Die Zinsen waren lange im Sinkflug, aktuell stagnieren sie. Sind Geldmarkt-ETFs jetzt besser als Tagesgeld? Sie versprechen höhere Zinsen bei gleichzeitiger Sicherheit. Aber stimmt das wirklich oder gibt es einen versteckten Haken? Das schauen wir uns heute genauer an.
Was ist ein Geldmarkt-ETF?
Ein Geldmarkt-ETF ist ein Fonds, der Geld in sehr kurzfristige Anlagen wie Tages- oder Monatsgeld der Banken oder Staatsanleihen mit sehr kurzer Laufzeit investiert. Er folgt damit quasi direkt den aktuellen Zentralbankzinsen und ist genauso von sinkenden Zinsen betroffen wie Tagesgeld.
Bieten Geldmarkt-ETFs mehr Rendite als Tagesgeld?
Das kommt drauf an. Laut Gerd Kommer haben Geldmarkt-ETFs bislang rund 0,3 bis 1,2 Prozentpunkte mehr Rendite pro Jahr gebracht. Eine Ausnahme bilden Anleger, die ständig die Bank wegen Neukundenangeboten wechseln. Dann ist die Rendite in etwa gleich. Geldmarkt-ETFs reagieren direkt auf Zinsveränderungen, während Tagesgeld gerade bei Bestandskunden oft hinterherhinkt.
Alternativen zum Tagesgeld-Hopping für bessere Zinsen
Wer nicht ständig neue Konten eröffnen möchte, kann auch Raisin* nutzen (ehemals WeltSparen). Dort lässt sich mit einem einzigen Konto aus dem Angebot hunderter Banken wählen und jederzeit zum besten Zins wechseln. Alternativ nimmt man einen Geldmarkt-ETF, der automatisch den aktuellen Kurzfristzins mitnimmt.
Allerdings ist zu beachten: In einer Niedrigzinsphase kann ein Geldmarkt-ETF aufgrund der Kosten (die zwar gering sind, aber dennoch anfallen) auch leicht negativ rentieren. Das kann beim Tagesgeld nicht passieren.
Wie sicher sind Geldmarkt-ETFs im Vergleich zum Bankkonto?
Die Annahme, dass ein Bankkonto sicherer sei, ist eine typisch deutsche und leider falsche Einschätzung.
Bei Bankkonten gilt die Einlagensicherung für bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank. Falls die Bank pleite geht, springt der Staat ein. Darüber hinaus wird es kompliziert. Viele sagen, sie verteilen ihr Geld einfach auf mehrere Bankkonten. Rein rechtlich gilt in Deutschland aktuell: Die gesetzliche Einlagensicherung schützt bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank. Wer bei mehreren verschiedenen Banken Konten hat, kann seine Einlagen theoretisch jeweils bis zu dieser Grenze absichern.
Es gibt jedoch kritische Stimmen, die sich weniger auf die formale Gesetzeslage beziehen als auf mögliche Schwächen in einer systemischen Krise. Die Sorge ist, dass es letztlich eine politische Frage wäre, ob und wie die versprochenen Sicherungen über 100.000 Euro pro Person greifen. Wie belastbar die Garantie in einer echten Ausnahmesituation wäre, lässt sich im Voraus nicht sicher beurteilen. Deshalb ist bei größeren Beträgen Vorsicht geboten.
Bei Geldmarkt-ETFs sieht es anders aus: ETFs sind sogenanntes Sondervermögen, was einen ganz anderen Schutzmechanismus darstellt und damit komplett vor Bankeninsolvenzen sicher ist. Die Bank ist nur der Verwalter; die ETFs liegen nicht in der Insolvenzmasse der Bank, sondern bei einer gesonderten Verwahrstelle. Man kann sich das wie einen Tresor vorstellen.
Allerdings kann der Wert schwanken. Abgesichert ist nie die Wertentwicklung, sondern das Eigentum, also die Anteile selbst.
Im Klartext bedeutet das: Für sehr große Cash-Beträge ist ein Geldmarkt-ETF oft die sauberere Lösung, als das Geld über viele Banken zu verteilen. Außerdem bleibt er handelbar, ohne Laufzeitbindung wie beim Festgeld.
Warum nicht einfach Festgeld statt Geldmarkt-ETF?
Festgeld kann durchaus eine Option sein und bringt manchmal etwas mehr, je nach Zinsumfeld. Allerdings ist es starr: Vor Ende der Laufzeit kommt man in der Regel nicht an das Geld heran oder nur mit Strafzahlungen.
