aufzubauen.

Wir haben also beides – das Sparen und das „Mehr verdienen“ – gleichermaßen verfolgt.

Ja, wir glauben einfach, dass die Frage nach “Mehr Verdienen” oder “Mehr Sparen” die falsche ist.

In der Psychologie spricht man hier von einem “falschen Dilemma“. Also der irrtümlichen Annahme, dass man sich für eine Option entscheiden muss, obwohl man mehrere wählen kann.

Darauf kommt es an

Einkommen und Sparen für sich genommen bedeuten, wie wir gesehen haben, nicht wirklich viel. Worauf es ankommt, um unsere finanzielle Situation zu verbessern, ist die Vergrößerung der Differenz zwischen dem, was wir verdienen, und dem, was wir ausgeben.

Die beiden Werkzeuge helfen uns schlichtweg dabei, die Differenz zu vergrößern.

Welches Werkzeug gerade den größeren Nutzen stiftet, kann leider jeder nur für sich entscheiden, da hier die Ausgangssituation, Lebensziele und persönliche Präferenzen super wichtig sind.

Aber beide Werkzeuge sind für einen optimalen finanziellen Erfolg entscheidend:

Mehr Geld zu verdienen bedeutet, dass wir mehr Geld zum Sparen und zum sinnvollen Ausgeben zur Verfügung haben.

Und wenn wir sparen, sind wir weniger anfällig für die Lifestyle-Inflation, leben bewusster und sind besser für Notfälle gerüstet.

Glücklicherweise hat auch unser Basketball-Star vom Anfang seine Lektion gelernt. Er hat heute ein Vermögen von über 400 Millionen Dollar. Dieses Vermögen hat er übrigens nicht nur durch seine Karriere als Sportler aufgebaut, sondern weil er währenddessen angefangen hat, sein Einkommen zu investieren und viel weniger für Autos und Co. auf den Kopf zu hauen.

Übrigens, warum Du nicht unbedingt die Millionen erwirtschaften musst, sondern bereits 50.000 Euro an Ersparnissen ausreichen können, damit es Dir für immer gut geht, das erfährst Du in diesem Beitrag hier.

Verfasst von Dr. Anna Terschüren
Veröffentlichung: 21. Juli, 2023
LETZTE AKTUALISIERUNG: 21. Juli, 2023
Diese Artikel könnten Dir auch gefallen
{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Schließ Dich über 15.000 neugierigen Menschen an

Erhalte wöchentlich unsere neuesten Momentaufnahmen – mit spannenden Punkten zu ausgewählten Themen, über die wir in den letzten Tagen gestolpert sind bzw. die uns bewegt haben – normalerweise über Geld, Produktivität, Psychologie und was auch immer sonst unser Interesse geweckt hat. Trag Dich jetzt ein und sei dabei.

>