Eignet sich ein Geldmarkt-ETF als risikoarmer Portfoliobaustein?
Zunächst eine wichtige Klarstellung: Geld, das als Notgroschen geparkt wird, sollte auf keinen Fall in Geldmarkt-ETFs stecken. Daran muss jederzeit herankommen sein. Das bleibt auf dem Tagesgeldkonto, denn es kann etwas dauern, bis das Geld aus Verkäufen von Geldmarkt-ETFs auf dem Konto landet.
Geldmarkt-ETFs werden über einen Broker gekauft und landen im Depot, genauso wie normale Aktien-ETFs. Man kann sie also nicht einfach bei einer normalen Bank kaufen, sondern braucht ein Depot. Wer wissen möchte, welches Depot am besten passt, findet Informationen auf unserer Empfehlungsseite.
Abgesehen vom Notgroschen kann ein risikoarmer Baustein im Portfolio nötig sein, entweder für einen ruhigeren Schlaf bei Börsenschwankungen in der Ansparphase oder weil die Rente näherkommt. Dann sollte das Geld nicht ausschließlich in Aktien-ETFs stecken, gerade am Anfang der Rente.
Um das klarzustellen: Historisch waren globale Aktien-ETFs nach 15 Jahren immer im Plus, selbst im absoluten Worst Case. Trotzdem ist es keine gute Idee, mit 100 Prozent Aktien in Rente zu gehen.
Das Problem ist dabei nicht die langfristige Rendite, sondern die Reihenfolge der Renditen, wenn Geld entnommen wird. Wenn zu Beginn der Entnahmephase schlechte Börsenjahre kommen und nur Aktien-ETFs im Depot liegen, müssen verhältnismäßig viele Anteile verkauft werden. Diese fehlen dann später, selbst wenn sich der Markt erholt. Dieses Renditereihenfolgenrisiko kann dazu führen, dass das Depot zu früh aufgebraucht wird, selbst bei einer eigentlich guten Durchschnittsrendite. Risikoarme Bausteine können in einer schlechten Börsenphase verkauft werden, bringen aber eben auch kaum Rendite. So ist das mit sicheren Anlagen nun mal.
Ein Beispiel für ein Renteneintrittsportfolio: Zwei Jahre Rentenlücke werden in Tagesgeld gehalten. Bei Beträgen über 100.000 Euro bietet sich ein Geldmarkt-ETF an, oder wenn etwas gegen Raisin* spricht. Der Kern, also der restliche risikoarme Teil, sollte aus einem kurzlaufenden Euro-Staatsanleihen-ETF mit sehr hoher Bonität und einer Laufzeit von ein bis drei Jahren bestehen. Der Grund: Anleihen mit ein bis drei Jahren Laufzeit zahlen meist etwas mehr Zins als reine Geldmarkt-ETFs. Noch wichtiger ist jedoch die Diversifikation, denn man investiert direkt in diverse Staatsanleihen verschiedener Euro-Länder.
In welchen Situationen sind Geldmarkt-ETFs besonders sinnvoll?
Es gibt noch andere Situationen, in denen Geldmarkt-ETFs sinnvoll sind: Wenn mehr als 100.000 Euro kurzfristig geparkt werden sollen. Zum Beispiel ein Zufluss durch Erbe oder Immobilienverkauf, der für einige Monate geparkt werden soll, bevor final investiert oder eine Immobilie gekauft wird. Oder wenn schlicht keine Lust auf Raisin* besteht. Wichtig bleibt: Der Notgroschen gehört immer auf ein Tagesgeldkonto!
Fazit: Sind Geldmarkt-ETFs empfehlenswert?
Geldmarkt-ETFs sind kein Muss, aber sehr sinnvoll, wenn größere, kurzfristige Beträge geparkt werden sollen oder kein Konten-Hopping gewünscht ist (beziehungsweise Raisin* nicht infrage kommt). Für den tragenden Sicherheitsbaustein bleiben kurzlaufende Staatsanleihen-ETFs die erste Wahl. Und der Notgroschen bleibt auf dem Tagesgeldkonto.
Wer wissen möchte, wie man in jedem Alter richtig investiert, sowohl in Aktien-ETFs als auch in risikoarme Bausteine, und was es bei der ETF-Auswahl zu beachten gibt, sollte sich unser kostenloses Webinar zum Thema anschauen.
Dieser Artikel basiert auf einer Folge unseres Podcasts. Da wir den gesprochenen Inhalt verschriftlicht haben, kann es an manchen Stellen etwas umgangssprachlicher zugehen als in einem klassischen Blogartikel.
